Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 16 (17.4.1891)
- Date
- 1891-04-17
- Page
- Seite 289 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020864--00308-3024290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
str. 16 Gellerrelchtfche ZVochenschrrfr <Se»te 289 Gliedern der Partei jede Vertretung des Antisemitismus in- und außerhalb des Parlaments freistünde, unter alleiniger Voraussetzung, daß Angriffe auf die nicht antisemitischen Mitglieder zu unterlassen seien. Anderseits ist den antisemitisch-neutralen Mitgliedern jede Stellungnahme zu Gunsten des Judenthums gegen dessen Bekämpfer untersagt." Wien (Der Antisemitismus und der Wiener Geschäftsverkehr.) Die Herren Antisemiten leugnen bekanntlich hartnäckig, daß ihr Treiben es sei, welches den Wiener Geschäftsverkehr benachtheiligt. Nun existiren in dieser Richtung bereits hundertfältige Beweise, die sich noch täglich mehren. Uns liegt ein in den letzten Tagen an eine bedeutende Firma des hiesigen Platzes gelangtes Schreiben vor, das wir seines charakteristischen Inhaltes wegen wörtlich reproduciren wollen. Dasselbe lautet: „Ihr werthes Telegramm von gestern bestätigend, dürste es Ihnen auffallend sein, daß ich auch Ihr früheres Telegramm nicht beantwortete, da ich doch in größerer Geschäftsverbindung mit Ihnen gestanden. Die Ursache ist, daß ich alle Geschäftsverbindungen mit Wien auflasse, und zwar zufolge der dort herrschenden antisemitischen Beivegungen. Wollen Sie daher die Kosten weiterer Telegramme oder Correspondenzen ersparen, da ich dieselben unbeantwortet lasse. Hoffentlich nehmen Sie auch von Ihrem Standpunkte mir dies nicht übel und werde ich von nun an Wien nur dann berühren, wenn es sein muß." — Ein Commentar zu diesem Briefe ist wohl überflüssig, er spricht für sich selbst. Wir wollen nur noch beifügen, daß der Schreiber desselben ein sehr renommirter Provinzkaufmann ist. Soweit ist es mit Wien schon gekommen! Mie«. Der „Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Eultusgemeinde in Wien" versendet den 30. Jahresbericht, dem wir folgende Daten entnehmen: Zu Ende des Jahres 1889 befanden sich 304 Waisenkinder im.Schutze-, LeL,. Vereines, und zwar 153 Knaben und 119 Mädchen in externer Versorgung, ferner 30 Mädchen im Waisenhause und 2 in außerhäuslicher Pflege. Im Laufe des Jahres 1890 wurden 41 Knaben und 33 Mädchen in die externe Versorgung und 9 Mädchen in's Waisenhaus ausgenommen, dagegen 33 Knaben und 20 Mädchen aus der externen Versorgung, ferner 8 Mädchen aus dem Waisenhause entlasten. Sohin befanden sich am 31. December 1890 326 Waisenkinder im Schutze des Vereines und zwar 161 Knaben und 132 Mädchen in externer Versorgung und 33 Mädchen im Waisenhause, wovon zeitweilig 2 außer demselben verpflegt werden. Die Gesammtkosten der Waisenversorgung betrugen im Jahre 1890 fl. 29.847 48 gegen fl. 30.275-87 im Jahre 1889. Hievon entfielen für die Versorgung externer Waisen fl. 18.034 89 im Jahre 1890 gegen fl. 18.317-19 im Jahre 1889; für das Mädchen- Waisenhaus fl. 11.812-59 im Jahre 1890 gegen fl. 11.958 68 im Jahre 1889. An einmaliger Unterstützung an verwaiste Familien wurden verabfolgt fl. 587-75 im Jahre 1890 gegen fl. 404-50 im Jahre 1889. Aus diesen Ziffern erhellt ein ansehnlicher Mehraufwand; dessenungeachtet konnte den steigenden Bedürfniffen der zunehmenden Zahl von Waisen auch in diesem Jahre nicht hinreichend entsprochen werd n. Aus dem Spendenverzeichniß heben wir hervor: Die Subvention des h. niederösterreichischen Landtages mit fl. 200 und den Beitrag derselben hohen Stelle aus der Kaiser Franz Josef I. Jubiläumsstiftung für das Jahr 1890 mit fl. 416. Subvention der israelitischen Cultusgemeinde fl. 3000, Spende des geh. Commerzienrathes Moriz Bäcker aus Königsberg anläßlich des Ablebens seines Sohnes Julius fl. 300, Spende des Hemm Lucian Brunner in Triest für die Feriencolonie der jüdischen Waisen fl. 1000, Beitrag der M. L. B i e d e r m a n n'schen Waisenstiftung fl. 150, Spende eines ungenannt sein wollenden Wohlthäters fl. 125. Mit der speciellen Widmung für das Mädchen-Waisenhaus hat uns die hohe 'niederösterreichische Statthalterei aus der Josef und Barbara Liecktenst e i n'schen Stiftung fl. 746-67 für vier im Waisenhause untergebrachte Mädchen und die Erben nach dem sel. Herrn Sigmund Lederer sl. 900 zugewendet, ferner ist das Legat des sel. Herrn I. H Singer im Nettobeträge von fl. 450 und von Herrn N. S. Golds ch m i v t anläßlich des Ablebens seiner Gattin Charlotte eine Noten» rente von fl. 100 eingefloffen. Mie» Das Schutzdamencomit« für das israelitische Mädchen- Waisenhaus versendet den Rechenschaftsbericht für die 17. Verwaltungs- Periode, dem wir folgende Daten entnehmen: Am 1. Jänner 1890 befanden sich im Waisenhause 30 Zöglinge; im Laufe des JahreS wurden 8 entlasten, wogegen 9 ausgenommen wurden; das Waisenhaus beherbergte demnach am 31. December 31 Zöglinge. Bon de» in außcrhäuslicker Pflege untergebrachten 2 Mädchen wurde eineentlasten. Im Ganzen haben bis nun 87 Zöglinge im Waisenhanse Aufnahme gefunden, von denen 46 ausgetreten, 4 gestorben find. 10 Zöglinge haben geheiratet, 2 wurden wegen Wiederverheiratung der Mütter entlassen. 1 Zeichnerin, 13 Kindergärtnerinnen, 3 Bonn«; 3 Kunststickcrinnen, 15 Kleidermacherinnen, 5 Modistinnen, 3 Weitznäherinnen erwerben sich ihren Unterhalt selbständig. Die übrige» leben bei ihren Müttern. Bon den gegenwärrig im Hause befindliche» Waisen besuchen: 1 die Fortbildungsschule des Fräulein Petritsch, 3 die gewerbliche Fortbildungsschule im VIl. Bezirke, 1 die Handelsschule des Director Karl P o r g e s, 4 lernen Schneiderei. 2 find im Hause beschäftigt; die übrigen besuchen die Volks- und Bürgerschule. Die Schülerin des I. Jahrganges der gewerblichen Fortbildungsschule im VH. Bezirke, Helene Mayer, wurde durch Verleihung der vom Gemeinderathe der Stadt Wien gewidmeten Prämie, bestehend aus einem Einlagebuch der Ersten Oesterreichifchen Sparcaffe, ausgezeichnet. Unterricht im Französischen genießen augenblicklich 9 Zöglinge; Clavierunterricht wird 9 Mädchen ertheilt. Bon Jahr zu Jakr erweist sich immer inehr die Nützlichkeit eines in dieser Weise erweitert« Bildungsganges für Zöglinge, die durch glückliche Begabung unte» stützt, befferen Lebensstellungen zugeführt werden können. Die seit Eröffnung des Waisenhauses ihres Amtes mit größter Hingebung waltende Hausmutter, Frau Flora Bruck, ertheilt nach wie vor die Correpetikion an sämmtliche Volks- und Bürgerschülerinnen» den Unterricht in der französischen Sprache und in der Religion in de» fünf Volksfchulclasten. Uebungsunterricht im Rechnen gibt Herr Jacob Mautner, Communallehrer. Die Gehilfin, Fräulein Emma Dietrich st ein, geprüfte Arbeitslehrerin, unterrichtet in de» weiblichen Handarbeiten. Das orthopädische Turnen wird im Haust; nach Anordnung des Herrn kaiserlichen Rathes Dr. Ritter v. Weil, von einem Fachmanne geleitet. Herr Obercantor Singer ertheilt nun schon durch eine Reihe von Jahren in uneigennütziger Weise de» Gesangunterricht an sämmtliche Zöglinge. Dankbar verpflichtet fühlt sich das Schutzvamencomite dem Fräulein Fanny P e t r i t s ch, für die Aufnahme eines Zöglings in den II. Jahrgang der Fortbildungsclasse ihres Erziehungsinstitutes VI. Webgaffe, und Herrn Director Karl P o r g e s, für den einem Zöglinge gewährten Freiplatz a» einer Handelsschule. Simmering. In Simmering, wo bisher zwei israelitische Betvereine, ein orthodoxer und ein fortschrittlicher, bestanden, erfolgte jüngst die Vereinigung derselben. Am 9. d. M. fand in Stephingers Saallocalitäten in Simmering eine von Herrn L. Weiß ein» berufene, von den israelitischen Bewohnern Simmerings nahezu vollzählig besuchte Versammlung statt. Nach den einleitenden Worten widmete der Vorsitzende, Herr L. Weiß, dem kürzlich verstorbenen Gemeindemitglied und hochgeachtetm Bürger. Jg. W e n g r a f, welcher jederzeit für die Interessen des Jndenthums warm eingetreten war, einen ehrenvollen Nachruf. Hierauf gab der Vorsitzende seiner Freude Ausdruck, daß seiner Einladung auch die Herren kais. Rath F. Vogel und S. Kauders gefolgt seien, welche sich an der hieran geknüpften Debatte lebhaft beiheiligten. Herr Vogel betonte, daß die bisherige Uneinigkeit in der israelitischen Gemeinde ein störendes Bild gegeben und es sohin mit doppelter Freude begrüßt werden könne, wenn sich dies nun ändern und sich ein einiger israelitischer Bethausverein in Simmering bilden werde. Nachdem die Versammlung sämmtliche Momente der Bereinigung in einigen Punkten fixirt hatte, wurde zu einer , Sammlung für die israelitischen Ortsarmen anläßlich der