Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-24 · 17 (24.4.1891) · p. Seite 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 312 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020865--00332-3024315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 312 Hesterreichifche Wochenschrift Rr. 17 letzteren ein Redner in warmen Worten an. Wir freuen uns dieses Erfolges; er zeigt, wie zeitgemäß und nothwendig die Gründung eines Vereines war, der es sich zum Ziele setzte, den antisemitischen Verhetzungen planmäßig entgegenzutreten. Maris. Wie vorauszusehen war. ist nunmehr M. I. H. Dreyfus, Grand-Rabbin von Belgien, zum Grand- Rabbin von Paris ernannt worden. Nachdem das Oovsistoirc von Paris in seinem Ternoverschlag den Grand-Rabbin Dreyfus primo loco genannt hatte und auch die Delegirten diesem Vorschläge vergangenen Dienstag zugestimmt hatten, so unterlag es mit Rücksicht auf die bisherige Uebung. den primo loco Borgeschlagenen zu ernennen, von vornherein keinem Zweifel, daß das Oonsistoirc centrale denselben ernennen würde, was denn auch bereits Donnerstag geschah. Dieser Beschluß des Oonsiswire wurde sofort dem Minister für Justiz und Cultus bekannt gegeben, welcher mit Genehmigung des Präsidenten der Republik die officielle Ernennung vollziehen wird. Die Installation des neuen Grand- Rabbin wird im Laufe des nächsten Monats stattfinden. M. Jacques Dreyfuß, welcher 46 Jahre alt ist, ist in Elsaß geboren, wo sein Vater, ein Mann von 80 Jahren, die Functionen eines Rabbiners von Zabern versieht. Das erste Rabbinat, welches M. Dreyfuß jun. versah, war jenes von Luneville; von dort kam derselbe nach Sedan, wo eben damals eine neue Gemeinde creirt wurde. Im Jahre 1880 wurde er zum Grand-Rabbin von Belgien gewähtt, welche Stelle derselbe annahm und seither versah, ohne übrigens auf seine Rechte als französischer Staatsbürger zu verzichten. Während seines mehr als zehnjährigen Wirkens in Brüssel erlangte derselbe sehr bedeutende Popularität und wurde sein Wirken auch seitens des Königs von Belgien durck» die Verleihung des Leopoldordens gewürdigt. Der künftige Grand-Rabbin von Paris zeichnet sich durch ein seltenes oratorisches Talent aus, was auch bei der Wahl desselben ausschlaggebend war. London. Rev. Henry Berkowitz I. P-, eine unter den englischen Juden der Jetztzeit ganz einzige Erscheinung, wurde Mittwoch den 8. April zur Ruhe bestattet. Der wohlbekannte „Schulmeister von Gravesend" war ein in mancher Hinsicht merkwürdiger Mensch. In Polen geboren, kam er vor etwa 25 Jahren nach England. Durch seinen unbeugsamen Willen, durch Energie und Talente wußte er sich langsam die allgemeine Achtung und Liebe seiner Nachbarn in Gravesend in io hohem Maße zu erwerben, daß er im Jahre 1887 einstimmig zum Bürgermeister der Stadt gewählt wurde. Dieser Fall steht in England vielleicht vereinzelt da. Seinen sterblichen Ueberresten wurde ein Begräbniß auf öffentliche Kosten veranstaltet. Unter den Theilnehmern an demselben befanden sich außer den zahlreichen Würdenträgern aus Stadt und Umgebung hauptsächlich katholische und protestantische Geistliche, und der Leichenwagen war von einem militärischen Ehrenconduct umgeben; Mr. Berkowitz erreichte Ehren und Würden, wie sie Gravesend zu vergeben hatte, nicht durch die Aufopferung seiner jüdischen Ueberzeugungen, im Gegentheil, er wurde um so mehr geachtet, je unerschütterlicher er an dem Glauben seiner Väter festhielt. Die ersten Persönlichkeiten in Gravesend hatten sich bei öffentlichen Gelegenheiten wiederholt geäußert, daß er, obwohl ein ftommer Jude, durch seine Herzensgüte und Freundlichkeit gegen Jedermann das Christenthum unter Christen mehr beförderte als so mancher Christ. Kamburg, 5. April. Die hiesige „Talmud-Thora, Höhere Bürgerschule," erstattet Bericht über das Schuljahr 1800/91. Den Schulnachrichten sendet der verdienstvolle Direktor, Herr Dr Goldschmidt, eine ebenso interessante wie gelehrte Abhandlung über „die deutsche Ballade" voraus. — Die Verwaltung der Schule bildet ein Vorstand von sieben Mitgliedern. An der Anstalt bestehen: 1. eine Lehrerwitwencaffe (Vors. N. Samson), 2. Sternstiftung zur Pensionirung der Lehrer (Bors. H. Nathan), 3. die Heymann Mathias-Stiftung, welche das Schulgeld für bedürftige Kinder bezahlt (Präses M. Fränkel), 4. der Bekleidungsverein (Präses D. Rüben) 5. die Elias Lehmann-Stiftung zur Beförderung des Handwerks (Präses M. Heilbut) und mehrere Prämienstiftungen. Dem Lehrplan entnehmen wir, daß dem hebräischen Unterricht gewidmet waren: in der Vorschule: Classe 1 und 11 je 12 Stunden, Classe 111 7 Stnden; in der Hauptschule Classe 1 8, Classe 11 12, Classe 111 12, Classe IV 10, Classe V 9. Classe VI 12 Stunden; außerdem wurde in Classe IV noch 2, in Classe V 3 Stunden Mischna-Unterricht, in Classe I 4, in Classe II 6, in Classe 111 6. in Classe IV 4 Stunden Talmud-Unterricht erlheilt, sicherlich eine bemerkennenswerthe Leistung. An der Anstalt wirkten 19 Lehrer, 10 akademisch und 9 seminaristisch gebildete. Die Schülerzahl betrug am 1. Februar 1891 in der Hauptschule 305, in der Vorschule 223, insgesammt also 528. Bei der am 10. März d. I. von dem Cmnmissär der Oberschul-Behörde abgehaltenen mündlichen Prüfung erhielten sämmtliche 10 Primaner das Reifezeugniß. Den Beschluß des in mannigfacher Hinsicht hochinteressanten Berichts bilden „Mittheilungen an die Eltern." Aasty. Der Verein der israelitischen Jugend zur Gründung von Schulen in Jassy versendet nachstehenden Bericht: „Mit gegenwärtigem Ausweis beehrt sich die Administration der Knabenschule „Junimea" den Mitgliedern des Vereines, den Schulfreunden, sowie dem löblichen Comite der Anglo-Jewish Association in London über die Verwendung der im Schuljahre 1890 bis 1891 eingelaufenen Beträge zur Erhaltung der Schule behufs Einsicht vorzulegen. — Bezüglich der Leitung ihres Institutes auf dem Gebiete des Unterrichtes gereicht der Verwaltung zur größten Beftiedigung, miltheilen zu können, daß die Prüfung im vergangenen Schuljahre die schönsten Resultate gezeigt haben, indem sowohl der seitens der hiesigen Universität delegirte Examinator, als auch die eingeladenen Gäste ihre vollkommene Zuftiedenheit über die Ergebnisse des Unterrichtes ausgedrückt haben. Seit ihrem 13jährigen Bestände hat diese Schule segensreich gewirkt. Nicht blos der Unterricht in den programmmäßig vorgeschriebenen Lehrfächern, sowie im hebräischen und deutschen Lehrstoffe, sondern auch in der religiösen und moralischen Erziehung .hat dieselbe Erhebliches geleistet. Zöglinge derselben find bereits zu braven Männern herangewachsen, denen die erworbenen Kenntnisse und Sittlichkeit in ihrem Fortkommen die ersprießlichsten Dienste geleistet haben. Diese erfteulichen Umstände sind es. welche unfern Eifer für de Erhaltung dieses segensreichen Institutes trotz der beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten, mit denen wir fortwährend kämpfen, nicht haben erkalten lassen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß einerseits die nunmehrigen Mitglieder des Vereines „Junimea" uns ihre Beiträge auch fernerhin nicht vorenthalten werden und daß anderseits sich auch noch viele Cultur- und Schulfteunde anschließen werden, um dieses schöne Werk zu fördern. Jassy, 31. December 1890. Comitemitglieder: Dr. C. Lippe, Jaques Daniel, Max Wassermann, S. Straßberg, Paul Jacobowitz, Leo Popper' Drenc. Bukarest, 10. April. Welche wichtige Angelegenheiten das ganze Sinnen und Denken unserer Regierungsmänner Tag und Nacht beschäftigt, ersieht man in einem Bericht aus der rumänischen Deputirtenkammer. Die Regierung hat vor Kurzem der Stadt Jassy eine Anzahl Staatsgüter cedirt, zum Zweck der Anlegung von Baumschulen, Obstgärten, Getreidekulturen und Federviehzüchtereien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.