Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 14 (3.4.1891)
- Date
- 1891-04-03
- Page
- Seite 244 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 244 Hesterreichische Wochenschrift Mi. 14 Schreiber weder Dr ohobyczer Rabbiner noch überhaupt Rabbiner ist. Nun soll es mir gestattet sein, auch die weitere dahingehende Angabe. Schreiber wäre Wortführer der orthodoxen Juden Galiziens, im eminenten Interesse der eines jeden der 700.000 Juden Galiziens im höchsten Grade hiedurch tangirten Ehre, auf ihre Richtigkeit hiemit zu prüfen. Der. Dank seiner reichen Geldheirath nach Drohobycz verpflanzte Preßburger Rabbinerssohn Schreiber, lebt nahezu zwanzig Jahren in unserer friedliebenden Gemeinde, welche für Männer von gutem Willen nnd thatkräftiger Jnitiaüve, ein sehr dankbares, weites und breites Feld bietet zur mannigfachen Entwicklung einer ersprießlichen gemeinnützigen Thätigkeit, sei es auf humanitärem oder culturellem Gebiete, in conservativer oder fortschrittlicher Richtung. Wir — die wir das öffentliche Leben und Wirken (?) des sogenannten Wortführers der orthodoxen galizischen Juden so viele Jahre in nächster Nähe kennen zu lernen in der Lage waren — wollen daher durch Mittheilung einiger tatsächlicher Einzelheiten, zur treuen Jllustrirung und Charakterisirung dieses „Führers" beitragen. Als Dr. Fried länder nach langwierigen Verhandlungen namens der Israelitischen Allianz zu Wien mit maßqebenden Persönlichkeiten unserer Cultusgemeinde im Jahre 1887 nahe daran war, eine durch ansehnliche Gründungsbeittäge von Gemeindemitgliedern unterstützte öffentliche Schule in Drohobycz zu errichten, bot Schreiber seinen verderblichen Einfluß bei dessen angesehenen Anverwandten, die mit namhaften Subscriptionen als Gründer der Schule beigetteten auf, sich von der „gottlosen" Schule zurückzuziehen und dadurch deren Errichtung zu vereiteln. Ja, Zerstören ist viel leichter als Aufbauen! Hat etwa der Obmann des „Machsike-Hadass" durch die allerkleinste That die Aufrichtung der hier arg darniederliegenden Talmud-Thora oder gar die Errichtung einer jüdischen Lehranstalt „J es chiw a" zur Pflege des Talmud- und Thorastudiums jemals versucht? Hat dieser Wortführer der Orthodoxen dies auch nur mit einem einzigen offenen Worte einmal angeregt? Nichts von alledem! Wie es sich mit der Mild- und Wohlthätigkeit dieses frommen Krösus in unserer Gemeinde verhalt, wie er den „Pflichten des Besitzes" gerecht wird, möge folgendes Factum beantworten: Die unter der hiesigen armen jüdischen Bevölkerung zur Winterszeit doppelt empfindliche Armuth war auch die Mutter der hier seit vier Jahren bestehenden jüdischen Volksküche, welche mangels eigener Fonds auf milde Gaben und Beittäge der bemittelten jüdischen Gemeindemitglieder nothwendig angewiesen ist, die ihr auch allseitig zu Theil werden. Vom reichen Schreiber hat unsere jüdische Volksküche noch keinen Beitrag bekommen. Dafür hat der Präsident des „Machsike-Hadass" Schreiber, das Reinerträgniß einer, gegen die bekannte, während der Debatte über das Gesetz betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft , im österreichischen Herrenhause vom Baron Königswarter gehaltene Rede vom Rabbiner Dr. Gugenheimer unter dem Titel „Replik" geschriebene Broschüre — zu welcher Schreiber für seinen Theil Titelblatt und Namen beigetragen hat — in splendid-humaner Weise einem allerdings eminent wohlthätigen Zwecke, und zwar „der Freiwilligen Rettungsgesellschaft in — Wien" gewidmet! O, diese verkehrte Welt! Die Israelitische Allianz in Wien und der große Philanthrop Baron Hirsch verlegen den Schwerpunkt ihrer segensreichen lvohlthätigen Wirksamkeit überwiegend nach dem armen Galizien. Der „Führer" der orthodoxen Jude n dieses armenLandes hingegen führt das Reinerträgniß (?) einer von ihm herausgegebenen Streitschrift, als Benefice zu Gunsten der „Freiwilligen R e t t u n g sgesell schüft" nach Wien ab! Für die in Armuth schmachtenden Glaubensbrüder hat Herr Schreiber in seinem ganzen Leben noch keinen Gulden geopfert!! Die auf den ersten Blick höchst sonderbar, ja beinahe unerklärlich vorkommende Sympalhiebezeugung des „Machsike- Hadass"-Präsidenten für die Wiener Rettungsgesellschaft wird bald erklärlich und von selbst begreiflich, wenn man nur erwägt, daß eigentlich der Verein „Machsike-Hadass" „mit derselben, nominell wenigstens, sehr nahe verwandt und auch nichts anderes als so eine Art „Freiwillige Rettungsgesellschaft" ist. Wir ftagen: Um Gottes Willen, ist denn der abschreckende Lärm „Judenthum in Gefahr!" etwas anderes als das wohlbekannte zweckheiligende Mittel berüchtigter Lärmer und Schwärmer, damit auf diesen blinden Feuerlärm die ungebetene lärmende freiwillige Rettungs-Gesellschaft „M a chs i k e - H a d a s s" sich zu schaffen gebe, um damit unter diesem Gespensterlärm die „M a s i k e i - Hadass" ihr unheimlich Wesen tteiben könnten! Wir fragen weiter: Finden sich denn unter unseren 700.000 galizischen Glaubensgenossen nicht genug Männer von Beruf und Autorität, von Wissen und Gelehrsamkeit, von wahrer Frömmigkeit und echter Religiösität, welche bei Vorhandensein auch nur der geringsten Gefahr für Judenthum und jüdische Religion — möge sie von Außen oder Innen kommen — gottlob ihre Pflicht kennen, sich mit vollem Eifer der Sache des heiligen Glaubens anzunehmen? Woher kommt der noch immer nach Preß bürg z u st ä n d i g e, nach den bestehenden österreichischen Gesetzen als Ausländer hier wohnhafte Schrei ber, der hier weder Land noch Leute kennt, dazu, sich die Führerschaft der orthodoxen Juden Galiziens anzumaßen? Dieser Fremde hat jüngsthin erst öffentlich im Morgenblatte der „Neuen Freien Presse" vom 24. v. M. sich darüber beschwert, von der galizischen Statthalterei bei Einberufung einer Enquete zur Feststellung eines Musterstatutes für die galizische Cultusgemeinde übergangen worden zu sein! Man muß sich billig darüber wundern, daß der ö st e r r e i ch i s ch e Verein „M a ch s i k e-H a d a ss" mit der Vertretung nach Außen einen Ausländer betrauen sollte! Wohl war Schreiber längst schon auf der Suche, sich a lg, Meisels das Bürgerrecht einer galizischen Gemeinde zu „e r w e r b e n", bis heute leider noch immer vergeblich. Trotzdem und alldem genirte es den Ausländer Schreiber, der weder actives noch passives Wahlrecht in Oesterreich besitzt, nicht, der „Neue Freie Presse" im Februar l. I. mit einer öffentlichen Erklärung aufzubinden, daß er das ihm angeblich vom Kolomeaer Städtewahlbezirke angetragene Reichsrathsmandat anzunehmen „aus Gesundheitsrücksichten" nicht in der Lage sei. Daß Gott des Erhalters des jüdischen Glaubens „Machsike-Hadass" sich erbarme! Der Mann krankt leider schwer an — Größenwahn. Er ist wohl, wie er uns in der „N. Fr. Presse" vom 24. v. M. versichert, diplomirter Rabbiner — leider aber! ohne Rabbiuatsposteu. Er arrogirt sich die Rolle eines