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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-10 · 15 (10.4.1891) · p. Seite 273

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
15 (10.4.1891)
Date
1891-04-10
Page
Seite 273 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Gesterreichrfche Wochenschrift •'tkuwaee: 'öettt 278 geleiteten. Unser Cultusvorsteher, Herr Med. Dr. Adolf Eisler begrüßte hier Herrn Dr. Klotz aus das Herzlichste, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß dessen Wirken in unserer Gemeinde derselben im allgemeinen, der Heranwachsenden Jugend aber insbesondere zum Heile gereichen werde. Sichtlich ergriffen dankte Herr Dr. Klotz und versicherte, die besten Vorsätze zu hegen, das Wohl der Gemeinde zu fördern. Am Samstag den 4. April hielt Herr Dr. Klotz seine Antrittsrede, welche den Beweis lieferte, daß der Herr Rabbiner für seine Stellemit Wissen und Können vollkommen ausgerüstet sei. Budapest. (GrafFerdinand Zichy über Sal o m o n W e r t h e i m.) In der jüngst stattgehabten Generalversammlung der Sparcasse des Weißenburger Comitats gedachte Graf Ferdinand Zichy in lobenden Worten des Begründers der Sparcasse, Salomon Wertheim, der eine lange Reihe von Jahren hindurch der Leiter der Anstalt war. Redner glaubte das Andenken des Verewigten dadurch gebührend zu würdigen, daß er, wie „Egyenlöseg" meldet, das Bild desselben für die Anstalt malen ließ und auf den Namen Wertheims eine Stiftung im Betrage von 1000 st. errichtete, deren Zinsen alljährlich zur Unterstützung eines armen Hörers der Handelsschule verwendet werden sollen. Die Generalversammlung nahm diesen von Pietät und Anerkennung zeugenden Bericht mit lebhaftem Beifall zur Kenntniß. Gifenstadt. (Verwüstung eines Friedhofes.) Aus Eisensladt, 4. d. M. wird geschrieben: In der verflossenen Nacht drangen einige unbekannte Personen in den hiesigen neuen jüdischen Friedhof und schändeten die Ruhestätten von mehr als zwanzig längst Dahingeschiedenen; sie warfen die Grabsteine um, zertrümmerten viele derselben, raubten von einigen messingene Embleme, die sie wahrscheinlich für Gold hielten, endlich rissen sie einige Gräber auf und warfen die Knochen umher. Die Gendarmerie wurde von dem Vorgefallenen verständigt. Die israelitische Gemeinde hat demjenigen 100 fl. Belohnung zugesagt, der zur Eruirung der Thäter Anhaltspunkte liefern würde. Berlin. Allen Ernstes wird in einem Winkelblättchen „Das Volk" der Nachweis geführt, daß die Juden es seien, welche an den vielen Hals- und Lungenkrankheiten schuld sind. Die Sache ist sehr einfach. Die Juden beherrschen, wie alle anderen Dinge, auch die Mode, und da sie nebenbei sehr sinnlich sind, so zwingen sie die armen Germanen, eng anschließende und weit ausgeschnittene Kleider zu tragen, wobei sich diese die Lungen einquetschen und den Hals erkälten. Aber auch den christlich-germanischen Magen ruiniren sie systematisch mit den Kochbüchern, die meist von Jüdinnen verfaßt sind, und dem darin beschriebenen von jüdischem Ritus beeinflußten sogenannten „feinen" Essen. — Jetzt fehlt blos noch der Nachweis, daß der Gehirnschwund, unter dem dieses Blatt leidet, von den Juden angerichtet wird. Werkm. Dem biedern Stöckerblatt „Das Volk" ist wieder einmal ein kleines Malheur passirt. Es hatte einen geistreichen Artikel über die „neueste Bacillentheorie" gebracht, in dem ausgeführt war. daß die Juden an unserer gesundheitsgefährlichen Kleidung und Kost schuld seien. Die Kochbücher seien meist von Jüdinnen, z. B. Henriette D a v i d i s u. A. ver'aßt. Jetzt muß das gute Blatt auf Grund einer Berichtigung eingestehen, daß Henriette Davidis keine Jüdin ist, sondern einer alten lutherischen P a st o r e n f a m i l i e (!) der Grafschaft Mark entstammt. Es fügt der Berichtignug hinzu: „Wir bitten unsere Mitarbeiter höflichst, sich bei allen ähnlichen Angaben die größte Vorsicht und gewissenhafte Erkundigung zur Pflicht machen zu wollen " Es ist doch eigen, daß die frommen und germanischen Mitarbeiter des „Volk" so häufig wahrheitswidrige Angaben machen. Berlin. Herbert Bismarck soll in Monaco im Hazardspiele über 200.000 Francs verloren haben. Wie schade, daß Bismarck nicht mehr Kanzler ist. Da wäre wieder eine herrliche Gelegenheit, einem „nothleidenden" hohen Staatsbeamten aus dem Welfensond etwas auszuhelfen. Darmlkadt, 22. Mürz. Letzten Freitag wurde Herr Rabbiner Dr. S e l v e r neben Herrn Pfarrer Kocher und Herrn Pfarrer Waas (ersterer katholisch, letzterer evangelisch) als neu eintretendes Mitglied des städtischen Schulvorstandes eingeführt. Hierbei gedachte der Vorsitzende mit warmen Worten seines Vorgängers, des vor Jahresfrist Heimgegangenen Landesrabbiners Dr. Julius Landsberger. Die Versammlung ehrte das Andenken desselben durch Erheben von den Sitzen. Parmstadl, 25. März. Gestern hat sich hier unter lebhafter Betheiligung eine Bereinigung zur Abwehr des Antisemitismus gebildet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Director Dr. W u l ck o w ernannt. Die angeregten und interessanten Debatten lassen auf eine erfolgreiche Wirksamkeit in unserem von starken antisemitischen Strömungen durchsetzten Lande hoffen. Besonders fand die Anregung allgemeine Billigung, daß dem Religionsunterricht der Heranwachsenden israelitischen Jugend größere Sorgfalt zugewendet werden müsse und zwar durch eine regelmäßige staatliche Aufsicht seitens der jüdischen Geist lichkeit. London. Dem interessanten Berichte des Mr. R. Giffen vom Handelsministerium über die Auswanderung und Einwanderung im Jahre 1890, welcher Bericht Dienstag dem Parlamente vorgelegt wurde, ist zu entnehmen, daß von einer bedeutenden Einwanderung Fremder in das vereinigte Königreich nicht gesprochen werden könne. Die Mehrzahl der Fremden befindet sich nur auf dem Durchzuge. Zweifellos sei jedoch im Jahre 1890 die Einwanderung armer Leute, speciell russischer und polnischer Juden, über Hamburg in Zunahme begriffen. Die Totalsumme solcher Ankömmlinge belief sich im letzten Jahre auf ca. 900, also ungefähr um 4000 mehr als im vorhergehenden Jahre. Eine große Anzahl dieser Einwanderer wird von den jüdischen Wohlthütigkeitscomites unterstützt Dieselben können sich jedoch nur mit absolut Mittellosen befassen und es verbleibt immerhin noch eine große Zahl, welche die jüdischen Colonien in London, Manchester und Leeds vermehrt hat. Eine genaue Ziffer des Zuwachses läßt sich nicht angeben, doch wird derselbe im ganzen Lande auf 4000 bis 5000 geschätzt. Die bevorstehende Volkszählung wird ein genaues Urtheil über die Zahl der in den letzten zehn Jahren eingewanderten russischen und polnischen Juden gestatten. London. Tie Klagen über brutale Behandlung russischer Flüchtlinge, die genöthigt sind, aus den Bereinigten Staaten znrückzukehren und sich zu diesem Ende auf Schiffen als Taglöhner verdingen, häufen sich in letzter Zeit immer mehr. Diese Schiffe dienen zum Transporte von lebendem Viel), und die armen Flüchtlinge sind gezwungen, sich als Viehmärler zu verdingen. Nach dem imdevisd Okronide vollinhaltlich wieder gegebenen Berichte eines gewissen Wolf B r o d aus Lemberg wurden sie mit harter Arbeit physisch überbürdet, indem je drei Mann zur vollständigen Wartung von 120 Stück Vieh bestellt waren und für diese Wasser zu schöpfen und das Futter aus dem Laderäume herbeizuschaffen hatten. Die Ernährung war eine höchst mangelhafte und ihre Schlafftelle war nicht einmal gegen die Witterung geschützt, so daß sie unter Kälte und Hunger durch 17 Tage zu leiden hatten. Einer der Leidensgenossen, ein russischer Jude Namens R a c i e n, ist an den Folgen dieser unmenschlichen Behandlung gestorben.

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