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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-06 · 10 (6.3.1891) · p. Seite 186

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
10 (6.3.1891)
Date
1891-03-06
Page
Seite 186 (sequence 12)
Language
German
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Sette 186 Gesterreichische WochenschrM Nr. 10. noch, daß von den beiden Candidateu Dr. Rosenberg als Rabbiner der Gemeinde zu O-Kanizsa, Dr. Klein als derjenigen zu Marczali berufen wurde. Men-Sand ez, 2. März. Feitag den 27 Februar d. I. verschied hier im 45. Lebensjahre, nach längerem Leiden, einer unserer geachtetsten Mitbürger, Gemeinderath und Mitglied des israelitischen Cultusrathsausschusses Herr Chaim Silbermann und wurde Sonntag am 1. März zur ewigen Ruhe bestattet. Die unerbittliche Macht des Todes hat nicht blos der Familie des Verewigten einen unnennbaren Schmerz bereitet, sondern auch schwer die hiesige Judenschast getroffen, die einen unersetzlichen Verlust erlitten und ihren wärmsten Förderer und Beschützer verloren hat. Mit allen Tugenden ausgestattet, die den Mann zieren, wie Charakterstärke. Geistesschärfe, Herzensgute und Intelligenz, war der Verstorbene ein Pionnier des Fortschrittes. Zu jeder Zeit.hilfbereit unterstützte der Verblichene zahlreiche Familien, und hatte stets ein offenes Ohr und offene Hand für alle, die sich an ihn um Rath oder Unterstützung wandten. Nach der Brandkatastrophe im April v. I., welche das hiesige Judenviertel einäscherte und mehr als sechshundert jüdischen Familien ihr Hab und Gut raubte, ruhte der Verewigte weder Tag noch Nacht, seinen verunglückten Brüdern Trost und Unterstützung spendend, und scheute auch keine Mühe und Kosten um die Synagoge, die ein Raub der Flammen wurde, wieder aufzubauen. Unerschrocken verfocht er stets die Interessen seiner Glaubensgenossen, und als Mitglied des Gemeinderathes hatte er oftmals Gelegenheit iür sie zu kämpfen, für sie zu siegen. In ihm verloren die Familie einen zärtlichen Gatten und Vater, die Nothleidenden einen Wohlthäter, die Bedrängten einen Beschützer und die Freunde einen treuen Rathgeber. Die zahlreiche Betheiligung sämmtlicher Honoratioren, der Spitzen der Behörden und aller Schichten der Bevölkerung bei der Leichenfeier lieferte den Beweis, welch hohe und verdiente Achtung der Verblichene hier genoß. Merti«, 28. Februar. In Charl ottenburg ist ein langjähriges Mitglied der dortigen städtischen Verwaltung, der Stadtälteste, Stadtrath Dr. Cohn, gestorben. Der Verstorbene war seit Bestehen der Stadt Charlottenburg derjenige Ehrenbeamte, welcher die längste Zeit, nämlich 27 Jahre, der Stadt gedient hat. Dr. Cohn war ursprünglich Pädagoge, verließ aber die Lehramtscarriöre, die für den Juden damals voll unübersteiglicher Hindernisse war. Er übernahm 1853 die Leitung der in Ohtau i. Schl, neuerbauten Knochenmehl- und Knochenkohle-Fabrik. 1856 lebte er längere Zeit in St. Petersburg; er begründete nach seiner Rückkehr 1857 bei Berlin eine eigene — damals die erste größere — Fabrik künstlicher Düngmittel, die später durch eine Schwefelsäure- Fabrik erweitert wurde und vor mehreren Jahren in anderen Besitz überging. Die geschäftlichen Beziehungen zur Landwirtschaft waren für Cohn Anlaß, sich eingehender und dauernd mit der wissenschaftlichen Seite derselben zu beschäftigen. Diese Thätigkeit fand Ausdruck in zahlreichen in landwirthschastlichen Zeitschriften veröffentlichten Abhandlungen. Während der Legislaturperiode 1877 bis 1880 gehörte der Verstorbene als Vertreter des Wahlkreises Beeskow-Storkow dem preußischen Abgeordnetenhause an. Am 23. November 1863 wurde er in Charlottenburg zum Stadtverordneten gewählt. Am 17. November 1875 wählte die Stadtverordnetenversammlung ihren damaligen Collegen Cohn mit 21 von 23 Sttmmen zum Stadtrath. Der Magistrat nnd die Stadtverordneten von Charlottenburg widmen ihm ehrende Nachmfe. Bei der Nachricht von seinem Ableben lcb die Stadtverordnetenversammlung die Sitzung auf und der Magistrat beschloß, die Trauerfeier für den Verstorbenen im Sitzungssaale des Rathhauses abhalten zu lassen. Petersburg, 25. Februar. Dadurch, daß den Juden in Rußland durch die bekannten Gesetze ganze Kategorien von Beschäftigungen verschlossen worden sind, ist die Noch unter denselben sehr groß geworden. Besonders schlimm steht es in den nord- und südwestlichen Gouvernements, so daß sich der Generalgouverneur von Kiew, Graf Jgnatjew (ein Bruder des bekannten Diplomaten) veranlaßt gesehen hat, bei der Regierung um Milderung der gegen die Juden gerichteten Maßregeln zu bitten, da die übrige Bevölkerung darunter schwer leidet und die Juden durch Noth und Entbehrungen, durch Hunger und Elend zum Aeußersten aetrieben würden. Es haben sich sogar im Kiew'schen und Podol'schen einige bewaffnete Räuberbanden gebildet, die durchwegs aus Juden bestehen. Eine solche Erscheinung ist gewiß sehr charakteristisch. Man kann sich von dem Elend der Bevölkerung eine Idee machen, wenn schon der friedliebende Jude zum Gewehr greift und unter die Räuber geht. Seltsam, daß man in competenten Sphären das nicht einsehen will und in diesen Erscheinungen nur ein Symptom jüdischer Verkommenheit und Lasterhaftigkeit sieht, während dieselben doch nur unausbleibliche Folgen unmenschlicher Behandlung sind. Jüngst wurde eine solche jüdische Räuberbande eingefangen und selbstverständlich werden die Mitglieder derselben sehr streng gerichtet werden. Die Zeitungen erheben ein entsetzliches Geschrei, daß die Juden den Staat bedrohen, und es fehlte nicht viel, so erklärte man die ganze jüdische Bevölkerung Rußlands, etwa fünf Millionen, als rechtlose Menschen, für eine Räuberhorde, die mit Feuer und Schwert ansgerottet werden müsse. Wer hat jedoch den Juden zum Räuber gemacht? Auch darüber ist viel Staub aufgewirbelt worden, daß die Juden der Militärpflicht sich entziehen. (Daß diese Beschuldigung — bemerkt hiezu die „Franks. Ztg.", der wir diese Mittheilungen entnehmen — in gewisser Beziehung unbegründet, haben wir erst vor Kurzem ziffermäßig nachqewiesen.) Woher soll den Juden der Eifer für den Militärdienst kommen, wenn ihnen von vorneherein jede Aussicht auf Beförderung genommen ist. Vor etwa zwanzig Jahren, als die Reform sich vollzogen und die allgemeine Militärpflicht soeben in's Leben getreten war, wurden mehr Juden zu Officieren befördert; einige wurden sogar Gardeofficiere. Doch als nach dem kurzen liberalen Rausch der lange reactionäre Katzenjammer eintrat, wurde den jüdischen Officieren bedeutet, daß sie ihre Entlassung zu nehmen haben, und gegenwärttg gibt es in der ganzen russischen Armee keinen einzigen jüdischen Officier; ja sogar zu Unterofficieren werden Juden nicht mehr befördert. (Wie ungerecht überhaupt die Juden in Rußland behandelt werden, geht neuerdings wieder daraus hervor, daß der Ukas, welcher unter Mißachtung der finnischen Gesetze neue Bestimmungen für den Grunderwerb in Finnland durch Russen festsetzt, von diesen Rechten die „Bekenner mosaischer Confession" ausschließt. Red.) Vermischtes. Wien. Sonntag den 8. März, 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, II. Tempelgasse, die Trauung des Frl. C ä c i l i e B r o d y, der Tochter des Herrn Wilhelm Brody, mit Herrn Wilhelm Frankl statt. — Sonntag am 8. März 2xh Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Ottilie M e i s e l s mit Herrn Ludwig B a r d a ch, k. und k. Hauptmann, Rfr. im Pionnier- Regimente, statt. Wien Sonntag, den 1. März fand auf dem hiesigen Centralfriedhofe die Beerdigung der im 77. Lebensjahre ver-

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