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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-03 · 14 (3.4.1891) · p. Seite 240

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
14 (3.4.1891)
Date
1891-04-03
Page
Seite 240 (sequence 2)
Language
German
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Seiit 24Ü Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 14. Jüdische Colome» i» Palästina. Noch niemals ist so viel von der Colonisation Palästinas gesprochen worden, wie gegenwärtig. Die Verwirklichung dieser Idee liegt gleichsam in der Luft. Die von Tag zu Tag sich verschlimmernde Lage unserer Glaubensgenossen in Rußland und Rumänien zwingt zur endgiltigen Lösung der brennendsten aller Zeitfragen, wo die von Haus und Hof Gejagten Zuflucht und Schutz finden können. Bis jetzt wandte sich die Mehrzahl der Auswandernden nach Amerika und England, wo sie aber durch Unkenntniß der Sprache und wirthschastlichen Verhältnisse, durch die Unmöglichkeit, mit der m diesen beiden Ländern so hochentwickelten Landwirthschaft des Großgrundbesitzes und der Großindustrie concurriren zu können, nur in neues Elend geriethen. Zudem häufen sich die Mahnungen und Warnungen, der Masseneinwanderung nach England und Amerika einen Damm zu setzen, wenn nicht durch die Neueinwandernden die bereits Ansässigen schwer gefährdet werden sollen. Die Emigration nach anderen überseeischen Ländern (Argentinien, Brasilien rc.) verbietet sich jetzt bei der Unsicherheit der politischen und ökonomischen Verhältnisse in diesen Ländern von selbst, und wird auch in Zukunst, schon wegen der sehr bedeutenden Reisekosten dahin nur in bescheidenem Umfange erfolgen können. Wo also denn den Flüchtenden eine neue Heimat gründen? wo ihnen die Möglichkeit schaffen, selbstständig ihren Lebensunterhalt zu finden? Auf diese bange Frage, an deren Lösung jedes Mitglied unserer Glaubensgeuossenschaft nach seinem Können mitzuarbeiten die hellige Pflicht hat, haben unsere russischen Brüder selbst die Antwort ertheilt, indem eine starke Auswanderung nach Palästina schon seit Jahren sich vollzieht. Neben der idealen Begeisterung leitet die Auswandernden vorwiegend die Wahrnehmung, daß fitst särnrntliche palLstineustsch -jü-i schen (Mtfuteit vortrefflich profperiren, daß Palästina für den fleißigen, ausdauernden Ackerbauer noch heute ein „Land, wo Milch und Honig fließt", ist, in welchem er unter dem Schutze einer wahrhaft duld samen Regierung, welche die Einwanderung nicht nur nicht hindert, sondern hochherzig fördert, sicher und geborgen seinem Berufe nachgehen kann. Aus eigener Kraft können sich jedoch die Auswandernden unmöglich in Palästina eine neue Heimat gründen, denn die überwiegende Mehrzahl der russischen Juden sind arme Leute. Schon der Ankauf der Bodenkrume ist ihnen unerreichbar und dann erfordern die Colonien in den ersten Jahren unbedingt der Unterstützung. Als Utopie muß der Schritt bezeichnet werden, von welchem die amerikanischen Blätter jüngsthin meldeten, daß nämlich dem Präsidenten Harrison eine von den angesehensten Männern der Republik Unterzeichnete Denkschrift vorgelegt wurde, in welcher ersucht wird, die Regierung der Vereinigten Staaten, möge ihren Einfluß bei den europäischen Regierungen dahin geltend machen, daß eine internationale Conferenz einberufen werde, auf welcher Schritte gethan werden sollen, die russischen Juden nach Palästina zu befördern. Eine Utopie, weil die meisten Regierungen Europas die Colonisirung Palästinas durch Juden nur mit scheelen Augen ansehen würden und den Einwandernden eher Prügel vor die Füße werfen würden, als sie dazu unterstützen. Wir Juden sind bei diesem Werke auf uns selbst angewiesen und die jüdische Solidarität muß hier ihre Probe bestehen. Zu den bereits befindlichen Colonien müssen neue geschaffen werden durch ein Netz von Vereinen, das sich über die ganze europäische Judenheit zieht, wie thatsächlich schon einige bestehen, z. B. der „Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Syrien und Palästin a", der seinen Sitz in Odessa hat und viele Tausende von Mitgliedern zählt. Auch in Amerika, neuerdings auch in Frankreich, zumal in England hat dieses Beispiel begeisternde Nachahmung gefunden, indem eine stattliche Anzahl von Chowewe-Zion-Vereine entstanden und Träger gefeierter Namen an ihre Spitze traten. (So sind Präsidenten des Londoner Vereines die Herren Josef Sebay-Montef i o r e, Colonel Goldsmith und Sir Oswald Simon.) In Deutschland ist es der Verein „E s r a", der denselben Zweck verfolgt. Der soeben veröffentlichte Jahresbericht dieses letzteren Vereines schließt mit dem auch bei uns in Oesterreich zu beherzigenden Appell: „Es gilt, den Tausenden, welche, um ihres, um unseres Glaubens willen verfolgt, zum Wanderstabe greifen müssen, eine neue Heimat zu schaffen. Sie wollen mit Egge und Pflugschaar auf dem heiligen Boden der Väter in harter Arbeit als Ackerbauer ihren Lebensunterhalt selbst sich schaffen, und bilden so den lebendigen Protest gegen jene gerade in unseren Tagen am häufigsten gehörte Lügenanklage, daß „der Jude den Ackerbau verschmäht". Ist es nicht schon deshalb heilige Pflicht jedes Juden, der sich Herz und Sinn für die Ehre unseres Stammes und Bekenntnisses bewahrt hat, jene palästinensischen Brüder zu unterstützen? In Rußland, in Amerika, in England und Frankreich erkennen immer weitere Kreise diese Pflicht und wetteifern in deren Bethätigung — wie lange noch wird unsere Judenheit zurückstehen?" Der Kampf «« den Franck-Kaffee. Seit Jahren wird über die rituelle Zulässigkeit jenes Kaffee-Surrogats, welches unter dem Namen Franck-Kaffee bekannt ist, in Galizien zwischen den Fabrikanten Francku. Söhne und den Rabbinern ein heftiger Kampf geführt. Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat die einzelnen Phasen dieses Kampfes, welcher weit über die Bedeutung eines gewöhnlichen Concurrenzstreites hinausreicht, genau verfolgt und in einem Artikel vom 20. Juli 1888 die Angelegenheit eingehend besprochen. Es ist selbstverständlich, daß die Rabbiner in Galizien in strenger Beachtung und Befolgung der jüdischen Speisegesetze ihre Aufmerksamkeit in hervorragenden Maße jenen Nahrungsmitteln zuwenden, welche nicht unter ihrer Aufsicht im Lande hergestellt, sondern von Außen importirt werden, und daß diese Aufmerksamkeit insbesondere sich auf solche Genußmittel erstreckt, welche sich als Surrogate der natürlichen Produkte darstellen und auf künstlichen Wege erzeugt werden. Zu diesen Surrogaten gehört in erster Linie das Erzeugniß der Firma „Franck und Söhne", für dessen Absatz speciell unter den orthoxen Juden Galiziens die größten Anstrengungen gemacht werden. Die g a l i z i s ch e n Rabbiner haben sich auf Grund eingehender Prüfungen schon seit langer Zeit ge gen die rituelle Zulässigkeit dieses Fabrikates ausg e s p r o ch e n, sie haben einmüthig den Franck-Kaffee „geaffert" und denselben für »trete« erklärt. Die Rabbiner haben sich bei diesen Entscheidungen auf eine chemische Analyse des Franck-Kaffee gestützt, welche seinerzeit im königl. preußischen Berliner chemischen Laboratorium durch dessen Vorstand Dr. Bei n vorgenommen wurde und welche das Vorhandensein von Schweinefett in dem genannten Surrogat ergab. Das Gutachten des Bei liner chemischen Laboratoriums ist über jede Anfechtung erhaben. Herr Dr. Bein ist eine wissenschaftliche Autorität ersten Ranges und ein absolut rechtschaffener, gegen jede Art von Beeinflußung unzugänglicher Charakter. Außerdem ist es ja bekannt, daß zur Bereitung jeder Art von Kaffee-Surrogaten ein Fett nothwendig ist. Man bedient sich hiezu zuweilen des Baumöls, da dasselbe jedoch ziemlich kostspielig ist, so pflegt man das Baumöl häufig durch Schweinefett zu ersetzen.

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