Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-20 · 12 (20.3.1891) · p. Seite 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
12 (20.3.1891)
Date
1891-03-20
Page
Seite 215 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020860--00230-3024208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 12 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 215 warten. „Herr Hauck", so sagte Bergani wörtlich zu' Lehrner, „könne ihn — — (Fensterscene Goethe's „Götz von Berlichingen"). Herr Lehrner hat über Anfrage des Schriftleiters der „Unverfälschten Deutschen Worte" im Wiedener Wahllocale „Zu den zwei Löwen" diese Aeußerung des Ehren-Bergani bestätigt. Der Mann wagt es noch, sich als Herausgeber eines anticorrnptionistischen Blattes zu zeichnen, erkühnt sich, in seinem Blatte am 10. März, zweite Seite zu rufen: Äufgeschaut, die Corruption kommt. Was müssen das für Leute sein die noch mit solchen Individuen gemeinschaftliche Sache machen. — A. Pö—;. In der Nr. 782 vom 10. März 1891 nennt der Leitartikler des Berganischen „Deutschen Volksblatt" die „Jllustrirte Hacke" und die „Neue Freie Presse" spöttisch „Länderbank-Organe" und in der Nr. .780 vom 8. März 1891 bringt dasselbe „Deutsche Bolksblatt" wie schon oft zuvor, eine fetthezahUe dreiviertel Seiten Anzeige dieser von dem Einflüsse Rothschilds beherrschten „Länderbank". Vergani nimmt eben das Geld aus allen Händen, wenn es nur Geld ist. — — Dr. I., VIII. Es ist allerdings komisch, wenn ein Vergani die neugewählten Abgeordneten auf einen Petroleumring aufmerksam macht; er, der mit dem Juden Ofenheim einen Graphitring gründen wollte! U. d. G. 1." Aber nicht nur Vergani selbst, sondern auch seine Affiliirten kommen übel weg. Schönerer kündigt seinen ehemaligen Genossen, Kaiser, Fürnkranz, Riegler und Aurelius Polzer die Freundschaft, jubelt über den Durchfall Fiegls iu Baden und bemerkt zu der Candidatur des Ingenieurs F r a ß l in Hernals Folgendes: Dr. H. Hernals. Konnten Sie von dem Candidaten des „Volkswirthschaftlichen Vereins", dem Candidaten Berganis, in Ihrem Wahlbezirk etwas Anderes erwarten? Erst ließen die Herren Fraßlianer in den Wählerversammlungen an dem Fürsten Liechtenstein kein gutes Haar, dann erklärten sie im Wurstkesielblatte aufgeblasen und kübn, sich beim zweiten Wahlgang der Wahl zu enthalten, um endlich doch geschlossen für den von ihnen selbst so viel geschmähten Liechtenstein zir stimmen. Die Anhänger Schönerers sind ihrem Principe treu geblieben; beim ersten Wahlgange vereinigten sie ihre Stimmen auf Hipp, beim zweiten Wahlgange blieben sie ferne. Die mit dem Namen Schönerer gezeichneten Aufforderungen zur Wahl Liechten st eins waren natürlich Fälsch u n g e n. Welche „Entschädigung" das „Deutsche Bolksblatt" für die Empfehlung der Candidatur Liechtensteins bekommen hat, wissen wir nicht." Zum Schlüsse eine tiefbetrübende Nachricht. Der Obmann des obersleirischen Gewerbebundes, Mathias Weiß, zeigt in einem „Eingesendet" der „Unverfälschten Deutschen Worte" Herrn Vergani an, daß derselbe, nachdem er einer wiederholte Aufforderung dieses Vereines auf seine Ehrenmitgliedschaft Verzicht zu leisten, keine Folge gegeben, aus dem Gewerbebunde ausgeschlossen und aus der Liste der Ehrenmitglieder g e st r i ch e n wurde. In der Moüvirung dieses Beschlusses heißt es: „Ihr Vorgehen gegen den bewährten Vertreter und Freund des arbeitenden Mittelstandes, Herrn Schönerer, in den letzten Wochen, die noch tief unter der gemeinen Schreibweise der Judenpresse stehende Art des Angriffes auf Schönerer in Ihrem sogenannten „Deutschen^?) Volksblatt" — lassen diesen Beschluß, als vollständig berechtigt erscheinen." Vor dem Bezirke Landstraße fand vor wenigen Tagen die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungsklage des Dr. Karl Lueger gegen seinen gewesenen Freund Cornelius Vetter statt. In einer am 26. Februar d. I. in Schmeikals Adelen-Saal abgehaltenen Versammlung für die Wahlen in den Reichsrath kam Vetter auf Dr. Lueger zu sprechen und sagte: „Alles das, was Lueger gegen mich im Gerichtssaale vorgebracht hat, ist Lüge. Dr. Lueger weiß bestimmt, daß Alles unwahr ist. Er hat sich mit einer Perfidie gegen mich benommen, die ich meinem Todfeinde nicht zugemuthet hätte, das ist nicht anständig» das ist gemein!" Diese Aeußerung nahm Dr. Lueger zum Gegen" stände seiner Klage. Vetter, zur Aeußerung aufgefordert, schildert 'ein politisches Martyrium. Er spricht mit gepreßter Stimme, oft unverständlich und bricht mit einem Male in Tgrünen ans. so daß L. G. R. Schneider zur Sammlung Vetters die Verhandlung aus einige Minuten unterbrechen muß. Cornelius Vetter bezeichnet die Stellungnahme seiner Genossen gegen ihn als ein politisches Kesseltreiben. Lueger, Dr. Brzobohaty, Pater Schnabel, Alle — sagt er — sind von mir abgefallen. Man hat mich einen Trencsiner Rastelbinder genannt, dem die Fähigkeit fehle, deutschnation.il zu sein, blos, weil ich das Unglück habe, in Trencsin geboren zu sein. Man warf mir vor, Zwiespalt gesäet zu haben, man beschuldigte mich der Corruption durch Annahme eines gegnerischen Geschenkes von fünftausend Gulden, mich, der sein gan-.es Vermögen der Idee, die er hochachtet, geopfert hat. (Vetter weint.) Eine Versammlung besuchte ich, da erhielt ich das Wort, wurde jedoch mißhandelt und hinausgeworfen. Nur Polizeirath B o o g schützte mich vor einer Lynchj u st i z. L. G. R. Schneider macht Ansiöhnungsversuche. Lueger findet sich zur Annahme folgender Erklärung bereit: „Ich habe keine Veranlassung, dem Dr. Lueger irgendwie den Vorwurf der Lüge bezüglich seiner Aussage im Processe Bergani-Hron zu machen. Ich bedauere, dies in der Versammlung vom 26. Februar gethan zu haben, ziehe meine diesbezügliche Beschuldigung zurück, nehme dankend zur Kenntniß, daß Dr. Lueger in Folge meiner Erklärung die Klage zurückgezogen hat." Vetter: Das Wort „dankend" könntest du doch weglassen! Dr. Lueger (mit beiden Händen abwehrend): Nein, ohne das keine Zurückziehung! (Ruf im Auditorium: „Beuschl!") So erklärt denn Vetter, daß er „dankend" die Milde des Klägers anerkenne und er wird freigesprochen. In einem offenen Schreiben an die Wählerschaft des Landgemeindenbezirkes Waidhofen-Zwettl dankt Schönerer für die Wahl seines Gesinnungsgenossen D ö tz. Den Schluß des Briefes bildet folgende grimmige Drohung: „Ich kann zugleich aber nicht umhin, denjenigen Wählern, welche sich, gegen ihre bessere Ueberzeagung, als willenlose Werkzeuge bekannten schwarzen internationalen Gesellschaft gebrauchen ließen, das tiefste Mitleid auszusprechen und eriurt ich zugleich, daß ich für jene Individuen, welche durch niederträchtige Lügen, Verdrehungen, Verleumdungen und Schmähungen gemein st er Art den Wahlkamps ans ihrer Seitezu einer schändlichen Posse herabwürdigten, nur eine passende Antwort weiß, das ist die — Kundspeitsche — deren Gebrauch aber gesetzlich u n st a t t h a f t erscheint." Wir bemerken ausdrücklich, daß es in dem genannten Wahlbezirke keine Juden gibt, und daß Schönerer nur arische Wähler mit der Hundspeitsche bedroht. Kefefnichle. * Ueber den Freiherrn Karl Mayer von Rothschild erzählt ein Mitarbeiter des „B. T." die nachfolgende Anekdote: Einst, im zwanglosen Privatgespräch, hob Rothschild hervor, daß in seiner Jugendzeit, da er eben erst aus Neapel zu seinem Onkel, dem alten „Amschel," gekommen sei, dieser mit viel Mutterwitz ausgestattete Onkel ihm einst ‘ gesagt habe: „Karlchen, ich will dir was erzählen. Da hat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.