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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-24 · 17 (24.4.1891) · p. Seite 311

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 311 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17. Gesterreichische Wochenschrift €>eite 311. seitens des Tempelchors bestieg Herr Prediger Dr. Gelbhaus die Kanzel, um in schwungvollen und beredten Worten das ersprießliche Wirken des Vereines und die segensreiche Thätigkeit desselben zu feiern. Redner hob insbesondere hervor, daß in Zeiten allgemeiner Noth, der Ueberschwemmungen z. B. der Verein stets seine Hilfe allen Hilfsbedürftigen ohne Rücksicht auf die Confession angedeihen ließ. In tiefempfundener Weise gedachte er der Heimgegangenen Mitglieder des Vereines, insbesondere Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand, der Kaiseckn M a r i a A n n a, der Erzbischöfe Freiherrn von S ch r e n k, Cardinals Fürsten Schwarzenberg, des Gubernialpräsiienten Robert Allgrafen von Salm-Reifferscheid, des Protectors des Vereines M. I. Landau und der beiden um denselben so hochverdienten ersten Directoren Med. Dr. Adolf K e r p a l und Med. Dr. Emanuel Pribram. Nachdem Redner deren Andenken gesegnet, verrichtete er für alle verstorbenen Wohlthäter und Mitglieder des Vereines ein Gebet. Die treffliche Rede machte auf alle Theilnehmer der Feier einen tiefen Eindruck. Während der Verrichtung des Gebets für die Dahingeschiedenen wurde ein wirkungsvoller Chor mit Solo, componirt von Dr. Rubin, vorgetragen. Weiter gelangten ivährend der Feier eine Arie von Cherubini, eine Arie und Recitativ von Ferdinand Hilter, eine Arie von Mendelssohn und „Die Ehre Gdttes" von Beethoven zum Bortrage. Mächtig wirkte der Klang der Fanfaren und prächtig kamen die Soli, welche Frl. Rubin und die Mitglieder des Deutschen Landestheaters, die Herren Perluß und Sieglitz sangen, zur Geltung. Mit einem Gebet für das Allerhöchste Kaiserhaus und der Absingung der Bolkshymne schloß im Tempel die Feier. — Um 4 Uhr Nachmittags fand im großen Sitzungssaale des Altstädter Rathhauses die Generalversammlung des Vereines statt, zu welcher sich sehr zahlreiche Gäste, darunter sehr viele Damen, eingefnnden haben. Die Festrede hielt der gegenwärtige Director des Vereines Herr Dr. Ben dien er, welcher seit dem Jahre 1871, also seit zwanzig Jahren an dessen Spitze steht. Derselbe entwarf in großen Zügen ein übersichtliches Bild von der bisherigen Thätigkeit des Vereines, gedachte des ersprießlichenWirkens der gründendenMitglieder, insbesondere der Herren Ignaz Schütz und Ignaz G e r st l, feierte das einzige noch lebende gründende Mitglied Herr Med Dr. Jacob Schütz, welcher der Versammlung beiwohnte und bei Nennung dessen Namens die Anwesenden in lebhaften Beifall ausbrachen. Weiter erwähnte er besonders ehrend die beiden ersten Directoren des Vereines Herren Med. Dr Adolf Kerpal und Med. Dr. Emanuel Pribram. Herr Dr. Kerp al sei ein trefflicher Freund und Berather des Vereins gewesen, welchem er als Director und vorzüglicher Arzt durch volle zwanzig Jahre seine hingebungs- und aufopferungsvolle Kraft gewidmet habe. Herrn Dr. Pribram sei es leider nur durch zehn Jahre vergönnt gewesen, für den Verein erfolgreich zu wirken. Redner schildert sodann die Art und Weise, wie seitens des Vereines den verschämten Armen Hilfe gebracht wird, führt aus der Reihe seiner Gönner und Wohlthäter die hervorragendsten, unter diesen das Ehepaar Philipp und Rosalia R e a ch, David Z a p p e r t, Franciska Meier, Dr. Segen u. A. an und streift schließlich die Tendenzen des Antisemitismus, welche in dem wohlthätigen und gemeinnützigen Wirken des Vereins die beste Widerlegung finden. Die Ausführungen tes Redners wurden zum Schluffe mit stürmischem, nicht endenwollendem Beifall ausgenommen. — Hierauf sprachen, wiederpolt von Zustimmungskundgebungen nnterbrochen, die Heren Siegmund M au th n er, Dr. Jacob Schütz, M. Schück und Rabbiner Dr. Tauber dem gegenwärtigen Vorstande, insbesondere Herrn Dr. Bendiener, dessen Wirken sie in längeren Reden feierten, den Dank aus. — Der Geschäftsbericht, welcher in der „Bohemia" bereits veröffentlicht wurde, ebenso wie der Cassebericht wurden genehmigt. Bei der Ergänzungswahl in den Ausschuß wurden gewählt auf drei Jahre die Herren : Simon D e v i d e l s, Leopold Kühe. Sigmund P l o h n, Gottfried Schmelk.es und Eduard Schreier, auf zwei Jahre die Herren Philipp Lichtenst a d t und M.-Dr. Karl Saar, Primararzt des israelitischen allgemeinen Krankenhauses, und zu Revisoren die Herren kaiserlicher Rath Josef P u n z e l Adolf Hahn und S. K o h n. Iaökunka«, 5. April. (Hoher Besuch.) Gestern Sonntag den 5. d. M, Nachmittags, traf hier ganz unverhofft auf einem Distanzritt Herr Erzherzog Eugen, von Teschen über Weichsel kommend, ein. Sofort, nachdem dessen Ankunft bekannt geworden war — derselbe ist nämlich von den vvt jährigen Bränden her noch allen unseren Bürgern in dankbarer Erinnerung und wurde daher sofort erkannt — begab sich der Bürgermeister Herr Josef Kuchejda mit den Gemeinderäthen in das Gasthaus des Herrn M. Frankel, woselbst Se. kaiserl. und königl. Hoheit behufs Einnahme eines Imbisses abgestiegen war, um den Herrn Erzherzog zu begrüßen. Derselbe empfing die Deputation in leutseligster Weise, erkundigte sich eingehend über die Verhältnisse unserer Abbrändler und über den Erfolg der eingeleiteten Hilfsaction und entließ, nachdem er den diesfalls über die Arbeiten des Hilsscomites erstatteten Bericht zur genehmigenden Kenntniß genommen hatte, die Deputation in huldvollster Weise. Se. kaiserl. Hoheit verweilte mehr als eine Stunde im Hause des Herrn M. Fränkel, erkundigte sich huldvollst über seine Familie, den Gang des Geschäftes, über die Verhältnisse des Städtchens nach der Brandkatastrophe, über die schönsten Ausflüge im Waldgebiete und verließ reitend das Haus, um mit dem nächsten Zuge nach Teschen zu fahren. Stuttgart. Für die am 13. April stattgehabte Antisemitenversammlung waren infolge der Anwesenheit ihres Hauptführers Dr. Böcke l-Marburg allenthalben Excesse befürchtet worden, da die Socialdemokraten bei solchen Anlässen ein starkes Contingent zu stellen pflegen. Die Versammlung, in welche auch die Polizei ein ziemlich starkes Aufgebot geschickt hatte, nahm aber einen ruhigen Verlauf. Dr. Böckel hielt einen 1? .ständigen Bortrag, in welchem er einleitend bemerkte, daß die antisemitische Partei keine Judenhetze (sie!) bezwecke. Bei der Entwicklung des Parteiprogramms eiferte Herr Böckel hauptsächlich gegen die Abzahlungsgeschäfte, das Ausverkaufsunwesen und den Börsenschwindel. Besonderen Tadel verdiene die deutsche Concursordnung. Herr Böckel erlaubte sich u. a. die Uebertreibung, daß ihm Fälle bekannt seien, daß jüdische Bankerotteure nach siebenmaligem Concurs immer wohlhabender geworden seien. Selbstverständlich gab es auch großen Spectakel, als er erklärte, daß sich statt Gefängnißstrafe eine Deportation der verbrecherischen Bankerotteure nach Kamerun empfehlen würde. Iarmkadt. Am vergangenen Mittwoch hat der Schriftführer des Vereinsz ur Abwehrdes Antisemitismus, Pastor, emerirter Lic. Gräbner in Darm stad t, einen öffentlichen Vortrag über den Antisemitismus gehalten, der, wie uns von dort geschrieben wird, eineu wahrhaft glänzenden Erfolg hatte. Die Antisemiten bildeten ein volles Drittel der etwa 700 bi§ 800 Personen zählenden Versammlung, zu der die Socialdemokraten ein weiteres Drittel gestellt hatten. Die Antisemiten waren in der ausgesprochenen Absichtgekommen, die Versammlung zu stören. Namentlich im Beginn des Vortrags unterbrachen sie den Redner mehrfach durch wilden Lärm. Herr Gräbner ließ sich aber dadurch nicht beirren und wußte durch seine ruhigen, streng sachlich gehaltenen Ausführungen einen immer lebhafteren Beifallssturm zu entfesseln, dem gegenüber der antisemitische Widerspruch allmälig vollständig verstummte. Für den Eindruck der Gräbner'schen Rede ist cs bezeichnend, daß die Antisemiten, obwohl sie dazu ausdrücklich aufgefordert wurden, und obwohl sie sich den Mitgliedern des Vereins gegenüber in entschiedener Ueberzahl befanden, es nicht wagten, das Wort zu ergreifen und Herrn Gräbner entgegenzutreten. Es erregte großes Gelächter, als die Herren dieser Aufforderung gegenüber in kleinlautem Schweigen verharrten. In der Discussion nahm nur ein Socialdemokrat das Wort, der die üblichen agitatorischen Redensarten vorbrachte, ohne auf die Ausführungen des Vortragenden näher einzugehen. Dem I Danke, den der Vorsitzende Herrn Gräbner im Namen , der Versammlung aussprach, schloß sich aus der Mitte der

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