Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 12 (20.3.1891)
- Date
- 1891-03-20
- Page
- Seite 219 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr!§ Hejkerretchifche Kocheofchrlft Gerte 2l9 Mskotcz. (Repräsentantenwahl.) Bei der am 12. d. M. vorgenommenen Repräsentantenwahl der israelitischen Gemeinde zu Miskolcz wurde Herr Edmund Grünfeld mit großer Majorität zum Vorsteher wiedergewählt. Ferner wurden zum Präses Herr A. Wexler und zum Schulpräses der schon seit 16 Jahren an der Spitze der Schule stehende Dr. Soma I x e l wiedergewählt. In Kisvürda starb nach langer Krankheit am 11. d. M. 1848er Honved-Oberlieutenant Leopold Pro pp er im Alter von 62 Jahren. Der Verblichene war Güterdirector des Reichstags-Abgeordneten Moriz Wahrmann, Ausschußmitglied des Szabolcser Comitats und Generaldirector der Kisvardaer Gewerbe- und Handelsbank. Grencsvn-Maüu. Am 15. d. M. fand hier das Leichenbegäugniß des herrschaftlichen und praktischen Arztes Herrn Adolf Freund statt, welcher im 78. Jahre seines Lebens und im 54. einer selten pflichttreuen Thätigkeit verschied Von der allgemeinen Beliebtheit und Verehrung, deren er sich erfreute, zeugte die außerordentliche Betheiligung und Theilnahme aller Bevölkerungsschichten, des Bezirks¬ und Stuhlgerichtes, der Stadtbehörde, der herrschaftlichen Beamtenschaft und der ganzen Intelligenz des Ortes und Bezirkes. Herr Bezirksrabbiner M. Reich hielt die durch Gehalt und Form ausgezeichnete und ergreifende Trauerrede, in deren dreiviertelstündigem Verlaufe er die Verdienste und Vorzüge des Hingeschiedenen, nach allen Richtungen hin würdigte. Die tiefgebeugte Gattin und Kinder — Bezirksarzt Dr. Max Freund, königlich ungarischer Ingenieur Ignaz Freund — trauerten an der Bahre des durch seinen Biedersinn ausgezeichneten Mannes. ZLätarkeßi (bei Gran). Gestatten Sie mir, Herr Redacteur, daß ich Ihnen über einen Act wahrer Toleranz; berichte. Unser allverehrter Rabbiner Ignaz Salzer erhielt den Ras nach Homonna. Am 9 d. M. fand die Abschiedsfeier statt, an der die Geistlichen der hiesigen verschiedenen christlichen Confessionen theilnahmen. Zuerst hielt der reformirte Geistliche G6za Kovücs eine warme Ansprache an den scheidenden Rabbiner. Die allgemeine Verehrung hervorhebend, welche derselbe seitens der gesummten Bevölkerung Bütorkeßis genoß. Dann sprach in gleichem Sinne der römisch-katholische Pfarrer Jg. M ais ermann, worauf noch Johann Kugler im Namen des Ortsschulstuhles, Philipp Finczer im Namen der Ortsgemeinde ehrende Ansprachen an den scheidenden orthodoxen Rabbiner, der eine Zierde seines Standes ist, richteten. Im Namen der israelitischen Gemeinde nahm der Vorsteher Moriz Tauber von ihrem Seelsorger Abschied. Mit dem Wunsche, daß Eintracht und Friede im Schoße der Bevölkerung und der wahre religiöse Sinn in der Mitte seiner Glaubensgenossen dauernd fortbestehen möge, schied der Rabbiner aus unserer Mitte. K. P. HLertm. Dr. Gustav Karpeles hielt zu Gunsten des Unterstützungsfonds für Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eine Vorlesung über „Jüdische Troubadours und Minnesänger." In sehr poetischer und gewählter Sprache gab der Vortragende einen interessanten Bericht über die beiden jüdischen Troubadours, welche merkwürdiger Weise der erste und der letzte spanische Troubadour waren. Der erste war Rabbi Don Santos unter König Petro dem Grausamen, der letzte Antonio di Montoro aus Cordova unter Königin Jsabella. Die von ihnen erhaltenen Dichtungen zeigen, daß dieselben strenge Anhänger der jüdischen Religion waren, und daß sie poetische Begabung mit tiefem religiösen Gefühl verbinden. Der einzige jüdische Minnesänger ist Süßkind von Trimberg, welcher am Anfang des 13. Jahrhunderts lebte. Sechs Gedichte welche ihm zugejchriehen werden, sind von hohem poetischen Werth; von der Person des Dichters wissen wir jedoch nichts. — Die Vorlesung wurde von dem zahlreichen Auditorium mit großem Interesse angehört und am Schluß dem Vorttagenden lebhafter Beifall gespendet. Kitdesheim Eine beachtenswerthe Kundgebung gegen den Antisemitismus hat dieser Tage im hiesigen liberalen Verein stattgefunden. Das Herrenhausmitglied Oberbürgermeister Struckmann und der frühere Abgeordnete Justizrath Götting geißelten die „Schmach unseres Jahrhunderts" mit scharfen Worten, und voraussichtlich wird dieser Tage in den hiesigen Blättern ein Ausruf mit den Namen der Genannten an der Spitze erscheinen, in welchem zum Beitritt in den Berliner Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus und eventuell zur Gründung eines Zweigvereines aufgefordert werden wird. Würzöirrg. Die bayerischen Rabbiner haben aus Anlaß des 70. Geburtsfestes des Prinz-Regenten eine Glückwunsch-Adresse an denselben abgeschickt, in welcher sie es als ihr hauptsächlichstes Bestreben hervorhoben, sowohl in der Schule wie in der Synagoge die Liebe zu dem angestammten Herrscherhause wie zum engeren Baterlande allzeit zu pflegen und zu fördern. Narrs. Laut telegraphischer Mittheilung aus Tunis hat sich in Menzel bei Gabes ein bedauerliches Unglück ereignet. Die jüdische Synagoge stürzte plötzlich ein, wobei mehrere Kinder unter den Trümmern begraben wurden. Vier Leichname wurden bereits aufgefunden; die Arbeiten an der Unglücksstätte werden ununterbrochen fortgesetzt. Waris. Baron Alphonse de Rothschild wurde für weitere fünf Jahre zum Gouverneur du Banque de France gewählt. Amsterdam. Zwei jüdische Wohlthätigkeitsinstiiute wurden von der Königin-Regentin mit Spenden bedacht: der Waisenfond der Diamantarbeiter, welchem ihre Majestät eine besondere Gabe widmete, und die Montefwre- Gesellsckast. Jerusalem. Der Sultan hat wieder einmal gezeigt, wie unparteiisch er alle seine Unterthanen, ohne Unterschied der Religion, bedenkt. Vergangenen Winter herrschte in Jerusalem große Noth. Um Unterstützungen für die Bettoffenen zu sammeln, begaben sich von hier Delegirte nach Constantinopel, Salonichi und anderen großen Städten der Türkei. In Constantinopel überreichten die Delegirten dem Sultan eine Bittschrift, welche allergnädigst durch Anweisung von 100 Pfund aus der Privatschatulle beantwortet wurde. Familienblcttt. Woche«- März ' 1891 Weadar 5651 Kalender i Freitag 20 10 Samstag 21 11 xnpn Sonntag 22 12 Purim Montag 23 13 Schischinpurim Dienstag 34 14 Mittwoch 25 15 Donnerstag 26 16 Freitag 27 17 Das Iudengeld. Das Theater zu.hatte keine ständige Oper. Nur einige Male während der Saison brachte der Director das Opfer, mit theuren Gästen Overnvorstellungen zu geben. Die erste in dieser Saison waren die „Hugenotten" von Meyerbeer. Es gastirten erste Kräfte aus einem deutschen Residenztheater, als Raoul Herr Löwi und als Valentine Frl. Barsch. Das Haus war bis auf den letzte» Plaz gtf&Si Gleich an Schlüße des ersten Actes brach der Applaus las,