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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-17 · 16 (17.4.1891) · p. Seite 295

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 295 (sequence 17)
Language
German
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Gene 205 Hefterreichische WochenschrLft Nr. 16 Saaz, 2. April, Herr Dr. S Stern, Rabbiner in Mislitz, ist zum Rabbiner der hiesiegen Cultusgemeinde gewählt worden. Kaschau, 31. März. Herr Dr. Gregory d'Arbela, Chefarzt des Rothschild'schen Hospitals und. niederländischer Consul in Jerusalem, hat sich mit Fräulein Malwine Schwarz, Tochter unseres Mitbürgers Herrn Hermann Schwarz, vermählt. Werlin, 7. April. Aus der Rede, welche der Abgeordnete Eugen Richter gestern in der Tivolibrauerei über den „Welfenfonds" hielt, verdient die nachfolgende Stelle besondere Beachtung. Redner sagte: „Auch von der antisemitischen Bewegung habe ich die Ueberzeugung, daß sie im Anfang von geheimen Fonds unterstützt ist, um das freisinnige Berlin zu erobern. Man nennt immer Herrn Hertzog, aber ich glaube, es spielt da ein größerer Unbekannter mit." Angesichts der unglaublichen Geldmittel, mit welchen die Antisemiten in den letzten Jahren operirt haben, konnte eine solche Vermuthung wohl auftauchen. Irankfurl. Aus Moskau wird der „Frankfurter Zeitung" gemeldet, daß bei einer in der Nacht (!) vom 9. d. M. vorgenommenen Häuserrevision ungefähr 150 ausländische Juden, welche kein Wohnrecht in Moskau haben, verhaftet wurden. Diese nächtliche Verhaftung ist echt russisch-human! Leipzig. Wie wir erfahren, ist die königliche Staatsanwaltschaft zu Leipzig dem Vorgänge der Görlitzer gefolgt und hat Herrn Theodor Fritsch wegen Verbreitung antisemitischer Flugblätter und wegen deren Inhalt unter Anklage gestellt. Dieselbe ist erhoben auf Grund des Unfugsparagraphen, und wird demnächst eine Verhandlung stattfinden. Slraßöurg (Elsaß), 5. April. Bei der gestern Nachmittags im Beisein der Vertreter der Civil- und Militärbehörden stattgehabten feierlichen Einweihung des Vereinshauses des vaterländischen Frauenvereins nebst „Krippe" wurde von dem Festredner Herrn Bürgermeister Back besonderer Dank dem Herrn Bankdirector K a r m i n s k i ausgedrückt für die mühevolle Mitarbeit desselben an dem Zustandekommen des humanitären Werkes. Mreslau, 4. April. Der „Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen" hält hier am 17. und 18. Mai seine Generalversammlung ab. Kaag, 2. April. Ihre Majestät die Königin-Regentin hat das Patronat über den „Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden" übernommen. London. Das Programm für den am 5 6. und 7. Mai zu Gunsten der Hamstead-Synagoge und Schule stattsindenden Wohlthätigkeitsbazar ist bereits festgestellt. Die Scenerie wird, wie bereits gemeldet, eine Straße in Jerusalem darstellen, welche eine Reihe von Verkaufsläden aufweisen wird. Die Maler Mr. S. I. Solomon und Mr. Emanuel Frank haben die Skizzen hiezu geliefert, während Mr. Josef D e l i s s a die Pläne zur Verfügung gestellt hat. Mit der Ausführung der Arbeiten sind etwa 20 Decorationsmaler und Zimmerleute beschäftigt. Es werden 80 Verkaufsstände errichtet werden, in welchen 28 den besten Kreisen der jüdischen Colonie angehörige junge Damen als Verkäuferinnen fungiren werden. Das Local, wo der Bazar abgehalten wird, umfaßt den Flächenraum von circa 10.000 Quadratklafter. London, 15. April. Nach hier eingelangten Petersburger Depeschen steht die Inkraftsetzung eines neuen strengen Edictes gegen die Juden bevor. Danach wird beabsichtigt, den jüdischen Handwerkern das ihnen 1865 gewährleistete Niederlassungsrecht zu entziehen, infolge dessen - dieselben künftighin nur innerhalb der der jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen angewiesenen Grenzen werden leben müssen. Die Regierung findet nämlich, daß die hebräischen Handwerker sich in zu großer Anzahl in solchen Reichstheilen niedergelassen, wo bereits eine hinlängliche Anzahl Handwerker orthodoxen Glaubens vorhanden ist. Von dieser Maßregel werden in Moskau allein 14.000 Juden betroffen. Die Juden mit Grundbesitz erhalten eine zweijährige, die anderen nur eine einjährige Gnadenfrist zum Verlassen ihres gegenwärtigen Domicils. London. Der Senat der Universität von London hat in Beantwortung eines schriftlichen Ansuchens, welches Reverend Dr. Adler unter Hinweis darauf, daß der letzte Tag der im Juni stattfindenden Jmmatriculationsprüfungen mit dem ersten Tage des Wochenfestes zusammenfalle, an denselben gerichtet hat, die Verfügung getroffen, daß Candidaten für das Examen, melche jüdischer Religion sind, über deren Ansuchen die Prüfung statt Freitag den 12., Montag den 15. Juni ablegen können. St. Petersburg. Der Präfect von St. Petersburg hat genaue Erhebungen eingeleitet, in der Absicht, innerhalb eines Monats eine große Zahl von Juden auszuweisen, welche hier als Bedienstete von Kaufleuten erster Gilde leben, während sie die Certificate als solche von diesen Kaufleuten nur zu dem Zwecke der Umgehung des Gesetzes ausgestellt erhalten. Wie es heißt, wird die russische und deutsche Regierung die Regierung von Brasilien darum angehen, den Zuzug polnischer Emigranten zu verhindern, wenn dieselben nicht mit officieller Erlaubniß zur Auswanderung von ihren respectiven Regierungen versehen sind. General Grosse, der Präfect von St. Petersburg hat ein Circular erlassen, welches gegen die jüdischen Dienstboten gerichtet ist, die bei jüdischen Herren im Dienste stehen und kein gesetzliches Recht besitzen, sich in der Hauptstadt aufzuhalten. Die Polizei ist angewiesen, diese Leute innerhalb eines Monats in ihren Geburtsort zurückzuschicken. Den jüngsten Berichten zufolge haben -1500 Juden letzte Woche Südrußland verlassen. ßonstanliuopek. Es ist nicht allgemein bekannt, daß Achmed Besik Pascha, der ehemalige Großvezier, welcher jüngst gestorben ist, jüdischer Abstammung war. Er war der Sohn eines Juden aus Stambul, welcher zum mohamedanischen Glauben übertrat und eine Griechin heiratete. Achmed Pascha war zweimal Großvezier und wird in bester Erinnerung bleiben, da seine Person enge verbunden ist mit dem allerdings kurzlebigen Versuche der ottomanischen Regierung, eine parlamentarische Constitution einzuführen. Das erste und letzte türkische Parlament, welches in Constantinopel im März 1877 zusammentrat, wurde von ihm präsidirt. Dieses Parlament besaß nicht blos einen Präsidenten jüdischer Abstammung, sondern auch eine ziemliche Anzahl von Mitgliedern echt jüdischen Stammes und Glaubens. Jerusalem, 20. März. In der neu gegründeten Colonie Rechaboth werden dreihundert Arbeiter gebraucht, und sind diesbezügliche Kundmachungen an allen Synagogen Jerusalems affichirt. Das ausführende Comite des russischjüdischen „Vereins zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina", bestehend aus den Herren: Ingenieur W. Temkin, I. M. Pin es und I. B e n t o w i m, hat jüngsthin in Jaffa sein Bureau eröffnet. Das Comite veröffentlicht nun einen Aufruf, worin es namentlich dazu auffordert, beim Kaufe von Grundstücken seine Intervention in Anspruch zu nehmen. Bekanntlich bildet der Bodenankauf große Schwierigkeiten bei der Ansiedelung im heiligen Lande. Wew-HZorK, 8. März Der am 25. März stattgehabte „Purimball" brachte einen Reingewinn von circa 15.000 Dollars (circa 60.000 Mark), welche unter die verschiedenen jüdischen Wohlthätigkeits - Anstalten vertheilt werden. _

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