Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 17 (24.4.1891)
- Date
- 1891-04-24
- Page
- Seite 305 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Hesterreichifche ZSochenjlchrtft Seite 305 Wenn auch nur ein einziges Wort Gottes nicht nnerfiillt geblieben sein sollte, was ist aus der göttlichen Verheißung: „Und ich werde ein großes Volk aus dir hervorgehen lassen" geworden? Wo lebten die zahlreichen Nachkommen Moses? Sie konnten in der allgemeinen Katastrophe, von der die jüdische Nation heimgesucht wurde, nicht vernichtet worden sein. Und so entstand die berühmte Legende von den Kindern Mosis, ein Gegenstück zu der von den zehn Stämmen von der der palästinensische Tarqum zum Exodus XXXIV 10 die erste Andeutung, der palästinensische Talmud (Sanhedrin t. 29 c) eine Weiterbildung darstellt, trotzdem hier die Söhne Mosis nicht direct erwähnt werden. Der Vortragende entwickelte schließlich die Legende von den Söhnen Mosis die vollkommen der von den vier Stämmen Dan, Nophtali, Gad und Ascher nachgebildet ist, aber in noch erweiterter Form in der Eldad- oder Elchanansage sich wiederfindet, die bis auf die Einführung eines persönlichen Elementes, eines Augenzeugen für die Wahrheit dieser alten Erzählung — als solcher tritt eben Eldad auf — nichts anderes als eine unwesentliche Modification der uralten Legende ist. Es sind hier abermals die Söhne Mosis und die verschiedenen Stämme, von denen die Erzählung berichtet, und wurde dieser Gegenstand von Dr. Ga st er durch Hervorhebung der wichtigsten Punkte recht anschaulich auseinaudergesetzt. Der Vortragendeschloß mit' den Worten: „Das Vorgeführte genügt für unfern gegenwärtigen Zweck. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Legenden und dem Inhalt des Briefes, der dem Priester Johann beigeschrieben wird, ist augenfällig. Der Urheber des Briefes brauchte nur den König der Daniten in einen christlichen König zu verwandeln und die Hauptstücke für sein phantastisches Schreiben waren gewonnen. Das Land, über welches Johann regiert, stimmt vollkommen überein mit jenem, worin die Söhne Mosis wohnen, es zeigt dieselben ungewöhnlichen Eigenschaften, ist frei von giftigen und wilden Thieren, läßt die erlesensten Früchte gedeihen, birgt eine Fülle von Fischen und Vögeln, bietet Gespinnste von Seidencoconen und ist von einem steinewälzenden Fluß und an dessen jenseitigem Ufer von wilden Völkerschaften mit unaussprechlichen Namen umgeben. Die Heeresordnung ist dieselbe und auch die Grenzen sind die gleichen, reichend von Indien bis Babylon und höher hinauf bis nach Norden. Ist es eigene Erfindung, aus der die jüdische Phantasie geschöpft hat, das Land mit jenen wunderbaren Merkmalen anszustatten oder ist diese Beschreibung in gewissen Punkten anderswoher entlehnt? Diese Frage ist schwer zu beantworten, kann aber anderseits durch die umständlichere Art der Beschreibung in dem Briefe des Priesters Johann, und weil wir dadurch eine andere der jüdischen parallellaufende Legende klarer verfolgen können, zur Lösung gebracht werden. Es ist die Alexanderlegende, hauptsächlich aber die Form, in der die modernen Gelehrten jüdische Einflüsse erkennen, auf die ich angespielt habe. Auch in dieser Veränderung ist noch der Sandfluß und viele andere Einzelheiten aus den Legenden der Söhne Mosis und dem Briefe des Priesters Johann erkennbar, und was das glückliche Land betrifft, das in den apokryphischen Schriften uns begegnet, so weist es wohl auf die alten griechischen Fabeln von dem Lande der Seligen (Makaroi) hin, welches ursprünglich im Westen gesucht wurde, später aber mit den indischen Gymnosophisten und Brachmanen in denselben Vorstellungskreis verschmolzen wurde. Möglich, daß diese Erzählungen hinübergespielt haben, um die Söhne Mosis mit einem wunderbaren Lande zu begaben und in dieser jüdischen Gestalt von einem jüdischen Sammler in die modificirte Alexanderlegende hineingetragen wurden, und daß dann aus der Vereinigung beider Legenden in dem fingirten Briefe des Priesters Johann die Elemente hervorgingen im Herzen Asiens einen sagenhaften christlichen Königsstaat entstehen zu lassen, in dem ähnlich das Reich der zehn Stämme einverleibt war. Insofern war der jüdische Jnstinct, der zu den hebräischen Uebertragungen dieses Brieses veranlaßte, ein sicherer. Der jüdische Leser fühlte, daß hier nur eigene Anschauungen die Form verändert haben, und ich würde es nicht bedauern. Sie diese Umwege geführt zu haben, wenn es mir gelungen wäre, auch Sie zu überzeugen, daß in dem Briefe unsere eigenen Legenden erzählt werden. Ich habe zugleich Ihnen zeigen wollen, wie solche Legenden entstehen und wachsen, mit Elementen aus den verschiedensten Weltrichtungen zu einem Ganzen sich verbinden und in unechten Darstellungen verbreitet doch noch das Wahre in ihnen festhalten und wie eben auch die Eldaderzählung als ein Product solcher pseudoepigraphischen Vereinigungen zu betrachten ist Es wird die Eldadfrage von Neuem wieder aufzunehmen und in jenem Lichte zu betrachten sein, welches ich in diese dunkle, schicksalsvolle Erzählung zu bringen mich bemüht habe. Es ist eine alte Legende daß Adam aus dem Staube erschaffen ward, der von allen Enden der Erde gesammelt worden. So ist auch der Brief des Priesters Johann, die Geschichte Alexanders, Eldads und jeder menschlichen Erdichtung überhaupt gebildet worden aus Theilchen aller Weltenden, die wieder zu entdecken unsere Aufgabe war." Indische Wohlthatigkeit! Der „Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung jüdischer Hausarmer in Prag" begeht in diesem Monat das Jubiläum seines fiinfzigjährigen Bestandes. Der uns vorliegende Jubiläumsbericht gibt in wahrhaft großartiger Weise Zeugniß von dem Wohlthätigkeitssinne der Juden im Allgemeinen und unserer Glaubensgenossen in der böhmischen Landeshauptstadt im Besonderen. Aus kleinen Anfängen, welche noch in die Zeit der Bedrückung und Vergewaltigung der Juden fielen, hat sich der Verein innerhalb eines halben Jahrhunderts lediglich aus eigener Kraft zu einem Humanitären Institute entwickelt, welches wohl seines Gleichen sucht. Wenn die Feinde des Judenthums, die Hetzer und Verleumder unseres Volkes, Einblick gewinnen wollen in jüdisches Wesen, jüdische Sitte und jüdische Humanität, dann mögen sie den Bericht des Prager Nächstenliebe-Vereines lesen. Welche Fülle an Wohlthaten, welch' reicher Segen ist innerhalb der fünfzig Jahre des Bestandes von diesem Vereine verbreitet worden! Und wie sehr wird durch diese Thätigkeit die Behauptung widerlegt, daß das treibende Motiv in allen Handlungen der Juden der crasseste Eigennutz und Geldgeiz ist! Doch wir lassen die Thatsachen und die Ziffern sprechen. Ueber Anregung von vier edelgesinnten Männern trat der Prager Nächstenliebe-Verein im Jahre 1841 in's Leben und schloß sein erstes Jahr mit einer Mitgliederzahl von 368 und einem Vermögens stände von 406 fl. Heute zählt der Verein bei 900 Mitglieder und verfügt über ein Vermögen von 124.921 fl. In dem Zeiträume von 50 Jahren wurden an Unterstützungen verabreicht 311.334 fl. Es muß ausdrücklich hervorgehoben werden, daß das Vermögen des Vereines nicht als Ergebniß von angesammelten Geldern ist, sondern mit dem weitaus größten Theile aus unangreifbaren Widmungen zum Fonds und zu Stiftungen entstanden ist, während die disponiblen Einnahmen stets vertheilt wurden. Solche Widmungen und Stiftungen wurden dem Vereine von einzelnen Personen oft in der munificentesten Weise zugeführt. Wir finden Legate und Spenden im Betrage von 30.000 fl., 24.000 fl., 20.000 fl., 10.000 fl.. 8500 fl., 3000 fl. 2C., um nur die bedeutendsten hervorzuheben. Zu den Förderern und Mitgliedern des Vereines gehörte auch weiland Kaiser Ferdinand I., ferner die verstorbenen Erzbischöfe Freiherr S ch r e n k zu Notzing, und Cardinal Fürst Schwarzenberg. Altgraf Robert Salm-Reifferscheidt rc Der Bericht erwähnt