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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-24 · 17 (24.4.1891) · p. Seite 308

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 308 (sequence 10)
Language
German
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<5 «re 308 jHßcnetQilQe Mscherrschrtfr Nr. 17. selben lasterschrist allen Menschen zu verkauffen, dadurch mir eere mit ganzer Unwahrheit abgeschnitten und genommen würdt — so bitt ich underteniglich und mit flyß ernstlich Ir mine Herren woellen durch das Edel ampt üwer oberkait schmachbuchlen alle zu üwern haenden nehmen und darmit tun und handeln nach Jnhallt der Rechte wie sich gebürt uff das ich nit in üwer löblichen stadt miner eeren also öffentlich beroupt werde." Unterschrieben ist der Brief „Johannes Reuchlin Weltlicher Rechte Doctor." * * * In einem Aufsatz über Ludwig W i n d t h o r st erzählt ein Mitglied der „Frankfurter Zeitung" die folgende interessante Episode aus dem Leben des verstorbenen Centrumführers: „Dieser große Vorkämpfer der katholischen Kirche war wirklich ein toleranter Mann, jedenfalls weit mehr, als viele seiner Anhänger. Die harte Schule des Culturkampfes hatte sein Verständniß für die religiösen Gefühle Anderer geschärft, und von antisemitischen Anwandlungen sind Wenige im Centrum so fni geblleben wie er. Vor einigen Jahren beschäftigten den Reichstag Petitionen gegen das „Schächten"; sie gingen vom Thierschutzverein aus, es war unausbleiblich, daß in ihre Berathung der Antisemitismus hineinspielte. W i n d t h o r st suchte mich vor der Sitzung auf, er wollte gegen diese Petition sprechen und wünschte, daß er dabei in der Presse unterstützt werde, „Die Presse muß mir helfen; denn ich werde stark angegriffen werden von Leuten, die es sonst nicht thun." Er mochte aus meiner Antwort entnehmen, daß ich mich für schachtende Mitbürger nicht sonderlich interesfire. Da wurde der alte Herr lebhaft: „Auf das, was wir Beide über die jüdischen Speisegetze denken, kommt es nicht an. Ich habe heute eine Deputation von Rabbinen empfangen und sie einfach gefragt, ob wirklich ein namhafter Theil der Juden in ihren religiösen Gefühlen verletzt und einem Gewissenszwange unterworfen würde, wenn man das Schächten verbietet. Das haben sie bejaht, und das gibt den Ausschlag. Einen objektiven Maßstab für die Empfindungen Andersgläubiger gibt es nicht, das haben die Gegner der Katholiken auch im Culturkampf mißachtet." Dabei blieb er und hat danach gehandelt: die Petitionen wurden abgelehnt." * Hi * Jean Pauls intimster Freund war bekanntlich der jüdische Kaufmann Emanuel Osmund in Bayreuth, der später der Schwiegervater des seligen Rabbiners Dr. Aub wurde. Die Freundschaft übertrug sich sogar auch auf die Kinder, und die Tochter Jean Pauls, Emma Förster, deren Briefe kürzlich erschienen sind, schreibt aus München am 20. April 1810 an den alten Freund ihres Vaters, wie folgt: „Mein geliebter, großer Emanuel! Wie ich hier lebe, weiß du durch Andere längst, recht froh und sehnend. Ich vermisse einen Vater und Emanuel, Menschen, denen über der Religion, der Natur und der Kunst noch ein Gott steht, der sie, wie die Ewigkeitsschlange, Alle umschließt. Wie das Leben und ihre Moral doch die Meisten so befriedigt! Jeder sammelt von der Sonne Strahlen in sein Prisma mkd leuchtet sich damit, hat einen Hausgott oder -Götter, und keinen Unsichtbareu! Ich bin ein rechter Narr und recht verwöhnt durch den Vater und dich." In demselben humanen Sinn schreibt Emma Förster noch zwanzig Jahre später an ihre Mutter: „Du glaubst gar nicht, wie schön es ist, diesen Kämpfen zuzusehen und von den Bewegungen der Zeit sich mitgehoben zu fühlen; man weiß nun doch, daß man ein Recht an sie hat. Alle confessionellen und Standesunterschiede find aufgehoben, und nur die Wahrheit und die Lüge stehen gegeneinander." Während eines Besuches in Berlin verkehrt die Tochter Jean Pauls mit Vorliebe in den geistreichen jüdischen Cirkeln der Residenz, und sie versäumt es auch nicht, der Mutter folgendes Berliner Scherzwort nach Bayreuth zu melden: „Weißt du, daß Varn- Hagen noch zwei Bände seiner Rahel herausgibt, und daß er wieder heiratet. Auf ihren Grabstein setzte sein feuriger Schmerz: „Hier liegt mein Weib, mein Alles." Die Berliner machen jetzt daraus: „Hier liegt mein Weib, mein altes!" * * * Der stolze Graf S i e b e n t h a l machte im Jahre 1785 eine Reise nach Hamburg. Er war mit einer Empfehlung an eine sehr liebenswürdige, dort lebende adelige Familie versehen. Als er seinen ersten Besuch bei derselben abstattete, fand er eine sehr freundliche Aufnahme; es war gerade eine ausgewählte Gesellschaft beim Frühstück versammelt, in deren Mitte jedoch, wie der Graf zu feinem Mißbehagen bemerkte, sich auch der jüdische Bankier Herz befand. Die Frau vom Hause bat die ganze Gesellschaft zum Diner und wies dem Bankier, einem durchaus gebildeten und sehr angenehmen Gesellschafter, seinen Platz neben dem Fremden an. Das beleidigte Graf Siebenthal sehr und er wandte sich in der Unterhaltung immer an seinen andern Nachbar, der adeliger Abkunft war, keine Gelegenheit vorüberlassend, den Bankier zu kränken. Dieser blieb ganz gelassen, erwartete aber eine Gelegenheit, den groben Nachbar mit gleicher Münze zu bezahlen, wenn dieser seine Ausfälle auf ihn fortsetzen würde Diese zeigte sich bald. Man sprach von der Türkei. „Ich habe viel über dies Land gelesen," nahm der Graf das Wort, „und ich sympathisire sehr mit den Türken. Besonders sind ihnen zweierlei Geschöpfe verhaßt, für welche ich ebenfalls die Neigung der Katze zur Maus empfinde, mit der Ausnahme, daß ich sie nicht essen mag." „Was sind denn das für Geschöpfe, Herr Graf?" fragte der ebenbürtige Nebenmann. „Das sind die Esel und die Juden," sagte Graf Siebenthal mit einem höhnischen Seitenblicke. „Beide sind in der Türkei gleich verachtet, und man schlägt sie todt, wo man sie findet." Der Graf schwieg triumphirend, die übrige Gesellschaft war höchst verlegen. Da erhob sich Bankier Herz ein wenig von seinem Platze, klopfte dem gräflichen Nachbar auf die Schulter und sagte gemüthlich lächelnd: „Ja, mein Bester, dann ist's gut, daß wir Beide nicht in der Türkei sind." Korrespondenzen. Wim. Die Jury für Zuerkenuung der Staatsmedaillen bei der Jahresausstellung im Künstlerhause hat unter anderen auch dem akademischen Maler Isidor Kaufmann in Wien für dessen Bild „Der Zweifler" (Katalog Nr. 90) die silberne Staatsmedaille zuerkannt. Isidor Kaufmann gehört mit Karl Z e w y (welcher gleichfalls Jude ist) zu der Gruppe junger Wiener Mattr, welche unter dem Collectivnamen „Schwarzkünstler" bekannt ist und welche seit Jahren die Kleinmalerei und besonders das Wiener Genre mit Erfolg pflegen. Das prämiirte Bild erregt auch gegenständlich unser Interesse, da dasselbe einen Talmudjünger darstellt, welcher aus mehreren vor ihm aufgeschlagenen Folianten Aufklärung über ihm aufgetauchte Zweifel sucht. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir auf das gleichfalls „Der Zweifler" betitelte Bild unseres Glaubensgenossen Simon Buchbinder in München (Katalog Nr. 109) aufmerksam machen, welches sich durch feine, echt künstlerische Ausführung auszeichnet. Buchbinder, ein gebürtiger Galizier, hat durch die minutiöse Art der Ausführung seiner kaum handgroßen Bilder sich den Namen eines „deutschen Meissonier" erworben und erfreut sich in der Künstlerwelt eines sehr

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