Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 12 (20.3.1891)
- Date
- 1891-03-20
- Page
- Seite 218 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Getto 218 Heßterreichrfche Wochenschrift Nr. 12 Parade im ehrenvollen mllitärischen Sinne des Wortes zur Einführung gelangt, wie dies bereits in mehreren continentalen Ländern der Fall ist. Vermischtes. Wie«. (Das Urtheil im Processe Dr. Lueger eoutrs. A. Scharf aufgehoben.) Der oberste Gerichts- und Cassationshof hat in geheim durchgeführter Sitzung das Urtheil des Wiener Schwurg.richtshofes vom 30. November 1890, durch welches Alexander Scharf in dem Ehrenbeleidigungsproceffe, welchen Dr. C. Lueger gegen letzteren angestrengt hatte, auf Grund des Geschwornenverdictes (8 Ja gegen 4 Nein) weg<m Vergehens der Ehrenbeleidigung zu einer Geldstrafe von tausend Gulden verurtheilt worden war — aufgehoben und eine neuerliche Verhandlung angeordnet. Der oberste Gerichtshof stützt sein Urtheil auf § 362, Zahl 1 der St. P. O., in welch' letz erem es heißt: „Der Cassationshof ist berechtigt, nach Anhörung des Generalprocurators im außerordentlichen Wege die Wiederaufnahme des Strafverfahrens zu Gunsten des wegen eines Verbrechens oder Vergehens Der rrtheilten zu verfügen, wenn sich ihm erstens bei der vc .äufigen Berathung über eine Nichtigkeitsbeschwerde oder nach der öffentlichen Verhandlung über dieselbe erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit der dem Urtheile zugrunde gelegten Thatfachen ergeben." Der Proceß ist nun wieder in das Stadium der Voruntersuchung getreten, und Sache des Dr. Lueger wird es nun sein, die noch aufrechtstehende Klage neuerdings vor dem Schwurgerichte zur Verhandlung zu bringen oder dieselbe zurückzuziehen, in welch' letzterem Falle der Beschuldigte das Recht hat, die öffentliche Bekanntmachung der Einstellung zu verlangen. Wien. Sonntag den 15. d. M. hat im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Ella Heit, einer Tochter des Herrn S. Heit, mit Herrn Moriz Schwarzmann, dem Sohne des Großindustriellen Herrn D. Schwarzmann, unter großer Betheiligung aus den besten Gesellschaftskreisen stattgefunden. Der Tempel war zu klein, um all' die herbeigeströmten Festgäste aufzunehmen. Wien. Sonntag am 29. März d. I.. 2'/- Uhr Nachmittag, findet im israelitischen Tempel, VIII. Florianigasse 41, die Trauung des Frl. Bertha D r a b mit Hrn. I. Heinrich Bloch statt. Wie«. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender veranstaltet Samstag den 21. d. M. in K h u n e r s Restaurationssaal, I. Börsegasse 14. 1. Stock, einen Vortragsabend mit Tanzkränzchen. Beginn halb 8 Uhr. Das gesammte Reinerträgniß fließt dem Krankenunterstützungsfond des Vereines zu. Entreekarten ä 1 fl. und Familienkarten (3 Personen^ ä 2 fl. sind bei den Herren Comitemitgliedern zu haben. Wie«. Die Gemäldeausstellung, welche diese Woche im Künstlerhause eröffnet wurde, enthält im Pavillon IV ausschließlich Bilder des ausgezeichneten holländischen Malers Josef Israels. Wien. Der Jahresbericht der Wiener öffentlichen israelitischen Vereins-Volksschule „Talmud-Thora" pro 1891 constatirt vorerst, daß der Appell, den der Vorstand im Jahre 1889 an die Glaubensgenossen gerichtet habe, nicht ungehört verhallt ist und seine Wirbrng auch noch auf das abgelaufene Jahr ausgeübt hat. Der Rechnungs ibschluß für das abgelaufene Jahr weist einen Ueberschnß per 841 fl. 20 kr. aus . Der Vorstand glaubt der Zukunst getrost entgegensetzen zu sollen und der Verwirklichung seinec Ziele und Pläne näher zu kommen. „Vor Allem — sagt der Bericht — wollen wir darangehen, die materielle Lage unserer Lehrer, die für ihre mühevolle sehr erfolgreiche Thätigkeit mit Rücksicht auf die bisherigen Verhältnisse des Vereins eine wirklich ganz unangemessene geringe Entlohung erhalten konnten, und trotz ihrer persönlichen ungünstigen Vermögensverhältnisse aus Liebe zu unserer Schule anerkennenswerthe Opfer bringen, zu verbessern. Dieselben sind — wir nehmen fast Anstand, es auszusprechen — mit kaum 45 kr. per Stunde honorirt. In zweiter Reihe müssen wir aber auch an die Schaffung einer Pensionscasse denken und erst dann können wir zu den vom dringendsten Bedürfnisse gebotenen Ausbau unserer Schule durch Eröffnung einer 5. Elaste schreiten." Wir haben also noch einen langen Weg vor uns und müssen, damit wir diese Ziele erreichen, noch stets an die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen appelliren. Wir find überzeuat, daß dieser Ruf. wie noch immer, ein tausendstimmiges Echo in den Herzen unserer Glaubensbrüder wecken wird. Wien. Aus Prag wird uns „Eine wabre Begebenheit" mitgetheilt. die wir zur Erheiterung unserer Leser wiedergeben. In einer böhmischen Landstadt lebt ein berabgekommener Kaufmann, der. nachdem er mehreren Juden Geld schuldig geblieben, und sich aus eine redliche Weise nicht mehr durchzubringen vermochte, plötzlich das nicht mehr ungewöhnliche Handwerk eines antisemitischen Journalisten ergriff, und sein Blättchen mit Uebersetzungen von Artikeln des Wiener ..Deutschen Volksblattes" anfüllte. Diesem Mann proponirt unlängst ein dortiger jüdischer Kaufmann, daß er ihm vier Z e b n e r schenke, wenn auch nur eine Woche das Wort „Jude" in seinem Blatte nicht vorkomme. Der biedere Antisemit ging auf diese Proposition sehr gerne ein und acht Tage lang stahl er seine Artikeln aus nicht antisemitischen Blättern. Am neunten Tage erhielt auch unser Held zu seiner nicht geringen Freude einen mit vier großen Siegeln versehenen Brief, welcher richtig vier Zehner enthielt, nämlich: Eichelzehner, Grünzehner. Schellzehner und Rothzehner. — Tableau. (Ottakring.) Wie alljährlich veranstaltet auch Heuer der Verein Kindersreunde von Hernals. Ottakring und Neulerchenfeld am Purim (24. März) ein Costümkränzchen. dessen Reinerträgniß zur Bekleidung armer Schullinder ohne Unterschied der Confession verwendet wirb. Die Nachfrage nach Karten ist schon eine rege, und bietet die Bereinslcitnng alles auf. um das Publicum in jeder Hinsicht zu befriedigen. So wird heuer die Capelle Hoch und Deutschmeister Nr. 4 und in den Sälen des Hernalser Brauhauses im Gemnthlichen ein Qugrtett (die Bandmacher) spielen, und die schönrn Damenspenden werden den Damen eine angenehme Ueberraschung bieten. Da nur eine bestimmte Anzahl Karten ausgegeben wird, so thut Jeder wohl, sich rechtzeitig vorzusehen. Drößnitz. Ueber Antrag des Mitgliedes der Olmützer Handelskammer, Herrn Heinrich Back, hat die genannte Körperschaft in einer Resolution ausgesprochen, daß der von gegnerischer Seite gegen die jüdischen, der deutschen Partei angehörenden Geschäftsleute in maßloser Weise geübte Terrorismus, ihre tiefste Entrüstung zum Ausdruck bringt und das Ministerium des Innern um Schutz und Abhilfe anffordert. Kotomea. Herr Alfons de Richard in Sloboda hat der Witwe des ermordeten Klug man sein Beileid ausgedrückt und ihr 50 fl. gespendet. Budapest. (Die Pest er israelitische Religionsgemeinde) hielt jüngst unter Vorsitz des Präsidenten Moriz Wahr mann ihre Generalversammlung; die vorgelegten Berichte gelangten zur einstimmigen Annahme, wonach auf Antrag Paul T e n c e r s unter großem Beifalle dem Vorstande der Dank votirt wurde. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen; zum Oekonomievorstande wurde mit großer Stimmenmehrheit Max Grünbaum gewählt. In den Ausschuß gelangten die Herren Alexander Deutsch, Eduard M a ch l u p, Moriz L ö v y und Julius Adler. Schließlich dankte Präsident Moriz Wahrmann namens des Vorstandes für die ihm gewordene Anerkennung.