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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-10 · 15 (10.4.1891) · p. Seite 269

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
15 (10.4.1891)
Date
1891-04-10
Page
Seite 269 (sequence 11)
Language
German
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ya. 15 Gesterretchijlche Wochenjchrttt «eite 269 willige Gerichtsbarkeit war sein Feld. Darauf hat er Bedeutendes geleistet. Das wissen die Einwohner namentlich der Stadt, deren Grundbuch ihm Jahre lang anvertraut war, und Ortschaften, in welchen er als Vormundschafts-Nachlaß-Grundbuchricliter zu thun hatte. Dankbarkeit des Gerichtsbezirkes müßte ihm bleiben für ein Menschenalter, auch wenn er nichts vollendet hatte, als die Auseinandersetzung der Boisenburg von Beuren. Um dieses verwickelte Geschäft zu Stande zu bringen, war eine- Ausdauer und eine bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Fürsorge nöthig, wie nur er sie besaß. Die Vorzüge und die Grenze seiner Fähigkeiten wohl erkennend, malte er sich oft und gern aus, wie er sein ferneres Leben als der Vormundsschaftsrichter eines hauptsächlich ländlichen Kreises in einer kleinen Stadt als Familienvater, als allgemeiner Berather geehrt und geliebt von seinen Mitmenschen vollenden, wie er sich dies durch treue Pflichterfüllung verdienen wolle. So lange er hier war, ist ihm dies gelungen. In allen Kreisen war er als ein edeldenkender hochachtbarer Mann willkommen geheißen. Seine weiteren Zukunstspläue hat der Tod verhindert. Unnennbare Bitterkeit erfüllt das Gemüth, wenn man bedenkt, durch welche Kleinigkeit dieser edle Geist zerstört wurde. Eine Ueberschreitung — seinem sonst so ruhigen und nachgiebigen Wesen vollständig fremd — ließ ihn der menschlichen Unsitte zum Opfer werden. Obgleich er über diese höher und vernünftiger dachte, als seine Gegner, glaubte er doch sich ihr unterwerfen zu müssen, weil er sich im Unrechte, und zu der Genugthuung verbunden fühlte, die der Gekränkte wünschte. Mit bedauernswerther Hast und Heimlichkeit betrieb dieser die Sache. Uebel berathen, vereitelte er durch eine beispiellose Häufung von Mißgriffen die friedliche Schlichtung des Streits, dessen schlimmer Ausgang so leicht zu verhüten war. Ziegel war darüber von vornherein nicht im Zweifel. Schon vor Jahren hat er ausgesprochen, daß ein früher Tod im Zweikampfe sein Los sein würde. Denn er kannte die Vorurtheile seiner Zeitgenoffen. Er benutzte die wenigen Lebenstage, um noch schwebende Rechtssachen zu erledigen und seine eigenen Angelegenheiten zu ordnen. Gesetzt und ruhig, wehmüthig und des alten Vaters gedenkend, ging er seinem Schicksal entgegen. Beim zweiten Kugelwechsel traf ihn das Geschoß des Gegners in die Hüfte. Innere Theile waren zwar nicht verletzt, doch eine Blutvergiftung trot ein und am 20. März d. I., zehn Tage nach dem unglücklichen Zusammenstöße, l9 Tage nach seinem letzten Geburtstage, an welchem er boffnungsfreudig sein neues Lebensjahr begonnen hatte — beschloß der Tod seine Laufbahn. Wir stehen dieser vollendeten Thalsache rath- und thatlos gegenüber. Tief beklagen wir alle den Verlust, tief'den greisen Vater, tief die menschlichen Einrichtungen, die solche Vorgänge zulassen. Das Andenken Robert Ziegels werden wir alle Zeit in Ehren halten!" Waris, 4. März. In der Rue Lafitte, wo sich das Comptoir des Freiherrn Alphonse v. Rothschild befindet, erschien vor einiger Zeit ein Vertreter des Herrn v. Wyschnegradski und forderte eine Unterkunft für die russischen Millionen, die von der Angst vor den Krisen aufgescheucht würden und, durch das Mißtrauen getrieben, die Ruhe verloren. Diese obdachlosen Millionen sind unstet, als wären sie mit einem Fluche belastet. Einst waren sie in Berlin und wurden von dem Zorn des Fürsten Bismarck verjagt; dann kamen sie in das Comptoir d'Escompte nach Paris, und das alte Institut verprasselte wie ein Feuerwerk, von dem nur ein wenig Asche zurückbleibt. Nun zogen sie nach London ins Haus Baring, und diese einst so ehrwürdige Firma versank in dem Schlamm einer mißleiteten Gewinnsucht. Diese Millionen waren der Spielfonds aller Plätze, sie waren oft in Gefahr, in einen Bankerott hineingezerrt zu werden, ihr Kommen brachte Verderben, und ihr Scheiden war der Beginn des Ruins. Herr v. Wyschnegradski besitzt fünfundzwanzig Millionen Pfund, welche er in London, in Amsterdam, in Paris und Berlin angelegt hatte. Herr v. Wyschnegradski wurde aber selbst zaghaft und schwankend und das Gold plagt auch chn wie ein schwerer Kummer. Der Boden zeigt in London viele Risse und Sprünge, eine dünne Kruste bedeckt tiefe Abgründe, Milliarden sind verschwunden, in vielen Hauptbüchern sind ernste Geheimnisse versteckt und der Credit angesehener Kausleute ist verblaßt. Herr v Wischnegradski hatte die Absicht, dem Hause Rothschild den größten Theil seines Guthabens zu überweisen, aber die mächtigste Bankfirma der Welt entschloß sich nur zögernd und mit Widerstreben, den Betrag von zwölf Millionen Pfund anzunehmen. Ein solcher Einleger ist wohl noch niemals 311 einem Banquier gekommen, und das Haus Rothschild verfügt jetzt über die zwölf Millionen des Herrn v. Wischnegradski. Es berührt eigenthümlich, daß die russische Regierung, welche die jüdischen Bürger ihres Reiches wie gemeinschädliche Raubthiere verfolgt, in Frankreich an die Zuverlässigkeit eines jüdischen Kaufmannes glaubt und ihm zwölf Millionen Pfund ohne jede greifbare Sicherheit in laufender Rechnung übergibt. Auch diese Thatsache ist ein Beweis für die Heuchelei, in welcher der gewissenlose Kampf gegen eine Schichte der Gesellschaft begründet wird. Welche verwerfliche Ungerechtigkeit steckt in einer Politik, welche den armen Juden von seinem Hofe und aus seiner Heimat verjagt und sich, wenn es das eigene Interesse heischt, ohne Scrupel des reichen Juden bedient. Baron Rothschild ist der Geschäftsfreund des Czaren, aber als ein französischer Jude, der die Ausstellung in Moskau beschicken wollte, wurde ihm vom russischen Consul in Paris der Paß verweigert, mit dem Hinweis, es müsse seitens des Bittstellers ein Taufschein vorgelegt werden. Auf Intervention der französischen Regierung erfolgte nach dem „Memorial diplomat." gleichfalls Ablehnung seitens des nordischen Reiches. Da es in Frankreich eine Menge geborener Christen gibt, die nicht getauft sind, so ist man begierig zu wissen, ob auch diesen der Eintritt in das russische Reich verschlossen bleibt. O welche Weisheit in der Regierung des großen Czaren! Waris, 26. März. Der Brigadegeneral Adolf H i n st i» ist zum Divisionsgeneral ernannt worden. Ueber den Beförderten wird von den »Archiven israelites« mitgetheilt: H i n st i n ist in Pans am 5. Juni 1831 geboren. Bon seinen Brüdern ist einer Fregattencapitän, ein zweiter Ingenieur, ein dritter Professor. Die Laufbahn des neuen Divisionsgenerals war folgende: Beim Verlassen der Kriegsschule in Metz wurde H i n st i n nach der Krim geschickt, wo er während der Belagerung von Sebastopol zweimal verwundet und decorirt wurde. Sein Hauptmannspatent erhielt er bei der Erstürmung des Malakoff und gehörte dann dem dritten Regiment des Geniecorps an. Im Jahre 1870 wurde er Bataillonschef. Er hat in 45 Dienstjahren zehn Feldzüge mitgemacht; zum Oberst wurde er 1878, zum Brigadegeneral 1884 befördert. H i n st i n ist der vierte Israelit, der den Rang eines Divisionsgenerals erhallen hat. Im Ganzen zählt die französische Armee sechs jüdische Generäle. — Der Pariser Journalist Henri von Ofen (Israelit) hat infolge einiger Stellen in Drumonts „Testament eines Antisemiten" dem Verfasser dieses Pamphlets seine Zeugen geschickt. Das Säbelduell hat darauf in der Umgegend von Paris stattgefunden und mit einer Verwundung des Herrn von Ofen geendet. Petersburg. Der bekannte französische Publicist und Akademiker Anatole Lerroy-Beaulieu. Verfasser des Werkes „L’Empiredes Tzars1-, hat eine Denkschrift über die russische» Juden veröffentlicht und dieselbe dem Kaiser, dem Großfürsten Michael (als Präsidenten des Reichsrathes), den Ministern, Mitgliedern des Reichsrathes und anderen einflußreichen Würdenträgern zugesendet. Der „Grashdanin", der mittheilt, daß der Herr Leroy- Beaulieu sein Werk vielen der höchsten Beamten unter Kreuzband zugeschickt habe, ftagt höhnisch, wozu die Vertreter der russischen Bureaukratie sich mit der neuesten Production des französischen Schriftstellers bekannt machen

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