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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-17 · 16 (17.4.1891) · p. Seite 285

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 285 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 286 Ich sagte ihm dies, und in der That, ich glaube, ich bin einer d r besten Juden, die es gibt, ohne auf das Ceremonialgesetz zu achten. Ich könnte wie jener Jude in Bulwers „Leila" mein Leben wagen, die Juden aus ihrer jetzigen, drückenden Lage zu reißen Ich würde selbst das Schaffot nicht scheuen, könnte ich sie wieder zu einem geachteten Volk machen. O, wenn ich meinen kindischen Träumen nachhänge, so ist es immer 'meine Lieblings dee, an der Spitze der Juden, mit den Aaffen in der Hand, sie selbständig zu machen." Einen mehr komischen Eindruck machen die Tagebuchnotizen vom 19. und 20. März. Da heißt es: „Heute ist Purim. Ich habe mir schon längst einmal vorgenommen, zu schwänzen, und that es heut." „Abends tbe dansant bei uns und Souper für Dorchen Friedländer und Bräutigam. Ich amüsirte mich heut gar nicht und glaube daß nur die Masken daran schuld waren. Es kamen hundertfünfzig auf einmal. Quel trouble! Alle, die zu uns kamen, amüsirten sich berrlich, nur ich nicht." Zum Antisemitismus. Die Salzburger Zeitung Nr. 75 publicirt nachstehenden Artikel vom katholischen Confistorialrath Dr. Schöpf: Der moderne Antisemitismus ist bekanntlich von Berlin ausgegangen.Fürst Bismarck und Hosprediger Stöcker sind dessen Haupturheber. (Letzterer betrat die von ihm engagirten und haranguirten Versammlungen stets mit Fritsch's antisemitischem „Katechismus" unter dem Arme.) Beide — Bismarck und Stöcker — sind mittlerweile ihrer Stellen enthoben worden. Die Antisemiten klagen: Pro dolor! d. b. Leider! ihre Gegner sagen Ecce nemesis! d. h. Siehe da die Vergeltung! Das entscheidende Urtheil über das Eine und das Andere stellen wir der Geschichte anheim. Wir constatiren blos, daß neuestens der Kampf wider den Antisemitismus gleichfalls von Berlin aus eröffnet ist. Ueber 500 christliche Männer, darunter Celebritäten, wie Mommsen u. a. m. haben einen Verein gegründet „zur Bekämpfung des Antisemitismus". Ihr erster Schritt besteht in der Veröffentlichung des „Antisemiten- Spiegel" *) d. i. eine Beurtheilung der Antisemiten „im Lichte des Christenthums, des Rechtes und der Moral." „Sechs und ein halbes Jahrhundert sind verflossen, heißt es im Vorworte des ersten Heftes, seit Papst Jnnocenz IV. zum Schutz der bedrängten und verfolgten Juden eine Bulle erließ, in der es heißt: „Einige Geistliche und Fürsten, Edle und Mächtige euerer Länder erdenken, um das Vermögen der Juden ungerechter Weise an sich zu reißen, gottlose Anschläge gegen sie.... Im Widerspruche gegen die ihnen vom apostolischen Stuhl gewährten Privilegien, gegen Gott und seine Gerechtigkeit, bedrücken sie durch Nahrungsentziehung, Kerkerhast, andere Quälereien und Drangsale die Juden, legen ihnen allerhand Strafen auf und verdammen sie zuweilen sogar zum Tode, so daß sie, obgleich unter Fürstlichkeiten lebend, die das Christenthum bekennen, doch schlimmer daran sind, als Ihre Vorfahren in Egypten unter den Pharaonen. Da wir sie nicht gequält wissen wollen, so befehlen wir, daß ihr euch ihnen freundlich und gütig zeigt. Wo Ihr ungerechte Angriffe gegen sie wahrnehmt, stellet sie ab und gebt nicht zu. daß sie in Zukunft durch solche und ähnliche Bedrückungen heimgesucht werden." „Eine lange Culturarbeit liegt zwischen damals und heute. Körperlich gemißhandelt, gefoltert, verbrannt wird heute der Jude nicht mehr; das verbieten nicht nur die Gesetze, sondern auch unsere „milderen Sitten." Aber die Grundanschauungen, die Art zu denken und zu fühlen, aus denen jene vergeblich mit dem Kirchenbann belegten Acte verabscheuungswürdiger Rohheit entsprangen — hat auch sie die lange Culturarbeit überwunden? *) Danzig bei A. W. Kafemann. Erste Lieferung 1890; zweite Lieferung 1891. Preis einer Lieferung 20 Pfennig. Freilich — auf dem Papier, in unserer Verfassung, in unseren Gesetzen, ist alles so wohl geordnet, wie es die „Civilisation", die wir erworben haben, verlangt. In allen konstitutionellen Staaten Europas ist die Gleichberechtigung der Confessionen anerkannt. Man hat diesen Grundsatz sogar unter europäische Garantie gestellt... Wie aber steht es bei uns mit der tatsächlichen Durchführung dieser gesetzlich en Bestimmungen? " Diese Frage ist in Oesterreich berechtigt. Wir haben eine Menge gesetzlicher Bestimmungen zum Schutze der anerkannten Confessionen, strafrechtliche Verordnungen wider Religionsstörung u. dgl.; in Wirklichkeit aber wird vielseitig die Religion unserer jüdischen Mitbürger so behandelt und geschmäht, als wenn sie außerhalb des Gesetzes stehend vogelfrei wäre. Namentlich geschieht das in dem oben genannten Fritsch'schen Katechismus der Antisemiten. in dem es sogar offen ausgesprochen wird, der Jude sei eigentlich kein Mensch, weshalb man ihm die allgemeine Nächstenliebe nicht schulde. Hauptsächlich wider die Lehrsätze und Behauptungen dieses Katechismus ist die erste Kundgebung des neuen Berliner Vereins gerichtet. Der „Antisemiten- Spiegel" folgt Schritt für Schritt dem Fritsch'schen Katechismus und weist dessen arge Uebertreibungen und handgreifliche Lügen meist ziffermäßig nach. So z. B. die Lügen über die Alliance israelite. Wer den Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit noch in sich trägt, wird sich zum „Katechismus der Antisemiten" auch den „Antisemiten- Spiegel" beischaffen und erst nach Lesung beider über die Sache endgiltig urtheilen. Dr. Schöpf. Ititblri Gliah Wilna Gaan. Bon S. S ch e ch t e r. (Vortrag gehalten in der literarischen Gesellschaft des Jews College am 9. Februar 18 90). Uebersetzt von Ignaz Kaufmann (Kojetein). (Schluß.) Noch ein anderer Fall im Leben des Gaons verräth diese herbe Strenge seines Charakters, sein Streit mit den Chassidim. Ich will aus der Geschichte dieses Kampfes, in die auch nur kurz einzudringen hier die Zeit mangelt, blos bervorheben, daß sie, wie ich fürchte. Beide Recht hatten, der Gaon sowohl als die Chassidim. die Letzteren, indem sie gegen die meist der populistischen Richtung angehörenden Rabbiner ihrer Zeit wegen deren rücksichtslosen Mißachtung der religiösen Empfindlichkeit losschlugen, und der Gaon, weil er mit Recht einem System opponirte, welches, wie ich bei einer anderen Gelegenheit gezeigt habe, die Gefahr einer Verleitung zum Menschencultus in sich barg. Doch war dies — von seiner Einmischung in den wohlbekannten Streit zwischen (Äbeschütz und R. Jacob Emden abgesehen — der einzige Fall, daß der Gaon in öffentliche Angelegenheiten sich einmengte. Er lebte sonst ganz in sich zurückgezogen, seiner eigenen Erziehung und der seiner Schüler und Freunde sich hingebend, und es muß als höchst bemerkenswerth bezeichnet werden, daß er trotz der harten Arbeit und der vielfach erduldeten Entbehrungen nahezu bis an's Ende seines Lebens einer unerschütterten Gesundheit sich erfreute. Nie mußte er einen Arzt befragen, bis er im Jahre 1791, in seinem siebzigsten Lebensjahr das Abnehmen seiner Kräfte zu fühlen begann Aber er ließ sich dadurch in seinen Studien nicht abhalten. Als ein Mittel zur Stärkung betrachtete er allen Ernstes die Unterhaltung mit dem Prediger Jacob von Dubna, besser bekannt unter dem Namen „Dubner Maggid", dessen Gleichnisse und witzige Einfälle dem Gaon einen köstlichen Zeitvertreib bereiteten. Am Abende des Versöhnungstages im Jahre 1797

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