Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 11 (13.3.1891)
- Date
- 1891-03-13
- Page
- Seite 191 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 11. Wir«. 13. Marx 1891. HM. |a|r»wa. Lrntralor (c-- - ' -=iö] K. k. Postsparcaflenamt Clearingverkehr Nr.81tt.976 Redaction und Administration: Wien. 1, Rothenthnrmstraße 39. lc—^-- - - ' ZI gan für die gesammten Interessen des Iudenlhizms. -- Eigenthnmer: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch. Erscheint jeden Freitag. -- —$><£——- Man abonnirt bei Men Poitaastallea des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 st. Sinzelexeinplare W kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr.. iS.— - 1 Inhalt: Leitartikel: Die antisemitischen Excefse im Wahlbezirke Kolomea-Buczarz-Sniatyn und ihre Urheber. Die Gemeinderathswablen- Die Inden und der Antisemitismus. Das neue Abgeordnetenhaus. Antisemiten unter sich. Leseflüchte. — Correspondenzen: Wien- Graz. Prag. Kolomea. Budapest. Berlin. Rom. Petersburg. — Vermischtes: Wien. Budapest. Berbö. Belovar. Berlin. Leipzig Nürnberg. Worms. Beyrut. London. Manchester. Paris. Tripolis. — Familienblatt: Griechin und Jude. Literatur. Stimmen aus dem Publikum. Briefkasten. Inserate. Aus Anlaß meiner Wiederwahl zum Abgeordneten! für den Reichsrath in dem Städte-Wahlbezirk Kolomea, I Buezacz und Sniatyn, sind mir aus Rah und Fern telegraphisch und brieflich von Cultusgemeiuden, Corporationen, Vereinen und Privaten, Gratulationen und Kundgebungen der Theilnahme so zahlreicher Art zugekommen, daß es mir bei bestem Willen unmöglich ist, jedem Einzelnen schriftlich zu danken. Ich erlaube mir daher auf diesem Wege allen Freunden für die mir gewordenen Zeichen der Theilnahme und Sympathie ans tiefstem Herzen den Dank auszusprechen. Wien, 11. März 1881. Dr. I. S. B l o ch, Reichsrathsabgeordneter. Die antisemitischen Geeejse im Wahlbezirke Kolorrrea-Kurjarz-Imatqn rr. ihre Urheber. i. Die diesmalige Reichsrathswahl in Kolomea und Sniatyn, bei welcher der frühere Abgeordnete zum dritten Mal durch das nahezu einstimmige Votum sümmtlicher jüdischen Wähler in den Reichsrath entsendet worden, hatte blutige Excesse im Gefolge, zahlreiche jüdische Wohnhäuser wurden geplündert und bei dem Zusammenstoß mit dem Pöbel sind mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen. In diesem Wahlbezirke herrschte aber jederzeit ein friedliches Einvernehmen zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung, noch vor sechs Jahren hat die christliche Intelligenz der Stadt Kolomea das Schwergewicht ihrer Abstimmung zu Gunsten des Candidaten Dr. Bloch in die Wagschale geworfen und damit seiner Sache zum Siege verholfen. Die heutige feindselige Stimmung gegen die jüdischen Wähler überhaupt und gegen den Candidaten Dr. Bloch insbesondere war ein lünstliches Erzeugniß der diesmaligen Wahlbewegung und die düsteren Vorgänge verdienen darum in das Licht der Oesfentlichkeit gerückt zu werden. Nach der Auflösung des Reichsrathes und Ausschreibung der Neuwahlen trat gegenüber dem bisherigen Vertreter des Wahlbezirkes sein früherer Concurrent Dr. Emil B Y k in Lemberg als Mitbewerber auf. Derselbe hatte sicy im Wahlbezirke zahlreiche Sympathien erworben und eine Position zu schaffen gewußt, so daß er mit Erfolg gegen den bisherigen Vertreter in Concurrenz zu treten wagen durste. Zwischen beiden Gegnern eine Ausgleichung und Aussöhnung heibeizusühren, war die Aufgabe, welche sehr hervorragende und einflußreiche Persönlichkeiten des Landes Galizien mit Glück und Erfolg unternommen haben. Herrn Dr. Byk wurde ein anderes Mandat in Aussicht gestellt und zugesichert — man dachte zunächst an das Mandat der Lemberger Handelskammer — und er entsagte gerne der Candidatur in einem Wahlbezirke, welcher zu den schwierigsten des ganzen Landes zählt. Es wählen hier drei Städte zusammen, welche geographisch weit von einander entfernt liegen, von denen jede einzelne ihre abweichenden Interessen hat und in der Lage ist, durch ein ablehnendes Verhalten das Resultat des glücklichsten Wahlfeldzuges in Frage zu stellen. Diesen Wahlbezirk dem bisherigen Vertreter zu entreißen und im Fluge zu erobern, unternahm darauf ein sicherer Leon Meise ls aus Paris, ein Mann, der in Oesterreich seit 20 Jahren keinen Wohnsitz hat, Land und Leute nicht kennt, keine einzige der in Oesterreich üblichen Sprachen fehlerlos beherrscht und der sich noch nie im öffentlichen Leben als höchstens durch einen skandalösen Ehescheidungsproceß bemerkbar gemacht hat. Leon M e i s e l s trat mit einer überraschenden Energie und Zuversicht aus, er erklärte dem Statthalter, daß er das Mandat erreichen werde und müsse, selbst wenn es ihm 100.000 fl. kosten sollte. Und er traf Anstalten, diese seine Drohung zur Wahrheit zu machen. Zahllose Agenten überflutheten den Wahlbezirk, streuten Summen aus in wahnwitziger Höhe, um die Bevölkerung zu corrumpiren, das gesunde Urtheil zu trüben und dem Pariser Candidaten zugänglich zu machen. Die jüdische Bevölkerung in diesen drei Städten ist notorisch nothleidend; die Armuth hat Dimensionen angenommen, daß die Menschen buchstäblich vor Hunger zu Grunde gehen, und diesen in Armuth verkümmerten Wählern nahte sich die Versuchung der Corruption in der scheußlichsten Form. Ueberaü wurden Spenden vertheilt, man brauchte nur die Hand auszustrecken, um Beträge zu erhalten, die man in mühevoller Arbeit des ganzen Jahres bei den dortigen dürftigen Erwerbsverhältnissen kaum zu erreichen vermag. Wenn die Freunde des Dr Bloch geglaubt hatten, durch die Beseitigung der Candidatur des Dr Emil Byk eine leichtere Position gewonnen zu haben, so merkten sie bald, daß in der Person des Leon Meise ls oder richtiger in seinem Geldbeutel eine bedeutend größere Gefahr für den Wahlbezirk entstanden war, und es fehlte dem Herrn Leon M e i s e l s auch nicht an hochmögender Protection für sein Unternehmen; der Wunderrabbi von Belz und sein treuer Schildknappe Ignaz L. Schreiber aus Drohobycz, der Präsident des Vereines Maehsike Hadas zur Wahrung der Rechtgläubigkeit unter den galizischen Juden, sandten offene Empfehlungsschreiben für Herrn Leon M e i s e l s, und Herr Jg. L. S ch r e i b e r entblödete sich nicht, wider eigenes besseres Wiffen den Wählern vor-