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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-10 · 15 (10.4.1891) · p. Seite 267

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
15 (10.4.1891)
Date
1891-04-10
Page
Seite 267 (sequence 9)
Language
German
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vrr. 15 Gejlerreichifche Wocharjiyrtfr «ent 2 s critQrit einer ganzen Kategorie von jüdischen Bundesgenossen und Kampfbrüdern der Antisemiten, die alle jüdischen Interessen verrathen, blos weil sie „jüdische Interessen" sind. Nun, die „Oesterr. Wochenschrift", deren Stimme nicht blos in Galizien, sondern auch über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus Beachtung findet, wird dafür sorgen, daß diesem Renegatcngefindel keinerlei „jüdische Interessen" fürderhin ausgeliefert werden. Möge die intelligente, bildungsfreundliche und volkstreue jüdische Bevölkerung Lembergs uuferni Beispiele folgend, endlich sich aufraffen und die Handvoll Denuncianten furchtlos aus seiner Mitte ausscheiden. Wien, 7. April-. Wir erhalten aus Brünn folgende Zuschrift: „Geehrter Herr Redacteur! Das Wiener Witzblatt „Figaro" hat einst unter der Leitung des trefflichen Karl Sitter zu den besten und freisinnigsten Blättern dieser Art gehört. Um so mehr ist es zu beklagen, daß der „Figaro" seit geraumer Zeit zu einem geradezu fanatischen Antisemitenorgan geworden ist, welches in jeder Nummer die Juden in maßloser Weise verhöhnt und verunglimpft. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß der gegenwärtige Redacteur vor einigen Jahren kurze Zeit Präsident des Wiener Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia" war und heute noch Mitarbeiter des „Neuen Wiener Tagblatt" ist. Wie Herr Schembera seine heutige verhetzende Thätigkcit mit seiner literarischen Stellung vereinbaren kann, erscheint mir, und gewiß auch jedem Honnet denkenden Menschen unbegreiflich. So lange die Angriffe des „Figaro" sich nur gegen die Juden allein richteten, konnte man über dieselben noch mit dem Schweigen der Verachtung hinweggehen. Soeben kommt mir jedoch zufällig eine Nummer des „Figaro" in die Hand, in welcher der ehemalige Abgeordnete Dr. Kronaw etter angegriffen und „Judensreund" und „Bauernfeind" titulirt wird. Welche Bezeichnung ein Blatt verdient, das einst an der Spitze des Fortschritts marschirte und heute seine ruhmreiche Vergangenheit so weit vergißt, daß es sich mit dem Schmutze des Antisemitismus befleckt, darf ich wohl ruhig dem Urtbeile Ihrer Leser überlassen. Wer, eingedenkt der frühren Haltung dieser Zeitschrift, heute eine Nummer derselben in die Hand nimmt, kann nur bedauern, daß der ganze Witz des „Figaro" heute in dem heiseren „Hepp, Hepp" besteht, welches dasselbe den bethörten Massen zujohlt. Aber mag der „Figaro" immerhin seine verhetzende Wirksamkeit sortsetzen: den einzelnen jüdischen Existenzen kann das wohl schaden, dem unerschütterlichen Band des Judenthums jedoch wird die Meute der Kläffer mit jenem Erfolg anbellen, mit welchem der Mops den Mond anheult, der strahlend seine Bahn weiterwandelt. Der Jude hat für die papierenen Zugeständnisse der Gesellschaft die größten Opfer gebracht, um dafür schließlich Haß und Verfolgung einzutauschen. Aber wenn auch heute die verhörenden Wirkungen des Judenhasses im Einzelnen fühlbar werden, das Judenthum selbst wird zuletzt doch aus einem Kampfe siegreich hei Vorgehen, in welchem für dasselbe der Geist der Geschichte und der Geist der Menschlichkeit kämpft Der „Figaro" dient heute einer Richtung, die einst ebenso hinweggefegt Werden wird, wie jene kurzsichtigen und gewissenlosen Menschen, welche die Presse ihrer erhabenen Aufgabe abwendig machen, die Bahnbrecherin des Fortschrittes und der Aufklärung zu sein. Hochachtungsvoll L. V e i t h." Lemberg- In Ausführung des Gesetzes über die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenosienschaft berief der Statthalter Graf B ad eui eine Enquete aus jüdischen Cultusvorständen und Deputirten nach Lemberg zur Berathung eines Musterstatutes für israelitische Gemeinden Galiziens. Gegen 20 Einladungen behufs Theilnahme an dieser Berathung sind ergangen; allein nur folgende Herren sind erschienen, und zwar aus Lemberg: Samuel H o r o w i tz, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde; Dr. Simon Schaff, Cultusvorsteher und Schulreferent; Dr. Emil Byk, Reichsrathsabgeordn ter und Bicepräsident des israelitischen Cnltusrathes in Lemberg; Dr. B. Goldmann, Landtagsabgeordneter, und Israel Kohen; aus Krakau: Albert M e n d el s b u rg, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, und Landau; aus Brody: Salomo CHajes und Leon B. Sigall; aus Przemysl: Sckwarzlhal. Präsident der dortigen israelitischen Cultusgemeinde; aus Stanislau: H. H a l p e r n; aus Stryj: Dr. Philipp F r u ch t m a n n, Landtagsabgeordneter, und aus Turka, einem Städtchen Galiziens aus dem alten Samborer Kreise, Sch echtes. — Tie Berathungen, welche drei volle Tage, d. i. den 16., 17. und 18. März, in Anspruch nahmen, fanden im Statthaltereigebäude unter Vorsitz des Vicepräsidenten, Herrn L i d l, statt. Als Referent fungirte der Statthaltereirath Herr Mandyczewski und der Statthaltereisecretär Herr Z a r e m b a. Als Basis der Berathungen dienten ein Statut des Lemberger israelitischen Cultusvorstandes, ein Statut des Krakauer israelitischen Cultusvorstandes, sowie das Statut des Rabbiners Schreiber. lieber dieses letztere Statut hatte Herr Dr. 2 ch a f f das Referat übernommen und mit großer Gründlichkeit geprüft. Nach einer eingehenden Berathung über sämmtliche vorgelegten Statuten wurde das Schreibe r'sche als unpraktisch und dem Geiste der Autonomie widersprechend verworfen und als Basis das Statut der Lemberger Cultnsgemeinde angenommen, lieber nachstehende Punkte wurden die Berathungen gepflogen und mehr oder weniger in dieser Fassung acceptirt. 1. lieber die Anzahl der Cultusräthe, welche von 9 bis 30, die der Vorstände von 3 bis 7 bestimmt wurden. 2. Ueber die Wahlen in die Cultusgemeinde- Repräsentanz, wobei beschlossen wurde, daß die Wahlen durch Curien, und zwar von 2 bis 3 zu geschehen haben, damit auch den Minoritäten Gelegenheit geboten werde, ihre Vertreter in dieselben zu entsenden. 3. Ueber die Rabbiner und Schächter. Dieselben sind Cultusbeamte und werden von der Repräsentanz der Gemeinde ernannt, die Cantoren hingegen sind es nicht. Tie Ernennung der Schächter hat über Vorschlag des Rabbiners zu erfolgen. Sollte aber dieser binnen einer gewissen Frist den Vorschlag zu machen versäumen, so steht es der Cultusrepräsentanz frei, dieselben ohne Vorschlag zu ernennen. Die Schückter dürfen von den Parteien keine, welche immer geartete Entlohnung annehmen. Sie werden von der Gemeinde besoldet; jedoch steht es derselben ftei, einen Schächterlohn, der in die Cultuscasse fließt, zu bestimmen. 4. Wenn eine Anzahl Gemeindemitglieder sich durch wesentliche Ritualformen beim Gottesdienste unterscheiden. dann ist die Cultusrepräsentanz verpflichtet, für sie ein besonderes Bethaus einzurichten. 5. Die Privatzusammenkünfte zu Andachtszwecken (Minjanim), sowie religiöse Vereine hängen von der Bewilligung des Cultusvorstandes ab und unterstehen dessen Aufficht. Diese sind mehr oder weniger die wichtigsten Punkte, welche in der Enquote zur Berathung gelangten und welche auf privatem Wege ins Publicum gedrungen sind, indem das „Lemberger Amtsblatt" hierüber tiefes Schweigen beobachtet, welches wir im Interesse der Sache selbst für inopportun halten, da eine öffentliche Besprechung der Angelegenheit wohl die Kritik herausfordern würde und daher viel zur Klärung der ganzen Sache beitragen könnte. Als besonders wichtig muß ich die BeschlüM. betreffend die Besoldung und Anstellung der Schächter, sowie der Minjanim und religiösen Vereine, hervorheben. Die orthodoxe Partei, welche in Galizien die unbestrittene Mehrheit unter den Juden besitzt, war in der Enquete nahezu gar nicht vertreten und wenn man auch zugeben muß. daß die Enquete bei den gefaßten Beschlüssen von jedem Parteistandpunkt abgesehen und das numerische Uebergewicht der fortschrittlichen Vertreter nicht-ausgenützt

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