Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 11 (13.3.1891)
- Date
- 1891-03-13
- Page
- Seite 201 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020859--00215-3024192- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Dačice 1× ep/1044393
OCR text
Nr. 11 Gesterreichische Wochenschrift Seite 201 Ausschluß jüdischer Rechtsanwälte aus der Corporation bezwecken. Denn es wird dem Conseil, in welchem von nun an kein Jude gewählt werden darf, freigestellt, nur solche Juden aufzunehmen, die dessen für würdig erachtet werden. Der Conseil, welcher größentheils aus Antisemiten bestehen dürfte, wird sich gewiß beeilen, von diesem ihm freigestellten Recht den weitesten Gebrauch zu machen, um sich lästiger Concurrenten zu entledigen. Der Willkür ist hier der größte Spielraum gegeben. Durch solche und ähnliche einschränkende Maßregeln wird der Antisemitismus natürlich nur genährt und die jüdische Bevölkerung dem Haß und der Verachtung der übrigen Bevölkerung preisgegeben. Denn unwillkürlich sagt man sich, daß die russischen Juden doch sehr schlechte Elemente enthalten müssen, wenn man sich gezwungen sehe, sie täglich neuen Beschränkungen zu unterwerfen und ihnen gesetzlich zugesicherte Rechte zu nehmen. Darin liegt eben die größte Gefahr dieses Systems; es wirkt aufreizend. Vermischtes. Wien. (Osterreichis ch - Israelitische U n i o n.) Bereinsversammlung Samstag den 14. März d. I., Restaurant K h u n e r, I. Börsegasse 14. Parterre links. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes; 2. Vortrag des Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr. I. S. Bloch; 3. Besprechung der bevorstehenden Gemeinderathswahlen — Damen willkommen. Wien. Der Vorstand der „Chewra Kadischa" versendet eine Einladung zu der am Vorabende des -plK'? 16. d. M., Abends 6 Uhr, im Bethause in der Stadt, Seitenstettengasse, abzuhaltenden Gedacht nißandacht für seine verstorbenen Vereinsmitglieder. Wien. Sonntag am 15. März 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein El l a H eit. einer Tochter des Herrn S. Heit, mit Herrn Moriz Schwarzmann, dem Sohne des bestbekannten Großindustriellen Herrn D. S ch w a r zmann, statt. Wien. Der erste jüdische Bezirksrichter wurde dieser Tage ernannt: Ignaz M o r a w e tz, Kreisgeichtsadjunct in Teschen wurde zum Bezirksrichter in Datschitz (Mähren) ernannt. Der Landesgerichtsadjunct Heinrich Fried in Brünn wurde kürzlich zum Rathssecretär in Teschen befördert. Der Concipist der Lemberger Finanz-Landesdirection, Herr Nathan Bier, ist zum Finanzcommissär bei derselben Behörde ernannt worden. Wien. Am 5. März fand die 6. ordentliche Generalversammlung des „Gegenseitigen israelitischen Hilfsvereines für Handwerker und Kleingewerbetreibende" statt, die infolge der am selben Tage stattgefundenen Reichsrathswahlen nicht so stark als sonst besucht war. Herr k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny beehrte die Versammlung mit seinem Besuche. Nach Verlesung des letzten Generalversammlungs-Protokolls und des Rechenschaftsberichtes durch den Schriftführer Herrn Ad. K o h n. nach welchem die Einnahmen im Jahre 1690 st. 3216 81 und die Ausgaben fl. 2040-32 betragen und das Vereinsvermögen am 31. December 1890 fl. 3058-46 hoch war, wurde dem Vorstande einstimmig der Dank und das Absolutorium ertheilt. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Obmann Herr Moritz Edelhofer, Obmann-Stellvertreter Herr Salomon Straßberg, Schriftführer Herr Adolf Kohn, Schriftführer-Stellvertreter Herr Isidor O e st e r r e i ch e r, Cassier Herr Leopold Hermann, 1. Revisor Herr Alois Tintner, 2. Revisor Herr Josef Fässler. Als Ausschuß: Die Herren Bernhard Fischer, Mor. Huber, K. Kaufmann, Mor. Kaupi, Mor. Weiß und Jakob Weiß. Als Ersatzmänner: Die Herren I. Borzikowski, I. Finesus, H. Himmelreich. Leon Seiler, I. Rosenzweig, I. Taubeles. Der neugewählte Vorstand beschloß in einer vertraulichen Sitzung einstimmig, Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr. S. Bloch zur Wiederwahl zu gratuliren, indem er die vielen Verdienste dieses Verfechters der Jnteresien des jüdischen Handwerkers und Kleingewerbetreibenden umso eher anerkannte, weil selbe nahezu vereinzelt dastehen. Wien, 11. März. Am 6. d. M. wurde die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungsklage Ernst B e r g a n i s gegen den Hauptmann i. P. Stefanovic und den Lieutenant i. P. Otto P e t v a i d i c vor dem Bezirksgerichte zu Ende geführt. Bergani hatte sich in seiner Ehre verletzt gefühlt, weil beide Angeklagte als Secundanten in der bekannten Duell-Affaire Hron-Bergani den Herausgeber des „DeutschenVolksblatt" für satisfactionsunfähig erklärt hatten. Beide Angeklagte wurden freigesprochen. In den Urtheilsgründen führte der Richter aus, daß die beiden Angeklagten Ursache gehabt hatten, die Satisfactionsfähigkeit Berganis zu bezweifeln, insbesondere, da sich derselbe von K. H. Wolf ungestraft die gröbsten Jnvectiven habe in's Gesicht schleudern lassen. Diese Begründung kommt einer moralischen Berurtheilung Berganis gleich. Wien. Herr Rudolf Ebert, Theilhaber der Firma I. Kurzhals & Comp, in Tetschen a. E., ersucht uns zu constat'ren, daß er nicht der Einsender der in Nr. 3 erschienenen Correspondenz aus Tetschen ist, was hiemit geschieht. Budapest, 10. März. Ein schönes Beispiel' von Toleranz gaben gestern in Bätarkeßi die Seelsorger der christlichen Confessionen anläßlich des Abschiedes des in gleicher Eigenschaft in Homonna erwählten Rabbiners Ignaz Salzer. Bei der Abschiedsfeier richtete zunächst der eformirte Seelsorger Göza Kovücs eine warme Ansprache an den scheidenden Rabbi, die allgemeine Verehrung hervorhebend, welche derselbe seitens der gesummten Bevölkerung Bütarkeßi's genoß. Dann sprach im gleichen Sinne der katholische Pfarrer Ignaz Mais er mann, worauf noch Johann Kngler und Philipp Finiczer im Namen des Schulstuhls und Moriz Tauber im Namen der israelitischen Cultusgemeinde ehrende Ansprachen an den Scheidenden richteten. Merbv, 9. März. Bei der hier jüngst stattgehabten Plenarversammlung der israelitischen Cultusgemeinde in Angelegenheit der Besetzung des durch die Berufung Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Reich nach Budapest vacanten Rabbinerpostens, wurde mit großer Majorität deffen Schwager, Se. Ehrwürden Herr B. D u s ch i n s k y, Bezirksrabbiner in Nameszto candidirt. Derselbe, durch Frömmigkeit, edlen Charakter und Gelehrsamkeit ausgezeichnet, zählt zu den hervorragendsten principientreuen Rabbinern und ist die Gemeinde ob dieser passenden Acquisition nur zu beglückwünschen. Aetovar, 4. März. Die hiesige jüdische Bezirksgemeinde, die erst seit 15 Jahren besteht, hielt am 3. d. M. ihre Generalversammlung ab, um eine neue Vorstandswahl für eine dreijährige Dauer vorzunehmen. Die Gemeindemitglieder von hier und Umgebung waren zahlreich erschienen. Der seit dem Bestände der hiesigen Gemeinde sungirende Präses, Herr I. F l e i s ch m a n n, kennzeichnete in markigen Worten die hohe Bedeutung des Wahlactes. Eingedenk der unverwelklichen Verdienste, die Herr Fleischmanu um die Creirung der Gemeinde und um Äbauung des Tempels und der Schule sich erworben, erfolgte dessen Wiederwahl ein stimmig zum Präses, ebenso die Wahl der Herren Em. Ebenspa ng er und Zsiga Deutsch zu Vorstands- Mitgliedern, während die Repräsentanz durch Stimmenmehr-/