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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-20 · 12 (20.3.1891) · p. Seite 217

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
12 (20.3.1891)
Date
1891-03-20
Page
Seite 217 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Heikeneichische Wochenschrift Seite 317 führte die Leute dazu, daß sie die Ursache des Nebels suchten, und durch einen Jrrthum in der Adresse fanden sie dieselbe nicht in der Concurrenz des Großkapitals überhaupt, sondern in der Concurrenz des jüdischen Capitals und der Juden. Als ob das christliche Capital im Concurrenzkamvse anders Vorgehen würde, wie jedwedes Capital. Wenn wir uns bemühen wollen, um die größtmögliche durch Gesetz und Verwaltung erreichbare Verbesserung der Verhältnisse, in welchen sich das Kleingewerbe befindet, so werden wir bei diesen Bestrebungen als Gegner betrachten den Christen so gut wie den Juden, der sich entgegenstellen wird den berechtigten Reformbestrebungen, und werden als Bundesgenossen annehmen ohne Unterschied den Inden wie den Christen, die mit uns eines Sinnes sein werden. So wie wir nicht Antiprotestanten sein werden, weil vielleicht in den Reihen unserer wirthschaftlichen Gegner sich eine größere Zahl von Protestanten befinden, so werden nur aucf) nicht Antisemiten sein, wenn sich dort eine größere Anzahl Juden befinden wird. Ich hatte schon Gelegenheit zu bemerken, daß unsere Partei eine nationale und fortschrittliche Partei ist. Wir streben nicht nur nach nationaler, sondern auch nach bürgerlicher und religiöser Gleichberechtigung. Ausnahmsgesetze zu verlangen, und dies als Merkmal einer politischen Parteigestaltung zu betrachten, ist ein entschieden überwundener Standpunkt. Uebrigens zeigt die Entwicklung dieser Frage in Wien, daß der Antisemitismus immer mehr sich dem Klerikalismus nähert, und in demselben ausgeht." Wen-Ranknitz (Mähren), 16. März. Am 14. d. M erschien eine Deputation (bestehend ans den Herren Dr. N. F r a n k l, Vorsteher Adolf R o s a u e r, Bürgermeister Em. 'Bauer, drei Gemeinderäthe, denen sich ein christlicher Gemeinderath, Herr B e n e s ch, anschloß, wie auch der jüdische Gemeindeseeretär Herr S t ö ß l e r) beim hiesigen neuen Pfarrer, um ihn zu beglückwünschen. Herr Rabbiner Dr. Frankl hielt an denselben eine Ansprache, in welcher er im Namen der Cultusgemeinde wie auch in seinem eigenen Namen dem Herrn Pfarrer zu seinem neuen Wirkungskreise die Glückwünsche darbrachte und ihn herzlich willkommen hieß. Herr Rabbiner Frankl hob ganz besonders hervor, daß hier seit hunderten von Jahren Eintracht zwischen den hiesigen beiden Confessionen bestehe, und jedes geistliche Oberhaupt der hiesigen christlichen Gemeinde dieselbe gepflegt habe und die jüdische Gemeinde sich demnach der angenehmen Hoffnung hingebe,' daß auch der Herr Pfarrer sich bestreben werde, die Harmonie der beiden Confessionen aufrecht zu erhalten. Der Herr Pfarrer dankte zunächst für die freundliche Begrüßung und versprach sein Möglichstes beizutragen,daß die so wünschenswerthe Eintracht auch in der Zukunft nicht gestört werde. Wie einträchtig die hiesigen Inden mit ihren christlichen Mitbürgern schon im vorigen Jahrhundert gelebt haben, beweist eine Stiftung, die sich in dem Archiv der hiesigen Gemeinde befindet und also lautet: Der in Neu-Raußnitz verstorbene Bürger und Seifensiedermeister Ignaz In ratschet hat in seiner letztwilligen Anordnung vom 23. Mai 1796 bei der Neu-Raußnitzer Judengemeinde für alte arme Familienjuden die weder pro eontridutionali noch äomestieali etwas beizusteuern im Stande sind, und welche stets einen ehrbaren Lebenswandel geführt und sich keine muthwillige Crida zu Schulden ließen, eine ewige Stiftung errichtet und hiezu ein Capital von 300 fl. rheinisch zu dem Ende gewidmet, womit dieses Capital bei den Neu-Rausitzer Juden etouirt und daß die Individuen alljährlich durch die Gemeindevorsteher und den Rabbiner mit den entfallenden Interessen betheilt werden sollen. — Wie alljährlich, wurde hier am Vorabend des 7.Adar von dem hiesigen Wohlthütigkeitsverein resp. deren Vorstand eine gottesdienstliche Feier veranstaltet, wobei unser Herr Rabbiner Dr. Frankl in warmen und ergreifenden Worten das Leben und Wirken des jüngst verstorbenen Frankfurter Rabbiners Herrn Dr. N. Brüll.schilderte. Magdeburg. Im hiesigen fortschrittlichen Verein „Kaiser Friedrich" sprach am 4. d. M. Herr Mei necke über „die Antisemiten im Lichte des Christenthums, des Rechtes und der Moral." Er führte n. A. aus: In Preußen stellte, das Edict vom I I. März 1812 den Grundsatz auf. daß die Juden als preußische Staatsbürger zu achten seien. Von 1813 bis 1815 traten 500 Juden als Freiwillige ein; jüdische Ofsiciere und Mannschaften erhielten das eiserne Kreuz. Im Deutschen Reiche gewährleiste die Reichsverfaffung die Gleichberechtigung aller Bekenntnisse. Hofprediger Stöcker begann die Judenhetze 1880 mit einer Petitions-Agitation. Ihr Ziel war die Beskitignng der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung unserer jüdischen Mitbürger. Das Staatsministerium erklärte aber, daß es an dem Rechtszustande nichts ändern werde. Dennoch verfolgen die Antisemiten ienes Ziel heftiger als je. Die Agitation wird betrieben durch Flugblätter (Leipzig versendet jährlich 100.00011 Broschüren. Kalender, Zeitungen und Versammlungen. Dieser lebhaften Agitation gegenüber ist eine Vogel-Strauß-Politik nicht angebracht. Haß, Eigennutz, Coneurrenzneid, Verfolgungssucht und ähnliche niedere Leidenschaften können selbst Ende des 19. Jahrhunderts bedenkliche Früchte zeitigen, wenn ihnen nicht eine starre öffentliche Meinung die Staatsraison in deutlicher Weise klar macht. In Deutschland leben über 48 Millionen Christen und etwas über v> Million Juden. Sollen sich die vielen Christen vor den wenigen Juden fürchten? Der gehässige Kamvf gegen die Juden ist der Natur unseres Volkes zuwider. Perfid ist die Kampfesmethode, gewisse verwerfliche Eigenschaften und Schlechtigkeiten mit dem Judenthum zu identificiren. Das Christenthum gebietet: ..Liebe deinen Nächsten", und nicht „Hetze gegen ihn'." Die Hetzer vergessen, daß Christus, der Stifter unserer Religion, selbst ein geborener Jude gewesen. Kaiserin Augusta und Kaiserin Friedrich haben für die Iudenhetze strafende Worte gehabt. Im Processe Bominert hat das Reichsgericht am 6. Juni 1886 festgestellt, daß Kronprinz Friedrich Wilhelm die Iudenhetze „eine Schmach" nannte. Auch die Crimiualstatistik ergibt für die Juden nur günstige Resultate. Man soll die Thaten Einzelner, die Niemand beschönigt, nicht Allen zur Last legen, man soll Jeden richten nach seinen Thaten und nicht nach seinem Taufschein; und nicht deutsche Mitbürger ihrer Rechte deshalb berauben wollen, weil sie von jüdischen Eltern geboren wurden. -London. Vor einiger Zeit hat das Board ofDeputies, folgend dem edlen Beispiele der kleinen Gemeinde von Aldershot, von dem Armeecommando die Zusicherung erwirkt, daß jüdischen Soldaten Erleichterungen bei Beobachtung der Vorschriften ihrer Religion gewährt werden sollen. Eine von diesen Erleichterungen besteht in dem Anbringen einer permanenten Anzeige bei jeder Station, welche über die Stunde des Gottesdienstes in der Ortssynagoge Auskunft gibt. Aber die Theilnahme an dem öffentlichen Gottesdienste war bisher der Initiative der Mannschaft selbst überlassen, und da kein Grund vorhanden ist, warum jüdische Soldaten eber bereit sein sollten, regelmäßige Synagogenbesucher zu werden, als viele ihrer Glaubensgenossen in Civil, so war die Theilnahme verschwindend klein. Es ist daher sehr dankenswertst. daß Oberst L a y e, Commandant des ersten schottischen Jäger-Regimentes, welches jetzt in Aldersho stationirt ist. die Einrichtung getroffen hat, daß die Theilnahme der jüdischen Soldaten bei ihrem Gottesdienste in dieselbe Reihe ihrer Verpflichtungen gebracht wurde, wie die Betheiligung der Mannschaft anderen Glaubens bei ihrem Gottesdienste. In diesem strammen Regimente finden sich einige hoffnungsvolle junge Glaubensgenossen, welche jeben Sabbath Morgen in Parade ausrücken und unter dem Commando eines dienstfreien Officiers zu dem Gottesdienste '.narschiren, welcher in der Wohnung des ältesten jüdischen Bürgers abgehalten wird. So ist endlich eine Synagogen-

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