Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 17 (24.4.1891)
- Date
- 1891-04-24
- Page
- Seite 302 (sequence 4)
- Language
- German
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€*tte 302 Hesterreichifche Wochenschrift rich Franck S öhne (den sogenannten Fr anck- K affe es orten) Stoffe (als animalisches Fett und andere thierische Substanzen), die gegen die rituellen Speisegesetze verstoßen, nicht uachgewieseu werden und daherauch nicht vorhanden sein können". 8) Die übrigen gegen die Firma Heinr. Franck & Söhne vorgebrachten Verdächtigungen und Anwürfe sind ebenfalls in chrer Gänze unwahr. Linz im April 1891. Heinrich Franck Söhne. * * * Nachschrift der Redaction: Gegenüber der vorstehenden Zuschrift der Firma Franck Söhne in Linz erachten wir uns verpflichtet, nnse« sämmttichen Angaben in dem angefochtenen Artikel von Nummer 14 der „Oesterreichischen Wochenschrift" in chrem volle» Umfange auftecht zu hallen. Wenn man von der einzigen Thatsache absieht, daß die genannte Firma von dem Berliner Chemiker Herrn Dr. Bein, welcher in einem Gulach ten erklärt hat, eine chemische Prüfung des Franck-Kaffee habe das Vorhandensein von Bestand th eilen des Schweinefett ergeben, gewußt hat später ein zweites entgegengesetztes Gutachten zu erreichen — eine Thatsache, über welche wir keme Kritik üben wollen, weil wir dieselbe lieber Herrn Dr. Bein selber überlcffsen —ist uns obige „Berichttgung" völlig unverständlich. Wir wissen ganz bestimmt, daß der Herr Rabbiner Halb er st am aus Sineawa in Galizien nach Kaschau gereist war, um die dorttge Fabrik der Firma Franck Söhne zu sehen; wir wissen ferner, daß der genannte ehrwürdige Herr Rabbiner, welcher im Vereine «nt vielen anderen Rabbinern ein religiöses Verbot gegen den Franck-Kaffee erlaffen hat, darüber gerichtlich einvernvmmen worden ist. Das konnte selbstverständlich nicht ohne Zuthun und Veranlassung der Firma geschehen sein. Ueber die durch Vermittlung der Linzer Handelskammer dem Handelsmimster vorgelegte Klage der genannten Firma hat ja die Wiener „Deutsche Zeitung" wörtlich Folgendes berichtete: „Durch Tausende von Exemplaren hebräischer Flugblätter und jüdischer Zeitungen wurde der jüdischen Bevölkerung Galiziens und Ungarns, welche das Großcheil der Consumenten bildet, seit Jahren weisgemacht, daß alle Cichorie aus christlichen Fabriken nicht „koscher" fei, das heißt Stoffe enthalte, wie zum Beispiel Schweinefett, welches die Religion der Juden zu genießen verbietet, und es wurden alle Israeliten bei Gefahr ihres Seelenheils aufgefordert, aus christlichen Fabrik» stammende Waare nicht zu consumireu, sondern ja zu meiden. Wer immer die Verhältnisse in Galizien und Nord-Ungarn kennt, weiß, daß die meist orthodoxe jüdische Bevöllerung durch solche Kniffe leicht in Beunruhigung versetzt werden kann, insbesondere wen» sich noch, wie in diesem Falle fanatische und durch klingende Ueberredung gewonnene Rabbiner finden, welche den Talmud plündern, um der Verdächtigung einen religiösen Untergrund zu geben und die Seelen ihrer Brüder in Israel zu retten! Die Firma FranL Söhne legte der Kammer ein derartiges, von Rabbinen unterfertigtes Flugblatt vor, wo wirklich unter dem DeSmantel der Religiosität durch schamlose Verleumdung der Absatz der hiesiegen Fabrik untergraben wird." Wir unsererseits sind der Meinung, daß, wenn solche hervorragende rabbinische Autoritäten das Fabrikat der Firma Heinrich Franck Sohne für rituell verboten erklären, weil er Substanzen von Schweinefett enthält, so kann die Zusicherung der genannten Firma, daß „diese Fabrikatton streng Nr. 17. nach den Grundsätzen der mosaischen Religion durchgeführt und von einem Rabbiner sorgfälttg überwacht wird", an der Thatsache nichts ändern. Die Art und Weise, wie in dem Kammer-Berichte die rabbinischen Autoritäten verdächtigt werden, ist ein schlechtes Mittel, die jüdischen Consumenten zu locken. Jnsolange die Rabbiner den sogenannten Franck- Kaffee für religiös verboten erklären, kann und darf die Hausftau, welche einen jüdischen Haushalt führt, den anttsemischen Franck-Kaffee nicht gebrauchen. Adelige Spekulanten. Eine gewaltige Bewegung hat in den letzten Tagen den europäischen Getreidemarkt erschüttert. Die Getreidepreise sind den heftigsten Schwankungen ausgesetzt, zahlreiche Insolvenzen bezeichnen die Verwüstung, welche die künstliche Courstreiberei angerichtet hat. Die Ursache dieser Erscheinungen ist die Bildung neuer „Trusts" oder „Ringe" zu dem Zwecke, um den Preis des Getreides im Augenblicke des Bedarfes gewaltsam in die Höhe zu schrauben. So hat sich in Budapest ein „Repsring" und ein „Weizenring" gebildet, und auf der Berliner Getreidebörse ist eine ähnliche Vereinigung geschlossen worden, welche der Berliner Localjargon eine „Schwänze" nennt. Was ist ein solcher „Ring" und welche Personen sind es, die ihn bilden? Im Welthandel kommen immerfort ungeheure Waarenmengen zum Verkauf, welche der Verkäufer noch nicht besitzt, sondern erst später anzuschaffen beabsichtigt. Eine große Dampfmühle z. B. sieht ihren Vortheil darin, eine bebestimmte Menge von Getreide, die sie erst in drei Monaten brauchen wird, schon jetzt auf Grund der gegenwärtigen Preise anzukaufen. Der Verkäufer dagegen hofft, daß er in drei Monaten die übernommene Getreidelieferung zu geringeren Preisen werde erstehen können. Wenn nun eine Anzahl von Großproducenten oder Speculanten in Erfahrung bringt, daß zahlreiche solcher Abschlüsse „auf Zeit" erfolgt sind, so vereinigen sie sich, um den Preis zu steigern und die Zwischenhändler „einzuzwicken". Sie kaufen das sämmtliche verfügbare Getteide auf, bestimmen selbst den Preis und der Zwischenhändler muß, um seiner Verpflichtung zu entsprechen, das Getteide zu einem viel höheren Preise kaufen, als er es verkauft hat. Solche „Ring"bildungen kommen auch auf anderen Handelsgebieten vor und wir wissen von den verheerenden Wirkungen des Kupferringes, des Petroleumringes rc., welche vor einigen Jahren beide Welttheile umspannt hatten. Es ist klar, daß solche verwerfliche, auf die craffeste Ausbeutung berechnete Manöver zunächst im Interesse der Großproducenten liegen. Getreideringe sind ohne die Mitwissenschast und Theilhaberschaft großer Grundbesitzer kaum denkbar. Thatsächlich war denn auch an jenen großen „Weizenring", der sich vor zwei Jahren in Wien bilden wollte, aber ftühzeitig in die Brüche ging, der Chef eines der ersten Adelsgeschlechter der Monarchie becheiligt, welcher einen großen Theil seines Vermögens verlor und nur dadurch der Zahlungsverpflichtung entging, daß seine Familie ihn unter Curatel setzen ließ. In Deutschland sind es die hochfeudalen Agrarier, welche sich consequent einer Herabsetzung des Getreidezolles und damit einer Verbilligung der wichtigsten Nahrungsmittel widersetzen und den Abschluß des deutschösterreichischen Handelsverkehrs zu verhindern suchen. An der Spitze dieser Agrarier steht heute noch Fürst Bismarck, der aus einem großen Politiker ein großer Landwirth geworden ist, das Princip des „gesunden Egoismus" aber aus der Politik auf die Landwirthschast übertragen hat. Es ist ein Jrrthum und eine absichtliche Entstellung der Thatsachen von Seite der Antisemiten, wenn fortwährend behauptet wird, daß Getteideringe hauptsächlich