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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-03 · 14 (3.4.1891) · p. Seite 253

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
14 (3.4.1891)
Date
1891-04-03
Page
Seite 253 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14 Gesterreichische Wochenschrift *6eue 253 sicher, Herr Simon R o s e n f e l d, der schon seit viele Jahre Obmann des Vereines ist, fast mit Acclamation neugewählt. Um 5 Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder in das schwarzdecorrirte und hellbeleuchtete Gotteshaus zum Hesped, wo Sr. Ehrwürden mit seinem reichbegabten Rednertalent den schweren Verlust den das Judenthum durch das Ableben der vier bewährten Rabbiner, B r ü l l, Lehman, Joel und H. K a tz erlitten, unter allgemeinem Beifalle schilderte und wird die Feierlichkeit mit den üblichen Todtengebeten geschlossen. ' Mudapest, 22. März. Herr E. Birnbaum ist zum portugiesischen Consul ernannt worden. Karkstadt, 27. März. In der am 25. Mürz hier abgehaltenen Generalversammlung der Chewra - Kadischa wurde der bisherige Präses derselben, Herr Karl B e cf, mit begeisterter Acclamation wiedergewühlt. Herr Beck, eine den besten Kreisen angehörende, allenthalben hochgeachtete Persönlichkeit, begeistert sich überhaupt für alles Gute und Edle, so daß wir wünschten, daß es viele Männer mit solcher Gesinnung gäbe! Der langjährige, verdienstvolle Vorsteher unserer Cultusgemeinde, Herr Philipp Reiner, der nebenbei bemerkt erst vor Kurzem dem Tempel ein großartiges Kle- Kodesch gespendet, sowohl als das Ausschußmitglied Herr Max Heinrich, sind seit vielen Jahren städtische Gemeinderäthe; der Sohn des Elfteren, Herr Wilhelm Reiner, der erst unlängst von einem slavischen Fürsten decorirt worden, ist Präsident des hiesigen ersten kroatischen Gesangvereines „Zora"; der Ehrenpräses der hierortigen Cultusgemeinde, Herr k. Sanitätsrath Dr. Stern, Comitatsphysikus und Ehrenbürger von Karlsladt; der Obercantor derselben Gemeinde, Herr I o s e f o v i c, Mitglied des städtischen Schulrathes, so erfreuen sich die Juden im Allgemeinen hier einer in den gegenwärtigen Zeitläuften leider seltenen Toleranz. J. Imme, im Mürz. Bezugnehmend auf den bei Gibraltar gestrandeten Dampfer „Utopia" habe ich Ihnen folgenden lobenswerthen Act des dortigen „Comite Jsraelites" zu berichten. Der Dampfer „Utopia", welcher hier Maaren ladete, war ein großer, schöner Dampfer, welcher der „Anchor-Gesellschaft" gehörte. An die hiesige israelitische Cultusgemeinde kam das erste Telegramm mit dem Inhalte: „Dampfer „Utopia" hier gestrandet, ersuchen anzugeben, ob aus Fiume Israeliten auf dem Schiffe waren, eventuell die Namen derselben uns bekanntgebeu wollen." Wir telegraphirten retour, daß nicht ein einziger Fiumaner Glaubensgenosse auf dem Dampfer war. Laut später hier einlangenden Nachrichten hatte der Dampfer 830 Fahrgäste, von welchen bei der Katastro he 292 gerettet, mithin 538 ertranken. Gottlob, es war nicht ein einziger Jehudi unter denselben. Merlin, 25. März. Der bekannte Genremaler Professor Max Michael, Lehrer an der königlichen Akademie der Künste, ist gestern, einen Tag nach seinem 68. Geburtstage, plötzlich in Folge eines Herzschlages gestorben. Seit 1875 dem Lehrercollegium der Berliner Akademie angehörend, hat er sich bald einen weilen Kreis von Freunden und Verehrern geschaffen, die seinen jähen Tod tief beklagen werden. In Hamburg geboren, bezog Michael,achtzehnjährig, die Dresdener Akademie und ging 1846 nach Paris, wo er Schüler von Lehmann und Conture wurde. Im Anfang der fünfziger Jahre begab er sich nach Italien und lebte mit geringen Unterbrechungen bis 1870 in Rom. Er malte fast nur Genrebilder aus dem italienischen Volks- und Klosterleben, vorzugsweise Sceneu aus dem Leben der untersten Volksclassen, die er mit ungeschminkter Wahrheit und treffender Charakteristik schilderte. Zu seinen besten Werken gehören die Mädchenschule im Sabinergebirge, neapolitanische Fischer, eine Bauernfamilie in ärmlicher Behausung, Mönche auf dem Chor und „Pietro da Cortona malt ein Altarbild in einem Kloster". Sein letztes Bild war das 1880 entstandene „Hiob mit seinen Freunden disputirend". Michael war aus frommem jüdischen Hause, hatte in seiner Jugend Talmud studirt und bis in sein Alter sich ein lebhaftes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten bewahrt. Friede seiner Asche! Merlin, 23. März. Der Vorstand des Jüdischen Mädchen st iftes veröffentlicht seinen ersten Bericht über dieses der hauswirthschaftlichen Ausbildung unbemittelter jüdischer Mädchen dienende vortreffliche Institut. Dasselbe, am 21. April v. I. mit zunächst sechs unentgeltlich unterhaltenen Zöglingen in den Mietsrüumen Öranienburgerstraße 73 eröffnet, stillt eine bisher in den gemeinnützigen und wohlthätigen Bestrebungen innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde gebliebene Lücke zweckmäßig aus und ersteut sich vielseitiger fördernder Theilnahme, welche es auch in reichstem Maße verdient. Die Summe der Jahresbeiträge ist auf 3669 M., der Capitalfonds aus 12.733 M. 13 Pf. angewachsen. Stuttgart, 20. März. Herr Rittergutsbesitzer Friedr. K a u l l a in Oberdischingen ist vom Könige mit der silbernen Verdienstmedaille für Landwirthschast ausgezeichnet worden. Arier, 15. März. Das Stadtverordnetencollegium beschloß gegen den Widerspruch der klerikalen Gruppe die israelitische Volks- und Gemeiudeschule mit auf den städtischen Etat zu übernehmen. Mom, 16. März. Unser Glaubensgenosse Legationsrath Graf Oscar H i e r s ch e l von Minerbi, welcher zu einem hohen Posten bei der italienischen Gesandtschaft in London ernannt worden war. wurde nach Rom abberufen und mit einer verantwortungsvollen Stellung im auswärtigen Ministerium betraut. Lille. Die jüdische Gemeinde von Lille beabsichtigt eine neue Synagoge mit einem Kostenaufwande von 100.000 Francs zu errichten. Der Departementsrath hat hiezu eine Subvention von 3000 Francs bewilligt, während der Platz von der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird. London. Die genaue Durchführung der Bokkszählung, welche am 5. April stattsinden soll, ist mit großen Schwierigkeiten verbunden, da diese Maßnahme bei der Mehrzahl der fremden Inden keinen Anklang findet. Die unangenehmen Erfahrungen, welche dieselben in den Ländern, aus welchen sie ausgewandert sind, gemacht haben, sind ihnen noch zu lebhaft in Erinnerung, als daß man ihnen begreiflich machen könnte, daß die Volkszählung lediglich statistische Zwecke verfolge. Abgesehen davon werden auch religiöse Bedenken gegen die Vollszählung vorgebracht, da bekanntlich sowohl die heilige Schrift, als auch der Talmud die directe Zählung der Juden ausdrücklich verbieten. Um nun den bereits mitgetheilten Wünschen der Volkszählungscommission nachzukommen, hat Rev. Dr. Adler eine Versammlung sämmtlicher Funktionäre in sein Bureau berufen, um denselben Instructionen behufs Aufklärung der stemden Juden über die Zwecke der Volkszählung und behufs Unterstützung derselben bei Ausfüllung des Volkszählungsbogen zu aeben. Auch werden Damen und Herren, welche der deutschen Sprache mächtig sind, als Volontäre ihre Dienste für den Volkszählungstag zur Verstigung stellen. Die jüdischen Vorsteher haben überdies Veranlassung getroffen, daß Volkszählungsbogen, in deutscher Sprache abgefaßt und mit hebräischen Schriftzeichen gedruckt, den stemden Juden ausgefolgt werden. Diese Drucksorte ist gewiß eines der eigenartigsten Documente und ein Beweis dafür, daß die maßgebenden Persönlichkeiten der Gemeinde bestrebt sind, die Behörde in ihren diesfälligen Absichten nach Möglichkeit zu unterstützen

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