Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 13 (27.3.1891)
- Date
- 1891-03-27
- Page
- Seite 230 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterreichische Wochenschrift Nr. 13 Seite 230 über den Rabbiner von Belz Worte qefchrieben und publicirt, die insofern unaereckit sind, als sie einen völlig Schuldlosen treffen. Der Rabbiner von Belz wurde von Nutzen schlecht informirt. man bat ibm über den trefflichen Abgeordneten Dr. Bloch üble Nachrede gebracht, sein Wirken als verderblich gezeichnet, seinen Cbarakter angeschwärzt, man hat dem Rabbiner mitgetheilt, daß Herr Dr. Bloch gegen die orthodoxen Juden ankämpst und ffe zu verdrängen suckt, der Herr Ignaz L. Schreiber in Drohobycz, Gott verzeihe es ihm, hat sich ja zur Zeugenaussage erboten, daß der Herr Dr. Bloch im Parlament gegen die orthodoxen Juden auftritt, überdies kamen Briefe von Wien in gleichem Sinne, so aeschah es denn, daß der ehrwürdige Rabbiner von Belz sich entschlossen hat, einen anderen Candidaten zu empfehlen. Hätte der Herr Rabbiner die wahre Sachlage gekannt, wäre sie ihm von berufener und vertrauenswürdiger Seite aufgeklärt worden, er hätte sich nie und nimmer dazu entschlossen, gegen Dr. Bloch auch nur ein Wort zu schreiben. Davon bitte ich Sie Kenntniß zu nehmen und Sie werden gerecht genug sein, künftighin gegen den ehrwürdigen Rabbiner von Belz, welcher von schlecht gesinnten Leuten diesmal beeinflußt worden, nichts Uebles mehr zu pnbliciren. Wien, 24. März. (Zwei V o r t r ä t s.) In Simmering fand vor wenigen Tagen die letzte Gemeindeansschutzsitzung vor der Einverleibung diefts Vorortes in die Grotzcommune Wien statt. Hiebei gedachte kais. Rath Vogel in warmen Worten der Verdienste des Bürgermeisters Dr. S e i d l e r. Redner betonte u. A.. daß während der letzten zehn Jahre im Ausschüße stets eine musterhafte Einigkeit geherrscht habe, die aber in den letzten sechs Monaten eine bedauerliche Trübung dadurch erkabren habe, daß Elemente, denen das Volkswobl fremd und gleichgiltig ift, die nur finstere Zwecke verfolgen, als Jremdlinqe in Simmering, in die bisher so friedliche Gemeinde ,und ihre Bevölkerung Haß und Zwietracht getragen haben. War früher Parteien- und Racenbaß in Simmering eine unbekannte Sacke, so fehlt heute sogar jenen Männern der Muth der freien Sprache, welche zu reden berufen sind. Dessenungeachtet ist der Redner vollkommen überzenat, daß Alle, die dem Ausschüsse angeboren, ohne Unterschied der Partei und Confession. einig sind in dem Bestreben, der Gemeinde nach bestem Wissen und Gewissen zu dienen. „Seien Sie überzeugt." sagt Vogel, „in Kurzein wird die Vernunft über die Leidenschaft die Oberhand gewinnen und werden diejenigen von der Oberfläche verschwinden, die versprechen, wovon sie wissen, daß sie es nicht halten können, dann werden auch die Herzen der Bevölkerung von einem schweren Alp wieder befreit sein." (Lebhafter Beifall.) Diese Ausführungen Vogels bezogen sich auf den Vicebürgermeister Dr. Linke, der seit Kurzem in das antisemitische Lager übergegangen ist und das Handwerk der Verhetzung in Simmering sehr schwunghaft betreibt. Gegenüber diesem Charakterbild des angeblich arischen Vicebürgermeisters, der statt Eintracht und Liebe, Haß und Zwietracht in seiner Gemeinde säet, hebt sich doppelt wohltbuend das wahrhaft humane Wirken des jüdischen Ausschutzmitgliedes kais. Rath Vogel ab. der ein wahrhafter Schutzengel der Armen und Bedürftigen seines Bezirkes ist und seine Wohlthaten ohne Unterschied der Confession ausübt. Herr Vogel hat um die Simmeringer Armenpflege große Verdienste und es ist seinem taktvollen Wesen zu danken, daß insbesondere in der Schule der Antisemitismus vollständig lahmqelegt wurde/' Zur Charakteristik Vogels diene folgende Episode: „Ein christlicher Lehrer in Simmering, der ein jüdisches Kind körperlich gezüchtigt hatte, wurde - deshalb zu einer Disciplinarstrase verurtheilt. Die Gattin des Lehrers wandte sich vergeblich um Aufhebung der Strafe an mehrere einflußreiche Persönlichkeiten, darunter an den Pfarrer selbst. Sie nahm endlich zu Herrn Vogel ihre Zuflucht, aber auch die Bemühungen der Letzteren hatten lange keinen Erfolg. Eines Tages erschienen zwei Nonnen bei Herrn Vogel, die um eine Spende für das „Kinderheim" bäten. Der wackere Mann antwortete ihnen: „Ich gebe 50 Gulden für das „Kinderheim": wenn es aber Eurem Einflüsse gelingt, die Aufhebung der Strafe gegen den Lehrer 3£. zu bewirken, so gebe ich 100 Gulden." Wenige Tage darauf war der Lehrer dl. straffrei Wien, 24. März. (Antisemiten vor Gericht.) Bor dem Landesgerichte als Preßgericht unter dem Vorsitze des Bicepräsidenten Dr. v. Holzinger und in Anwesenheit des Staatsanwaltes Oberlandesgerichtsrathes v. S o o s erhob gestern Dr. P o r z e r namens des Verlegers Johann Hein dl gegen die Beschlagnahme der Broschüre „Gottesfeinde und Volksbrüder" von Conrad v. Bolanden Einspruch. Der Staatsanwalt begründete dann die Beschlagnahme in folgender Weise: Die Schrift sei mit der Tendenz geschrieben worden, um die Bauern die jüdischen Bedrücker aufme rks am zu mache n, unddaherwerde immerallgemein von der Judenschaft gesprochen. Es sei klar, daß, wenn ein solches Druckwerk in Massen auf dem Lande verbreitet werde, d i e Bauernschaft gegen die Juden aufgereizt würde. Der Gerichtshof gab dem Einspruch nicht statt, weil eine Reihe von höchst verwerflichen und gehässigen Eigenschaften den Inden überhaupt zurLast gelegt werden. Vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Hietzing fand gestern die Berbandlung über eine Ehrenbeleldigungsklage statt, welche der Ministeralbeamte und Oberlieutenant i. R. Gustav D r e ß l e r gegen den Posomentiergeh'lfen Leon Spitzer erhoben hatte, weil Spitzer bei einer Gerichtsverhandlung den Ministerialbeamten des versuchten Diebstahls einer Brieftasche beschuldigt hatte. Als Vertreter des Privatklägers war Dr. Lueger und als Bertheidiger des Angeklagten Dr. E l b o g e n erschienen. Die Verhandlung leitete Adjunkt Dr. v. G e r n e r t h. Der Angeklagle erzählte, daß sich der Anfang der ganzen Affaire vom März vergangenen Jahres datire. Der Ministerialbeamte D reßler habe anläßlich der damaligen Gemeinderathswahlen in seiner, des Angeklagten Gegenwart, laut ausgerufen : „Nun, jetzt wird es . mit den Juden bald aus sein!" Er. Spitzer, der den Dreßler nicht kannte, habe erwidert: „Und mit den Besoffenen auch!" Er habe ihn eben für berauscht gehalten. Dreßler sei hierauf mit den Worten auf ihn los: „Sie S . . jud, wollen mich attakiren?" Als dann Dreßler auch noch das Schimpfwort „Judenbub" hervorgestoßen, habe ihm der Angeklagte in's Gesicht einen Schlag versetzt. Schließlich ließ Spitzer sen. den Ministerialbeamten arretiren. Seit diesem Tage datire der Haß D r e ß l e r s, der im November anläßlich einer gemeinsamen Fahrt von Wien nach Penzing wieder zum Ausdrucke kam. Dreßler machte, sagte der Angeklagte, den Conducteur auf ihn und seinen Sohn aufmerksam und dieser verlangte die Legitimation. Ich hatte dieselbe in der Brieftasche, welche auch ein Jncasso von 20üfl. enthielt. Dreßl er griff hastig nach der Brieftasche, da versetzte ich ihm einen Schlag in's Gesicht und jedesmal, so oft eres wiederholte, erhielt er einen Schlag. Es wird nun Dreßler als Zeuge vernommen. Richter: Ist es ridjt'g, daß diese Attake im März v. I. stattgefunden habe? — Zeuge: Ich bitte, das Wort „S . . jud" pflege ich in der Regel nicht zu gebrauchen. Die Spitzer meinten damals, daß ich eine Aeußerung gemacht hätte und drangen auf mich ein. Richter: War ein Anlaß dazu vorhanden? — Zeuge (bestimmt): Nein. Richter: Ja, weshalb sollten dann Sie attakirt worden sein? Ich mache Sie aufmerksam, daß Sie als Zeuge vor Gericht stehen und die Wahrheit zu sagen haben. Sagen Sie aufrichtig, welche Aeußerung Ihrerseits erfolgt ist. — Zeuge: Ich sagte, daß ich glaube, es werden biete Antisemiten in den Gtmeinderath gewählt werden: Dr. E l bD g e n: Sie drücken sich sehr.vorsichtig aus. : -ä-