Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 13 (27.3.1891)
- Date
- 1891-03-27
- Page
- Seite 228 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 228 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 13 Mchtungschamlos erlogen ist. Herr Dr. Bloch hat den genannten Redacteur nie gesehen, er hat auch Niemandem einen Auftrag ercheilt, in seinem Namen mit demselben zu sprechen und ihm zu drohen. Was Dr. Bloch von Feld st ein und seinen Brüdern bekannt ist, war für ihn wie für jeden ehrlichen Menschen Ursache genug, diesen Leuten möglichst fern zu bleiben. Schließlich erklärt der Redacteur der Ojczyzna, Herr Feldstein, daß seine sämmtlichen unsauberen Ergüsse gegen den Dr. Bloch in ihrer Gesammtheit E n u n z i ationen des Vereines Agudas-Akum waren. Wir nehmen dies zur Kenntniß. Entweder die Vereinsgenossen schütteln dieses Individuum, welches sich an ihren Rockschößen sesthält. ab, oder sie sind vor der Welt, vor der Geschichte seine Mitschuldigen. sind Theilnehmer des Volksverrathes. Hinaus mit den Berräthern aus unserer Mitte! Offenes Schreiben de« jnbitirtrn k. k. Dlnioersttätsprofestors der Theologie «ud Confistorialrathe» Dr. Josef Schopf in Salzburg an den Gemeinderath Dr. Alfred Stern in Wien. Der Consistorialrath Dr. Josef Schöpf in Salzburg, als katholischer Gelehrter und als Philanthrop weit über die Marken Oesterreichs gleich rühmlich bekannt, hat jüngst an den Wiener Gemeinderath, Dr. Alfred Stern, welcher chm, als einem der unentwegtesten Kämpfer für die Brüderlichkett unter den Menschen, die ttaurigen Verhältnisse in Wien dargelegt hatte, das folgende Schreiben gerichtet, welches der „Leopoldst. Zig." zur Veröffentlichung übergeben wurde. Das Schreiben lautet: Geehrter Herr! „Einem gänzlich Unbekannten, den Sie weder je gesehen noch gesprochen, haben Sie Ihr Leid geklagt. Sie, ein eingeborner und eingefleischter Wiener, dem, wie sie schreiben, in früheren Jahren der Stephausthurm das Wahrzeichen süßer Heimatslust war, glauben nur mehr mit Kummer an die Stätte denken zu können, an der Ihre Wiege gestanden ist. Ja, wirklich schweres Leid ist über Ihre Glaubensgenoffen gekommen. Gemeiner Neid, Rohheit und Niedertracht verbittern ihnen das Dasein. Und das in einem Rechtsstaate'! Welcher Hohn! Und das von Seite Angehöriger des Christenthums, dessen höchstes Princip allgemeine und ausnahmslose Liebe ist. Welcher Widerspruch, welche Schande! Wahrhaftig, ich schäme mich für meine Standesgenossen, die, ganz verblendet, das Verabscheuungswürdige des Antisemitismus nicht einsehen — nicht einsehen wollen. Traurig genug, wenn wirkliche oder angehende Beamte eines Staates, der „Gleiches Recht für Alle" zum obersten Grundsätze erhoben hat, das Princip ihres Brotherrn verleugnen, die vielen gesetzlichen Bestimmungen, die zum Schutze der anerkannten Religionsgesellschaften erlaffen wurden, sowie die strafrechtlichen Verordnungen betreffs Religionsstörung ignvriren oder mit Füßen treten. Da ist es unabweisbare Pflicht der Oberbehörden, gegen derartige wurmstichige Individuen energisch einzuschreiten und ihnen kurzweg aut-Lut zu stellen. Das gilt umsomehr, als der Antisemitismus früher oder später zu greulichen Excessen führen muß, die schließlich denn doch wiederum nur von der Staatsgewalt zu rächen sind. Die Staatsgewalt muß Ausschreitungen rechtzeitig steuern, umsomehr dann, wenn die Folgen einer gefährlichen Richtung schier mit Nothwendigkeit eintreten müssen, wie dies beim Antisemitismus leicht vorauszusehen ist. Was die katholische Geistlichkeit betrifft, so werden Sie wckrer die hochgebildetsten Mitglieder derselben — einen Ma nning, New mann u. s. w. — noch die an der Klerus Stehenden im Kreise der Antisemiten finden. Lesen Sie nur den jüngsten genleinsamen Hirtenbrief des österreichischen Episcopats. In Betreff der wirklich antisemitischen Geistlichen wette ich 1000 gegen 1, daß Keiner derselben die Schriften der Urheber und Träger des derzeitigen Antisemitismus — eines Dühring, Fritsch u. s. w. — je gesehen, geschweige gelesen oder studirt hat. Wer diese Schriften gelesen, muß sich als Christ und noch mehr als Prie st er mit Abscheu von dem Antisemitismus abwenden. Aber eben weil die antisemitischen Geistlichen die Sache nicht studirt, schreien sie umso lauter. — „Facile pronuntiat qui pauca considerat.“ Sie toben über die Köpfe ihrer legitimen geistlichen Oberen hin, die diesen Phraseologcn viel zu wenig energisch und „entschieden" sind. Ich habe als vieljähriger Vorstand des katholischen Gesellenvereines oft und viel mit dem derzeitigen Wiener Oberhirten Dr. G r u s ch a, verkehrt, ich habe — in Wahrheit gesagt — niemals in meinem Leben einen wohlmeinenderen, selbstloseren und edleren Menschenfreund kennen gelernt, aber auch dieser grundedle Mann wird von Ihren sauberen Antisemiten mit G>ft und Galle bespritzt. Manche antisemitischen Kleriker meinen noch dazu, daß sie bona stde mitschreien. Sie identificiren Antisemitismus mit Corrnptionismus und sind fest überzeugt, daß alle und jede Corruption nur von den Juden herstamme. Als wenn die Christen an der Corruption sich minder betheiligten als die Juden! Wäre die Scham mit der Unwissenheit ebenso verknüpft wie mit der Unsittlichkeit, so müßte mancher der geistlichen Schreier über und über roth erscheinen. „Aber die Zeitungen!" Die Zeitungen, welche von der Geistlichkeit gelesen werden, laufen insgesammt, selbst die vom Staate subventionirten nicht ausgenommen im antisemitischen Fahrwaffer und betrachten den Juden als den Prügelbuben, mit dem sie Spectakel machen und die denkfaule Menge anlocken. Leider, leider! Je ärger und je mehr Personen verriffen, geschmäht und beschimpft, desto mehr und lieber gelesen. Man speculi.t auf die Leidenschaft, und „Leidenschaft ist ein süßer Wein Geschlürft aus glühendem Becher, Er labt bis in's innerste Herz hinein Und versengt die Lippe dem Zecher." Zudem stelle ich meine obige Wette von 1000 zu 1 auch den Redacteuren der sogenannten klerikalen Blätter entgegen. Sie sind meist „aes trnniens et c^mbalum sonans" — je hohler desto hochmüthiger. Aber warum treten denn nicht Geistliche, die den Antisemitismus genau kennen, wider denselben auf? Mein Herr, das ist kein Spaß, das ist leichter gesagt als gethan. Dazu gehören Nerven wie Stricke und unabhängige Stellungen. Denn nicht so leicht mischt man sich unter bäuerliche Raufer, man fürchtet die allseitigen Schläge. Die Antisemiten sind aber weit roher und brutaler als unsere raufsüchtigen Gebirgler und Landler, deren Kraftproben anständige Menschen aus dem Wege gehen. Und dennoch sollte es sein, dem Antisemitismus sollte energisch zu Leibe gegangen werden. Nur frisch angepackt — und so mancher Antisemit verkriecht sich. Sie fragen: „Wird denn das grausige Treiben nicht bald enden?" Bei energischem Einschreiten der StaatsundKirchengewalt muß derAntisemitismus bald von der Bildfläche verschwinden. Verschwinden muß er überhaupt, weil er nicht auf das Princip der Gerechtigkeit, sondern des Unrechts, der Lüge und Uebertreibnng basirt ist. Ob bald, ist fraglich. Er ist Mode, Leidenschaft und Deckmantel. Zu Ihrem Tröste möchte ich auf das eine und andere Merkmal des Rückganges verweisen. Die staatlich subventionirten Blätter in gewissen Provinzen werden etwas kleinlauter, einzelne Oberbehörden haben energische Kundgebungen wider den Antisemitismus verlautbart und an der Quelle, der die „Schmach des 19. Jahrhunderts" ursprünglich entfloffen - in Berlin — hat sich ein großartiger „Verein zur Bekämpfung des