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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-10 · 15 (10.4.1891) · p. Seite 268

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
15 (10.4.1891)
Date
1891-04-10
Page
Seite 268 (sequence 10)
Language
German
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«Seite 268 Geflerretchtsche Mochenschrtfr Ätr. 15. hat, sondern getrachtet, allen Parteien gerecht zu werden, so wäre es doch der Gerechtigkeit entsprechender gewesen, wenn auch die Führer der galizischen Orthodoxen an den Berathungen Theil genommen hätten. Herr Jg. L. Schreiber ans Drohobycz hat alle Anstrengungen gemacht, um der Enquete zugezogen zu werden, allein sein miserables, compromittirendes Verhalten während der Reichsrathswahlen, wo der genannte „Führer" von den orthodoxen Wählern überall eclatant desavouirt worden ist, hat es herbeigeführt, daß die Behörde ihn nicht mehr ernst, sondern als lächerliche Figur aussaßt. Nur darf man den Verein des Herrn Schreiber nicht mit der orthodoxen Judenschaft verwechseln. Wenn mau Schreiber mit Recht abgewiesen hat, so hätte man doch nicht verabsäumen dürfen, andere Vertreter der orthodoxen Juden beizuziehen, um ihre Wünsche zu vernehmen und zu berücksichtigen. Hoffentlich läßt sich das Versäumte nachholen. Werk«. (Sonne nthal und Barna y.) Daß zwei berühmte Bühnenkünstler, die zu den hervorragendsten ihrer Zeit gehören, in demselben Hause zur Welt kamen, die für sie die Bretter bedeutet, daß der Collegialität der beiden Kunstgrößen eine Generation vorher die Freundschaft der Eltern vorausgeht, das ist doch wohl eine vereinzelte Erscheinung in der Theatergeschichte. Schon dieser merkwürdigen Erscheinung wegen wollen wir etwas von einer interessanten und reizvollen Veranstaltung verrathen, die jedes öffentlichen Charakters entbehrte, bei der u. A. auch jene bemerkenswerthe Thalsache constatirt wurde. Auf die Gefahr einer unschuldigen und unschädlichen Jndiscretion wollen wir von einem Banket erzählen, daß Herr Director Barnay am Sonntag Abend für Sonnenthal veranstaltete. Adolf Sonnenthal hatte im „Berliner Theater" eine Vorstellung von „Kenn" beigewohnt und war von dem Collegen, dessen Leistung er eben mit so vieler Aufmerksamkeit und so vielem Beifall begleitet hatte, zum Abendessen eingeladen worden. In den prächtigen Sälen der Barnay'schen Privatwohnung hatte sich indeß eine glänzende Gesellschaft zusammengesunden. Wir bemerkten den vormaligen Kriegsminister General Verdy du Vernois, den Generaladjutanten des Kaisers, General ä la suite Grafen von Wedelt, Baron von Cramm - Burgdorff, braunschweigischen Gesandten und bevollmächtigten Minister, den Flügeladjutanten Major von Hülsen, Prozessor Mentzel, Ernst Wlchert, Stettenheim, einige hervorragende Vertteter der Wissenschaft und Kunst, mehrere Angehörige der Presse und die hervorragenden Mitglieder des „Berliner Theaters". Während der Tafel erhob sich Ludwig Barnay, um seine Gäste, insbesondere aber den Ehrengast des Abends, den „ersten deutschen Schauspieler" zu begrüßen. In dieser, mit der ganzen, oft bewunderten Barnay'schen Redegewandtheit, so leicht und natürlich, dann wieder so schwungvoll gehaltenen Ansprache war's wo Barnay zunächst constatirte, daß seine Beziehungen zu Sonnenthal sehr alt sind. Sie seien nicht blos im selben Lande, in derselben Stadt, sie seien auch im selben Hause zu Pest geboren und ihre Eltern schon seien befreundet gewesen. Barnay erzählte nun, wie besonders auch das leuchtende Beispiel des Hausgenoffen Sonnenthal ihn reizte, sich der Bühne zuzuwenden, und wie er im Jahre 1857, ein 15jähriger Bursche, nach Wien zog, um den inzwischen berühmt gewordenen Landsmann aufzusuchen. Es war nicht leicht, Sonnenthal zu treffen, der übrigens erst kurz vorher von Laube zu seiner glänzenden Stellung am Burgtheater berufen wurde. Er habe eben französische Stunde, hieß es einmal, dann war's wieder Musik- oder Geschichtsstunde, denn, in einer vielbeneideten ersten Stellung schon, arbeite Sonnenthal doch unausgesetzt an seiner weiteren Ausbildung. „Dummer Junge!" mit diesem herzhaften überzeugten Ausruf begrüßte Sonnenthal den Hausgenossen, als er ihm endlich sein Verlangen nach dem Theater vortragen konnte. Sonnenthal nahm mit ihm, dem noch tief im ungarischen Dialect stehenden Anfänger die Rolle des Kosinski durch und rieth ihm * schließlich „gieb es eilig auf". Barnay sprach nun von späteren Begegnungen mit Sonnenthal, den er warm als Muster und Zierde des Standes pries. Das kräftig ausgebrachte „Hoch" fand kräftigen Widerhall. Sonnenthal antwortete mit einigen bewegten, herzlichen Dankesmorten, bei denen es mit begreiflicher Heiterkeit ausgenommen wurde, als er, einer der ersten Sprecher der deutschön Bühne, bescheiden sagte, die Kunst der Rede sei ihm fremd. Ein drittes Hoch von Dr. Gumbinuei warm ausgebracht, von der Gesellschaft stürmisch ausgenommen, galt dein guten Geist des Hauses, der Frau Director Barnay. Gegen Mitternacht etwa wurde die Tafel aufgehoben. Die Gesellschaft blieb aber im anregendsten, heitersten Plaudern noch lange beisammen. chöttingeu. Die Nachrichten über das Duell, welches den Tod des jüdischen Assessors Ziegel zur Folge hatte, suchen geflissentlich die Ursachen des unglücklichen Zweikampfes möglichst zu verhüllen. Jetzt wird uns von eingeweihter Seite mitgetheilt, es habe sich um eine antisemitische Großthat gehandelt. Referendar Schneidewirt hatte den Ziegel „Judenbengel" geschimpft. Ziegel beantwortete den Schimpf mir einer Ohrfeige, worauf die Forderung auf Pistolen folgte. Ueber den traurigen Fall bringt die „Heiligenst. Ztg." folgenden Artikel: „H e i l i g e n st a d t, 33. März. Ein dumpfer Druck lastet auf unserer Bevölkerung. Wir alle fühlen uns im Banne jenes Ereignisses, das in unserer Stadt leider begonnen und nun seinen traurigen Abschluß gefunden hat. Nicht wie sonst, wenn in die Kreise der Freude mit Gigantenschritt geheimnisvoll nach Geisterweise ein ungeheures Schicksal tritt, beugen wir uns vor dem Unabänderlichen, sondern wir klagen die menschlichen Verkehrtheiten des Denkens und Thuns an, die in diesem Falle die Kette von der kleinen Ursache zur großen Wirkung bildeten. Wir fühlen uns der Mitschuld theilhaftig, daß unter Menschen so etwas geschehen kann, und das Bewußtsein unserer Ohnmacht verzehrt das Herz. In allen Kreisen aber herrscht aufrichtige Trauer um den hoffnungsvollen Mann, den der vernichtende Schlag getroffen. Herr Robert Ziegel, am 1. März 1859 zu Wongrowitz im Großherzogthum Posen als Sohn eines jüdischen — wohlhabenden aber nicht reichen — Kaufmannes geboren, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte dann die Rechte und trat im Frühling 1884 in den Staatsdienst. Nachdem er zuerst beim Amtsgericht in Worbis und beim Landgericht in Torgau als Referendar gearbeitet hatte, setzte er vom October 1885 ab am hiesigen Amtsgericht den Vorbereitungsdienst fort. Schon damals als ein fleißiger und lernbegieriger Schüler des Rechts wußte er sich die Achtung seiner Vorgesetzten, die Zuneigung derer, welche mit ihm amtlich und gesellschaftlich verkehrten, zu erwerben. Ende 1886 verließ er Heiligenstadt. Nach der Vollendung seines Vorbereitungsdienstes und nachdem er am 14. December 1887 die große Staatsprüfung abgelegt hatte, kehrte er hierher als Affessor zurück. Seitdem hat er regen Antheil an den Geschäften des Amtsgerichts genommen und Gelegenheit gehabt, seine Fähigkeiten und seine Liebenswürdigkeit zu entfalten und zu verwerthen. Seine Sache war es nicht zu blenden und zu glänzen. Er war eine sinnige Natur. Am Einzelnen und am Kleinen hatte er seine Freude. In seinem Garten, an seinen Vogelbauern fühlte er sich am wohlsten — wenn er die Entwicklung seiner Pflanzen und Hausthiere beobachte, mit liebevoller Sorgfalt sie pflegen konnte. Ebenso konnte cr sich Stunden lang mit Kindern beschäftigen, ohne ihrer Unarten überdrüssig zn werden. Fleißig übte er die Kunst des Gesanges und der Malerei. Er verstand überhaupt durch eigene Thättgkeit, indem er gern auf die kleinen Schönheiten des Lebens achtete, die Andere unbemerkt laffen, sich ein häusliches Behagen zu verschaffen. Dieselbe liebevolle Sorgfalt wendete er seinen richterlichen Geschäften zu. Das hilfreiche, verständnißinnige Besorgen der chm vorgetragenen Sachen betrachtete er als seine Hauptaufgabe. Die frei-

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