Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 17 (24.4.1891)
- Date
- 1891-04-24
- Page
- Seite 314 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 314 Hesterreichlfche Wochenschrift Nr. 17 die Zügel der Regierung nicht mehr so fest halten kann wie früher, plötzlich begonnen, die in der Provinz Herat angesiedelten Juden aus ihren Wohnplätzen zu vertreiben, indem sie dieselben fälschlich beschuldigen, daß sie mit Rußland in Verbindung stehen und das Vaterland an das Moskowiterreich verkaufen wollen. Die so plötzlich mit ihren Familien in's Elend getriebenen Juden sind nun gezwungen, die russische Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen, welche ihnen auch gewährt wird. Außerdem halten die Afghanen auch am Amu-Darja scharfe Wacht, damit aus Bokhara und Russisch-Turkestau, wo die Juden nicht auf Rosen gebettet sind, keiner derselben diesen Fluß überschreite, um so in Afghanistan Zuflucht zu suchen. Leider steht zu befürchten, daß diese Judenverfolgung, wenn ihr nicht bald Einhalt geboten wird, auch nach Persien hinübergreifen und auch auf unsere dortigen Glaubensbrüder Jammer und Elend häufen werde. Erfreulicherweise verdammen, wie man dem „Israelit" berichtet, nicht nur die mohamedanischen, sondern auch die indisch-heidnischen Blätter diese Judenverfolgung auf's schärfste. So schreibt z. B. der indische „Ranzat": „Schon seit nahezu dreitausend Jahren leben Hudi (Juden) unter den Hindu-Völkern und stets erfreuten sie sich daselbst der vollsten Ruhe. Dieselben sind ihrer Friedfertigkeit und großen Wohlthätigkeit wegen bekannt und stören überhaupt kein Volk in der Verehrung seiner Götter. Und dieselbe Duldung, die wir in Hindu für unseren Cultus und unsere Heiligthümer fordern, die gewährten wir auch stets den Hudi." Vermischtes. Wie». Die Feier des 70. Geburtstages des Herrn Predigers Dr. Adolf Jellinek wird Samstag am 27. Juni stattfinden. Wie», 21. April. (Kaiserlicher Rath Armino Cohn gestorben.) Heute Früh starb hier im hohen Alter von 80 Jahren der angesehene Kaufmann Armino Cohn, bis vor anderthalb Jahren Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Die Familie stammt aus Italien und befaßte sich hauptsächlich mit dem Seidenhandel. Armino Cohn hatte zahlreiche Ehrenstellen inne. Er war Director der Oesterreichisch-ungarischen Bank, Censor der Sparcasse und Se. Majestät anerkante die Verdienste des Verblichenen, indem er ihm den Titel eines kaiserlichen Rathes verlieh. Der Wohlthätigkeitssinn Armino Cohns war in Wien allbekannt, und wo es galt, ein gutes Werk zu schaffen, war Herr Cohn einer der eifrigsten Förderer. Der Heimgegangene, der sich um die Cultusgemeinde viele Verdienste erworben, galt als ein vielseitig gebildeter Mann, der auch stets ein lebhaftes Interesse für literarische Bewegungen hatte. Wir werden seine Verdienste in einem Artikel würdigen. Wie». (Oesterreichis ch-israe litische Union.) Einladung zu der am Samstag, den 25. April 1891, 7 Uhr Abends im Großen Saale der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer I. Wippliugerstraße 34 (Börsegebäude) stattffndenden Generalversammlung der „Oesterreichisch-israelitischen Union". Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Cassabericht. 4 Neuwahl des Vorstandes. Wie«. (Auszeichnung.) Dem bekannten Tapezierer undDecorateur Sigmund Jaray, I. Bezirk, Bräunerstraße Nr. 1, wurde der Titel eines k. und k. Hoftapezierers verliehen. Wre«. Herr Karl Uhrmacher hat sich mit Fräulein Sophie Schor, einer Tochter des Herrn Nab'biners Wilhelm Schor, verlobt. I«»gV»nzta«. Soeben ist im Verlage des Verfassers Dr. M. G r ü n w a l d, Rabbiner in Jungbunzlau, die interessante Schrift: „Ueber das Verhältniß der Kirchenväter zur talmudisch - midraschischen Literatur, insbesondere zur Hagada" erschienen. Diese Arbeit ist dem Andenken seiner in der Blüthe ihres Lebens ihm plötzlich entrissenen edlen Gattin Dorothea, Tochter des berühmten Oberrabbiners Josef Weiße in Wagneustadtl, gewidmet. Htmütz. (Der Antisemiten-Häuptling von Mährisch Neustadt.) Der gewaltige Anti-Corruptiouist und Führer der Neustädter Antisemiten, Kaufmann Alois Ferbus, der im März des Vorjahres wegen Wuchers mit einem Monate strengen Arrestes bestraft wurde, stand fünf Monate später abermals vor dem hiesigen Kreisgerichte unter der Anklage des Verbrechens des Betruges, begangen durch Ablegung eines falschen E< des und wurde hier zum schweren Kerker in der Dauer von zwei Monaten verurtheilt Seine gegen dieses Urtheil überreichte Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom obersten Gerichtshöfe verworfen; dagegen erhöhte das Oberlandesgericht über Berufung der hiesigen Staatsanwaltschaft die Strafe auf fünf Monate schweren Kerker, verschärft mit einem Fasttage alle 14 Tage. Mähr.-Hstra», 16. April. (Todesfall.) Heute Vormittags erlag der hiesige Industrielle und Realitätenbesitzer Herr I. Kafka einem Schlaganfalle, welcher den in der Vollkraft des Lebens und der Gesundheit stehenden, erst 57 Jahre alten Mann gestern Mittags getroffen hatte. Joachim Kafka war 1834 in Leipnik geboren, kam 1854 in den bescheidensten Verhältnissen nach Mähr.-Ostrau, wo er sich durch unermüdliche Arbeit und Geschick ein ansehnliches Vermögen erwarb, welches er durch Gründung der bekannten Holzhandlungsfirma „Eisler und Kafka" bedeutendvermehrte. Kafka hatte, seiner früheren bescheidenen Verhältnisse eingedenk, für alle Bedürftigen, ohne Unterschied der Confeffion, stets eine offene Hand und ein warmes Herz. Zahlreiche Stiftungen zu wohlthätigen Zwecken, die er bei verschiedenen Familien- und patriotischen Festen errichtete, werden seinem Namen eine dauernde Anerkennung sichern. Insbesondere verliert die hiesige Landes-Oberrealschule und deren Unterstützungsverein, zu deren Milgründern er gehörte, einen edlen und stets opferwilligen Wohlthäter. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens war der Verstorbene in hervorragendster Weise thätig. Der Gemeindevertretung gehörte Kafka über 20 Jahre an und war als Obmann der Finanzsection eine besonders geschätzte Arbeitskraft. Im Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde war er seit der Gründung thätig und förderte alle Einrichtungen derselben mit bedeutenden persönlichen Spenden. Als Vertreter des hiesigen Handelsstandes in der Olmützer Handels- und Gewerbekammer, sowie als Director des Creditvereines der hiesigen Genossenschaft hat er auch diesen Körperschaften durch seine bedeutenden Sachkenntnisse und praktischen Erfahrungen wesentliche Dienste geleistet. Die Stadt verliert in ihm einen ihrer besten Bürger, um welchen die ganze Bevölkerung beider Confeffionen und Nationalitäten aufrichtig trauert. Auch in allen Nachbarstädten Mährens und Schlesiens, woselbst der Verblichene zahlreiche Freunde zählte, wird sein Hinscheiden lebhafte Theilnahme erweckt haben. Witdapefl, 10. April. Herr Rechtsanwalt Em. Steiner ist zum Stadtrichter in Lipto-Szent- Miklos gewählt worden. Lemöerg. Der Verein „Jad Charuzim" versendet seinen Jahresbericht zu der 49. ordentlichen Generalversammlung. Der Verein hat im abgelaufenen Jahre 26 Sitzungen abgehalten, die Obliegenheiten des Vereines wurden mit größter Pünktlichkeit erfüllt. An Unterstützungen hat der Verein 812 fl., Darlehen an Mitgliedern 622 fl. ausgegeben. Die Monatsbeiträge haben eine Einnahme von 1232 fl. ergeben; Einzelspenden hat der Verein im Betrage von 270 fl. erhalten. Der Verein zählt 335 Mitglieder.