Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 16 (17.4.1891)
- Date
- 1891-04-17
- Page
- Seite 296 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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cetle 296 Hesterreichifche Wochenschrift Ätr. 16 Farnilienblatt. Wochen- April 1891 Nissan 5651 Kalender Freitag 17 9 irrßfö Samstag 18 10 Sonntag 19 11 Montag 20 12 Dienstag 21 13 Mittwoch 22 14 Vorabend d. Pesachfestes Donnerstag 23 15 1 1. Pesach Freitag 24 16 1 2. Pesach Das jüdische Ktiefkind einer Christi«. (Fortsetzung). Während sie hereintrat, ließ er daß Kind mit einem letzten Kuß von den Knieen nieder und brachte es bis auf den Flur, wo es von seiner Bonne in Empfang genommen wurde. Die Mutter batte sich wie erschöpft auf dem Sofa niedergelasien. Wollner setzte sich zu ihr und sagte, indem er ihre Hände in die seinigen nahm: „Es wird nichts darausi" „Sie hat dich abgewiesen?" „Fürchte nicht, sie verlangt keinen Religionswechsel von mir! sie nähme mein Judenthum in den Kauf; die Absage galt meinem Kinde." „Das verstehe ich nicht," versetzte Frau Wollner, geängstigt zum Sohne aufblickend. Frau Wollner war eine ftomme Jüdin. Aber sie bemerkte die keimende Liebe ihres seit drei Jahren verwitweten Sohnes zu dem christlichen Mädchen des befreundeten nachbarlichen Fabrikshauses erst, als es schon zu spät war, ihr entgegenzutreten. Es blieb chr nur noch der Wunsch übrig, daß der Sohn nicht behufs einer Ehe mit der Christin zum Glaubenswechsel geuöthigt werde. Auf seinem heutigen Wege nach Karlsdorf, dessen Zweck sie wußte, begleiteten ihn ihre Gebete, daß diese Bedingung ihm nicht gestellt werden möge. Nun tröstete der wiederheimgekommene Sohn sie, daß ihm diese Bedingung nicht gestellt worden ist, aber er sagte: „Die Absage galt dem Kinde." Will das Mädchen, daß das Kind getauft werden muffe; soll ihr einziges Enkelkind Christ sein? Mit dieser Herzensangst blickte sie auf den Sohn, der bei seinen letzten Worten aufgestanden und mit sich redend auf und ab im Zimmer ging: „Ja. ja! Das habe ich hören müssen — aber es ist wohl beffer, gar nicht mehr darüber zu sprechen; die Thatfache ändert sich doch nicht." „Noch weiß ich ja gar nichts, klagte die Mutter." „Verzeche!" rief Wollner vor chr stehen bleibend. „Sie will, daß ich das Kind aus dem Hause stoße. Gewiß nur, weil ihr das Stiefkind, das Mische Stiefkind, lästig sein würde, aber die Heuchlerin, sie gebraucht den Borwand, das Kind müffe religiös erzogen werden." Und indem er seine thräuenden Augen einem Bilde im Zimmer zuwendete, sprach er feierlich: „Mathilde! ich schwör' dir, dein Kind wegen einer Anderen nicht zu verstoßen!" Wie beftiedigt von diesem Schwure und als hätte d "s blaffe Frauengesicht im Bilde an der Wand ihn dafür dankend angesehen, sagte er dann: „Rein! W i r bleiben zusammen. Wer weiß, ob sich diese Christin in unseren einfachen Verhältniffen je glücklich gefühlt und in mir nicht doch immer den Juden gesehen hätte." Die Mutter sah den Sohn an, schien dabei aber auch irgend einen Gedanken zu verfolgen. Die kluge Frau kannte die Macht der Liebe und sah im Voraus, daß ihr Sohn trotz dieser Aufregung von dem Mädhen nicht laffen und er entweder der Bedingung nachgeben werde, das Kind aus dem Hause zu geben, oder, was noch schlimmer wäre, das Christenmädchen sich seinem Willen fügen könnte, das Kind im Hause zu behalten und aus Haß es zum Christen zu machen. Die Bedingung der Christin war ihr also erwünscht und sie legte sich daraufhin schon einen Plan zurecht, während der Sohn noch weiter in seinem Schmerz wühlte. „Bedenkzeit hatte ich freilich genommen; es kam ja alles so unerwartet, und lieb, sehr lieb war sie mir einmal: nun liegt aber alles hinter mir — ich werde gleich schreiben." Die Mutttr erhob sich hastig und bat, seine Hände ergreifend: „Nein, mein Sohn, das wirst du nicht thun! Heute nicht und auch nicht morgen, wir wollen damit bis nach meinem Geburtstage warten." „Das wären ja noch über vierzehn Tage." „Eine anständige Bedenkzeit darf nicht viel kürzer'sein." Wollner kämpfte mit sich; endlich erwiderte er, die Stirn runzelnd: „Wir thun etwas Falsches." „Ich übernehme alle Verantwortung," beschwichtigte ihn die Mutter. Er gab ihr endlich das Versprechen, jede Antwort dis nach ihrem Geburtstag hinauszuschieben, und er gab es mit einer Art von Freude, welche ihm das Blut in's Gesicht trieb. Der Sturm im Herzen war vorüber, die Liebe und die Hoffnung blühten wieder auf. Je mehr aber die Liebe wieder wuchs, desto n ehr ging es mit der Hoffnung zurück. Wollner batte gehofft, daß bei so langer Frist von Karlsdorf her irgend eine Annäherung ausg hen würde. Aber alles blieb von dort stumm. Er litt furchtbar. So waren die beiden Wochen fast vergangen. Heute hatte die Mutter, wie stets vor ihrem Geburtstage, Einkäufe in der Stadt gemacht. Nach ihrer Rückkunft am Abend ging sie direct in das Zimmer ihres Sohnes, setzte sich neben ihn und sagte ohne jede Einleitung: „Ich habe mir in der Stadt eine Wohnung gemiethet" Erstaunt drehte sich der Sohn um, sie fuhr aber, scheinbar ohne ihn zu beachten, fort: „Eine recht hübsche Wohnung und wir können schon nächste Woche einziehen." „Wir?" „Ich, das Kind und seine Bonne." Wollner sah sie mit weit offenen Augen an. „Nein, Mutter," rief er von seinem Sitze aufspringend. „Ich begreife dich, aber ich nehme das Opfer nicht an, weil sie duffen nicht würdig ist —" Die Mutter nahm die Hand des Sohnes und sagte, indem sie dieselbe streichelte: „Dein Aussehen verräth dich. Du liebst sie noch. Geh' in ihre Bedingung ein und nimm sie. Vielleicht wird dein Gemüth, dein liebes Gemüth ihr mit der Zeit geben, was ihr fehlt. Um das Opfer, das ich etwa bringe, sorge nicht. Man gewöhnt sich an Vieles, und außerdem, wenn eine Mutter etwas für ihr Kind thun kann, so bedeutet selbst das Schwerste gar nichts für sie. Und was ich thue, ist lange, lange nicht das Schwerste. Beffer früher als später Wäre die alte Jüdin nicht immer zur Hiaterthüre hinausgegangen, wen» vorn das junge christliche Weibchen einzog? Ich muß dir danken, wenn du dich von dem geliebten Kinde trennst, um es mir zur Gesellschaft mitzugeben. Fass' es doch so! Es kommt alles darauf an. wie man sich etwas zurecht legt. Ein Dutzend Jährchen, denk' icb, stehen Einem wohl noch zu — dann ist das Kind erwachsen, und er kann das Andenken an die Großmutter noch mit einem Kadisch ehren." (Fortsetzung folgt). Briefkasten. S. Durst, Suezaez: Wenden Sie sich an das Curatorium der israel. Handwerkerschule in Krakau zu Händen des Herrn Prof. Rosenblatt. G. in S. Baron Hirsch de Gereuth, Paris, 36 Rue de Bellecbaffe. I. Sahn, Stuhlweißendurg Sie haben Recht, jene Erzählungen entstammen einer unlauteren Quelle und wir bedauern mit Ihnen, daß selbst gutgesinnte Blätter die Weiterverbreimng nicht scheuen. Für die Geplünderte« in Sloboda-rnng, sind uns von Frau Fanny Frankl, Budapest, 10 fl. und von Herrn Sigmund Abeles in Budapest 10 fl. zugekommen.