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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-24 · 17 (24.4.1891) · p. Seite 307

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 307 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Gesterreichische Wochenschrift Seite 307 kam demselben auf das Freundlichste entgegen, um ihm das peinliche Geständniß zu erleichtern. Als er hörte, daß Seelen sechstausend Thaler gebrauchte, schrack er ein wenig zusammen. Aber er gewährte die Bitte, an der die Zukunft einer Familie hing. Und keine Bürgschaft, kein Faustpfand, nur den üblichen Schuldschein verlangte der großmüthige Helfer für seine Opferwilligkeit. Unter tausend Daukesworten verließ Oberst von Seelen seinen Retter und flog heimwärts, von Frau und Tochter mit seliger Freude empfangen. So kam der Tag, an dem die Lärmtrommel zum Ausmarsch rief. Nach einem thränenreichen Abschied zog Seelen mit seinen rothen Husaren aus den Thoren Berlins einer ruhmvollen Zukunft entgegen. Wohl mußte er Weib und Kind einem ungewissen Schicksal überlassen, dennoch war ihm froh um's Herz, weil kein Fluch auf seinem Namen ruhte. Dieses Bewußtsein erfüllte ihn mit flammender Begeisterung, und bald war sein Name! unter den Tapfersten genannt, die das Ehrenkleid des großen Königs trugen. Zwei Jahre lang kämpfte der Held in zahlreichen Schlachten mit größter Auszeichnung. Da nahte die Unglücksnacht des October 1758, in der das preußische Lager bei Hochkirch überfallen und gesprengt ward. Auch Oberst von Seelen erlitt den Heldentod für König und Vaterland. Die Trauerkunde flog nach Berlin und versetzte des Gefallenen Weib und Kind in namenlose Verzweiflung, Denn mit dem Schmerze pochte auch zugleich die Noth an ihre Thüre. Des Ernährers beraubt und gänzlich mittellos, sahen sie einer Zeit entgegen, die so düster war wie ihr schwarzes Gewand. Klagend um den geliebten Todten verbrachten Mutter und Tochter kummervolle Stunden. Eines Tages klopfte es leise an ihre Thüre, Jakob Moses trat herein, von den Frauen mit sichtbarer Angst empfangen, weil sie nicht anders glaubten, als daß er nur komme, des Todten Schuld einzufordern. Aber schon die nächste Minute verwandelte ihre Besorgniß in seliges Glück. Sein guter Genius trieb ihn, ein zweites Mal der rettende Engel zu werden. Mit Staunen sahen Mutter und Tochter, daß der hochherzige Mann die Schuldurkunde des Heimgegangenen den Ofenflammen übergab. Sechstausend Thaler gingen vor ihren Augen in Rauch und Asche auf. Dann sprach der Menschenfreund in väterlichem Tone: „Wer für's Vaterland stirbt, hat gerechten Anspruch auf unser Aller Dankbarkeit, und selbst die größte Schuld wird durch seinen Opfertod tausendfach bezahlt. Deshalb erkläre auch ich meine Ansprüche für erloschen!" * * * Eine jüdische Heldin im 7. Jahrhundert. Die „Arch. Jsr." schreiben: In der Zeit, wo so viele antisemitische Pamphlete auch über unser freies und gastfreundliches Paris sich ergießen, ist es tröstlich, einer Schrift zu begegnen, die ohne Lärm und mit der Einfachheit, die historischen Arbeiten ziemt, uns ein neues und glänzendes Zeugniß für den lebhaften, patriotischen Sinn der Juden bietet. Der Tit^l lautet: „Une Jeanne d’Arc africaine“ — „la Kahina“; der Verfasser, ein ehemaliger Ofstcier der französischen Armee, der lange in Algier gedient hat, frischt die Erinnerung an die heroische Gestalt eines jungen Mädchens auf, welches einem von den jüdisch - berberischen Stämmen angehörte, die in dem alten Numidien heimisch waren, und welche mit den Waffen in der Hand ihr Vaterland gegen den Eroberer vertheidigt und mit einer merkwürdigen Unerschrockenheit die Unabhängigkeit ihres Vaterlandes gesichert haben. Man weiß, daß diese jüdischen Stämme in Aftika die kriegerischen Sitten der Bevölkerung, in deren Mitte sie leben, angenommen und daß sie den Einfällen der Muselmannen energischen Widerstaud entgegengesetzt haben. Einer ihrer Fürsten, K o c e i l a, zeichnete sich in diesen Kämpfen besonders aus, und ihm wurde das große Glück zutheil, Kaino war wieder zu gewinnen. Eine Jüdin, D a m i a h b e n T a b e t, „la Kahina" genannt, folgte den glorreichen Spuren K o c e i l a s, errang sein Scepter und wurde zur Königin der Djarona, eines arabischen Stammes, erwählt. Sie war die Seele des Widerstandes gegen die Araber und wußte in ihrem Volke den Patriotismus, der sie selbst beseelte, so zu erwecken, daß dieses den Eroberer zurückzudrängen vermochte. Die Hauptstadt dieses Königreichs war Bagaia. Nachdem es ihr gelungen war, die Hauptfluth der Invasion zurückzudrängen, hat die Kahina ihrem Vaterlande einige Jahre des Friedens und der Sicherheit gegeben. Aber die arabische Invasion verdoppelte immer wieder ihre Kraft, und die neue Deborah, welche die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes zu erhalten wünschte, mußte wieder zu den Waffen greifen. Diesmal wurde sie von ihrem Glücksstern verlassen. Aber sie wollte die Schande, ihr Vaterland vom Feinde erobert zu sehen, nicht erleben, und suchte den Tod in einem furchtbaren Gemetzel. Diese Episode aus den Kriegen der Araber im 7. Jahrhundert wird in der genannten Schrift wieder aufgeftischt, in welcher auch die dramatische Gestalt der Kahina, dieser kühnen jüdischen Heldin, im Vordergrund steht. * * * * Der getaufte Arzt. Franz I. wurde während seiner Gefangenschaft bei K a r l V. krank, und als er seinen Zustand sich verschlimmern sah, verlangte er einen Arzt. Karl V. sandte eiligst zu ihm einen Arzt, der getaufter Jude war; allein der König von Frankreich wies ihn von sich und ließ dem Kaiser sagen: „Wäre der Arzt, den Sie mir schicken, wirklich ein so gelehrter Mann, so würde er nicht nöthig gehabt haben, sich zu bekehren, um seine Carrier e zu machen!" In unseren Zeiten denkt man über die Sache anders. * * * * I m Frankfurter Stadtarchiv hat Professor Ludwig Geiger einen bisher unbekannten Brief Johann Reuchlins aufgefunden, der mehrfach von Interesse ist. Derselbe stammt aus dem Jahre 1514 und ist an den Rath der Stadt Frankfurt gerichtet. R e u ch l i n gibt sich darin als Bittsteller, und zwar sucht er den Schutz des Rathes wegen eines Pamphlets nach, das auf der Ostermesse zu Frankfurt wider ihn ausgeboten werden sollte. Weil Reuchlin dun Pfefferkor n'schen Antrag auf Verbrennung aller rabbinischen Schriften nicht zugestimmt hatte (Pfefferkorn, ein getaufter Jude, richtete dieserhalb gegen Reuchlin eine Streitschrift „Handspiegel", die Reuchlin mit dem „Augenspiegel" beantwortete), war ihm von Jacob von Hoog st raten, dem Oberketzerrichter von Köln, ein Proceß gemacht worden, für den einige als „ketzerisch" angegebene Stellen als Unterlage dienen mußten. Auf Reuchlins Einspruch an den Papst wurde die endgültige Entscheidung dem Bischof von Speier übertragen, der im März 1515 sich zu Reuchlins Gunsten äußerte. Gleichwohl hatte man in Köln, ohne diese im Aufträge des Papstes ergangene Entscheidung abzuwarten, Reuchlins „Augenspiegel" öffentlich verbrannt. Von dieser Verbrennung nun gab Quentel Gratius in einem Büchlein „Praenotamenta“, das bei Quentel in Köln herauskam, öffentliche Kunde. Die Verbreitung dieses Schmähbüchleins auf der großen Frankfurter Messe zu verhindern, darum war es Reuchlin sehr zu thun. Er schrieb in diesem Sinne von Stuttgart unter dem Datum „Donnerstag vor palmarum a. d. 1514 II" Klage führend an den Rath von Frankfurt, trotz des kaiserlichen Pamphletverbotes „nich deßunder hat ein buchführer genannt Quendel inn dise löbliche Stadt Frankfort ain nüwes schmaebüchlin wider mich zu Koeln ußgangen und gedruckt allher gebracht, Inn Übung die-

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