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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-13 · 11 (13.3.1891) · p. Seite 192

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 192 (sequence 2)
Language
German
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? Seite 162 Hesterrelchische Wochmfchrift Nr. 11 -zulügeu, als wäre Dr. Bloch jederzeit bestrebt gewesen, im Parlament gegen die orthodoxen Juden zu wirken. Der eigentliche Erfinder dieser Candidatur, ein sicherer Markus Pelz, der Geheimrath seiner Heiligkeit des Wunderrabbi von B e l z. dem es blos darum zu thun war, bei dieser Gelegenheit mehrere tausend Gulden zu verdienen, hat den Ausgang des Wahlkampfes zu sehen nicht mehr erlebt, ein göttliches Strafgericht hat ihn plötzlich dahingerafft, noch bevor Herr Leon Weisels seinen Fuß in den Wahlbezirk setzen konnte. Herr Jg. L. Schreiber, welcher vor einem Jahre mit dem Prinzen Liechten st ein in heimlichen Verkehr zetteten und ihm eine politische Bundesgenossenschaft angettagen, harrt noch seines Geschickes, aber er wird demselben kaum entgehen. Herr Leon Weisels sammelte um sich eine große Anzahl verunglückter, stellungloser Rabbiner, deren Begleitung seiner Candidatur eine höhere Weihe verleihen sollte. Gegen den bisherigen Abgeordneten wurden zahllose Schmähschriften niedrigster Art verbreitet und jedem Wähler in's Haus zugemittelt. Wenn alle diese Verführungskünste erfolglos waren, wenn die Autorität des Wunderrabbi von Belz, die giftigen Berleumdnngen des Jg. L. Schreiber in Drohobycz, alle Lockungen des Geldes und alle Reizungen der Corruptton so winzigen Erfolg hatten, daß Herr Leon Weisels vor einer fteien Wählerversammlung zu erscheinen fürchtete, so muß man vor der wackeren Wählerschaft Kolvmea, Buczacz, Sniatyn mit Bewunderung erfüllt sein. Herr Leon Weisels hat für diesen Wahlbezirk nahezu 60.000 fl. geopfert, eine Summe, d'e hingereicht hätte, drei Wahlbezirke in Oesterreich zu corrumpiren und zu bezwingen, in dem genannten Wahlbezirk aber hat er für all' das Geld nicht 100 Stimmen aufgebracht. Für sechzig Tausend Gulden nicht einmal hundert Stimmen aufzubringen! Welch ein ehrenvolles Zeugniß für diesen Wahlbezirk und seine Wähler. Buczacz wagte Weisels gar nicht zu betteten, in Kolomea und Sniatyn wurde er mit Insulten empfangen, welche jeden anständigen Candidaten veranlaßt hätten, den Rückzug anzutteten. Aber dieser furchtbar energische Widerstand der Wähler reizte die Hartnäckigkeit des Herrn Leon Weisels und die Erkenntniß, daß die jüdische Wählerschaft ttotz aller Geldopfer und Corruptton ihn standhaft zurückweist, reifte in ihm den Entschluß, die christliche Wählerschaft für sich zu mobilisiren, sie gegen die Candidatur des Dr. Bloch aufzureizen. Die Agenten des Herrn Weisels wanderten in die Dörfer und erzählten den Bauern, daß durch die Wahl des Dr. Bloch dem Christenthum eine große Gefahr drohe. Die Zerstörung und Verlästerung der christlichen Religion sei das stete Bestreben des Dr. Bloch. Den christlichen Wählern wurde erzählt, daß Dr. B l o ch sich mit katholischen Geistlichen Herumzanke, um sie öffentlich zu blamiren, wenn er zum drittenmale gewählt würde, so wird er Minister und er plane einen Robott einzuführen, um die Bauern zu zwingen, für die Juden zu arbeiten; die Kirchen und Klöster würden in kaiserliche Magazine verwandelt, was die Bauern ernstlich glaubten, mit einem Worte, man trieb ein vergiftendes Berhetzungswerk, ohne die ernsten Folgen zu bedenken. Man gab vieleTage hindurch den Bauern zu saufen, damit sie bei der Ankunft des Dr. Bloch Scandal provociren, die christlichen Wahlagitatoren wurden mit hohen Summen ausgerüstet, um zwischen ruth. und pol. Bauern und den deutschen Colonisten (den sogenannten Schwaben) eine Einigung herbeizuführen — selbstverständlich zu Gunsten des Herrn Weisels. Als aber das Werk vollendet war, bemächtigten fich die Geistlichen dieser fertigen Organisation, entflammten die bereits genugsam entzündeten Gemüther zu allgemeinem Judenhaß und proclamirten die Candidatur eines Christen, des Grafen Starzenski, um den Wahlbezirk den Juden zu entreißen. Die Geistlichen predigten einen glühenden Judenhaß und ließen einen jeden einzelnen Wähler beim Kreuze schwören, keinem Juden, er sei wer immer, eine Stimme zu geben. So entstand die Candidatur des Grafen Starzenski, welche von Stunde zu Stunde zur größten Gefahr heranwuchs und welcher jüdische Renegaten in der Landeshauptstadt wochenlang den Boden vorbereiteten. Die jüdischen Talmipvlen von Lemberg besitzen einen eigenen Verein ^Auäaa.^üum und ein eigenes Organ »Öjcyzna“, in welchem der nationale Chauvinismus und der religiöse Verrath in allen Formen gepredigt wird. Nicht blos in conservativen jüdischen Kreisen, sondein bei allen, die sich noch einen Funken jüdisches Empfinden gerettet haben, wird von diesem Verein und seinem officiellen Organ nur mit Verachtung und Abscheu gesprochen. Mit vollem Recht. Das genannte, in Lemberg erscheinende Blatt, redigirt von einem sichern Feldstein, einem jener Fortschrittstartüffe, welche das angestammte Volksthum schmähen und begeifern, um eine erheuchelte fortschrittliche Gesinnung zu bekunden, betreibt di? elende Denunciation, die Schmähung des Judenthums und seiner Reliaionsschriften geradezu handwerksmäßig, in dem Redarteur dieses Denunciantenblattes lodert ein unauslöschlicher Haß gegen alles Jüdische. Männer, die er nie gekannt und von denen er sonst gar nichts weiß, als daß sie Juden sind, bespeit er mit seinem Geifer und hetzt wider sie die öffentliche Meinung. Die israelitische Allianz in Wien denuncirte er wiederholt dem nationalen Chauvinismus der Polen, als bildete das Wirken der Allianz eine Gefahr für das Polenthum. Die Moral des Talmud hat er wiederholt im Tone der antisemitischen Scribenten geschmäht, um die christlichen Vorurthelle gegen die Juden zu fördern. Nichts hat die fortschrittlichen Ideen in den Augen der conservativen Juden Galiziens so sehr discreditirt, als das ruchlose Treiben dieser sogenannten Reformsippe, welche jedes bildungsfreundliche Unternehmen, dem sie näher tritt, schon durch die Berührung vergiftet. Das Mißtrauen und die Abneigung, welche gegen sie in der gesammten galizischen Judenschast vorherrscht, ist leicht erklärlich und wohlbegründet, selbst Männern gemäßigter Gesinnung ist sie, wegen eines an Verrath grenzenden Radicalismus und wegen des schamlos bettiebeneu Denunciationswerkes, ein Greuel. Das Traurigste ist, daß der journalistische Oberschmock d'eser Sippe, ein Individuum, welches als Redacteur der „Ojcyzna“ eine intensive antisemitische Propaganda unterhält, in dem Wohlthätigkeitsbureau des Herrn Baron Hirsch als Secretär wirkt, wo er für sehr winzige Leistungen ein sehr gutes Honorar erhält und seine Muße benutzt, um die Spalten seines Blattes mit Schmähungen und Lästerungen des Dr. Bloch zu füllen, und er sorgte dafür, daß sämmtliche polnische Tagesblätter, die in Lemberg erscheinen, seine unsauberen Geistesproducte publicirten. Alle Lügen der antisemitischen Presse gegen Dr. Bloch hatte dieser Renegat zusammengescharrt, und es bereitete den polnischen Blättern offenbar ein Vergnügen, auf ein classisches „jüdisches" Zeugniß hinzuweisen, als es galt, das Mandat von Kolomea den Juden zu entwinden. Allgemein war die Stimme der Entrüstung über das giftige, verrätherische Treiben des genannten Herrn F e l dst e i n. Seine Vorgesetzten aber in dem Wohlthätigkeits- Bureau wagten nicht den ernsten Versuch, ihm das Handwerk zu legen, weil sie —'seine Denunciationen fürchten. Das polnische Central-Wahlcomite hatte somit die gewünschte Handhabe, die Candidatur des Dr. Bloch abzuweisen und die des Grafen Starzenski zu empfehlen. Der Obmann des Polenclubs Ritter v. Iaworski bemühte sich vergebens, einen solchen Beschluß des Central- Wahlcomit6s zu Hintertreiben; er sowohl als angesehene Clubgenossen setzten sich für Dr. Bloch ein; allein der nattonale Chauvinismus war stärker und hat alle Mahnungen zur Ruhe und Besonnenheit abgewiesen.

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