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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-24 · 17 (24.4.1891) · p. Seite 313

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 313 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17 Gesterreichische Wochenschrift Teile 313 Man könnte nun meinen, daß diese Zwecke allein zur Vergrößerung des Stadibudgets als Begründung der Abtretung vollkommen genügen. Der Deputirte Cosadini aber hielt darauf, über den wirklichen Zweck der Cession der Slaatsländereien gar keinen Zweifel obwalten zu lassen und gab darum in öffentlicher Sitzung den Aufschluß: „Die Absicht der Kammer, die jenes Gesetz votirte, war, daß sie durch Cultur (!?) und Civilisation (!?) die Juden vertreib en soll, die sich fortwährend vermehrten." Der Rede Sinn ist bis auf den Kern ein bischen dunkel, er wird aber erhellt, wenn ich bemerke, daß in deni „rumänische Moldau" genannten Landestheil die Obst-, Federvieh- und Grünkramhändler Israeliten sind, weil die Rumänen es nun einmal bequemer, nobler und lobuender sinden, sich mit — nichts zu befassen und sich vom Staat als „actwe" (?) und als pensionirte Beamte ernähren zu lassen, oder neuestens z. B. durch die Sinecure als fictive „Börsenmakler", die clientenloseu Advocaten verliehen wird. Die Cession der Güter bezweckt demnach nichts Geringeres als den Israeliten auch das Stückchen Brot, daß ein Theil derselben vom Kleinhandel mit Obst, Grünzeug und Federvieh zog, vom Munde zu reißeil, wie schon so vieles Alldere. Denn daß städtisch gewordene Bauern des Staates „Cultur" und „Civilisation" schaffen könnten, darum allein weil sie der Stadt Jassy cedirt sind, ist ein blvßer — Gallimathias des cultivirten und civilisirten Deputaten Cosadini, der ihm von der gleichgesinnten Regierungsbank soufflirt wurde. Für uns Israeliten aber ist es sehr trostlos zuzusehen und empfindlich zu spüren, daß was immer im Staate Rumänien von Regierungsseite gemacht wird, eine antisemitische Spitze hat, das heißt auf die Israeliten abzielt. Ich lege Betonung darauf, daß die Verfolgung von den Regier ungsorganen ausgeht, weil — und darin unterscheidet sich unser „Judenfrage" von derjenigen gebildeter Länder — das rumänische Volk durchaus nicht antisemitisch ist. Ten besten Beweis dafür haben wir darin, daß mit dem Abtreten der unseligen, prononcirt antisemitischen Regierung des Ivan Bratianu. 1888, auch die antisemitischen als Deputirte und Senatoren „gewählten", d. h. ernannten Regierungsbajazzos von Gewerbe bei den darauf erfolgten unbeeinflußten Wahlen nicht mehr auf ihre Sitze zurückkehrten. Neuestens machte einer derselben, der berüchtigte, durch Unterschlagungen bei den von ihm gegründeten hochtönigen „Arbeiter" - Genossenschaften reich gewordene Antisemit Butculescu den Versuch, im großen und am meisten bevölkerten Bu care st zu candidiren und da erhielt er denn auch v2 Stimmen von — 3553! Freilich ist dies und daß Bratianu nicht mehr der Allgewaltige ist, für uns uoch keine Tröstung; denn wie Figura im Eingang zeigt, setzen die „versöhnlichen" und „toleranten" Regierungen nach ihm sein System gegen uns fort, nur nicht so ganz brutal und offen. Und darin werden sie durch Aufstachelungen und giftige Aeußerungen jetzt privater Kläffer unterstützt und ermuntert, die den unbedeutendsten Vorfall zur Veranlassung nehmen, um uns eine hochaufgebauschte Schlechtigkeit und namentlich Mangel an Patriotismus für das — Stiefvaterland anzuhängen. So berichtete die „Vointza Tzere'i1 in Turnu Severin von einem Ball, der zu Gunsten des rumänischen Schulvereines für die in den Ländern des alten D acien wohnenden Rumänen stattgefunden und bemerkt dabei, daß auf demselben „die Fremden von Nationalität und Religion „vollständig" (?) fehlten." Gleich darauf nennt sie die Fremden „von Religion" Fischer, Spiegel und Hauser, die da waren. Das Fehlen war also nicht „vollständig" und mehr „Fremde", die in dem kleinen Nest einen kostenreichen — darauf allein, aufs Geldgeben, ist es abgesehen — Ball besuchen können, wird es wohl gar nicht geben. Die „V. Tz.“ schließt aber trotzdem: „Die Fremden verstehen es, das Land auf allen Wegen zu melken, aber sie beweisen niemals, daß sie zum Lande halten, welches ihnen bis zum Exceß (!) gastfreundlich (?) ist." Natürlich muß dies vergolten werden vom Lande, und wenn nicht gerade ein neues exclusivistif ches Gesetz daraus folgen soll, so ist die falsche Denunciation mindestens ein Wink an die localen Polizeicommifsüre, den verleumdeten, „das Land melkenden Fremden" im Wege einer fictiven Contravention soviel an „Strafe" abzunehmen, wie viel sie zum Besuch des Balles hätten ausgeben müssen. In dieser Weise arbeiten sich unsere Verfolger gegenseitig in die Hände. So oder so: der „Jude" ist doch zum Verbrennen da! 0. Bombay. Die zweite diesjährige Preisverlheilung an die Schüler des E. D. S a s s o o n'schen Wohlthätigkeitsinstituts fand am Sonntag den 7. März (Sabbath Wajakhel) in Braganza Hall, Bycallo, dem Landsitze des Gründers der Schule statt. Herr Edward S a s s o o n, ^ohn des Sir Albert S a s s o o n, welcher sich zur Zeit mit seiner Gemahlin auf einer Tour in Indien befand, führte den Vorsitz. Unter den Anwesenden befanden sich auch dessen Mutter Lady S a s s o o n, Herr und Madame S a s s o o n und eine große Anzahl Herren und Damen aus der jüdischen Gemeinde. Herr E. Meyers, Ehrensecretür, erstattete Bericht über das abgelausene Schuljahr. Auf den Ursprung der Schule zurückkommend, führt der Bericht an. „Auf Beispiele von Freigebigkeit stößt man in allen Theilen der Welt; es gereicht aber diesem Lande zum besonderen Ruhme, unter dessen philanthropischen Bürgern der berühmten Familie S a s s o o n zu begegnen und besonders auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung können die Annalen dieses Landes nicht umhin, dem ehrenwerthen Andenken des verstorbenen Herrn E. D. S a s s o o n, dessen Namen mit der Synagoge und Schule so eng verknüpft ist, den Tribut der Anerkennung zu zollen. Die von ihm gegründete Schule wurde am 8. November 1885 eröffnet und wird seitdem von seinem würdigen Sohne und Nachfolger, Herrn Jacob S a s s o o n, welcher die Förderung der wohlthätigen Absichten dem Testamente des Gründers entsprechend, fest im Auge behält, mit besonderem Interesse beaufsichtigt." Nachdem hierauf Madame Edward S a s s o o n die Preise vertheilt hatte, hielt der Vorsitzende eine Ansprache, welche sich über die vorzüglichen Leistungen der Schule verbreitete, in welcher er u. a. sagte: „Welch' schöner» Beweis von dem Segen und der heilbringenden Wirksamkeit dieses Ceutralinstituts können wir haben, als das geistvolle, muntere, hoffnungsstrahleude Aussehen dieser Knaben und Mädchen, die mit ihrem durch den Sporn der unerläßlichen Nothwendigkeit gebildeten und geschürften Verstände, mit Eifer und Liebe jede Gelegenheit ergreifen, ihr Wissen zu mehren, ihre Bildung zu fördern, um sich selbst eine gesicherte Lebensstellung zu schaffen und ihre Eltern in deren Alter unterstützen zu können; während diese Kinder vielleicht im andern Falle in Folge unzureichender Mittel und durch den Drang der Verhältnisse der Aufficht der Eltern entzogen sich auf den Straßen herumgetrieben hätten, dem moralischen und geistigen Ruin preisgegeben, zum Nachtheil ihrer selbst, zur drückenden Last für ihre Verwandten und zur verheerenden Pest für die menschliche Gesellschaft." Hierauf sprachen noch die Herren R. H. S. Jsaacs und Meyers, welche in geistreicher Weise auf die Personalunion zwischen den Rothschilds des Orients und des Occidents anspielten. (Die Gemahlin des Edward A. Sassovn ist bekanntlich eine Tochter des Baron Gustave de Rothschild in Paris.) Nach diesen Vorgängen erfreuten die Kinder der Anstalt ihren hohen Besuch noch durch vortrefflich ausgeführte deklamatorische und Gesangvortrüge. „Israel. Wochenschrift." tzalcutla, 14. März. Wie indische Blätter melden, haben die Afghanen, deren Emir Abdurrahman Khan schon seit Wochen auf dem Krankenbette dahinsiechl und der daher

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