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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-06 · 10 (6.3.1891) · p. Seite 184

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
10 (6.3.1891)
Date
1891-03-06
Page
Seite 184 (sequence 10)
Language
German
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bf'rte 184 Hesterreichische Wochenschrift Nr 10 sehr wenige Trinker aufzuweisen hat.**) Und diese Verhältnisse sind gewiß dem Auge der Antisemiten, die ihrem Vaterland recht wenig Ehre machen, entgangen. Hätten die Verfolger, welche den armen Juden ihre materiellen und geistigen Erfolge so übel nahmen, gewußt, wie thener dieselben selbst noch in unserer Zeit von diesem unglücklichen Volke erkauft werden, so würde ihr Haß ohne Zweifel sich gemildert haben. In den finsteren Zeiten des Mittelalters blutete der Körper des Opfers aus vielen Wunden und dock war dieses nicht unglücklicher als jetzt, wo die Quelle seines Ruhmes auch die seines Unglücks ist." Wie ganz anders hören sich doch diese nur feststehenden Thatsachen entspringenden, objectiven Ausführungen Lombroso's an. als jene nur von blindem, fanatischem Hasse dictirten Treischke's, der. ohne fiir seine Behauptungen stichhaltige Gründe anzugeben, Zwietracht säet und Sinn und Herz der akademischen Jugend vergiftet. * * i BevottreruugsstatiHttk irfcr die Irrden rn den Vereinigte« Staaten. Die neueste Nummer des nordamerikanischen „Census- Bnlletins" vom 30. December 1890 enthält eine interessante Sonderuntersuchuug über „Vital LlatiLties", d. h. über Geburts-, Sterblichkeit- und Heiratsstatistik der Juden in den Bereinigten Staaten. An sich bietet die nordamerikanische „Volkszählung" dos hiezu erforderliche Material nickt; ebensowenig findet sich solches in der localen Registerftihrung über die Bevölkerungsbewegung, da in beiden Fällen auf die Religionsangehöriqkeit keine Rücksicht genommen wird. Gleichwohl wollte man aus Anlaß des Census, der ja überhaupt in den Bereinigten Staaten Anlaß zu einer weitergreifenden bevölkerungsstatistischen Enquete gibt, diesmal auch darüber Aufschluß erhalten, ob die bevölkerunasstatistischen Besonderheiten, welche für dieJuden in Europa nachgewiesen sind, bei denselben sich auch in den Vereinigten Staaten bei längerem Aufenthalt daselbst erhalten. Es wurde deshalb ein besonderer Agent mit der Sammlung des erforderlichen Materials auf dem Wege freiwilliger Mittheilung seitens der israelitischen Familienhäupter beauftragt. Grundsätzlich sollten überhaupt nur solche Familien Erhebungsformulare erhalten, welche am 31. December 1889 mindestens schon fünf Jahre in den Vereinigten Staaten verweilten. Es war also durchaus nicht beabsichtigt, eine vollständige Zählung aller Israeliten zu veranstalten; es sollten nur die bereits länger im Lande befindlichen Familien und für diese die in den letzten fünf Jahren vorgekommenen Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle ermittelt werden In den mit den Erhebungsformularen versendeten Begleitschreiben war ausdrücklich betont, daß mit der Erhebung weder religiöse noch „commercielle" Nebenansichten verbunden seien. Der mit der Erhebung betraute Specialagent erhielt die Verzeichnisse der israelitischen Familien von den Rabbinern und stellte seinerseits die Erhebungsformulare ungefähr 15.000 jüdischen Familien zu. Dieselben wurden von 10.618 Familien ausgefüllt zugesendet; auf die 60.630 darin angeführten, am 31. December 1889 in den Vereinigten Staaten lebenden Israeliten (von welchem 13.818 auf Newyork, Brooklyn und die unmittelbare Nachbarschaft treffen) bezieht sich die vorliegende Sonderuntersuchung. Das Hauptergebniß ist, daß die bevölkerungsstatistischen Besonderheiten, welche für die Juden in Europa nachgewiesen sind, bei denselben auch in den Vereinigten Staaten fick vorfinden. Niedrige Heiratsziffern, niedrige Geburtenziffern **) Dies ist besonders bemerkenswerth und auffallend; denn Kraffl-Ebling theilt in seiner Psycho-Pathologie (Cap. IN Geisteskrankhtilen Titel 5) mit, „daß in Deutschland 50 Proc. aller Verbrechen unter dem Einflüsse der Alkoholexceffe zustande kommen, etwa 28 Proc. der Aufnahmen in Irrenhäusern durch das Laster des Trunkes verschuldet sind." (Aum. d. Vers.) und vor Allem niedrige Sterbeziffern charakterisiren die Bevölkerungsstatistik der Israeliten diesseits wie jenseits des Oceans. Allerdings ist nicht zu übersehen, daß die nordamerikanische Erhebungsmethode gegenüber unseren europäischen Ermittlungen, welche bei den Volkszählungen, wie bei den standesamtlichen Registerführungen mit wenigen Ausnahmen die Religionsangehörigkeit berücksichtigen, technisch bedeutend zurücksteht. Bei der übermäßig geringen Sterblichkeitsziffer wird es dem amtlichen Berichterstatter für die Richtigkeit der Nachweise selbst etwas bange; er tröstet sich aber damit, daß die so sorgsamen israelitischen Familienhäupter doch nicht so leicht einen in der Familie seit fünf Jahren vorgekommenen Sterbefall übersehen haben werden. Daß aber neben den in geschlossenen Familien sich ereignenden Sterbefällen, solche bei einzelnstehenden Personen, die keiner Familiengemeinschaft angehören, zahlreich Vorkommen. und daß bei der gewählten Methode solche Sterbefälle ebensowenig wie die Lebenden gleicher Kategorie verzeichnet werden, hat der amtliche Berichterstatter anscheinend nicht bedackt. Es ist also eine auserlesene Summe von Familien, in welcker die wahren Sterblichkeitsverhältnisse nicht voll zum Ausdruck kommen, mit der wir es hier zu tbun haben. Einigermaßen, wenn auch erheblich abgeschwächt, ailt Aehnliches auch von der Geburten- und Heiratenhäufigkeit. Allein, wenn auch die gefundenen Zahlen etwas gering sein mögen, so sind sie doch, insbesondere bezüglich der Sterblichkeit so außerordentlich niedrig, daß auch bei reichlicher Zugabe noch immer der Satz von der charakteristischen Niedrigkeit dieser Zahlen bei der israelitischen Bevölkerung auch nach dieser neuesten nordamerikanischen Untersuchung wahr bleibt. Was zunächst die Verehelichungsziffer betrifft, so beträgt sie 740 im Jahresmittel auf 1000 Personen und hätte nach europäischen Verhältnissen nichts Auffälliges. In Nordamerika aber steht in Folge des Altersaufbaues der Bevölkerung und der eigenartigen Einwirkung des Einwandererüberschusses die Trauungsziffer im Allgemeinen weit höher. Sie wird von dem Berichterstatter im „Census-Bulletin", denl ^hef der Abtheilung für Lebensstatistik, W. A. King, für die nordöstlichen Staaten auf 18 bis 22 angegeben. Die für die nordamerikanischen Israeliten nachgewiesene Geburtenziffer beträgt 20 81 auf 1000 Personen, und steht nach Angaben des Berichtes wenigstens um 10 unter der allgemeinen Geburtenziffer des Landes. Die deutsche Geburtenziffer des Jahres 1889 erreicht den Betrag von 38'07; für das Jahrzehnt 1871/80 hatte sie im Durchschnitt in Deutschland sogar 40 7 betragen. Die Sterblichkeitsziffer der nordamerikanischen Israeliten ist mit nur 7-11 auf 1000 Personen vorgetragen, nach der Meinung desBerichterstatters wenig mehr als die Hälfte der Jahresrate der Sterblichkeit, welche für andere Personen derselben socialen Elasten und Lebensstellung in den Vereinigten Staaten sich ergibt. Die deutsche Sterblichkeitsziffer betrug im Jahre 1889 25*19; im Durchschnitt des Jahrzehntes 1871/80 hatte sie 28'8 betragen. Bei der Sterblichkeit tritt hienach die Besonderheit der israelitischen Bevölkerungsbewegung in Nordamerika am meisten hervor. In Europa hat man dasselbe beobachtet; insbesondere macht in Süddeutschland die weitverbreitete hohe Kindersterblichkeit vor den israeliüschen Familien Halt. Gewiß haben wir in Deutschland gegenüber Frankreich allen Grund, uns der hohen Geburtenziffern im Allgemeinen zu fteuen; aber ein Schatten fällt doch darauf; das ist die mit der hohen Geburtenziffer Hand in Hand gehende hohe Sterblichkeit, insbesondere der Kinder. Auch kann im einzelnen Falle eine übertriebene hohe Kinderzahl Quell socialer und ökonomischer Mißstände werden. Es ist deshalb ganz lehrreich an den Sonderuntersuchungen für israelitische Bevölkerungskreise zu sehen, wie sehr diese es verstehen, freiwillig sorgsame Ueberlegnng der Eheschließung mit treff-

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