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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-17 · 16 (17.4.1891) · p. Seite 284

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 284 (sequence 6)
Language
German
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H«te 284 Hesterretchyche Wochnlschrksr Nr 16 Emst und Jetzt. In der Gartenlaube des vorigen Jahres berichtete Prof. Guglia über die Burg Greifenstein in Niederösterreich und führte unter Anderem an, daß diese Burg im 17 und 18. Jahrhundert auch als Staatsgefängniß gedient hat, woselbst neben vielen Anderen im Jahre 1708 zum Entsetzen unserer Judenfresser — auch ein Jesuit gesessen haben soll, weil er, man höre und staune, das Volk auf die Inden aufhetzte und zum Todtschlagen derselben aneiferte, und daß derselbe sehr lange auf Greifenstein gesessen haben muß, folgert der Verfasser daraus, weil dessen Pfleger die damals ungeheure Summe von mehr als 1400 Goldgulden für dessen Atzung verrechnet hat. Heutzutage würde derselbe wohl Reichsrathsabgeordneter und Gemeinderath von Wten geworden sein, und da die Zahl der heutigen Nachfolger des erwähnten Jesuiten Legion ist, so würde wohl eine kolossale Summe dazu gehören, um dieselben zu atzen, vorausgesetzt, daß es noch in Mode wäre, diese Aufwiegler hinter Schloß und Riegel zu setzen, was bekanntlich in unserer sogenannten erleuchteten Zeit nicht mehr der Fall ist. Auch auf eine andere Gepflogenheit aus vergangener Zeit will ich hier aufmerksam machen, nämlich auf die, daß einige humane Potentaten, wie mehrere Könige aus Polen, Katharina die Große von Rußland u. a. für heute wohl als „verjudet" geltende Herrscher die Verordnung erließen, wonach jede Schädigung der Juden an Gut und Blut von dem Gemeinwesen, wo sich solche ereigneten, gesühnt werden mußten, was sich als ein sehr wirksames Mittel gegen „Judenverfolgungsgelüste" erwies und heutzutage mehr als je am Platze wäre, da bei den thatsächlich vorgekommenen Judenberaubungen ä la Hernals, Wagstadt u. s. w. die staatliche Hilfe leider zu spät erschien. Sonach wäre eine Reactivirung der erwähnten Verordnung umso mehr am Platze, damit der antisemitische Pöbel in seinen Instinkten gehindert werde, denn wo der eigene Beutel in Gefahr ist, da hört auch die antisemitische Begeisterung auf. In Anbetracht der herrschenden Zustände wäre es Sache der Abgeordneten jüdischer Konfession, zum Schutze der Juden die Erlassung eines solchen Gesetzes wie das vorerwähnte an maßgebender Stelle zu beantragen, da die Juden als bestgehöhnte Staatsbürger, die ihre staatlichen Pflichten voll und ganz erfüllen, dafür aber an den Benestcien des Staates fast nicht participiren. zum Geringsten verlangen dürfen, daß sie an ihrem Gut und Blut vom Staate beschützt werden, krast der noch bestehenden Verfassung. „Russische Jude«." („Le Matin“ vom 31. März 1891.) sich der Propaganda zur Bekehrung der Juden. Mächtig organisirte Gesellschaften sind in allen Winkeln von London, in allen Städten Englands, Schottlands und Irlands an der Arbeit, um, wo es nur immer möglich, ein semitisches Gesicht zu entdecken. .Stromweise fließen diesen Gesellschaften die Mittel zu. Jüngst erst hat ein Schotte einer dieser Gesellschaften 60.000 Pf. St. vermacht. Seine Erben, um diesen beträchtlichen Betrag verkürzt, lassen kaum eine Klage vernehmen, weil dieses Geld für die Juden bestimmt ist. Dabei muß man aber anerkennen, daß diese Proselytenmacherei, so heißblütig sie auch ist, niemals zu unehrenhaften Mitteln ihre Zuflucht nimmt. Der Jude, welcher sich nickst bekehren will, ist ebenso geschätzt, wie derjenige, der sich bekehrt hat. Und gerade wegen der Juden, welche keine Neigung zeigen, dem Judenthume zu entsagen, wird demnächst Hansion House wieder seine Thore öffnen. Die höchsten Würdenträgen der katholischen Kirche, des anglikanischen Culttls und anderer dissidirenden Confessionen haben sich bekanntlich vor Kurzem unter dem Vorsitze des Lordmajors von London versammelt, um eine Adresse an den Zaren wegen der neuen, die russischen Juden bedrückenden Maßnahmen zu beschließen. Bekanntlich hat der Zar die Entgegennahme dieser Adresse verweigert. Die englischen Menschenfreunde halten sich jedoch nicht für geschlagen. Sie sind im Begriffe, eine neue Agitation einzuleiten und ein neues Meeting nach Llansicm House einzuberufen. Der Lordmajor erklärt es Jedem, der es hören will, daß es sich um einen Kampf der Civilisation gegen die Barbarei handle, daß der Fluch Gottes auf Rußland ruhen müsse, welches ein Volk verfolge, zu welchem Gott sprach: „Ich werde Jene segnen, die dich segnen werden und werde Jenen fluchen, die dir fluchen." Man hat zwar dem Lordmajor gesagt: Ueberlassen Sie es doch Gott! Warum setzen Sie sich an dessen Stelle! Und als Antwort richtete er an den Rathgeber die Aufforderung, in dem nächsten Meeting, welches er einberufen werde, im Namen des Continents das Wort zu ergreifen, um die Haltung der russischen Regierung vor der christlichen Welt an den Pranger zu stellen. A«s dem Tagetmchr Ferdinand Fasalles. Paul Lindau publicirt Ferdinand Lasalles Tagebuch aus seinen frühesten Jugendjahreu. Einzelne Stellen desselben dürsten auch für unsere Leser von Interesse! sein. Wir cittren eine Bemerkung vom 2. Februar: l „Heute soll Barschall begraben werden. Um achteinhalb, ging irii | mit Mutter hin zu der unglücklichen Witwe. Sie saß still weinend auf Dem Pariser Blatte wird von seinem Londoner , Correspondenten Folgendes berichtet: i Die Zeiten sind vorüber, wo Richard Löwenherz jeden . Juden auffpießte, der ihm in den Weg kam. England ist j heute das wahrhafte Paradies der Kinder Abrahams. Das j liegt nicht blos an der Verfeinerung der Sitten und an deu j großen Fort chritten der Toleranz, welche man in anderen; Ländern ebenso, wenn nicht mehr als in England, ftndet. ' Die wahre Ursache liegt in der englischen Bibelfreundlichkeit. Je mehr ein Engländer an der Bibel hängt, desto mehr ist er dem; Volke der Bibel, den Juden, anhänglich. In anderen! Theilen der Christenheit wird bei aller Anerkennung, daß i däö Heil von den Juden stamme, das Heil selbst hingej nommen, ohne sich weiter viel um diejenigen zu kümmern, >. welche dessen Vermittler sind. Die verschiedenen Kirchen in England sind im Gegen theil der Ansicht, daß man das Volk der Verheißung nicht genug hoch halten könne. Natürlich widmet man dem Sopha. Sehr rührte mich der Anblick Wilhelms, der, die Größe seines Verlustes halb ahnend, sich das Kadisch lernte. Wir gingen in die andere Stube. Hier war die Leiche des sofrüh gestorbenen Mannes Die Condolirenden sprachen in einzelnen Gruppen von diesem ttaurigen Todesfall. Da führte der Lehrer Wilhelm an die Seite seines Vaters. „Hier siehst du," sagte er leise zu dem weinenden Knaben, „deinen Vater. Du siehst ihn hier nicht wieder. Versprich mir an dieser Stelle, deiner Mutter, die nun auch dein Vater ist, immer ein guter Sohn zu sein und in Allem Folge zu leisten." Und der kleine Wilhelm schlug treuherzig in die ihm dargereichte Hand. Mir gingen die Augen über. Ich wendete mich ab." „Unterwegs unterhielt ich mich mit B l o ch. Er wollte sich ein Air geben und nannte sich einen Atheisten. Als er aber sah, daß ich ganz anderer Meinung mar, so sattelte er auch um. Wir sprachen vielvon Seelenwanderung, von Geiger und dem Judenthum, und er wunderde sich, daß ich mich so des jüdischen Glaubens annehme. Der Esel! Als wenn man nicht treise effen und doch ein guter Jude sein könnte.

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