Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 16 (17.4.1891)
- Date
- 1891-04-17
- Page
- Seite 288 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ferne 288 Hesterreichische Wocheuschrtfr »Jtr 16 Greisler, der Fleischhauer, der Wirth, der Gärtner, der Badhausinhaber schütteln den „befreundeten" Juden die Hand, sogar die Haushunde begrüßen sie als alte Bekannte. Und warum denn nicht? Sie sind derzeit auf schmale Kost gesetzt, die Herren Sieveringer, ein kleiner von der Reblaus arg heimgesuchter Weingarten genügt nicht, um alle- Bed^fnisse zu decken, und so sind es die jüdischen Sommerparteien, die Geld in's Haus bringen, und minimal gerechnet lassen diese pro Saison für Wohnung, Nahrungsmittel und sonstige Auslagen Ln fl. 100.000 im Orte. Die Juden die da hinauskommen glänzen weder durch Reichthum, noch machen sich deren Frauen durch Toilettenaufwand bemerkbar und verhaßt. Im Sommer lieben sie uns, die Herren Sieveringer — im Winter lieben sie Herrn Jedlicka und den Prinzen Liechtenstein. Meine Herren Sieveringer! Hundert Liter von Eurem säuern Wein den Ihr uns im Sommer ä 48 Kreuzer per Liter zahlen lasset, wette ich mit euch, daß wenn die Wahlen — während der Anwesenheit der Juden zur Saison vorgenommen worden wären, es umgekehrt vielleicht nicht sieben Wähler gewagt hätten, anttsemittsch zu wählen. „Siegesfeier bei Herrn Hölzl" schreibt V e r g a n i in seinem Blatte, und 14 Tage später macht derselbe Hölzl einen Knix vor der erstbesten Jüdin. — Vier Monate Judenfreund —r mit Juden Wohlthätigkeitssoireen veranstalten, für die Freiwillige Feuerwehr absammeln gehen, beim Heurigen die Juden hochleben lassen, sie förmlich bitten, nächsten Sommer ja nur gewiß wieder zu kommen — während deren Abwesenheit aber „Nieder mit den Juden" schreien — das ist die ehrliche Gesinnung der Bewohner von Sievering. Ihr ergebener B. Marcus, der auch die „Sieveringer" kennt. Wie«. (Ein antisemitischer Agitator des Herrn Mechaniker Schneider wegen Einbruchdiebstahl und Brandsttftung verhaftet.) Ein bekannter Agitator der Anttsemiten ist — kurz nachdem er erst eine mehrwöchentliche Hast überstanden — wieder unter sehr erschwerenden Umständen seiner Freiheit verlustig geworden. Der Betreffende heißt Karl R a s ch k e, wohnte Neulerchenfeld, Burggasse Nr. 4, wo seine Frau ein Mehlmessergeschäft betreibt. Raschke war ein sehr leidenschaftlicher Anhänger der antisemitischen Partei, für welche er sich stark exponirte; derselbe Mann ist jetzt bei einem Einbruchdiebstahl ertappt worden. Der Polizeirapport meldet hierüber: „Vorgestern Abends vor 10 Uhr sahen Passanten des Hauses Neulerchenfeld Burggasse Nr. 4 einen verdächttgen Lichtschein in dem geschlossenen Gewölbe des Fleischers Nathan Jellinek. Durch die Fugen spähend, sah man im Locale einen Mann, der die Lade des Cassattsches aufsprengte und das Geld (wie später festgestellt wurde, 60 fl.) zu sich nahm. Man verständigte hievon Sicherheitswachmänner, welche sich des Diebes bemächtigten, eben als er davon schleichen wollte. Der Hausbesorger agnoscirte ihn als den im selben Hause etablirten Mehlmesser Karl Raschke, zu Bielitz in Schlesien geboren, 30 Jahre alt. verheiratet. Er war durch den Hauskeller in das Local eingedrungen, da von dort eine Thüre hereinführt, deren Schloß er absprengte. Raschke, der zum Polizei-Commiffariat Ottakring escortirt wurde, ist auch dringend verdächtig, im Jahre 1889 zur Durchführung, eines Assecuranzbetruges in seinem eigenenGewölbe Feuer gelegt zu haben. Diesbezüglich werden noch Erhebungen gepflogen." — Eine enragirte Agitation hat Raschke bei den letzten Reichsrathswahlen entwickelt, natürlich zu Gunsten der antisemitischen Partei. Damals wurde er auch wegen W ah lfälschung ein ge zogen und zu dreiwöchentlicher Haft abgeurth eilt. Wie». (Die Gemeindewahlen.) 96:42, in diesem Berhältniß stehen sich Liberale und Anttliberale im neuen Gemeinderathe gegenüber Das ist der Erfolg der Wahlcampagne, die nunmehr beendet wurde. 13:33 mar das Parteienverhältniß im dritten Wahlkörper. 39:7 standen sie sich im zweiten Wahlkörper gegenüber und 44:2 hat das Wahlresultat im ersten Wahlkörper ergeben. Die antiliberale Partei hatte im alten Gemeinderathe ein Drittheil der Stimmen, im neuen Gemeinderathe hat sie um vier Stimmen weniger als zu einem Drittheil erforderlich. Sie ist also absolut schwächer geworden, sie ist es aber auch in anderer Beziehung, indem sie mit Ausnahme des Dr. Lueger Keinen in ihrer Mitte zählt, der es auch nur zur Mittelmäßigkeit brächte. Die allerunbedeutendsten Personen sind von dieser Seite in den Gemeinderath gesendet worden und der riesige Anlauf endete mit einem kläglichen Fiasco. Bon 19 Bezirken haben im ersten Wahlkörper 18 liberale Candidaten gewählt — nur Hernals hat zwei Antiliberale entsendet und diese kamen knapp mit der absoluten Majorität durch. Als Folge des Wahlsieges im zweiten Wohlkörper erscheint es auch, daß in 15 Bezirken eine liberale Majorität in den Bezirksausschüssen zustande gekommen ist, in zwei Bezirken halten sich die Parteien das Gleichgewicht und nur in zwei Bezirken wird ein antiliberaler Bezirksausschuß fungiren. So werden auch die Ortsschulräthe und die Armenräthe nicht nach Wahl der Antiliberalen zusammengesetzt sein und so wird auch in allen das Heimatsrecht, die Steuern, die Bauthätigkeit betreffenden Fragen nach dem Rechte und nicht nach dem Glaubensbekenntnisse entschieden werden. Zu diesem Erfolge darf sich die Wählerschaft gratuliren. Wien. (Die Christlich-Socialen in polizeilicher Untersuchung.) Wie wir vernehmen, ist gegen den antisemitischen „Christlich-socialen Verein" in Wien die Untersuchung wegen Überschreitung der Statuten eingeleitet worden. Der „Christlich-sociale Verein" ist eine der Hauptstützen der klerikal-antisemitischen Partei in Wien. Er wurde im Jahre 1887 gegründet und nahm entsprechend der herrschenden Strömung einen raschen Aufschwung, so daß er heute über 1000 Mitglieder zählt. Seine Hanpttendenz besteht darin, die klerikalen Bestrebungen in jeder Hinsicht zu poussiren, und um dies besser thun zu können, beeilte er sich schon in den ersten Jahren seines Bestandes, in den einzelnen Wiener Bezirken Sektionen zu bilden, die sich zusammen mit den zahlreichen' katholisch-politischen Casinos eifrig bemühten, für die katholische Sache zu wirken. Die Leiter des Vereins — momentan steht an der Spitze desselben Herr Dr. Psenner — mögen dabei wohl das Vereinsgesetz vergessen haben, laut welchem es politischen Vereinen untersagt ist, Zweigvereine oder Filialen zu gründen, und diese kleine Vergeßlichkeit hat nun dazu geführt, daß die Untersuchung gegen den Verein eingeleitet wurde. Wien. (Von Stein wenders Nationalpartei.) Wie das antisemitische „D. Volksbl." mittheilt, haben sich „die inneren Verhältnisse und Meinungen in der Deutschen Nationalpartei in so glücklicher Weise geklärt", daß dem Antisemiten Kaiser aus Schlesien ermöglicht wurde, aus dem losen Verhältnisse eines „Hospitanten" in das feste eines ordentlichen Mitgliedes zur Fraktion # Steinwender zu treten. Da die Antisemiten Riegler und' Garnhaft von vornherein in dieser Hinsicht kein Hinderniß vorfanden, so hofft das Vergani'sche Organ, es würden nunmehr auch die Herren Muth und Fürnkranz eine Heimstätte in der „Deutschen Nationalpartei" finden, umsomehr, als diese „ihren anttsemitischen Genossen die volle Unbeschränktheit ihrer anttsemitischen Betätigung gewährleistete". Es heißt ferner im „D. V.": „Die Grundlage auf der die zur Entwicklung einer großen Nationalpartei der Zukunft führende, theoretische Einigung aller nattonalcn Elemente geschaffen wurde, ist die neuerdings bestättgte Vereinbarung, der zufolge den anttsemitischen