Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 13 (27.3.1891)
- Date
- 1891-03-27
- Page
- Seite 227 (sequence 5)
- Language
- German
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Hesterreichifche Wochenschrift Seite 227 JKr. 13 Die Lemberger Talmipole« im Dienste des Judenhasses. Nie und nirgends hat das verächtliche charakterlose Renegatenthum sich so schamlos pro'ituirt als derzeit in Lemberg. Die feilen Denuncianten werfen die Maske ab, treten mit unverhüllter Blöße nackt vor die Oeffentlichkeit, um Volk und Volksgenoß dem nationalen Chauvinismus der Polen, der Wuth eines käuflich aufgestachelten National- Fanatismus anszuliesern- War's in der Absicht des Leitartikels in der vorletzten Nummer der „Oefterreichischeu Wochenschrift" die öffentliche Meinung des enroväischen Indenthums auf das elende verrätberische Treiben der Lembeeger Reneaaten hinruweisen. so beeilten sich diele Herren uns zu Hilfe zu kommen und präsentiren sich nunmehr ohne Scheu in ibrer wahren traurigen Gestalt, die haßgerötbete Stirne unbedeckt. Die in Lemderg erscheinendenTaaesblätterpublicirtenin der abgelanfenen Woche eine Erklärung vom Redakteur der „Ojczyzna" im Namen (?) des ..jüdischen" Vereines Aaudas- Akum. welche diese Sivve besser kennzeichnet als wir es mit den schärfsten Worten zu thnn vermöchten. Der Redakteur rühmt sich seiner Großthaten. seines nationalen Heldenmuthes. in der Aufreizung der Leidenschaften, in der Entzündung des Chauvinismus gegen die Candidccknr eines ..Fremdlings"; „Die Oiczvzna. das Organ des Vereines Aaudas-Akum ist mit aller Kraft und grundsätzlich gegen die Candidgtnr des Dr. Bloch als eine fremde ansgetreten. .. Durch dieses männliche, offene und loyale Vorgehen bat der Verein und dessen Organ die uneingeschränkte Anerkennung der fortschrittlichen und patriotischen Meinung des ganzen Landes verdient." Der Redakteur der Oiczyzna erwartet offenbar dafür eine aebnhrende Nationalbelohnung nn^ wir würden es ibm von Herzen gönnen, wenn wir nicht befürchten müßten, daß man ihm wieder eine Anweisung auf jüdisches Geld ausstellen wird. „DieseHerren ernähren sich — vom Patriotismus", sagte neulich mit feiner Ironie von diesen Lemberger Denuncianten ein polnischer Abgeordneter christlicher Confession. Mo der „Candidat" d. h. der bisherige Abgeordnete Dr. Bloch, welcher in der aalizischen Stadt Dukla geboren und erzogen wurde, dort Eltern und Geschwister, Verwandte und Jugendfreunde besitzt, seit acht Jahren Mitglied des Polenclubs ist und nicht nur vom derzeitigen Obmann dieses Clubs, sondern auch von sämmtlichen Mitgliedern desselben zur Wiederwahl wärmstens empfohlen worden, ist in den Augen der Oiczyzna — ein „Fremdling". Für diese erheuchelte ..Gesinnungstüchtiqkeit". die an Chauvinismus des Judenhasses den nationalen Polen den Rang abftreitet, wollen die Herren Talmipolen gebührend belohnt werden, und das Geld dazu soll — der Herr Baron Hirsch geben. Viele polnische Abgeordnete haben ihren ständigen Wohnsitz in Wien. einige derselbeu sind aus Preußen eingewandert, allein Dr. Bloch 'ist ein Jude und hat es grundsätzlich verschmäht, die Gunst der Lemberger Blätter für Geld sich zu erkaufen, deswegen ist er und nur er ein „Fremdling" Der famose Herr F e l d st e i n erhebt gegen den Dr. Bloch die Anklage, daß er in seinem Wahlbezirk den jüdischen Fanatismus entfesselte. Bedenke man, daß dieser Wahlbezirk seit dem Bestehen der Verfassung durch einen Juden vertreten war. daß bis nun alle Landes-Autoritäten diesen jüdischen Wahlbezirk re^pectirten. daß Dr. Bloch nach achtjähriger parlamentarischer Wirksamkeit von dem Präsidenten Excellenz Dr. S m o l k a und dem Clubobmann Ritter von I a w o r s k i zur Wiederwahl empfohlen worden, während die Candidatur des Grafen S t a r z e n s k i das Werk' antisemitischer Agitatoren und hetzerischer Geistlichen war, um die Juden aus ihrem Besitz zu verdrängen, oder wie sich die Deputation der Geistlichen im Landes-Central- Wahlcomite ausdrückte, um die Jndenberrschaft in Kolomea zu brechen, erwägt man mit welchen Mitteln die Candidatur des Grafen Starz enski betrieben wurde, daß chiistlichen Arbeitern, welche für Dr. Bloch stimmen zu wollen erklärten, gedroht wurde, auch bei Dr. Bloch in die Beichte gehen zu müssen. — Angesichts dieser notorischen Thalsachen, angesichts der brutalen antisemitischen Excesse, während und nach der Wahl mit ihren Opfern an Menschenleben und Menschenant. wobei die entfesselte Wnth nicht nur der fanatisirten bäuerlichen Bevölkerung, sondern auch der sogenannten christlichen Intelligenz, selbst die Person und die Angehörigen des Bezi'kscommiffärs W a i d o w i c z nicht schonte — angesichts solcher Vorkommnisse sprechen die Reneaaten der Oiczyzna vom „jüdischen Iangtismns". Diesmal haben sich diese Leute in ihrer wahren Gestalt gezeigt und es ist hoch an der Zeit. daß das intelligente volkstrene Lemberger Indenthnm derlei Unkraut und vergiftendes Unaezieser aus seiner Mitte ansscheidet. Alle ehrlichen und anständigen Polen, die jeden Berräther verachten. werden uns dazu beglückwünschen. Herr Dr. Bloch hat bei seiner Anwesenheit in Lemberg Gelegenheit genommen, öffentlich und ohne Scheu seinem Erstaunen und seiner Verwunderung Ausdruck zu geben, daß oemeinschädliche und gemeingefährliche Renegaten an einer jüdischen Kripve gefüttert werden, daß ein Denunciant wie der Redakteur der Ojcyzua mit dem Gelde des Herrn Baron Hirsch erhalten wird. Aus diese Anomalie die jüdische Oeffentlichkeit hinzuweisen. daß wir nicht selbst den Gegnern zu Svott und zu Schande werden, ist die Pfticht jedes Inden, dem die Ebre seines Volkes am Herzen liegt, es gilt diesen Leuten das giftige Handwerk zu legen Herr Feldstein soll sich von den Antisemiten anshalten lassen, denen er dient, die Oicyzna. welche das Indenthnm, das jüdische Religionsschrifttbum, unsere 4000iährige Verganaenheit schmäht und verlästert, die Israelitische Allianz und ihr Wirken den Borurtheilen des Pöbels denuncirt. soll endlich die Maske ablegen und zum antisemitischen Oraan sich proclamiren. Dazu Einiaes beizutragen, erachtet Herr Dr. Bloch als eine heilsame Ausgabe der Purification. Herr Frühling hat uns die Ehre erwiesen, sich von uns loszusgaen: Warum wollen seine Geiftesqenossen seinem Beispiele nicht folgen? Seit vier Jahrtausenden anqeseindet. geschmäht und unterdrückt, in unserem Rechte gekränkt, mit Verleumdungen aller Art verfolgt, hat das Iudenthum gegen seine abgefallenen Söhne wenigstens den Anspruch auf Mitleid und Erbarmen, uns wenigstens nicht auf dem dornenvollen Lebenspfade rücklings anzusollen, uns meuchlings die Ehre abzuschneiden. Warum wollt Ihr euch an dem Blute aus jenen Wunden, welche der Feind seit vier Jahrtausend uns geschlagen, vollsaugen, um euren Leib zu mästen? Zieht aus unserer Mitte, wenn unser altes Heim, unsere tausendjährigen Sitten, unsere geheiligten Traditionen euch nicht zusagen. wenn Ihr nicht vermöget. unser Leid und unfern Jammer mitznempffnden? Warum wollen diese Abtrünnigen an unserem Weh sich noch weiden? Auch Lügen ganz ordinärer Art werden nach der Weise aller Renegaten nicht verschmäht, um die Juden auzuschwärzen. Der Redakteur der Oiczyzna erzählt: „Zur Zeit der Wahl in den Reichsrath begab sich Herr Dr. Bloch durch Vermittlung eines angesehenen und allgemein geachteten Mitgliedes der hiesigen israelitischen Gemeinde zu mir mit der Bitte, daß ich die Bekämpfung seiner Wahl unterlasse, da mir in entgegengesetztem Falle seinerseits die rücksichtsloseste Rache drohe." Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese von dem Redakteur den Ojczyzna den Lemberger Blättern übermittelte Mittheilung in allen Theilen und nach jeder