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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-27 · 13 (27.3.1891) · p. Seite 229

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
13 (27.3.1891)
Date
1891-03-27
Page
Seite 229 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 229 Antisemitismus" gebildet, der bereits zwei Hefte seines „A n t isemiten-Spiege l" veröffentlicht hat. („D i e Antisemiten imLichte des' Christenthums, des Rechtes und derMora l", Danzig, bei A. W. Kaufmann. Preis eines Heftes 20 Pfennig.) „Sechs und ein halbes Jahrhundert sind verfloffen", heißt es im Borworte, „seit Papst Jnnocenz IV. zum Schutze der bedrängten Juden eine Bulle'erlaffen, in der es heißt: „Einige Geistliche und Fürsten, Edle und Mächtige Eurer Länder erdenken, um das Vermögen der Juden ungerechter Weise an sich zu reißen, gottlose Anschläge gegen sie . . . Im Widerspruch gegen die ihnen vom apostolischen Stuhl gewährten Privilegien, gegen Gott und seine Gerechtigkeit, bedrücken sie durch Nahrungsentziehung, Kerkerhaft, andere Quälereien und Drangsalen die Juden, legen ihnen allerhand Strafen auf und verdammen sie zuweilen soaar zum Tode, so daß sie, obgleich unter Fürstlichkeiten lebend, die das Christenthum bekennen, doch schlimmer daran sind als ihre Vorfahren in Egypten unter den Pharaonen. Da wir sie nicht gequält wiffen wollen, so befehlen wir, daß ihr euch ihnen freundlich und gütig zeigt. Wo ihr ungerechte Angriffe gegen sie wahrnehmet stellet sie ab und gebet nicht zu, daß sie in Zukunft durch solche und ähnliche Bedrückungen heimgesucht werden." So — ein Papst, und wie er, noch viele Andere vor und nach Jnnoncenz. Doch was gilt unseren Antisemiten und deren fanatistrenden Anhängern und blinden Nachtretern der Papst? Sie dünken sich höher als Papst und Bischof, ihr „Christlich" ist Äushängschild, hinter dem „Teuflischer Haß" zu lesen. Einem Mitgliede des Berliner Vereines, einem hochgestellten und hochachtbaren protestantischen Prälaten, habe ich meine Schriften geschickt, die ich vor ein paar Jahren wider die Antisemiten gerichtet hatte, worauf er mir mit beifolgendem Schreiben erwiderte. Aus diesem Schreiben, geehrter Herr, mögen Sie zu Ihrem Tröste erkennen, daß nunmehr auch protestantische Geistliche wider den antichristlichen Antisemitismus entschieden Front machen. Damit tilgen sie eine gewisse Ehrenschuld, zumal ja von einem protestantischen Hofprediger — Stöcker in Berlin — der abscheuliche Rummel ausgegangen ist. Also Geduld, mein Herr.' Die gerechte Sache muß und wird endlich siegen!" Mit brüderlichem Gruße G u g g en t h a l, 5. März 1891. Dr. S ch ö p f." * * * Aus dem oben citirten Schreiben des protestantischen Geistlichen an Dr. Schöpf, möge hier folgende Stelle Platz finden: „Geehrter Herr! Herzlich hat mich Ihr lieber Brief aus dem schönen Salzburg erft ent, denn es ist tröstlich in unserer Zeit des auf allen Gebieten überspannten Parteitreibens, sich mit einem College» der anderen christlichen Kirche in den Pflichten der Gerechtigkeit und Humanität eins zu wiffen, welche ja die ethische Basis des Christglaubens bilden. Erst seit ich den Aufruf des Vereines zur Bekämpfung des Antisemitismus mit unterschrieben habe und in Folge deffen mit antisemitischen Kreuzbandsendungen förmlich überfluthet werde, sehe ich zu meiner Betrübniß, wie entsetzlich weit die Verrohung und Gemeinheit dieser Leute vorgeschritten ist. . . . Der Idealismus droht förmlich auszusterben und einem höchst gemeinen „Realismus" Platz zu machen. Aber dieser letztere braucht nur eine kleine Zeit sich in seiner rohen Wirklichkeit zu produciren, und der viel belächelte Idealismus wird wieder zur vollsten Ehre kommen. — Herzlichen Händedruck dem treuen Kämpfer für wahren echten Christensinn!" ... 23. Februar 1891. Russische Barbarei gegen die Inden. Selbst den besten Freunden der Russen, den Franzosen, wird die schmähliche Verfolgung der Juden in Rußland zu arg. So sieht sich der Pariser „National" vom 9. März veranlaßt, wegen einer Berurtheilung von zehn Jüdinnen, Frauen von Arbeitern in Kiew den Russen ins Gewissen zu reden. Diese Frauen find nämlich, wie die „Kiewljänia" kurz meldete, jüngst aus Kiew ausgewiesen worden, weil sie Milch, Töpferwaaren und Brot verkauft hatten, ohne dazu berechtigt zu sein. „Da hat man", bemerkt zu der diesbezüglichen Miltheilung des Kiewer Blattes der „National" entrüstet, „in wenigen Zeilen den willkürlichen und tyrannisch en Charakter des r u s s i s ch e n A n t i s e m i t i s m u s." Das französische Blatt wundert sich darüber, daß man den Frauen ehrenhafter Arbeiter, welche selbst nicht genug zum Unterhalt ihre Familie verdienen können, verbiete, ihren Männern beizustehen, und dieselben a u s w e i s e. ohne ibnen vorher auch nur mitgetheilt zu haben, das eine Bestimmung vorhanden sei. welche ihre Handlungen als strafbar erscheinen läßt. Ein solches Verfahren, meint das französische Blatt, sei unsinnig und unmenschlich. „Und alles das", so schließt der „National" seine Ausführung, „geschieht in einem Lande, welches von einem mächtigen und aufgeklärten Monarchen regiert wird! Sicher kennt der C z a r solche Thalsachen, wie wir sie mitgetheilt haben, nicht und deshalb halten wir es für unsere Pflicht, dieselben anzuzeigen." Sehr schön vom „National", aber helfen wird es nichts, denn das französische Blatt irrt sich. Es gehen in Petersburg selbst noch ganz andere Dinge vor. So erzählt der dortige Correspondent des „Daily Telegraph", daß jüngst ein Herr Graßmann, welcher mit glänzendem Erfolg«» im Justizministerium gearbeitet habe und, vom Justizminister Manasiein befördert, dem C z a r e n vorgestellt worden sei. von diesem aber nicht nur kühl, sondern geradezu feindselig empfangen worden sei, doch habe Herr Graßmann geglaubt, daß alle Tschinovniks vom Czaren so empfangen würden. Am nächsten Tage sei Herr Manasiein zum Kaiser bernfem worden und dieser habe ihm gesagt: „Wie? der Mann, welchen ich gestern empfangen habe, der Graßmann, ist ja ein Jude!" — „Nein, Majestät, er ist Chriü; er war eine Jude, ist aber vor einigen Jahren getauft worden." Der Czar habe den Kopf geschüttelt, die Achseln gezuckt und ausgerufen: „Nette Christen das und kein Mißverstanoniß!" Diese Worte hätten das Schicksal Graßmanns besiedelt; derselbe könne nun ebensowenig wie andere getaufte Juden auf Beförderung im Staatsdienste rechnen — Ein Herr Günsburg hat fünfzehn Jahre als Notar fungirt, die letzten neun im Bureau eines bekannten Petersburger Advvcaten. Nun ist er ausgewiesen worden, obgleich der Stadthauptmann Gresser ihm günstig gesinnt zu sein schien. — Eine Ungerechtigkeit anderseits wird aus Krementschug gemeldet: Ein lOjähriger jüdischer Knabe, Jankel L e i b a war dort 1377 gestorben und auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt. Zehn Jahre später wurde Jankel Leiba zum Militär berufen und da er natürlich nicht erscheinen konnte, sein Vater mir 300 Rubel gestraft. Letzterer appellirte gegen dieses unsinnige Urtheil. allein nach einem Jahre entschied das Gericht, daß er zahlen müsse, weil nur bewiesen sei, daß sein Sohn I a k o w gestorben sei, Jankel daher erscheinen müsse. Dieses Urtheil stützte sich auf die Aussage eines Zeugen, welcher in Betreff des Namens des Verstorbenen einen Jrrthum begangen hatte! Korrespondenzen. Wien. (Die Wahl von Kolomea und der Rabbiner von Belz) Aus dem intimen Kreise des Rabbiners von Belz erhalten wir eine hebräische Zuschrift, welche wir, um Gerechttgkeit zu wahren, nachstehend inhaltsgemäß wiedergeben: „Sie haben, geehrter Herr Redacteur, in Ihrem gerechten Zorne über den entfesselten Wahlkampf in Kolomea

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