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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-13 · 11 (13.3.1891) · p. Seite 203

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 203 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Gesterreichische Wochenschrift Sette 303 Effendi, Mitglied des hohen Raths für den öffentlichen Unterricht und Director der höheren Schule veranlaßte, an der Knabenschule der Alliance den Unterricht in der türkischen Sprache zu übernehmen. Diese Schule hatte sich auch der Ehre eines Besuches des hochwürdigen Herrn G e ra s i m u s, Patriarch der Hochorthodoxen znAntiochia, zu erfreuen. Es war dieses das zweite Mal, daß dieser hohe Würdenträger der griechischen Kirche die Schule besuchte und dadurch den schönsten Beweis für seine echt tolerante Gesinnung gab. Tripolis. Am 21. Debet feiern unsere Glaubensgenossen in Tripolis (Nordasrika) ein locales Purimsest, Purim Cheris genannt. Nach einem hebräischen Gedicht, welches gegen das Jahr 5465 verfaßt wurde, hätte der Bey von Tarsissa (wahrscheinlich Tunis) Halit Pascha, den Bey von Tripolis angegriffen, die Umgegend der Stadt eingeäschert und gedroht, sie im Sturm zu nehmen und Alles umzubringen. Die Angst hatte bei den Belagerten ihren Höhepunkt erreicht, als eine Epidemie das Lager der Belagerer heimsuchte und sie zwang, sich zurückzuziehen. Zum Andenken an die Befreiung haben die damaligen Rabbiner diesen Purim Cheris eingeführt, den das Volk, um ihn von dem wirklichen Purim zu unterscheiden, mit dem Namen Purim Kidebouni, d. h. den „falschen Purim" benannt hat. — Noch einen zweiten Purim feiern die Juden in Tripolis im Monat Tebet: Purim Borghell. Gegen 179 J (5535) lehnte sich ein gewisser Borghell, ein gebürtiger Georgier und großer Seeräuber, gegen seinen Herrscher Ali Pascha Karamanli auf, griff Tripolis mit seinen Schiffen an und eroberten es. Der Sieger hatte eine Heerde Galeerensclaven als Armee; die Stadt wurde niedergebrannt und geplündert, auch die Israeliten hatten viel zu leiden. Dem Caid Abr. Holfon. Chronikschreiber dieses Krieges, wurde ein Sohn auf offenem Platze verbrannt und in dem Klagelied (Kinna), das er darüber schrieb, erzählt er alle Grausamkeiten der Barbaren. Die Gewaltherrschaft dauerte zwei Jahre, welche Karamanli benutzte, um eine Armee zusammenzubringen und die Stadt zurückzuerobern. Diese beiden „falschen Purim" unterscheiden sich kaum von den anderen Wochentagen; nur die jüdischen Läden sind geschlossen, und in der Synagoge werden einige darauf bezügliche Gebete gesprochen. Familienblatt. Wochen- März 1891 i Weadar 5651 Kalender Freitag 13 3 Samstag 14 4 mpa Sonntag 15 5 Montag 16 6 Dienstag 17 7 Mittwoch 18 8 Donnerstag 19 9 Freitag 20 10 Griechin mb Jude Erzählung von *** (Schluß.) Simon war nicht allein; aber es wäre ihm besser gewesen, wenn er keine Gesellschaft im Kerker gefunden hätte. Er wurde von seinen Glaubensgenossen mit den bittersten Vorwürfen und Schmähungen überhäuft, weil er über sie soviel Schmach und Noth gebrockt hatte. Sein Verkehr mit der Griechin, die Flucht aus dem Gefängnisse, wodurch er sich dem Gericht seiner Glaubensgenossen entzog, dünkten , ihnen noch größere Verbrechen als die Ermordung des römischen Officiers. Und da sie von seiner freiwilligen Rückkehr nichts wußten, und glaubten er sei von den Römern ergriffen und zurückgebracht worden, so kannten sie gar keinen Milderungsgrund für seine Schuld. Simon ließ clles ruhig und geduldig über sich ergehen. Er durste und wollte von seinem Aufenthalte in der Höhle bei Abraham nichts erzählen. Er bat nur, sie möchten ihm sagen, wo sich sein Großvater befinde, den er im Kerker zu treffen erwartet halte. „Weißt Du denn nicht, daß er tobt ist?" ward ihm zur Antwort, „ein römischer Soldat hat ihm im Kerker einen Schlag auf die Brust versetzt, und zwei Tage darauf hauchte er sein Leben aus. Aber Du bist die eigentliche Ursache seines Todes. Selbst wenn ihn kein Soldat angerührt hätte, wäre er aus Kränkung darüber gestorben, daß sein Enkel ein gottloser Abtrünniger geworden." Mit einem lauten Aufschrei;ank Simon bewußtlos zu Boden während seine Kerkergenossen ihre Schmähungen fortsetzten, bis die Ermüdung sie verstummen machte. Als Simon aus seiner Ohnmacht erwachte, fand er alle anderen Gefangenen schlafend; er aber konnte kein Auge schließen. Morgen wird er zusammen mit Irene sterben. — Das schien ihm das Beste zu sein, eine Erlösung aus aller Pein. Aber vorher sollte er gegeißelt werden! Ein kalter Schauer überlief ihn, und die Schmerzen der bereits erhaltenen Geißelhiebe begannen stärker zu brennen. Aber auch daran vergaß er, als cr sich erinnerte, daß auch Irene gegeißelt werden sollte. Sie — die Herrliche, die Edle, deren Stimme wie die eines Engels klang, die ihm jetzt eine jener hehren ewig jungen und ewig schönen Göttinnen zu sein schien, von denen sie ihm erzählt hatte. „Diese Römer können selbst eine Aphrodite peitschen," schrie er, sich vergeffend aus. Einer der Schläfer ward von seinem Schreien halbwach, fiuchte als er den Namen der Heidengöttin hörte und schlief dann wieder ein. Alles war wieder still. Simon saß in dumpfem Schweigen, fühllos an nichts mehr denkend. Da schlug von Ferne ein Ton an sein Ohr. Er horchte auf, der Ton ward immer stärker, kam immer naher. Es war wie das dumpfe Brausen des sturmgepertschten Oceans; dazwischen ertönte Waffengeklirr; bald konnte man einzelne Rufe und Stimmen unter'cheiden. Man hörte das Anprallen von Schilden, den hellen Klang sich kreuzender Schwerter, dazwischen Rufe wie: „Für Gott und feinen Gesalbten", „Tod den Götzendienern", „Schlagt sie zu Boden, die rebellischen Judenhunde". Der Lärm hatte auch die Kerkergenossen aufgeweckt und sie waren erschrocken von ihren Lagern aufgefahren. Als aber der Tumult näher kam und die Schlachtrufe deutlicher gehört wurden, da begannen sie zu jubeln: „Er kommt, er kommt, der Gesalbte Gottes, der Messias Israels, um fein Volk zu befreien und die Heiden zu strafen." Nun erinnerte sich Simon an das, was ihm Abraham gesagt hatte, an den Schwur, den er in der Höhle geleistet hatte, und zweifelte nicht mehr, daß der Messias gekommen und der Befehl zum Kampfe gegen die Römer gegeben habe. Seine Verzweiflung und Entmuthigung machten der Begeisterung.Platz. „Auf," rief er den Mitgefangenen zu; „auf zum Kampfe für Gott und seinen Gesalbten." Es bedurfte dieser Aufforderung an die Gefangenen nicht. Bon religiöser Begeisterung ergriffen, sprangen sie alle auf und erbrachen ohne viele Anstrengung die Thüre des Gefängnisses. Dann stürzten sie sich auf den wachestehenden Soldaten, der nach kurzem Kampfe der Uebermacht erlag, nicht ohne zuvor zwei der Gefangenen verwundet zu haben. Simon hatte sich des Schwertes des Römers bemächtigt und eilte den Anderen voran, den eben in den Hof der Caserne eindringenden Juden entgegen. Mit Jubel wurden die Befreiten von den Ankommenden, den Gcnoffen Abrahams begrüßt, von denen sie erfuhren, daß der Messias „der Sohn des Sterns" bereits in der Stadt Bither erschienen sei und den Befehl zum Kampfe gegen die Römer gegeben habe. Sie waren ihrer Fünfzig wohlbewaffnet in die Stadt eingedrungen, hatten im Verein mit mehreren im Voraus benachrichtigten Bewohnern der Stadt die römischen Wachen am Thore überfallen und getödtel und griffen jetzt die Caserne an. Die im Schlaf übeeraschleu, von

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