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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-10 · 15 (10.4.1891) · p. Seite 274

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
15 (10.4.1891)
Date
1891-04-10
Page
Seite 274 (sequence 16)
Language
German
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Setre 874 Gesterreichische Wochmschrift Nr. 15. London Zum Besten des Baues einer Synagoge in Hamstead, einer Vorstadt Londons, wird im Mai unter dem Protectorate von Lord und Lady Rothschild ein Bazar in großartigem Style arrangirt werden. Es wird beabsichtigt, eine Straße von Alt-Jerusalem darzastellen, und die ersten Künstler Londons sind damit beschäftigt, für dieses Fest Decorationen anzufertigen und Costüme zu zeichnen. Die Elite der hiesigen Juden nimmt von den Vorbereitungen zu diesem Bazar regsten Antheil, weshalb demselben ein glänzender Verlauf prognosticirt werden kann. Hiom, 28. März. Eduard D r u m o n d's Buch: „Testament eines Antisemiten" wird wegen der darin enthaltenen Angriffe auf den Papst und wegen der gegen kirchliche Institutionen gerichteten allgemeinen Tendenz auf den Index gesetzt werden. Sa« Werno. (Ein abgewiesener Hetzprediger.) Man schreibt uns aus Nervi, 1. April: Der bekannte Herr Stöcker hat es für gut befunden, die verschiedenen klimatischen Curorte der Riviera zu Agitationszwecken aufzusuchen. Einige Mitglieder der sogenannten christlich-socialen Partei (eine deutsche Landplage, von welcher leider auch unser klimatisch so gesunder Curort angekränkelt zu werden beginnt) ließen sich diese Gelegenheit nicht entschlüpfen, um Stöcker, welcher sich noch immer Hofprediger a. D. nennt, zu einem Vortrage in dem am meisten von der vornehmen Welt besuchten „Eden-Hotel" einzuladen. Als sich jedoch der Besitzer, Herr Fanconi, über die von Stöcker verfolgte extreme und tendenziöse Richtung genauer informirt hatte, erklärte er mit ebenso viel Tact als Festigkeit dem Mucker-Comite rundweg, seinen Saal für einen Zweck nicht überlassen zu wollen, welcher die Gefühle seiner den verschiedensten religiösen Bekenntnissen und politischen Parteien angehörenden Gäste verletzen könnte. Lrlke, 22. März. Die hiesige Stadtvertretung hat der jüdischen Gemeinde einen Bauplatz zur Synagoge unentgeltlich überlassen. Morrs Die für den 28. März anberaumt gewesene Sitzung des Consistoriums behufs Vorberathung der Wahl eines Grand-Rabbin von Paris konnte wegen Abwesenheit des Präsidenten Baron Gustave de Rothschild nicht abgehalten werden. Die Candidaten für den zu besetzenden Posten sind der Grand-Rabbins von Bordeaux, Brüssel und Lyon, auf welche das durch Delegirte verstärkte Consistorium den Concurs beschränkt hat. Da die Candidaten bereits ihre Probepredigten abgehalten haben, so hat das Consistorium lediglich darüber Beschluß zu fassen, in welcher Reihenfolge die drei Candidaten in dem an das Centralconsistorium zu erstattenden Ternavorschlage namhaft zu machen seien. Der Beschluß hierüber wird in der nächsten Sitzung, welche sofort nach Rückkehr des Präsidenten des Consistoriums stattfinden wird, gefaßt werden. 'Maris. Gelegentlich des internationalen Bergarbeitercongreffes legten die deutschen Bergarbeiter vor ihrer Abreise aus Paris auf dem Friedhofe von Montmartre einen Kranz auf Heines Grab nieder. Der Kranz trug die Inschrift: „Die Kohlengräber ihrem Bruder Heinrich Heine." Delegirter Schröder feierte in einer Rede das Andenkeu des Dichters. Worocco. Die Times von Marocco veröffentlichte folgende Berichte: Der Sultan hat jüngst ein großes Stück Land den Juden der Stadt Marocco zur Errichtung eines neuen Mellah (Ghetto) angewiesen. Die Kosten der Errichtung der Mauern werden von dem Sultan bestritten, jene der. Häuser von den Juden selbst, welche jedoch verpflichtet sind, die Häuser dem Sultan zu überlassen, falls sie die Stadt verlassen, oder im Falle ihres Ablebens. Die Juden von Jmintanout, nahe bei Sesawa werden wieder von ihrem Käid verfolgt und über dessen Ansuchen hat der Sultan angeordnet, daß sie von diesem Orte veri bannt werden sollen. Der Käid wird in Hinkunft den Zutritt von Juden auf sein Gebiet vollständig untersagen. Mehrere Briefe sind in dieser Angelegenheit angekommen, in welchen die armen Leute bitter ihre Lage beklagen und Hilfe ihrer Glaubensbrüder anflehen. Das Rescript, welches ihre Vertreibung anordnet, wurde von dem Vezir im Namen Seiner Majestät übersendet. Der Abgesandte, welcher jüngst von den Juden von Magador wegen der vom Sultan versprochenen Erbauung des Mallah zu Hof geschickt wurde, ist diese Woche zurückgekommen, nachdem er lange Zeit vergebens auf eine Antwort gewartet hatte. Mi. Am 1. Mai wird eine landwirthschaftliche Ausstellung von Seiner Majestät dem Könige, in Anwesenheit der Senatoren, Deputirten rc. feierlich eröffnet werden Die Initiative für diese Ausstellung und deren Arrangement verdankt die Stadt unserm Glaubensgenossen Cavaliere Leonetto O t t o l e n g h i, welchem von allen Seiten für seine Thätigkeit im Interesse der Ausstellung wohlverdientes Lob gespendet wird. Mhitadetphia. Eine neue Ackerbaucolonie für russische Juden wird im Staate New Jersey errichtet werden. Ein Landstrich im Ausmaße von ungefähr 550 Acker wurde angekauft und bereits soweit gerodet, als dies für die erwarteten Colonisten nothwendig ist. Einrichtungsgegenstände für die Häuser der Colonisten werden bald aukommen und die Gebäude werden voraussichtlich anfangs Juni zum Beziehen fertig sein. Die Lage der neuen Colonie ist so günstig und gesund, als sie überhaupt in diesem Lande gefunden werden kann. Die Colonie liegt bei Muscee Station, einer neuen Stadt, welche zwischen Manumuskin und Belleplain situirt ist. Dieselbe ist circa 50 Meilen von Philadelphia entfernt, aber nur 15 von Vineland, um welche aufstrebende Stadt bereits vier jüdische Colonien angelegt sind. Fainilienblatt. Wochen- April 1891 Weadar- Nissan 5651 Kalender Freitag 10 2 ynrn Samstag 11 3 Sonntag 12 4 Montag 13 5 Dienstag 14 6 Mittwoch 15 7 Donnerstag 10 8 Freitag 17 9 Da» jüdische Ktiefkmd einer Christi«. Im Frühstückszimmer der Herrschaftswohnung im Fabriksgebäude zu Karlsdorf saßen der Fabriksbesitzer Herr Lebrecht und seine Frau Dorothea. „Wollner kommt noch heute zu uns herüber. Er will um deine Schwester anhalten." Die Frau war erschrocken und antwortete im ersten Augenblicke nicht. „Er glaubt ihrer Neigung bereits sicher zu sein," fuhr Herr Lebrecht fort. „Ich konnte ja weder zunoch abreden; was weiß ich, wie die Beiden mit einander stehen!" „O, das ist schlimm," versetzte die Frau. „Hast du denn in letzter Zeit bei ihr ein wärmeres Interesse für Wollner bemerkt." „Jedenfalls ist er ihr nicht gleichgiltig." „Nun, was ist schlimm dabei? Nach menschlichem Ermessen i wäre der Antrag für ein Glück zu erachten. Wollner ist eine durch und

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