Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 10 (6.3.1891)
- Date
- 1891-03-06
- Page
- Seite 183 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Gesterreichifche Wocheufchrkft Seite 183 Gerade, da wir diesen Brief schreiben, dringt ein Hilferuf zu uns: Jüdischen Eltern ist vor zwanzig Jahren in einem entlegenen Orte Siebenbürgens, wo es kein jüdisches Matrikelamt gibt, ein Mädchen geboren worden. Die frommen Eltern erzogen ihr Kind im Geiste der jüdischen Religion und sind nun daran, dasselbe einem rechtschaffenen jüdischen Gewerbetreibenden zur Frau zu geben. Nun tritt zur nicht geringen Verblüffung der Eltern der christliche Seelsorger des Ortes dazwischen und weist mit seiner Matrikel nach, daß die Hebamme das Kind nach der Geburt von ihm immatriculiren und taufen ließ. Bei den veralteten Gesetzen, die in ähnlichen Fällen zur Anwendung kommen, wird sich alle Mühe der Eltern und ihres Kindes gegenüber der Forderung des Geistlichen, daß das Mädchen als christlich anzusehen sei, für zu schwach erweisen. Fälle dieser Art wiederholen sich immer mehr, und diesen könnte man nur auf die Weise gründlich abhelfen, wenn man für unsere Religion'die Rechtsgleichheit in unserem Baterlande zu erwirken imstande wäre. Wenn trotz alledem die orthodoxe Durchführungs-Commission sich nickt geneigt zeigt daran mitzuwirken, daß das Judenthum, die jetzige günstige Strömung auf politischem Gebiete benützend, mit voller Kraft an die Erkämpfung der unserer Religion gebührenden Rechte gehe, dann müffen wir gestehen, daß ihre Wege in der That nicht die unsrigen sind, doch vertrauen wir auf den nüchternen Sinn der vaterländischen Judenschaft und glauben, daß die genannte Commission hierin keine Anhänger sinden wird. Mit jener Ruhe, welche das Bewußtsein treuerfüllter Pflicht gewährt, stellen wir unser Borgehen dem Urtheil der gesummten jüdischen Cultusgemeinden des Vaterlandes anheim. Werden wir aus der Haltung der Gemeinden ersehen können, daß dieselben uns ihr Vertrauen nicht entziehen und mit Bezug auf die unserer Confession harrenden Aufgaben mit uns Eines Sinnes sind, dann wollen wir vorläufig auf jenem Wege vorwärtsschreiten, auf welchem auch die bisherigen Resultate auf dem Gebiete der Verwaltung erzielt wurden, bis — unserem seit lange gehegten Wunsche entsprechend — die hierzu berufenen Männer nicht in die Lage kommen, über die Weiterführung der confessionellen Agenden anders verfügen zu können. Wir wünschten, daß diese Zeit so nahe als möglich gerückt wäre. Im Uebrigen entbieten wir dem löblichen Vorstand unseren glaubensgenöffifchen Gruß. Budapest, 15. Februar 1891. Die israelitische Landeskanzlei. Lesefrüchte. Universtlalshöver «dev A«1ifernilisrnus.*) Der bekannte preußische Hofhistoriograph Professor von T r e i t s ch k e sah sich veranlaßt, in seinem Colleg : „Staat und Kirche" an seine Hörer folgende Ermahnung zu richten, die wieder einen Beweis dafür liefert, wie Herr von Treitschke Geschichte lehrt und welch' hohe Auffassung er von seinem Lehrberufe hat. In einer seiner Vorlesungen betonte er gelegentlich unter anderem, daß man beim Austausch religiöser Meinungen gegen Andersgläubige mit der größten Vorsicht verfahren müsse. Denn Religion sei Gefühlsnicht Verstandessache; Erziehung und Beispiel seien die Bildnerinnen religiöser Grundsätze und Ueberzeugungen. Man müsse deshalb namentlich „unseren katholischen Mitbürgern" gegenüber bei der Besprechung religiöser Fragen die größte Rücksicht gebrauchen und in der Beurtheilung möglichste Schonung walten lassen. Nachdem- Herr von Treitschke diese seine Ansicht noch etwas näher ausgeführt, hielt er es für nöthig, ausdrücklich hervorzuheben, daß diese „im Allgemeinen richtigen und bewährten Maximen den Anhängern der jüdischen Religion gegenüber natürlich nicht anzuwenden seien." Und warum nicht? *) Aus den von Dr. Adolf Brühl herausgegebene „Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum": „Denn die Juden sind bei uns nur geduldet, weil sie in der Minderheit sind." Etwas anders klingt, was der Münchener Strafrechtslehrer Birkmeyer in seinen Vorlesungen über „Rechtsphilosophie" sagte und was ihm — es verdient dies besonders hervorgehoben zu werden — den lauten, sich nach alter akademischer Sitte kundgebenden Bei fall seiner Hörer eintrug. Bei der Erörterung des Princips: „Gleiches Recht für alle" führte er wörtlich aus: „Es ist eine Rückkehr zu den finsteren Zeiten einer glücklicherweise weit hinter uns liegenden Culturepoche, wenn heute der Antisemitismus den Juden diese Gleichheit vor dem Gesetz, die sie kaum errungen, wieder nehnien oder doch verkümmern will." Im Vorstehenden haben wir über die Aeußerungen zweier deutschen Professoren über Juden und Antisemitismus berichtet, und es dürfte vielleicht von Interesse sein, darüber auch das Urtheil eines ausländisch"» Gelehrten kennen zu lernen. Der berühmte Psychologe Lombroso, Professor an der Universität Turin, schreibt in seinem Buche: „Genie und Irrsinn" (übersetzt von A. Cvurth) in dem Capitel: „Einfluß der Race und Familie auf Genie und Irrsinn" Folgendes: „Den Einfluß der Race, der sich nach beiden Seiten hin (d. h. auf Genie und Irrsinn. Anm. d. Verf.) gellend macht und der sich oft mit dem Einflüsse der Gestirne verbindet, können wir in seiner ganzen Macht im Volke der Juden beobachten." „In meinem Buche „der Weiße und der Farbige" und in meiner Abhandlung über den Einfluß der Gestirne auf die Gedanken, habe ich schon nachgewiesen, wie, dank der grausam harten von den mittelalterlichen Verfolgungen unerbittlich geübten Zuchtwahl, dank auch dem milden Klima unseres Erdtheils, die Juden Europas sich über den traurigen Zustand ihrer noch in Afrika und Asien wohnenden Glaubensgenossen so sehr erhoben, daß sogar nicht selten die Kinder der arischen Race von ihnen übertroffen wurden. In der That, unsere Juden zeichnen sich durch Bildung und Geistesschärfe aus und haben sich dadurch in vielen Zweigen unseres Culturlebens eine tonangebende Stellung gesichert; in ihrer Hand liegen zum großen Theil Handel, Jndustie und Presse; berühmte Componisten, Satyriker, Humoristen, Mediciner, Juristen, Philosophen, Socialisten u. s. w. sind aus ihren Reihen hervorgegangen." Es folgt nun eine ziemlich umfassende Aufzählung aller der Juden, welche sich in Kunst und Wiffenschast einen Namen errungen haben. Wir übergehen dieselbe, als hier unwesentlich, wie auch den Hinweis auf den näher ausgeführten Umstand, daß die von Lombroso genannten berühmten Juden durchweg schöpferische Naturen waren. „Dem zur Seite ist nun die sonderbare, aber feststehende Thatsache zu stellen, daß eben die Juden eine verhältnißmäßig vier- bis sechsmal größere Anzahl Geisteskranker liefern, als ihre andersgläubigen Mitbürger." Wir lassen die nun folgenden, statistischen Angaben über Italien außer Betracht und führen nur die für Deutschland wichtigen an.*) „Das sind gewiß sonderbare Verhältnisse in einer Bevölkerung, die wohl reich ist an alten Leuten und somit dem Delirium aus Altersschwäche mehr Opfer bringt, doch nur *) Mayr legt uns die Berhältniffe des Jahres 1971 vor und zeigt: in Preußen auf 10 000 Christen 8 7 Geisteskranke und „ 10.000 Juden 141 „ in Baiern „ 10.000 Christen 9-8 „ „ 10.000 Juden 25-2 „ in ganz Deutschld. „ 10.000 Christen 8-6 „ „ „ 10.000 Juden 16 1 „ Berga findet im Jahre 1879 sogar: 1 Geisteskranken auf 1775 Katholiken 1 „ „ 1725 Protestanten 1 * „ 384 (!) Juden.