Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 14 (3.4.1891)
- Date
- 1891-04-03
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 252 Hesterreichische Wochenschrift dtr 14. Bewegung theilnahmen. Dr. Jellinek schilderte in ergreifenden Worten den Lebenslauf der verstorbenen Frau, welcher nur dem Wohlthun und edlen Werken gewidmet gewesen war. Wien, 29. März. Heute wurde hier Herr Leon Chajes, der einer Lungenentzündung zum Opfer fiel, zur ewigen Ruhe gebettet. Er war der Sohn des berühmten Rabbiners zu Solkiew, R. Hirsch C h aje s, der, ein zweiter Rapoport, ausgebreitete Kenntniß der jüdischen Literatur mit kritischem Verständniß vereinigte und durch zahlreiche Schriften seinen Namen verewigt hat. Der Verstorbene hat als Kaufmann in Folge seiner gewissenhaftesten Geschäftsführung sich des besten Rufes erfreut. Durch seine tüchtige jüdische und allgemeine Bildung, sein religiöses Jntereste und seinen Wohlthätigkeitssinn wußte er das Vertrauen der Gemeinde in Solkiew zu gewinnen, in welcher er viele Jahre das Amt eines Vorstehers, sowie andere Ehrenämter bekleidete. Seine Frau, sein Sohn, der geachtete Advocat Dr. Cbafts in Krakau, und eine verheiratete Tochter trauern an seinem Grabe. Herr Dr. Güdemann hielt dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Wieu. Vergangenen Freitag wurde der als Gelehrter wie als Mensch gleich ausgezeichnete. Rabbiner Herr Emanuel Friedländer im Alter von 84 Jahren zu Grabe getragen. Er hatte das 50jährige Martyrium eines Rabbiners einer ungarischen Gemeinde durchgemacht und lebte seit dem vor sechs Jahren erfolgten Tode seiner treuen Lebensgefährtin abwechselnd bei seinen Kindern, welche ihn nun, seinem Wunsche gemäß, in stiller Trauer, ohne Chor und Predigt bestatteten. Wir werden demnächst das nach manchen Richtungen hin interessante und lehrreiche Lebensbild des Dahingeschiedenen aus berufener Feder bringen. Wien, ,30. März. Tief erschütternd ist das tragische Geschick, welches den Geschäftsreisenden der Firma Heinrich Klinger, Herrn Max Ziegler, betroffen hat. Auf der Heimreise zu seiner Familie begriffen, in deren Kreise er die Feiertage verbringen wollte, wurde der kraftvolle blühende. Mann auf dem Bahnhofe in Kuffstein in furchtbarer Weise ermordet. Herr Ziegler, der sich allgemeiner Werthschätzung und Hochachtung erfreute, hinterläßt eine trostlose Frau und drei unmündige Kinder, für deren Zuknnst Herr Klinger in humanster Weise die Sorge übernahm. Die Leiche Zieglers wurde gestern Vormittags auf dem Centralfriedhofe beerdigt. Die überaus große Betheiligung von Leidtragenden, die Anwesenheit des gesammten Personals der Firma Klinger, sowie zahlreiche Geschäftsfreunde und Bekannte Zieglers gaben ein beredtes Zeugniß für die Achtung und die Sympathien, der sich der Verstorbene erfreute, und für die innige Theilnahme, welche allgemein der Familie Zieglers entgegengebracht wird. Zahlreiche Kränze, darunter ein prachtvoller Kranz mit der Aufschrift: „Ihrem treuen, unermüdlichen Mitarbeiter —die Chefs der Firma Klinger" schmückte den Sarg. Der Tempelchor sang unter Leitung des Obercantors Singer in der Halle ein Trauerlied, worauf Prediger Dr. Jellinek die Trauerrede hielt. In ergreifender Weise schilderte er das tragische Geschick, das den Verblichenen betroffen und das allenthalben die lebhafteste Theilnahme für die Angehörigen wachgerufen. „Er wollte heimkehren zu seiner Famile," sagte Dr. Jellinek, „da traf ihn der Mordstahl und er ist eingekehrt in das Reich Gottes." Die Worte des Predigers machten einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer; als er geendigt, ertönte lautes Schluchzen. An dem offenen Grabe widmete der Procurist der Firma Klinger, Herr Lemberger, dem Verstorbenen einen Nachruf, in welchem er der Pflichtreue und der ausgezeichneten Eigenschaften Zieglers rühmend gedachte. Damit schloß die Trauerfeier, welche angesichts des Jammers der bedauernswerthen Gattin Zieglers und ihrer beiden kleinen Kinder auf die Anwesenden einen erschütternden Eindruck ausübte. Wien. Der Kranken-Unterstützungs- und Humanitätsverein „Gomle-chesed" (Vereinskanzlei: I. Werderthorgasse 9) hält Sonntag den 5. April 3 Uhr Nachmittags im kleinen Saale der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer seine 25. ordentliche Generalversammlung. Dem versendeten Jahresbericht entnehmen wir erfteuliche Ziffern über die wohlthätige Wirksamkeit des Vereines und über die Gebahrung der Vereinsleitung. Es genügt darauf hinzuweisen, daß der außerordentliche Unterstützungsfond des Vereines ein Vermögen von fl. 609-48 ausweist; trotzdem im vergangenen Jahre an Unterstützungen in der Höhe von fl. 507-90 an Vereinsmitglieder verabreicht wurden; und der Waisenfond erfreut sicb eines Vermögens von fl. 1680-50 in Barem und fl. 4000 Mai- Rente; welche zu Gunsten dreier Waisenconti angelegt sind. Diese Ziffern reden für sich selber. Das derzeitige Vereinsvermögen beträgt fl. 14.820-51. Die Vereinsleitung besteht aus den Herren Bernhard K a n i tz, Präsident. Michael Jockel, Vice - Präsident, Michael Neurath, Cassier, David Kornfeld, Controlor. und Heinrich Mayer, Secretär. Wir wünschen dem Vereine auch fernerhin ein gedeihliches Wirken. Wien. Der Vorstand der türkisch-sep h ardischen Gemeinde in Wien, deren Tempel eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten Wiens bildet, veröffentlichte den Ausweis über die Cassagebahrung dieser Gemeinde für das Jahr 1890. Nach diesem betragen die Einnahmen 31.280 fl. 84 kr., die Ausgaben 26.248 fl. 50 kr. und verbleibt am 31. December 1890 ein Saldo von 5032 fl. 34 kr. Unter den Ausgaben ist der Betrag von 12.420 fl. für bezahlte Zinsen der Tempelobligationen. Der derzeitige Vorstand besteht aus den Herren Marcus M. R u s s o, Licco L. A d u t t (Vorstands, Gabriel H. A d u t t, Salamon D. Asriel, Rudolf Mazliach. Wien. Herr Vergani kündigt auf Ersuchen eines Freundes in Graz an: „Gedulden Sie sich freundlichst noch einige Tage, bis die Wahlen vorüber sind und in unserem Blatte Raum ftei wird. Dann wollen wir das Gebühren Schönerers mit dem Gelde des „Schuld er eins für Deutsche" in einem Aufsatze eingehend beleuchten." Keitigenstadt (Deutschl.) Einblütiges Duell auf Pistolen hat vor einigen Tagen hier zwischen dem jüdischen Assessor Ziegel und dem Referendar Sch neid erwirth stattgefunden. Der Assessor hat einen Schuß in den Unterleib erhalten, und liegt, sehr schwer verwundet, in der Göttinger Klinik. Der Gegner ist unverletzt geblieben und sitzt in Erfurt in Haft. Ob antisemitische Motive zugrunde liegen, wird die Untersuchung ergeben. ^rag, 18. März. Der israelitische Cultusverein für Bodenbach, Tetschen und Umgebung hat sich als Cultusgemeinde constituirt. Brünn. Wie hier verlautet, soll der Reichsraths-Abgeordnete und langjährige Präsident der Brünner Handelskammer, Herr Julius G o m p e r z, gelegentlich des nächstens zu gewärtigenden Pairsschubes in's Herrenhaus berufen werden. Es heißt weiter, daß die Brünner Handelskammer Herrn Rudolf A u s p i tz zum Reichsraths-Abgeordneten wählen wird. KoLetein, 29. März. Am 15. d. M. wurde hier eine Generalversammlung der Chevra Kaddischa abgehalten und Sr. Ehrwürden Dr. Hoff aus Proßnitz zur Abhaltung einer Gastpredigt eingeladen. Sr. Ehrwürden benützte diese Gelegenheit, um den verstorbenen Rabbiner Brüll in Frankfurt einen gebührenden Nachruf zu widmen, und nachden Sr. Ehrwürden um 3 Uhr Nachmittags im Sitzungssäle seinen sehr lehrreichen und interessanten Vortrag über den Zweck des Vereines gehalten, wurde unser verdienstvoller Cultusvor-