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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-03 · 14 (3.4.1891) · p. Seite 247

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
14 (3.4.1891)
Date
1891-04-03
Page
Seite 247 (sequence 9)
Language
German
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maasm y er. 14 Ge-terreiHisHe ZVochenschnir Seite 247. Aber das Capital! fährt der Verfasser fort. Die Juden haben das Capital! Das heißt: Die Juden haben auch Capital, ebenso wie sie Armuth und Elend haben. Capitalist und Jude sein, ist nicht dasselbe und über dem Hause Rothschild gibt es noch andere, aber ch r i st l i ch e C r ö s u s s e, denke nur an Amerika, an England, an verschiedene Fürstenhäuser. Das Capital wirkt jedoch an und für sich weder feindlicher noch freundlicher, ob es sich nun in Juden- oder Christenhänden befindet, es wirkt nach den ihm innewohnenden Gesetzen unerbittlich, .das ist wahr, aber nicht immer. Ich habe schon oft von jüdischen W o h l t h ä t e r n gelesen, welche manchen christlichen Geizhals zu Schanden machten. Daß sie ihrer eigenen Stammes- oder Glaubensgenossen dabei nicht vergessen, finde ich nur lobenswerth und zur Nachahmung auffordernd. Daß sie, bei uns wenigstens, die Börse beherrschen, ist wahr; ich kenne aber auch echte Arier die es gar nicht verschmähen, aus der Schüssel der Börse speculation m i t z n e s s e n. Die Börse empfindlich zu besteuern, ist ein braver und nützlicher Gedanke, ich wünsche lebhaft, ihn einmal zur That werden zu sehen; sollte es Euch aber gelingen, dieJuden aus der Börse zu vertreiben, so gebe ich es Dir s ch o n h e u t e schriftlich, daß Ihr damit n u r den Christen den Platz frei machen würdet Wirkt das Capital „antisocial", so übt es diese Wirkung, ob nun Rothschild oder Schwarzenberg oder Liechtenstein seine Eigner sind, und ich habe auch noch nicht gesehen, daß das Vermögen der Kirche oder der katholischen Geldinstitute an der Lösung der socialen Frage arbeitet oder zur Bezahlung der bäuerlichen Grundschuld verwendet wird. Trotz alledem wird doch immer nur das „jüdische" Capital als der Prügeljunge behandelt und die Phantasie der Besitzlosen mit der Vorstellung der jüdischen Geldsäcke und dem mühelosen jüdischen Gelderwerbe erhitzt. Wenn nur der Antisemitismus bei den Capitalisten und Unternehmern stehen bliebe! Allein er läßt es sich an diesen durchaus nicht genügen. Er richtet sich gegen den Juden überhaupt, sei dieser nun ein Glückspilz oder theile er mit den Christen die Sorgen und Lasten eines kargen Daseins. Ihr thut zwar öfter recht großmüthig und sagt: Beileibe, den armen jüdischen Hausierer, den betrachten wir nicht als unseren Feind, da sei Gott vor! Man braucht aber nicht erst beim Hausierer angelangt zu sein, um eueren Haß zu verkosten, obwohl übrigens auch die „Reform" des Hausierwesens gegen niemand anderen als die Juden gemünzt ist Was Ihr befeindet, ist das I u d e s e i n überhaupt, der k l e i n st e jüdische Krämer i st in euren Augen sofort der Repräsentant des jüdischen Großcapitals, und der unbedeutendste jüdische Reporter reicht hin, um ein Blatt, für das er schreibt, auf der Stelle als ein Organ der „allgemeinen Corruption" zu kennzeichnen. Wer immer Jude ist, und wäre er der ruhigste, bescheidenste und simpelste Staatsbürger, erleidet schon hiedurch eine < apitis deminutio, trägt schon hiedurch das Brandmal der bürgerlichen Bedenklichkeit. „Er ist sonst ganz anständig aber ein Jud'" — das kann man hundertmal zu hören bekommen. „Aber ein Jud'!" Darin steckt eure ganze tiefsinnige Weisheit, mehr könnt Ihr dem ärmsten Teufel von einem Juden nicht vorwersen. Sobald der Mann aber etwas hat und seine Groschen spart, um seine Kinderschar ernähren zu können, dann gilt es sogleich für ausgemacht, daß er „bei diesen schweren Zeiten" gar nicht anders als durch Betrug und heimlichen Schwindel, durch Beraubung der Christen sich etwas verdienen könne, und im Handumdrehen wird er zum Ruin der christlichen Geschäftsleute. So geht es fort, vom kleinen Händler bis hinauf in die gelehrten Professionen, zu den Aerzten und Advocaten. Das Judesein gilt dem Antisemiten schon an und für sich als ein Kainszeichen." Gin Kries Joses Israels*. Der Verfasser des Artikels „Die Israels im ötünstlerhause". in Nr. 13 der „^österreichischen Wochenschrift", wurde durch ein Schreiben des Meisters erfreut, welches wir hiemit unverändert wiedergeben. Israels ist bekanntlich von Geburt Holländer und es ist ein besonderer Act der Courtoisie, daß er sich der ihm nicht geläusigen deutschen Sprache bediente. Das Schreiben lautet: Haag, 29. März 1891. Herrn Ar. Fr—nn. Wien. Geehrter Herr! Ich danke Ihnen für Ihre lieben feilen, die Sie mir geschickt haben und für die Zusendung des Artikels in der „Oesterr. Wochenschr." betreffend meine Bilder. Ich kann mir denken, daß bei Ihnen, wo leider der Antisemitismus noch grassirt, die Gedanken über meine Werke sich dahin leiten. Glücklicherweise weiß man bei uns nichts davon; auch glaube ich nicht, daß es dauerhaft bei Ihnen sein kann, weites wirklich nicht wahr ist, daß d i e I u d e n s ch l e ch t e r sind, als die C h r i st e n , und was nicht wahr ist. geht weg. Inzwischen macht es mir viele Freude, daß Sie so schon über meine Leistungen geschrieben haben und hoffe ich, wenn Sie mal wieder nach Holland, kommen, das Vergnügen zu haben, Sie bei mir -ppy jilWS zu sehen. Hochachtungsvoll Josef Israels. Korrespondenzen. Wien. Am letzten Samstag hat die Barmizwaseier des zweiten Sohnes des Herrn Baron Albert v. Rothschild, Alphonse, im Tempel in der Seitenstättengasse stattgesunden, bei welchem Anlasse der Letztere 2000 fl. für verschiedene Wohlthätigkeitsvereine vor der Thora spendete. Der junge Barmizwa trug das Maftir laut und mit Berständniß vor. Zu Mittag fand im Palais in der Heugasse ein Dejeuner statt, das der Restaurant T o n e l l o in trefflicher Weise hergestellt hatte, und zu welchem außer einigen langjährigen Beamten des Hauses auch die Herren Prediger Dr. Ielline k und Dr. G üd em anu, Obercantor Singer, Religionslehrer K an itz, Baurath S t ia ß n y, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Stein und kaiserlicher Rath Frankel geladen waren. Gegen Ende der in festlicher Weise geschmückten Tafel sprach Herr Dr. Güdemann einen Toast auf das Elternpaar und den jungen Barmizwa. Herr Dr. I e l l i u e k widmete seinen Trinkspruch den Großeltern in Paris. Alsdann hielt der Barmizwa mit kindlicher Wärme und Innigkeit eine Ansprache an die Gäste, worin er seinen Eltern und Lehrern dankte und seiner Familie würdig werden zu wollen versprach. Die kurze Rede machte den besten Eindruck. Hierauf erhob sich Herr Baron v. Rothschild und erklärte, daß es ihm als einem „einfachen Geschästsmanne" nicht einfallen könne, mit den Rednern von Berus zu concurriren, er wolle sich nicht einmal mit seinem Sohne in Concurrenz einlaffen, denn der habe seine Jungfernrede gehalten, deshalb beschränke er sich aus den Ausdruck des Wunsches, daß die anwesenden Gäste auch bei den Barmizwafeierlichkeiten der jüngeren drei Söhne ebenso fröhlich wie heute versammelt sein mögen. Die Gäste nahmen den launig gesprochenen Wunsch mit lebhaftem Beifalle zur Kenntniß. Den Schluß der Tafel bildete das hebräische Tischgebet, welches der Barmizwa wirksam und verständnißvoll vortrug. Die ganze Feier war von echt jüdischem, ftommen Geiste getragen, die Unterhaltung zwanglos und angeregt, wobei keiner der Anwesenden das Bewußtsein verlor, bei einer religiösen Festfeier sich zu befinden. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß der wohlthuende Eindruck, mit welchem die Gäste von dem Feste schieden, wesentlich dem feinen, ordnenden Sinne der Frau Baronin B e t t i n a zu danken war, die liebenswürdig und entgegenkommend einen Hauch von

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