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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-13 · 11 (13.3.1891) · p. Seite 195

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 195 (sequence 5)
Language
German
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Ni 11 Hesterreichische Wochenschrift Seite 195 Und Israel selbst, ausersehen die Idee des einzigen Gottes zn bewahren, dessen Propheten in alter Zeit mit harter Mühe gegen die Altäre des Moloch und des Baal kämpften, Israel, entnervt durch Reichthum, müde des Wartens auf den Messias der Gerechtigkeit, scheint wie der alternde Salomon an seine Allianz mit dem Ewigen zu vergessen, um aus den Anhöhen fremden Götzen, dem Kamosch und der Astarte Weihrauch zu opfern." Das neue Abgeordnetenhaus. Das neue Abgeordnetenhaus ist bis auf einen ganz gcr ingen Bruchtheil seiner Mitglieder gewählt. Demselben gehören an: l 07 Deutschliberale, v Mitglieder des Coronini- Clubs, 6 Mitglieder der Mittelpartei des Großgrundbesitzes, 23 Klerikale, 2 Deutschconservative, 3 Italienisch-klerikale, 4 Italienisch-liberale, 31 Jangczechen, 10 Altczechen, 4 „wilde" Czechen, 57 Polen, 8 Ruthenen, 18 conservative Großgrundbesitzer, 15 Antisemiten, 16 Deutschnationale, 5 Rumänen und 15 Slovenen. Als Vertreter des Rassenhasses ziehen in das neue Haus ein, die Abgeordneten: Prinz Alois Liechtenstein, Dr. Lueger, Schneider, Dr. G e ß m a n n, Pattai, Polzhofer, Prof. Schlesinger, M u th, Fürnkranz, Dötz, Riegler, Kaiser, Troll, Hauck und I a x. Die Zahl der Abgeordneten jüdischer Confession ist von 11 auf 12 gestiegen Es sind dies die Herren: Dr. I. S. Wtoch, Dr. Wyk, Julius Ritter von Homperz, Dr. Heinrich Ziaques, Rafael Lnzatlo, Josef Weurvirlh, Leopold Wollak, Heinrich Wopper, Dr. Arnold von Wapoport, Dr. Moriz Wosenstock, Adolf Schwab, Heinrich Wagner. 4- * 4- Das Ergebniß der Reichsrathswahlen in Wien und in Niederösterreich bildet den Gegenstand eingehender Besprechungen in der in- und ausländischen Presse. In der ganzen civilisirten Welt werden die antisemitischen Wahlsiege als ein trauriges Symptom des sittlichen und intellectuellen Verfalles verurtheilt. Wir citiren im Nachfolgenden eine Anzabl solcher Blätterstimmen und beginnen mit dem höchstcharakterislischen Urtheil des klerikalen „Grazer Bolksblatt", des ehemaligen Organs des Prinzen Liechtenstein. Dasselbe schreibt: „Fürst Alois L i e ch t e n st e i n ist gewählt, und bei dessen unleugbaren Talenten, namentlich seiner hinreißenden Beredsamkeit, wäre es ganz wohl denkbar, daß die antisemitische Fraktion auf den Boden einer positiven Arbeit sich stellen kann. Sie könnte nämlich das treibende Element für die sociale Reform werden, und je entschiedener sie sich dieses einigenden Principes erinnert, desto erfolgreicher kann ihr Wirken sein. Wir sprechen in „wenn und aber"; w i r unserseits möchten übrigens keine sanguinischen Hoffnungen a u f d i es e Fraktion setzen, und eben deshalb glauben wir, daß Fürst Liechtenstein ziemlich wagt; denn wenn es ihm nicht gelingt, seine neue Genossenschaft achtunggebietend zu machen, wie wird er dann vor der Welt da stehen, er, derdann schonderzweiten Partei in wenigen Jahren an gehört hat? Der Fürst thut Alles, um die neuen Freunde an sich zu fesseln; er hat die konfessionelle Schule iw antisemitischen Sinne umgemodelt, und soeben hat er die Erklärung abgegeben. er halte auch die deutschnatioualen Antisemiten für gute Oesterreicher. Das ist eine äußer st bedenkliche Erklärung; denn wenn Programme und Wahlreden und sonstige Aeußerungen überhaupt nach dem Wortlaute aufgefaßt werden dürfen, so ist das Compliment des Fürsten, um nachsichtig zu sprecheu. wohl ein gnädiges. Jedenfalls hat er sich durch dasselbe wieder um einen Schritt weiter von seiner früheren Partei entfernt, denn diese traut in patriotischerRichtung den Deutschnationalen weniger als jemals. Der „Pester Lloyd" äußert sich in einer Wiener Correspondenz folgendermaßen: „Daß gerade in der Metropole Wien eine Bewegung wie die antisemitische mit allen ihren häßlichen Bealeiterscheinunaen so festen Fuß fassen konnte, läßt sich nicht leicht erklären. Der in ganzen Bevölkerungsschichten herrschende schlechte Geschäftsgang und die daraus sich ergebende wirthschaftliche Nothlage auf der einen und ein gerade in Wien mehr als anderwärts sich breit machendes gedankenlosespolitischesMalrontententhum, das bei keiner der bestehenden Parteien Befriedigung suchtoderkindenkann, auf der anderen Seite, haben gewiß ihren redlichen Antheil an der Entwicklung der nachgerade zu einer socialenGefahr sich herauswachsenden antisemitischen Bewegung. Dazu kommt, daß die Bewegung von einzelnen mit unleugbarem Geschicke arbeitenden demagogischen Strebern für persönliche Ambitionen, von anderen Seilen wieder für poliüsche Zwecke geschürt und ausgenützt wird. In letzter Hinsicht ist es immerhin bemerkenswerth, daß der Wahl-Hirtenbrief des österreichischen Episkopats das nicht gehalten hat. was man sich von ibm versprochen hat. Die Thatsache, daß gewisse klerikale Heißsporne, ohne sich im mindesten um die Ordre ihrer kirchlichen Vorgesetzten zu kümmern und ohne auch von diesen bisher zur Rechenschaft gezogen worden zu sein, ganz offen ihr Wahlbündniß mit Elementen zur Schau tragen, bei denen der Mangel an jedem österreichischen Staatsbewußtsein ein Hauptprogrammpunkt ist, die diesen Mangel mit keinem Feigenblatt bedecken, sondern damit noch förmlich Staat machen, fordert zu reiflichem Nachdenken auf. Daß auch die liberale Partei die bisherigen antisemitischen Wahlerfolge redlich mitverfchuldet hat, darüber herrscht gegenwärtig wohl nur Eine Stimme. Gesagt muß es werden, daß die liberale Partei es bisher zu ihrem Schaden vollständig unterlassen hat. mit der Bevölkerung intime Fühlung zu behalten. Die Partei darf nicht Persönlichkeiten nm jeden Preis halten, die weiten Kreisen der gesinnungsverwandten Bevölkerung, gelinde gesagt, gleichgiltig sind, sie muß für einen frischen, talentvollen und der Bevölkerung sympathischen Nachwuchs sorgen und darf nicht jedem jnngen Talente den Eintritt in die poliüsche Carriere nahezu unmöglich machen." Ein hervorragendes freisinniges Blatt Deutschlands, die „Fra n kfürt e rZ ei t u n g", äußert sich folgendermaßen: Daß die Menge sich für den „schwarzen Prinzen" begeistert und einen Volksmann wie Kronawetter im Stiche läßt, ist allerdings ein tieftrauriges Zeichen, und der alte Demokrat Fischhöf hat ganz Recht, wenn er in einem Briefe zu der gegenwärügen Wahlcampagne schreibt: „Man wird schmnroth, wenn man sieht, daß gebildete Männer, daß Lehrer, Doktoren und Priester es find, welche dem Unsinn zur Herrschaft verhelfen, und daß der Sprosse eines fürstlichen Geschlechts, den Prince Egalite der französischen Revolution parodirend, der Pöbelhaftigkeit ein

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