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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-13 · 11 (13.3.1891) · p. Seite 197

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 197 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Hesterreichifche Wochttlschrift Seite 197 Zur Bekämpfung der Wahl Verganis hatte Schönerer zwei Flugschriften erscheinen lassen. Von der ersten sagt Vergani in seinem Blatte: „Der feige Verfasser und der noch seigere Veranlasser dieses Pamphlets versteckten sich hinter einen Arbeiter des Mechanikers Hauck." Bon der zweiten Schmähschrift wird im „Deutschen Bolksblatt" gesagt: „Die zweite Flugschrift bringt den Briefwechsel zwischen den Advocaten Dr. v. Berger und Dr. Mayer. Ueber diese vollkommen unerlaubteVeröffentlichnng der Briefe von Clienten wird die Advokaten kämm,er ihren U rtheilsspruch fällen. Es ist gradezu erschreckend, zu welchem Mißbrauch der Standespflichten sogar anständige Männer verleitet werden, um der Rachsucht Schöne re rs Opfer zu bringe n." Hefefruchte. Eine merkwürdige Entdeckung im Buche I ob macht das neueste Heft der Stimmen aus Maria Laach Seite 263 weitern Kreisen bekannt. Es handelt sich um das exegetische Werk eines findigen Amerikaners, Mr. Samuel O'Turdell, in welchem derselbe mit dem Behemoth und Leviathan, den rätselhaften Ungeheuern des 40. und 41. Capitals des Buches Job, sich beschäftigt. Während die Exegeten vom Fach darin den Elephanten, Büffel oder das Flußpferd bezw. den Walfisch, das Krokodil oder ein sonstiges Meer ungethüm erblickten, sieht Mr. Turdell darin in vollem Ernst — eine Phrophetie der Dampfmaschine und der Eisenbahn! Die von den Stimmen aus Turdells' Schrift mitgetheilten Proben werden auch unseren Lesern zu des Lebens Erheiterung dienen. Hier sind sie: Cap. 40,10: „Siehe da, einer mit großer Hitze ... er wird Futter verschlingen, wie das Vieh thut" (eine unverkennbar deutliche Beschreibung der Dampfmaschine). Vers 12 : „Er strecket seinen Schwanz wie eine Ceder" (offenbar der Kamin), Vers 13: „Seine Knochen sind wie Röhren von Erz. sein Knorpelwerk wie Eisenblech" (anschauliches Bild des modernen Maschinenbaues). Vers 16: „Er wird ruhen unter einem Schirmdach und zwischen einer Bedeckung von Fasern, Rohr und Lehm" (die nicht wärmeleitende Umhüllung von Dampfkesseln und Tampfröhren). Vers 18: „Siehe, er schluckt in sich einen Fluß und staunt nicht darob . . . Ströme wird er in sich sammeln vermittelst Klappen und eines durchbohrten Trichters" (Saugröhre und Klappen, wodurch Wasserzufluß). Vers 21: „Du wirst einen Ring in seine Rase legen und mit einem Haken seine Backen durchbohren" (Consiruction des Kolbens). Cap. 41, 6,7: „Seine Kraft beruht auf gegossenen Schildern, geschlossen dicht mit einem Siegel (der Lötung). In Cap. 40, 20 sieht er eine Aneinanderhängung von Eisenbahnwaggons. Die größte Leistung aber ist Vers 25, der übersetzt wird: „Gesellschaften werden an ihm (der Dampfmaschine) sich erfreuen und mit Speculanten (Gewinnsüchtigen in ihn sich theilen." (Vulgata: Concidenteum amici, divident illum bagotiatores.) Die Stimmen fügen bei, daß es hier nicht etwa um amerikanischen Humbug sich handele, daß die Sache vielmehr ernst gemeint sei und von wissenschaftlichen amerikanischen Zeitschriften auch so aufgefaßt und die treue Uebersetzung aus dem Hebräischen von einem Rabbiner in Baltimore ausdrücklich anerkannt werde. * * *. * D i e neue st en Juden. Früher hat man den Juden vorgeworfen, daß sie die Neigung hätten, alle großen Männer für sich zu reclamiren. Dafür werden sie jetzt von den Antisemiten gestraft, indem diese Jeden, der ihnen im Wege steht, einfach zum Juden machen, gleichviel ob er Katholik. Muhamedaner oder gar Buddhist ist. Die neueste und komischeste Entdeckung auf diesem Gebiete hat die „Antisemitische Vereinigung" gemacht, indem sie schlankweg erklärt, die schlimmsten Jesuiten seien Juden ihrer Abstammung nach gewesen. Die „Erfinder" der verwerflichen „jesuitischen" Moral, wie E s c o b a r. Bu senbaum, Lay mann und Andere waren getaufte Juden und ihre „Sittenlehre" stammt geraden Wegs aus dem Talmud — aus der Sittenlehre des Judenthums! — Ja, die Jesuitenmoral ist nur ein matter Abglanz der talmudischen Judenmoral. — Daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist, bemerkt hierzu die A. Z. d. I. — braucht bei einer antisemitischen Erklärung nicht erst ausdrücklich hervorgehobenzu werden. Die Unverfrorenheit aber, mit der solche Geschichtslügen ins Volk geschleudert werden, übersteigt doch wirklich alle Grenzen. * * * Ein eigenthümlicher Gebrauch herrscht seit vielen Jahrhunderten in den Synagogen Algiers. Am Sabbath nach Verlesung des Wochenabschnittes wird der Abschiedssegen, welchen Jacob seinen Enkeln ertheilte (wohl -JNSsn) in arabischer und chaldäischer Sprache von der 'Kanzel herab und zwar von einem 8 bis 10jährigen Knaben recitirt. (Korrespondenzen. Wien, 10. März. Heute wurde dem Präses der israelitischen Eultusgemeinde, Herrn Wilhelm Ritter von G u t m a n n, durch den Vorstand des israelitischen Bethausvereines im dritten Wiener Gemeindebezirke, bestehend aus den Herren: Vorsteher A. Taust y, Vorsteher-Stellvertreter I. W i l h e i m und Secretär M. Schreiber, eine Zustimmungskundgebung zu dem von Herrn Ritter von G u t m a n n bei seinem Amtsantritte entwickelten Programme überreicht. Die Resolution, die am 22. Februar vom Vorsteher- Stellvertreter Herr W i l h e i m bei der Generalversammlung eingebracht und einstimmig angenommen wurde, lautet: Am 6 Jänner d. I. wurde Herr Wilhelm Ritter von G u t m a n n. ein Mann von hervorragender socialer Stellung, zum Präses der Wiener israelitischen Cultusgemeinde gewählt. Bei seinem Amtsantritte entwickelte er die Grundsätze, nach welchen er sein Amt verwalten will. Er erklärte, er wolle die Einigkeit unter den Mitgliedern der Gemeinde erhalten, indem er den religiösen Bedürfnissen aller Parteien mit gleicher Sorgsamkeit Rechnung tragen wolle. Für den Thoraunterricht soll dadurch gesorgt werden, daß in allen Bezirken Talmudthoraschulen errichtet werden. Alle die großen und edlen Aufgaben einer jüdischen Gemeinde sollen von ihm die wärmste Fürsorge erfahren. Es muß jeden aufrichtigen, warmfühlenden Juden mit Freude erfüllen, daß in so schwerer Zeit ein Mann von Thatkrast und Einfluß mit so gutem Willen an die Spitze des größten jüdischen Gemeinwesens in Europa gestellt ist. Um nun diesem Gefühle entsprechenden Ausdruck zu leihen, wolle die ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines Landstraße nachfolgenden Antrag zum Beschlirsse erheben und die Vereinsleitung beauftragen, denselben dem Vorstande der Wiener istaelitischen Eultusgemeinde in geeigneter Weise zur Kenntniß zu bringen.

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