Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 15 (10.4.1891)
- Date
- 1891-04-10
- Page
- Seite 272 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 272 Hesterreichische Wochenschrift Nr 15. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Wirksamkeit der Baron- Hirsch-Stiftung und vornehmlich durch den Rücktritt des Dr. Friedländer gedenkt die Israelitische Allianz die von ihr bisher unterhaltenen Schulen in Galizien auszulassen und ihre dortige Thätigkeit überhaupt wesentlich einzuschränken geuöthigt sein. Wien. Laut Meldung des „Deutschen Volksblattes" hat Se. Excellenz der Herr Haudelsminister Bacqu hem den ihm unterstehenden Beamten verboten, als antisemitische Candidaren auszutreten. Eine Intervention des Prinzen Liechten st ein beim Handelsminister um Rücknahme dieses Verbotes blie^' erfolglos. Wie«. Sonntag den 12. April halb 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Bethaus II. Große Schiffgasse 8 die Trauung des Fräulein Helene B o n d i, einer Tochter des Herrn Marcus B o n d i, mit Herrn David H a u s d o r f f aus Königsberg statt. Mie«, 2. April 1891. Vor einigen Tagen feierte der Schriftgießereinnd Realst ot'mbesitzer Herr Josef Pollak sein 40jähriges Fachjubiläum und auch seine silberne Hochzeit, wie auch die Verlobung seiner jüngsten Tochter Eugenie mit dem Herrn Regimentsarzte nnd Operateur Dr. Nicolaus T h o m ä n, Sohn des Comitatsphysicus Dr. Thomün in Homona. Das Jubelpaar ist in der Leopoldstadt wegen seines humanitären Wirkens hochgeehrt. Wie«. 5. April. Der Solo-Violoncellist der Hofoper, Profeffor Sulzer, veranstaltete im Saale Bösendorfer ein Concert, das sich eines ebenso guten Besuches, wie eines künstlerischen Erfolges zu erfreuen hatte Der Abend wurde eröffnet mit dem Vortrage der Sonate D-moll von Jg. Brüll; der Componist selbst spielte in seiner künstlerisch vollendeten Weise den Clavierpart. Das feinciselirte Werk and den verdienten Beifall, und sowohl Brüll wie Sulzer wurden nach jedem Satz stürmisch acclamirt. Der Concertgeber spielte dann „Air" von I. S. Bach und „Am Springbrunnen" von Dawidoff, letzteres mit ausgezeichneter Technik und wahrer Brillanz des Vortrages, ftrf. Malvine D ru cker. eine junge Kunstnovize von anmuthiger Erscheinung, sang ein Lied von Bizet und eine Arie („Sappho") von E v. Bauduin, später das bekannte „Ballgeflüster" von Helmund- Meyer mit hübscher Wirkung. Profeffor Sulzer spielte zum Schluffe noch ein eigenes Concert ^-mc.11, ein formvollendetes, gedankenreiches Werk, das jedenfalls seinen Weg machen wird, dann eine Romanze von Popper und eine Gavotte von E. v. Bauduin, ein bizarres, dabei aber graziöses Tonstück, das vielen Anklang fand. Beifall und Hervorrufe für den Concertgeber wollten kein Ende nehmen, und Herr Sulzer erhielt auch einen mächtigen Lorbeerkranz. Die Clavierbeglcitung besorgte in mustergiltiger Weise Herr Dr. Rottenberg. Wie«. Der Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender unter dem Präsidium des Herrn. Gemeinderathes und Cultusvorstehers k. k. Baurathes Wilhelm S t i a ß n y, beruft für Sonntag den l2. April 10 Uhr Vormittags im Sitzungssaale der israelischen Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse 4, die zweite ordentliche Generalversammlung ein. Tagesordnung: 1. Vorlage des Jahresberichtes für das Vereinsjahr 1890. 2. Bericht der Censoren und Beschlußfassung über denselben. 3. Wahl von Vorstandsmitgliedern. 4. Wahl der Censoren. 5. Eventuelle Anträge von Mitgliedern. Wie«. (Prediger Mannheimer-Verein.) Am 17. Ociober d. I. gelangen die Zinsen des „Prediger Mannheimer-Vereines" zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien unter der Adreffe: „Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines" zu übersenden. Mier». Der Wohlthätigkeits- und KrankenunterstützunqSverein „Mazmiach Jeschua" in Wien versendet seinen 24. Jahresbericht. Der Verein unter der Leitung des bewährten Präsidenten Herrn Jgn. Zolles und des Bicepräsidenten Herrn Emil Feigenbaum entwickelt eine segensreiche Thätigkeit. Und trotz der zahlreichen Hilfe und Förderung, welche der Verein im abgelaufenen Jahre Kranken und Nothleidenden gewährt hat, konnte doch die Bilanz erfreulicherweise mit einem Ueberschussc von 597 fl. 86 kr. abgeschlossen werden, der sich aus der Courssteigerung per 223 fl. 70 kr., der dem Vereine gehörigen Werthpapiere und dem Gebahrungsüberschusse per 374 fl. 16 kr. zusammensetzt. Das Bereinsvermögen ist bei der österr.-ungar. Bank in Wien deponirt, die diesbezüglichen Erlagscheine sind in der Bereinscasse unter dreifacher Mitsperre aufbewahrt. Diese Bereinscasse befindet sich im Comptoir des Herrn Ignatz Zolles, II. Rembrandtstraße3. Wie«. Der Verein „Admath Jeschurun" (Verein zur Unterstützung der Colonisation Palästinas) hält am Samstag den 11. d. M. um 8 Uhr Abends in Khuners Restauration (I. Börsegasse 14) einen Vereinsabend mit sehr interessantem Programm ab. Gäste willkommen. Mio». Dem Jahresberichte des kaufmännischen Unterstützungsvereines „Osten" in Wien für das Jahr 1890 entnehmen wir, daß sich die Verhältnisse des Vereines im abgelaufenen Jahre nicht gebessert haben, daß wohl vom Stamme nichts verloren ging, jedoch so manches welke Blatt abfiel, und daß der alte Stamm nur wenig neue Triebe aufzuweisen hat. Es ist dies zwar ein trauriges Zeichen, aber kein trostloser Zustand, so lange die Wurzeln des Stammes, die Triebfeder des Vereines nicht morsch, verrostet sind! So lange die Leitung des Vereines erprobten, arbeitsamen und mit ganzem Herzen an dem Verein hängenden Mitgliedern anvertraut ist, haben wir nicht zu befurchten, daß der Verein „Osten", ein für die leidende Menschheit so wichtiger Factor, gelockert oder gar zu Grunde gehen könne; denn jeder edeldenkende Mensch hat die Notwendigkeit des Bestandes dieses Vereines anerkannt, und darum sind dem Vereine alle Thore der wohlthätigrn Menschheit geöffnet! Und wer von uns, sei es auch irgendwo anklopft — überall wird er dem Vereine reichliche Beiträge bringen können. Wir dürfen unsere Hände nicht in den Schoß legen, wir alle müffen emsig fortarbeiten, um unseren Verein auf eine Höhe zu bringen, welche es der Leitung des Vereines ermöglicht, allen an dieselbe gestellten Anforderungen in reichlichem Maße gerecht zu werden und das leitende Comite in den Stand setzt, den an den Verein herantretenden Armen, Bedrängten nicht nur mit schönen Worten, sondern mit reichlicher Unterstützung unter die Arme greifen zu können! Denn, wenn wir befriedigte Menschen vor uns sehen werden, dann können wir mit unserem Werke zufrieden sein, und um so rastloser wollen wir dann auf dieser Bahn weiterschreiten! Die Einnahmen in diesem Jahre erreichten die Höhe von fl. 3311-69 und es wurden 352 Petenten in viesem Jahre mit fl. 2034 unterstützt. Für das Comits: der Präses S. Landau; die Schriftführers Jul. B. Weiß, Leon Widrich. Kokomea, 8. April. Man berichtet mir aus Kolomea, daß die Untersuchung gegen die Slobodaer Excedenten bereits beendigt, die Anklage aber noch nicht erhoben ist, jedoch läßt sich schon heute mit Bestimmtheit behaupten, daß der Bohrunternehmer und Grubenbesitzer Per eins nicht im mindesten darin verwickelt ist und von der ganzen Sache nichts gewußt hat. Hlaubrntz a. d. Me, den 5. April. Unsere altehrwürdige Cultusgemeinde, hat sich nach einem mehr als zwanzigjährigen Interregnum aufgerafft und beschlossen, den verwaisten Rabbinatsstuhl wieder zu besetzen. Die Wahl, welche einstimmig Herrn Dr. Moritz Klotz, der soeben seine Studien am Berliner Rabbiner-Seminar vollendet hat, traf, ist eine so glückliche, daß wir uns zu unserer Acquisition von ganzem Herzen gratuliren. Am 31. März traf Herr Dr. Klotz in unserer Stadt ein, erwartet auf dem Bahnhofe von allen hervorragenden Mitgliedern unserer Cultusgemeinde, die ihn in den Tempel, wo ein zahlreiches Publicum versammelt war,