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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-06 · 10 (6.3.1891) · p. Seite 178

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
10 (6.3.1891)
Date
1891-03-06
Page
Seite 178 (sequence 4)
Language
German
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<£.tuc 178 Gefterreichische Wochenschrift tfci. 10 drei Ntttglieder des Vorstandes, die antisemitischen Gesinnungsgenossen des Obmannes, bereits gewußt, daß August Fleisch mann ein Nichtswürdiger, ein Verbrecher ist, sie haben bereits gewußt, daß er die Sparpfennige seiner Mitbürger veruntreut und in jahrelangen Angriffen aus die Veremscasse sich nach und nach 70.000 fl. angeeignet hatte. Man feierte die Verdienste Fleischmanns um den Verein, man ließ ihn hoch leben, obgleich der Vereinsanwalt schon von der Defraudation Kenntniß hatte und dem pflichtverqessenen Obmann eine Frist von 14 Tagen zur Gutmachung des Schadens gestellt hatte. Ein katholischer Priester, ein Volksvertreter im geistlichen Gewände war es, der den Ausspruch gethan hat, der Diebstahl an Juden sei erlaubt! Diese Lehre ist von dem antisemitischen Mob in Wien und in österreichischen Fabrikstädten zu wiederholten Malen praktisch bethätigt worden. Aber die bethörte Masse ist dabei nicht stehen geblieben. Sie hat zuletzt auch christliche Läden geplündert und christlichen Fabriksherren das Haus über dem Kopfe angezündet. Die Corrumpirung der öffentlichen Moral macht vor den confessionell n Schranken nicht Halt und sie hält sich nicht an gesellschaftliche Classentheilung. Der Fall Fleisch mann lehrt das so deutlich, wie andere gleichartige Fälle, die wir bereits aufgezählt haben. Der sittliche Verfall nimmt erschreckende Dimensionen an und er wächst in dem Maße, als die innere Charakterlosigkeit mehr und mehr zum Freibriefe wird, auf Grund dessen man äußere Ehren und materielle Erfolge beanspruchen kann. Man hat sich früher kein Gewissen daraus gemacht, den Juden zu betrügen. Heute gilt auch schon der Betrug an Christen für erlaubt und das Wort jenes antisemitischen Arztes, der von seinen Genossen verwundert sagte, sie hätten kein Gefühl mehr für Recht und Unrecht, für Mein und Dein ist durch zahlreiche Thatsachen vollkommen gerechtfertigt. Daß August Fleischmann seine besten Freunde, seine arischen Brüder, seine antisemitischen Mitkämpfer bestohlen, würde noch hingehen; man müßte deshalb noch immer nicht sagen: er war ein Dieb, weil er Antisemit war. Daß aber die antisemitischen Mitglieder des Vorstandes über den Diebstahl den Mantel der christlichen Liebe deckten, daß sie dem Betrüger und Defraudanten Fleischmann eine öffentliche Ovation bereiteten, weil die Wahlen vor den Thüren standen, das ist kennzeichnend für die innere Faulniß der antisemitischen Bewegung und für die moralischen Verheerungen, die sie anrichtet. Wenn eine Partei einmal dazu gelangtist, daß die politische Gesinnung als Flagge dienen muß, zur Deckung der moralischen Lumperei und Verlotterung, dann ist auch der Anfang von ihrem Ende gekommen. Wo Krähen sind, fliegen Krähen zu. Zn dem Augenblicke wo jeder Dieb, jeder Betrüger, jeder Hochstapler durch das bloße Bekenntniß zum Antisemitismus ein Ehrenmann werden km n, muß sich unter der Fahne des Antisemitismus der Auswurf der Gesellschaft versammeln. Der Judenhaß hilft über alles hinweg, er macht Bildung, Anstand, Ehr- und Rechtsgefühl entbehrlich und eröffnet die Anwartschaft aus alle öffentlichen Ehrenstellen. Allerdings — die Medaille hat auch ihre Rückseite. August F l e i s ch m a n n stand in hohem Ansehen bei seinen Mitbürgern, aber endlich kam der Zahltag und der Ehrenmann endete als Selbstmörder. Und das Schicksal des Einzelnen wird auch das Schicksal der ganzen Bewegung sein; sie stirbt früher oder später an ihrem eigenen Gifte. Ei« HubeuMck.*) Die Antisemiten versichern hoch und the'uer, sie bekräftigen es sogar in besonderen Erklärungen, die sie in Versammlungen beschließen, daß sie die Juden nicht des- " *) Erstes vom „Verein zur Abwebr des Antisemitismus" herausgcgebene Flugblatt. wegen verfolgen, weil sie Juden sind, sondern, daß sie nur diejenigen Juden verfolgen, welche Schlechtes thun. Wer das will, muß vor Allem mit den Thatsachen ehrlich und reinlich zu Werke gehen. Er darf nicht aus der Luft gegriffene Dinge als baare Münze und als Wahrheiten unter die Leute bringen und sie damit aufzuhetzen suchen Mit welchen Waffen die Antisemiten kämpfen, dafür ein neues Beispiel aus den letzten Wochen! Es genügt, einfach die Thatsachen mitzutheilen. Sie sprechen für sich selbst. In Leipzig erscheint im Verlage von Theodor Fritsch ein antisemitisches Organ unter einem doppelten Titel. „Antisemitische Correspondenz, Centralorgan der deutschen Antisemiten" lautet der eine; der andere, neutrale Titel ist: „Deutschsociale Blätter, Centralorgan der deutschsocialen Partei." Die Leitung der letzteren Partei liegt in den Händen der Antisemiten Liebermann von Sonnenberg und des obgenannten Verlegers Theodor Fritsch. Die Nummer 130 dieser „Antisemitischen Correspondenz" vom 8. Februar brachte einen Artikel mit der Aufschrift: „Den Mitgliedern des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" als Angebinde!" Die Einleitung dieses Artikels lautet: „Wir lenken die Aufmerksamkeit aller der Herren, die wirklich vorkommende Ausschreitungen und Mißstände weder verhehlen, noch entschuldigen wollen, auf eine Rede, die ein Groß-Rabbiner in einer geheimen Versammlung gehalten hat. Diese Rede wurde einem englischen Werke entnommen, das von John Retclif unter dem Titel „Rechenschaftsbericht über die politisch-historischen Ereignisse der letzten zehn Jahre" herausgegeben wurde. Dieselbe ist von solcher Bedeutung, daß sie nicht oft genug gelesen werden kann. Sie ist eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen und gibt uns einen Maßstab für die endgiltigen Absichten der Judenschaft." (!!) Es folgt nach dieser Einleitung ein Abdruck jener angeblichen Rede eines Groß-Rabbiners. Allerdings sind in derselben die ungeheuerlichsten und abscheulichsten Dinge über die Absichten der Juden enthalten. Das Programm dieser angeblichen Rabbinerrede ist: Vernichtungskrieg gegen die Christen, welche wiederholt „unsere Feinde" genannt werden. Durch die Macht des Geldes sollen die Fürsten und Regierungen beherrscht, der Grundbesitz, die einflußreichsten Stellen in die Hände der Juden gebracht werden. Als Aerzte müßten sie in die intimsten Verhältnisse der Familie eindringen und als solche die Gesundheit und das Leben der „Todfeinde", der Christen, in Händen haben. „Sind wir einmal — so heißt es u. a. in dieser angeblichen Rabbinerrede — „die absoluten Herrn der Presse, so können wir leicht die bestehenden Begriffe über Ehre, Tugend und Offenheit des Charatters ändern und den ersten Stoß gegen die geheiligte Institution der Familie führen und deren Vernichtung vollenden". Die Juden müßten sich enthalten, Frauen ihrer heiligen Religion zu Maitressen zu nehmen, für diese Rollen können sie unter den christlichen Jungftauen wählen u. s. w. Die ungeheuerliche, freche und widerwärtige Rede schließt mit den Worten: „Das Proletariat werden wir für die Juden in Stimmung erhalten und es jenen unterwerfen, in deren Händen sich Geldmittel befinden. Wir werden dasselbe zu Umwälzungen, zu Revolutionen treiben, und jede solcher Katastrophen bringt uns in unserem Streben um einen großen Schritt vorwärts und nähert uns unserem einzigen Ziele, auf der Erde zu herrschen, wie solches unserem Vater Abraham versprochen worden." Diese angebliche Rede eines Groß-Rabbiners, welche die „abscheulichen Absichten der Juden" enthält, widmet die „Antisemitische Correspondenz" den Mitgliedern des „Vereines zur Abwehr des Anüsemitismus" mit folgenden Worten: „Wer wird, nachdem er diese Ungeheuerlichkeit gelesen, noch wagen, die Juden zu vertheidigen — es sei denn ein Jude? Er soll sich sehen lassen!"

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