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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-13 · 11 (13.3.1891) · p. Seite 199

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 199 (sequence 9)
Language
German
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«r II Gesterreichische Wochmschrift SeUe 199 zurückzu ziehen, wenn Herr W e b e r sein Bedauern über den Vorfall aussprechen, dann 10 Gulden zu Händen des israelitischen Nächstenliebe-Vereines erlegen und die Kosten bezahlen würde, welche Herr Dr. B e n d i e n e r gleichfalls dem israelitischen Nächstenliebe- Vereine widme. Herr Weber erklärte sich damit einverstanden, gab zu Protokoll, daß er d n Vorfall bedanre und verpflichtete sich, den Betrag per 10 fl. und die vom Richter Herrn Landesgerichtsadjunct Kwis mit 10 fl 50 kr. zugesprochenen Kosten — zusammen 20 fl. 50 kr. - dem israelitischen Nächstenliebe- Vereine zu bezahlen. Der Verhandlung wohnte ein zahlreiches Auditorium von Studirenden bei. Kolomea, 9. März. Erst jetzt bin ich in der Lage. Ihnen etwas Näheres über die peinlichen Vorkommnisse bei und nach der Wahl mitzutheilen. Humane gutgesinnte Christen haben uns noch vor den Wahlen auf Unruhen, die geplant werden, vorbereitet; wir berichteten darüber dem Commissär Wajdowicz. er notirte die vermuthlichen Anstifter und gab dem Gendarmerie- Commandanten die Weisung, dieselben zu überwachen. Am 4. l. M. bei Beginn des Wahlganges erschienen christliche und jüdische Wähler vermischt vor dem Wahllocale, die christlichen Wähler und Nichtwähler provocirten sofort Unruhen und schrieen, daß es die jüdischen seien. Commissär Wajdowicz ordnete an, daß die Christen von den Juden geschieden stehen und wies jeder Partei den Platz an; beide Parteien wurden von Militärbesatzung auseinandergehalten. Commissär Wajdowicz gab den Auftrag von Christen und Juden nur je 25 Wähler in das Wahllocal hineinzu lassen. Es wurde aber an diese Weisung sich nicht gehalten, man ließ die Juden zur Wahlurne nicht zu, und wer versuchte, sich vorzudrängen, wurde mißhandelt. Alles wurde angewendet, die Juden von der Abstimmung zurückzuhalten. Man attaquirte die jüdischen Wähler, um sie vom Wahlplatze zu verdrängen, und einige wurden sogar verhaftet. Das Comite des Grafen S tarz in ski, wendete alle Mittel an, um den Juden die Ausübung des Wahlrechtes zu verkümmern. Bis 7 Uhr Abends hatten bereits sämmtliche christliche Wähler, circa 740 an der Hahl, abgestimmt, von jüdischen Wählern blos 500, die übrigen jüdischen Wähler standen am Wahlplatz wie eine Mauer und warteten auf Einlaß. Siegestrunken überfielen die Gegner die jüdischen Häuser, schlugen die Fenster ein und versuchten zu plündern; außerdem stand eine Menge vor dem Wahllocale, drohend mit Knitteln, und diese Ruhestörungen veranlaßte die Wahlcommission, die Fortsetzung der Abstimmung auf den andern Tag zu vertagen. Des andern Morgens kamen die jüdischen Massen zur Abstimmung, von den Gegnern hatten bereits sämmliche Wähler am ersten Tag abgestimmt und sie suchten nunmehr die jüdischen Wähler rückwärts zu überfallen und zu verdrängen, und das Militär mußte die Wahlfreiheit schützen. Einzelne jüdische Wähler wurden mißhandelt, man ertheilte den Juden den Rath, nach Hause zu gehen. In solcher Art wollte man die jüdische Majorität in eine Minorität verwandeln. Schlägereien, Attaquirung der jüdischen Wähler und Verwundung derselben wiederholten sich von Stunde zu Stunde, aber blutend harrten die Wähler aus, bis jeder zur Abstimmung gelangt war. Die Wähler von Kolomea bewährten an diesem Tage einen Heldenmuth, der ihnen die höchste Anerkennung sichert. Nach Beendigung der Wahl fanden die Excesse in Kolomea, Sniatyn und in den umliegenden Ortschaften statt, und die traurige Thatsache muß constatirt werden, daß es Beamte gab, welche die Bewegung heimlich unterstützten. Ein Bezirksingenieur und ein Postofficial haben ösientlich daran theilgenommen. Ebenso muß die Thatsache eonstatirt werden, daß wiewohl bei den Juden zahlreiche Verwundungen vorgekommen, Fenster eingeschlagen und geplündert worden ist. kein einziger Christ, sondern mehrere Juden verhaftet wurden. Gestern wurde ein Bauer beim Hause des Vicebürgermeisters Josef Funkenstein, auf dessen Leben gelauert wird, mit verstecktem Säbel angetroffen und verhaftet, bald jedoch wieder freigelassen. Freitag sind die hiesigen Hetzer nach Sniatyn gefahren, um die dortigen Juden zu plündern, dort hat die Banda fürchterlich gewirthschastet und der schaden trifft gerade die ärmsten der Armen. Möbel, Kleider, Bettgewand, alles wurde vernichtet. Vielleicht erbarmen sich unsere reichen Glaubensgenossen in der Residenz und senden den Unglücklichen, welche alle ihre Habe verloren, eine Unterstützung. Kolomea. Daß während der Wahlen Excesse zwischen den gegnerischen Parteien Vorkommen, hört man auch in anderen parlamentarisch regierten Staaten; aber unerhört ist, daß die unterlegene Partei nach den Wahlen ihren niedrigsten Jnstincten freien Spielraum gewährt, und sich wie eine Heerde reißender Thiere auf die siegende Partei stürzt, wie es hier der Fall ist nach dem Siege des Dr. Bloch. Und noch weniger hat man je von anderswo gehört, daß bei solchen Excessen Männer der Intelligenz und einzelne Mitglieder der Localbehörden selbst die Hand im Spiele haben und die Brutalitäten unterstützen, welche die von allen Banden der Ordnung sich losgelösten Massen verüben, wie es in unserm Wahlbezirke geschieht Wir werden aus eine Weise behandelt, wie man sich's in einem civilisirten Staate kaum denken kann. Nicht nur vom Pöbel allein werden wir verhöhnt und thätlich angegriffen, auch die sogenannte Intelligenz hält mit, die Gendarmerie und die Polizei bieten uns nicht genügenden Schutz, und die Local-Behörden sehen leider mit verschränkten Armen zu. Nacht für Nacht werden in den Vorstädten Juden geschlagen, jüdische Geschäfte geplündert, jüdische Häuser demolirt.Bis nun wurde noch kein einziger dieser Unruhestifter verhaftet. Die Aufregung in der hiesigen Judenschaft ist eine unbeschreibliche. Es liegen Handel, und Verkehr darnieder. Jeder hat Angst um sein Leben, man fürchtet die Gasse zu passiren. Noch trauriger sieht es aber in Sloboda rongorska aus. Achtzig und einige Grubenarbeiter, die bei dem antisemitischen Bergwerkbesitzer P o r c a n s in Arbeit stehen, haben Sanistag Abends ihren Wochenlohn gefaßt, sich betrunken und dann sämmtliche jüdische Häuser verwüstet, alles Hausgeräth zerschmettert, das Bettzeug zerrissen und die Federn auf die Gasse ausgeftreut, in den Geschästsläden die Waaren vernichtet, die Geschäftsbücher verbrannt, und wer sich und seine Familienangehörigen nicht versteckte, wurde mißhandelt. Von den Mißhandelten ist Pinkas Klugmann, Bevollmächtigter und Vertreter der Kolomear Naphtafabrik Gartenberg Schreier & Comp., schon seinen Wunden erlegen. Für das Aufkommen des Jacob Nagler, Vertreter der Bohrunternehmungen der Firma Baron, und des M. B r e t t l e r, Gemischwaarenhändler, ist keine Hoffnung. Viele stüchteten, ihr Hab und Gut der Verwüstung überlassend, um nur ihr nacktes Leben zu retten. Der Jammer ist unbeschreiblich, das Elend der jüdischen Bevölkerung greuzenlos. In Sniatyn versammelten sich Hunderte von Bauern, im Communalgebäude, in den Kirchen, im Spital, im Steueramtsgebäude mit Stöcken und Steinen, auch mit eisernen Ringen bewaffnet und auf ein Signal der Kirchenglocken durchstreiften sie die Stadt, zertrümmerten die Fenster sämmtlicher Judenhäuser, drangen in das Innere der Wohnungen und raubten, was sie wegtragen konnten, vernichteten das Uebrige und mißhandelten, wer ihrem Treiben Einhalt thun wollte. Der Schrecken hat die ganze Gegend ersaßt, denn es sieht darnach aus, daß man dieses Vernichtungswerk fortpflanzen und weiter verpflanzen wolle. Und wenn man dieses Treiben nicht sofort erstickt, ist Gefahr für die

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