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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-13 · 11 (13.3.1891) · p. Seite 204

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 204 (sequence 14)
Language
German
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•:7flTTt!S3 Seile 204 Hesterretchische Wochmschrlft Nr. 11 abergläubischer Furcht ergriffenen Soldaten leisteten nicht lange Widerstand. Nachdem mehrere von ihnen gefallen, verließen die Uebrigen mit dem Tribun die Stadt, die nun wieder ganz in den Händen der Juden war. Lauter ZubU herrschte in Hebron. Man eilte in die Synagoge, um Gott für die Befreiung zu danken: verkündete doch der Anführer Abraham, daß in derselben Nacht alle römischen Besatzungen im Lande überfallen wurden. „Keiner von ihnen soll lebend entkommen," hieß es, „wer sonst von den Heiden sich nicht sofort bekehrt und beschneiden läßt, soll ausgerottet werden." So wälzte sich die Menge tobend durch die Straßen, drang in die Häuser der Römer und suchte besonders die Steuereintreiber und Zolleinnehmer auf. Nach flüchtiger Bearüßung Abrahams war Simon in's Gefängniß zurückgekehrt, batte die Thüre der Kammer, in der Irene eingesperrt war, eingestoßen und die über den furchtbaren Lärm und das Kampfgetöse Erschrockene beruhigt. Auf ihre Bitten geleitete er sie in das Haus chres Vaters. Simon ging jetzt stolz und furchtlos neben Irene durch die Straßen Hebrons; zweifelte er doch nicht im Geringsten, daß jetzt die Heiden sich bekehren und den Messias verehren würden. Die Herrlichkeit des neuen Temvels und des neuen Jerusalems alle Heidentempel in den Schatten stellen würde. Sie trafen Eudamos in großer Angst. Auf die Nachricht von der Verhaftung seiner Tochter war er zum Tribun geeilt, um ihre Freilassung zu erwirken; da er dies nicht erlangen konnte, wollte er noch in der Nacht nach Cäsarea aufbrechen, um den Tribun beim Procurator zu verklagen und von diesem, der seit lange sein Gönner war, den Befebl zur Freilaffung Irenes zu erbitten. Der Ueberfall der Zuden traf ihn mitten in seinen Reisevorbereitungen und machte ihn ganz verwirrt. Er wußte nicht, ob er nach Cäsarea eilen oder den Versuch machen sollte, in der herrschenden Verwirrung auf eigene Faust die Tochter zu befreien. Ihre Ankunft in Begleitung Simons war daher für Eudomos eine unerwartete Erlösung aus quälender Angst und Rathlosigkeit, und er erschöpfte sich in Danksagungen an den jüdischen Jüngling. „Nun aber," schloß er, „wollen wir den günstigen Moment benützen, und alle zusammen nach Egypten fliehen. Deine Glaubensgenoffen machen Miene, alle Heiden zu tödten oder, was noch schlimmer ist, gewaltsam zu beschneiden," sagte er zu Simon gewendet, „und auch Du, der Abgefallene, hast von ihnen nichts Gutes zu erwarten. Wenn aber die Römer, wie vorauszusehen ist, bald wieder zurückkommen, wird es Dir von allen Juden am schlimmsten ergehen. Komm also mit uns nach Egypten, laß hier deinen alten Gott mit seinem neuen Messias, ich glaube, einen andern Messias haben Euch die Römer schon vor hundert Jahren gekreuzigt — und werde ein vernünftiger Mensch, der wie die ganze Welt unsere mächtigen Götter anbetet. Wenn es meiner Irene recht ist, kannst Du mein Schwiegersohn werden, und wenn Du durchaus kein Schweinefleisch effen magst, so will ich Dich dazu nicht zwingen." Dunkles Roth bedeckte die Wangen Irenens bei den Worten ihres Vaters, aber unwillig blitzten ihre Augen auf, als Simon ohne Zögern auf die gutmüchigen Worte des muntern Arztes antwortete: „Nicht ich werde euch und euern Göttern folgen, sondern Ihr werdet hier bleiben und gleich allen anderen Heiden der wahren Messias, der die Herrschaft Roms vernichten wird, erkennen und den einzigen wahren Gott anbeten. Dann wird auch Irene meine Frau und eine Tochter Zions werden." „Bist Du verrückt?" rief der Arzt, „glaubst Du denn Eure wenigen schlechtbewaffneten Haufen werden es mit dem Heere des mächtigen Rom aufnehmen können? Haben Euch die Römer nicht schon mehr als ei» Mal besiegt, Eure Hauptstadt erobert und Eure Tempel zerstört; ttotzdem Euere Priester sagten, kein feindlicher Soldat werde in die heilige Stadt eindringen?" „Ich kann und will meinen Gott und mein Volk nicht verlaffen" antwortete Simon. „Du mußt ja Deinen Gott nicht verlaffen," rief Irene, „fliehe nur mit uns zusammen vor der Rache der Römer, und", fügte sie leise und zögernd hinzu, „in Egypten kannst Du uns ja verlaffen und mit Deinen Glaubeusgenoffen leben." Simon kämpfte einen harten Kampf mit sich selbst. Die Reden des Eudamos hatten sein felsenfestes Vertrauen auf den Messias erschüttert, Irenens sanfte Worte drangen tief in sein Herz. „O, welch ein Glück müßte es sein", sagte er sich, „in Frieden »nd Ruhe das Leben an ihrer Seite zu verbringen, immer ihre süße Stimme zu hören. Aber es darf nicht sein, Gott will es nicht. Ich kann nicht!" rief er laut, „ich habe geschworen bis zum letzten Blutstropfen für meinen Glauben zu kämpfen und dem Messias zu gehorchen. Und roer beim Namen unseres Gottes schwört und seinen Eid bricht, der bleibt ewig verworfen und wird ausgerottet aus seinem Volke". „Nun, so überlaß den Verrückten seinem Schicksale", schrie der Arzt und riß seine Tochter mit sich fort. Langsam, zögernd, oft zurückblickend folgte ihm Irene. Simon aber sank laut stöhnend zu Boden, sein Gesicht mit beiden Händen bedeckend. Noch einmal riß sich Irene von ihrem Vater los und eilte auf Simon zu: „Komm mit," sprach sie leise. Er ergriff ihre Hand, und küßte sie leidenschaftlich; dann sprang er auf und eilte fort. 9. Ein wohlbeladenes Schiff hatte den Hafen von Cäsarea ver laffen; es führte kostbaren Balsam von Jericho und andere Produkte Palästinas nach Italien und Egypten. Auch einige Reisende hatten sich eingeschifft, die in Alexandria landen wollten. Ein frischer Wind blähte die Segel, und die Matrosen sangen ein munteres griechisches Trinklied. Auf dem Verdeck stand eine junge Griechin, den Blick unverwandt nach der in der Ferne verdämmernden Küste Palästinas gerichtet. Schwer hob sich ihre Brust und eine Thräne glitt ihre Wange herab. „Denkst Du noch immer an den verrückten Juden. Irene?" sagte ein alter Mann, ihr sanft auf die Schulter klopfend. „O Vater, wie kannst Du so undankbar sein. Hat er mich doch vor dem wüsten Centurio geschützt und dann mich aus dem Gefängniffe befreit, und Du nennst ihn verrückt." „Verrückt bleibt er aber doch, so wie alle Juden," antwortete Eudamos. „Einen Gott anzubeten, von dem man nicht einmal ein Bild gesehen hat, sich deshalb gegen die Römer empören und todtschlagen lassen, ist das nicht Wahnsinn?" „Kämpfen sie denn nur für ihren Gott," frug Irene, „kämpfen sie denn nicht auch für ihre Freiheit, für ihr Vaterland, wie unsere Vorväter bei Marathon und Salamis?" Zur selben Stunde ward in den Straßen Hebrons ein erbitterter Kampf gekämpft. Der Tribun war nach drei Tagen mit zwei frischen Cohorten. aus Jerusalem zurückgekehrt und richtete unter den meist der Waffen ungewohnten Juden ein furchtbares Blutbad an. Bald waren die Straßen mit Leichen bedeckt. Nicht blos die bewaffneten Juden, auch Frauen und Kinder wurden von den Römern hingemordet. Einige der tapfersten Juden von der Schaar Abrahams hatten sich in der Synagoge verrammelt, und leisteten den letzten Widerstand mit dem Muthe der Verzweiflung. Simon war unter ihnen und verrichtete Wunder der Tapferkeit. Aber das kleine Häuflein Schlechtbewaffneter unterlag der Uebermacht der schwerbewaffneten römischen Soldaten. Einer nach dem Andern fielen sie mit den letzten Worten die Einheit Gottes bekennend. Simon war der letzte der Kämpfenden; mit Wunden bedeckt sank er neben dem Schreine hin, in dem die Thorarollen verwahrt waren. Ein Römer gab ihm den Todesstoß und rief höhnend: „Nun wird zum letzten Male Einziger Gott! gebrüllt werden." Ein leises Stöhnen entwand sich der Brust Simons, der Römer neigte sich über ihn und hörte sein letztes Wort-„Irene 1" Literatur. Masoretische Untersuchungen von Dr. Ludwig Blau. Straßburg i. E. bei K. I. Trübner, 1891. 8«, 61 S. Vorliegende Schrift bedeutet eine neue Etappe auf dem Gebiete der Maforaforschung. Wohl haben wir keinen Grund, uns wegen Vernachlässigung dieses Gebietes zu beklagen: in neuester Zeit ist die Masora, namentlich von christlicher Seite, mannigfach bearbeitet und nltivirt worden, wie viel es aber da noch anfzuräumen und zu ver -

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