Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 10 (6.3.1891)
- Date
- 1891-03-06
- Page
- Seite 187 (sequence 13)
- Language
- German
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Rr. 10 Hesterreichische Wochenschrift «beite 187 schiedene Frau AnnaSchneeberger statt. Die Verstorbene war seit mehr als 40 Jahren in Wien ansässig und erfreute sich in den weitesten Kreisen allgemeiner Achtung und Werthschätzung. L e c t o r M. F r i e d m a n n, der Schwiegersohn der Verblichenen, sprach am offenen Grabe tiefempfundene Worte der Erinnerung. Wien. Der hier verstorbene und in seiner Geburtsstadt Ratibor bestattete Herr Sigmund Schlesinger hat testamentarisch dieser Stadt sein dort gelegenes Haus im Werthe von 120.000 Mark mit der Verfügung hiuterlassen, daß die jährlichen Zinsen an arme über 60 Jahre alte Personen ohne Unterschied der Confession vertheilt werden. Wien. Das Kränzchen des Wohlthätigkeits-Bereines für Wieden und Margarethen, welches am 24. v. M. in Ronachers Ballsaale abgehalten wurde, ist auch Heuer seinem Renommee treu geblieben indem es ein Sammelpunkt der distinguirtesten Familien geworden ist. Die zahlreich anwesenden jungen Damen und Herren gaben sich mit allem Eifer dem Tanzvergnügen hin und ist der Ertrag des Kränzchens ein solcher, daß dem wohlthätigen Zwecke eine reiche Unterstützung gesichert ist. Mrüim. Der freiwillige Feuerwehr-Verein in Hobitschau bei Wischau hat den Herrn Julius Ritter von Gomperz in Anerkennung seiner um den Verein erworbenen Verdienste zum Ehrenmitgliede ernannt. Lemberg. Am 28. v. M. starb hier Herr M. R. Edler jo. Mises, das Oberhaupt einer in Russisch- Polen und Galizien weitverbreiteten und angesehenen Familie. Herr v. Mises, welcher das hohe Alter von 92 Jahren erreichte, hat wiederholt, namentlich im Jahre 1848 eine hervorragende politische Thütigkeit entwickelt und wurde von den galizischen Statthaltern des Oeftern in verwickelten Fällen um seinen bewährten Rath angegangen. Von Seite seiner Mitbürger wurde er mit einer Fülle von Auszeichnungen und Ehrenstellen bedacht, denen sich schließlich die höchste Anerkennung durch den Monarchen, die Erhebung in den erblichen Adelsstand, anreihte. Sein ältester, schon vor zwölf Jahren ihm im Tode vorangegangener Sohn, war Herr A. O. v. M i s e s, einer der Gründer und Verwaltungsrath der galizischen Karl-Ludwig- Bahn und Dirigent der Lemberger Filiale der Creditanstalt. chaya, 2. März. Gestern verstarb hier unser allgemein geachteter Gemeinderath Herr Ludwig Haas im 44. Lebensjahre. Der Heimgegangene stand viele Jahre an der Spitze der hiesigen Judengemeinde und erwarb sich durch seinen rechtlichen Sinn, seinen biedern Charakter und sein jüdisch fühlendes Herz die Sympathie aller Bewohner unseres Städtchens, die nun seinen Heimgang tief betrauern. Gedenöurg, 20. Februar. Der Nestor der orthodoxen Rabbinen Ungarns Joachim K a tz in der Gemeinde Deutsch- Kreuz ist am 23. v. M. gestorben.' Katz hat das hohe Alter von nahezu 100 Jahren 'erreicht. Er war einer der hervorragendsten Talmudgelehrten unserer Zeit; nenn Jahre hindurch war er Rabbiner in Ragendors und dann volle 53 Jahre Rabbiner in Deutsch-Kreuz. Zur Zeit des israelitischen Congresses war er der Alterspräsident desselben. Seine Schüler zählen nach Tausenden und viele derselben wirken als anerkannte Rabbiner in vielen ungarischen israelitischen Gemeinden. Katz war das Prototyp eines Seelenhirten: ein makelloser Charakter, bescheiden und friedfertig bis an sein Lebensende. Sein eigentlicher Name^var W a n n e f r i e d, er war ein Neffe des berühmten Talmudisten und hervorragendsten Hebraisten Moses Wannefried in Proßnitz. Die Leichenfeier fand unter großer Theilnahme in Deutsch-Kreuz statt. Mrökbecse Unsere kleine jüdische Gemeinde beging Sonntag den 22. Februar die erhebende Feier der Einweihung einer neuen Thorarolle, die durch freiwillige Beitrüge sämmtlicher Gemeindemitglieder angeschafft wurde. In der Wohnung des Rabbiners P o l l a k, wo die Thorarolle provisorisch untergebracht ward, hielt der gelehrte Rabbi von Zenta Herr Salomon Klein an das zahlreich erschienene Publicum eine Ansprache, in welcher er die durch Annahme der Thora übernommene Mission Israels in begeisternden Worten zeichnete. Hierauf wurde die Thorarolle geschmückt und mit den heiligen Gerüthen unter einem Baldachin durch die Gaffen der Stadt in den von Andächtigen gefüllten Tempel getragen. Nach Absingung der für die Feier paffenden Gebete bestieg H^r Rabbiner Pollak die Kanzel, und schilderte in einer gediegenen Predigt die Einwirkung der heiligen Lehre auf das Judenthum und auf dessen geschichtliche Entwicklung. Abends wurde in der Wohnung des Rabbiners ein Festbanquett gegeben, an dem beinahe sämmtliche Gemeiudemitglieder theilnahmen. Moor. Rabbiner P. Buchler in Moor hat in seiner soeben erschienenen Schrift die Geschichte des hundertjährigen Bestandes der dortigen Chewra-Kadischa zusammengestellt. Die Schrift enthält interessante Daten über die weitverbreiteten und vornehmen Familien R o s e n t h a l, G o m p e r t z, M u n k, L ö w i s o h n und Saphir. Merlin, 24. Februar. Dem „Verein zur A tzweh r des Antisemitismus" sind bisher 2000 Mitglieder von verschiedenen Parteien und religiösen Bekenntnissen beigetreten. Neuerdings ist eine Anzahl bemerkenswerther Beitrittserklärungen aus Elfaß-Lothringen eingegangen, darunter befinden sich Baron Charpentier. erster Schriftführer des Landesausschusses, Landesgerichtsdirector Dr. G u m p e r t, Professor Fr. G o l tz, Director des Lyceums H a e g e l e, Stadtrath Jul. K° l e i n, I. M i e g - K o e ch l i n. Ed. K o e ch l i n, Pfarrer L e b l o i s, Professor N o e l d e ch e n, Abgeordneter Em. Petri, Präsident des Directoriums der Kirche Augsburgischer Confession, F. Petri, Präsident der Handelskammer I. S e n g e n w a l d, sämmtliche in Straßburg. Auch aus Würtemberg sind neuerdings mehrere hervorragende Persönlichkeiten der Vereine beigetreten, darunter Oberftudienrath Dr. v. D i l l m a n n. Zur schnelleren Verbindung mit Well- und Süddeutschland ist neuerdings ein zweites Vereinsb u r e a u in Frankfurt a. M. unter Leitung des Stadlraths H. F l i n s ch errichtet worden. Merlin. Eine schreckliche Geschichte meldet das Stöcke r'sche „V o l k". Es sollen in diesen Tagen unter 23 Lehrerinnen, welche die Berechtigung erhielten, in das königliche Lehrerinnenseminar in Berlin einzutreten, 19 Jüdinnen (schreibe neunzehn» gewesen sein. In den Berliner Gemeindeschulen sollen schon über 80 j ü d i s ch e Lehrerinnen angestellt sein. Wenn die Sache sich so verhütt, bemerkt dazu die „Freis. Ztg.", so spricht das doch dafür, daß die Juden keineswegs derartig auf n'ateriellen Erwerb versessen sind, wie die Antisemiten in der Regel darstellen. Denn der Beruf der Lehrerinnen ist nicht gerade besonders geeignet, große Schätze zu erwerben. Leipzig. Der hiesige Antisemitenhäuptling Fritsch wurde hier kürzlich wegen Beleidigung der Firma Baum verurtheilt. Nach dem „Lpz. Tbl." hat der Vorsitzende Amtsrichter Wolfram in der Urtheilsbegründung u. a. ausgeführt : Die Geldstrafe habe man hoch zu bemessen geglaubt, denn der Aufsatz beruhe auf dem bei Fritsch wiederholt beobachteten System, in leichtfertiger Weise Beschuldigungen a u s z u s p r e ch e n. Erklärt wurde die ganze Handlungsweise Fritsch' nur dadurch, daß er, wie das Gericht aus anderen Fällen weiß, in geradezu seltenen Fanatismus gerät h. wenn er nur etwas hört oder sieht, was nachJude a u s s i e h t. Es solle Fritsch aber ernstlich gesagt sein.