Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 12 (20.3.1891)
- Date
- 1891-03-20
- Page
- Seite 214 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 214 Hesterrekchrfche WocherrfchrifL Nr. 12 Hof- und Gerichtsadvoeat Herr Dr. Alfred Mittler bemerkt, daß er gegenwärtig nicht candidiren wolle, weil er es perhorrescire, mit Jenen, die momentan die Mandate vergeben, durch Dick und Dünn zu gehen. Dr. Mittler erwartet von jedem jüdischen Mandatar, daß derselbe für seinen Glauben entschieden eintrete. Redner würde es wünschen, wenn die Candidoten sich in ihren Candidatenreden auch mit fragen wirtbschastlicher Natur befassen würden, und daß dieselben unabhängig selbst von Jenen sein mögen, die ihnen zu ihrem Mandate verhelfen. Dr. Bloch, welcher nochmals das Wort ergreift, tritt den letzten Ausführungen dieses Redners mit der Bemerkung "entgegen, daß die „Union" nicht das Forum sei, vor welches die Besprechung wirthschastlicher Fragen gehöre; entschieden müsse er jedoch von einem Candidaten verlangen, daß derselbe die Parteidisciplin unter allen Umständen Hochhalte, weil nur in der Parteidisciplin der Erfolg einer Partei liege. Auf die Ausführungen des Herrn Dr. Fried jung zurückkommend, bedauert Dr. Bloch, diesen Candidaten nicht nur nicht unterstützen, sondern entschieden bekämpfen zu müssen. Dr. Fried jung babe erklärt, daß er auch heute der deutschnationalen Partei augehöre. und jeder halbwegs eingeweihte Politiker müsse zugeben, daß die deutschnationale Partei antisemitisch und durch ihr Hinüberschielen nach dem deutschen Reiche gar oft anti-österreichisch sei. Wenn auch dem Dr. Fried jung nicht zugemuthet werden darf, daß er Antisemit sei, so haben die Juden allen Grund, Dr. F r i e d j u n g schon deshalb, weil sich derselbe als Anhänger der deutschnationalen Partei bekenne, zu bekämpfen, selbst dann, wenn sich derselbe hinter der Empfehlung des Herrn Dr. von P l e n e r verschanze. Auch er (Dr. Bloch) sei der Ansicht, daß die Ausgabe eines jüdischen Mandatars nicht allein in dem fortwährenden Auftreten gegen die Antisemiten bestehe; wo dieser Fall jedoch eintrete, müsse er voraussetzen, daß dies aus Ueberzeugung geschehe. Dr. Fried jung verwahrt sich dagegen, daß ein Mitglied des streng nationalen Polenclubs seine deutschnationale Gesinnung antaste und protestirt energisch dagegen, daß jener linke Flügel der deutschen Partei, welche unter Führung des Dr. von P l e n e r steht, antiösterreichisch genannt werde. Unter allgemeiner Erregung, welche durch diese Debatte hervorgerufen wurde, schließt der Vorsitzende um Mitternacht die Sitzung. Antisemiten unter sich. Die Niederlage, welche Ernst V e r g a n i bei der jüngsten Reichsrathswahl erlitten hat, genügt dem Rachedurst eines Schönerer nicht. Der Schloßherr von Rosenau verfolgt den unglücklichen Volksblattmann in der erbarmungslosesten Weise und regalirt ihn in den „Unverfälschten deutschen Worten" mit den schmählichsten Fußtritten. Freilich, seit seinem siegreichen Processe gegen H r o n bleibt Vergani auch Herrn Georg Schönerer nichts schuldig, den er als den „Schädling der antisemitischen Bewegung" bezeichnet hat. Wir bringen im Nachfolgenden eine Blüthenlese der Höflichkeiten, welche die ehrenwerthen Herren einander an den Kopf werfen und bei deren Lectüre man sich unwillkürlich an den Ausspruch Friedrich des Großen über die deutsche Reichsarmee erinnert. „ Seit Wochen", heißt es in dem Leiborgane Schönerers, „spukt dieses einzige ch r i st l i ch e Tagblatt" („das deutsche Volksblatt") die gemeinsten Beschimpfungen gegen Schönerer und seine Anhänger; der Wahlaufruf des gewesenen Abgeordneten von Krems und für Stein rc., strotzte von den niedrigsten Schmähungen gegen jenen Mann, auf dessen jahrzehntelanger Erziehungsarbeit, auf dessen Kerkerhaft V e r g a n i seine corrupte Speculätton aufgebaut; derselbe Vergani, der der mächtigen deutschnationalen Bewegung in Oesterreich den Hemmschuh seines journalistischen Wurstkesselantisemitismus angelegt hat, derselbe Vergani. der fast zwei Jahre lang in seinem (?!) „Deutschen (!) Volksblatte" Schönerer bis zum Ueberdruß angeräuchert und verhimmelt hatte und nunmehr, als das Honorar hiefür ausblieb, wie ein Hausknecht schimpft, dem das Trinkgeld für das Stiefelputzen zu klein erscheint. Man möge die Leitartikel dieses Sudelblattes vom 24. April 1889 und 1890, die sogenannten „Namenstagartikel" und jenes in den letzten Wochen gegen Schönerer losgelassene Schimpfgeschreibsel vergleichsweise lesen — und jeder anständige, charaktervolle Mensch wird begreifen, daß wir von diesem Menschen keinerlei Genugthuung zu fordern nöthig haben, und nach dem Ausgang des Processes Vergani - Petting - Stefanovics auch als anständige Leute nicht fordern dürften. Jeder wahre Mann wird dann einsehen, daß uns ein Vergani nie und nimmer beschmutzen kann." Und zu den 437 Stimmen, die V e r g a n i bei der Reichsrathswahl in seinem ehemaligen Wahlbezirke erhielt, bemerkt das Blatt: „Wenn diese 437 fteiwilligen und zusammengetrommelten „Getteuen" auch nur die leiseste Ahnung von jenem moralischen Unrathshaufen hätten, auf dem sich das „einzige christliche Tagblatt" erhebt, sie würden sicherlich der Bevölkerung nicht gezeigt haben, daß auch Verrath, Gesinnungslumperei und arische Corruption unter dem Deckmantel eines C o n g l omerat -Antisemitismus noch Anhänger finden können: sie würden gewiß ihre Anschauungen über den Begriff von deutscher Moral und deutscher Charaktertüchtigtkeit nicht bis zu dem sonderbaren Ausspruch ausgedehnt haben: „So lange der Vergani nicht eingesperrt ist, glauben wir nicht, daß er schlecht sei!" Noch niederschmetternder für Vergani ist die Erklärung der „Unverfälschten deutschen Worte", daß der Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" du.ch Richterspruch für satisfacttonsunfähig erklärt wurde. Schönerer knüpft hieran folgende Erläuterung: „Es ist ihm dadurch auch die Möglichkeit benommen, einen ehrenhaften Menschen zu beleidigen. Er kann gegen ehrenhafte Personen die gemeinsten Insulten schleudern — sie brauchen nicht als Beleidigungen aufgefaßt zu werden, denn sie gehen von einem Menschen aus, dem die Ehre abgesprochen wurde, fernerhin ritterliche Genugthuung geben zu können. Beschimpfungen aus dem Munde eines für satisfactionsunfähig Erklärten könnten nur als Ausgeburt niedriger Feigheit und gänzlicher Eharakterlosigkeit erklärt werden." Auch im „Briefkasten" wird Vergani wieder bei lebendigem Leibe geschunden. Wir stellen folgende „Antworten" zusammen: „G—1» Mieden. Wir haben da immer nur denselben Ausdruck: echt verganisch. Zuerst gibt Herr Hauck diesem Gründer über 30.000 fl. für das „Deutsche Bolksblatt" und nun hetzte Herr Bergani anläßlich der Candidatur Haucks in seinem (!) „Deutschen Bolksblatt" bei den nicht nationalen Antisemiten. Dieser galizische Deutsche haßt eben alles, was deutsche Treue heißt. Nicht genug, daß er unfern Genossen Hauck Bergani-Wechsel bezahlen läßt, schürt er auch noch gegen seine Wahl, wcil Hauck — Schönerianer ist. Und da finden fich immer noch Leute, die erst Beiveise haben wollen für die niederträchtige Handlungsweise dieses Gründers." — „H—N Es ist richtig, daß Bergani sich Herrn Lehrner gegenüber geäußert hat, daß er Lehrners Forderung zu begleichen gesonnen sei; Herr Hauck jedoch, von dem er wisse, daß er ihm (Bergani) feindlich gesinnt sei, habe nichts zu er-