Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 9 (27.2.1891)
- Date
- 1891-02-27
- Page
- Seite 172 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Geile 172 Hesterreichische Wochmschrift Nr. 0. Leyden Das Jubiläum des Professors Dr. Rosenstein, welches am 8. Februar hier gefeiert wurde, gab Anlaß zu einer hervorragenden Huldigung für diesen anerkannten Gelehrten. Den ganzen Tag drängten sich Besucher in die Wohnung des Professors Rosenstein, von welchen die meisten Geschenke und Adressen überbrachten. In besonders feierlicher Weise erfolgte der Empfang des Senates der Universität, welcher durch Professor H o f f m a n n und Professor Ort vertreten war. Der bekannte Maler Josef Israels schickte sieben Skizzen als Andenken. Kaag. Herr Jacob Drielsma wurde zum Rathe im Finanzministerium und Chef der Abtheilung für Zölle und indirecte Abgaben ernannt. 'Wetersknrg. Das Kriegsministerium hat an den Reichsrath eine Vorlage gerichtet betreffs Ausdehnung des Gesetzes vom 22. Mai 1880 über das Verbot für Juden, im Tonischen Kosakeugebiet sich niederzulassen und Immobilien zu erwerben, auch auf das Kuban- und das Terekgebiet. — Es besteht die Absicht, diejenigen vormals jüdischen Anwälte, .welche Christen geworden sind, in ihren Rechten den christlichen Genossen erst dann gleichzustellen, wenn seit dem Glaubenswechsel drei Jahre verflossen sind. Bekanntlich traten viele jüdische Advocaten zum Christenthum über, als, die Maßregelungen ihres Glaubens wegen andauerten. Der* neue Plan will die Zahl der jüdischen Anwälte noch mehr vermindern. . Amsterdam. Der Archidiakon der römisch-katholischen Kirche vom Begynenhof. in Amsterdam richtete ein sehr schmeichelhaftes Schreiben an den Oberrabiner, welchem er die Summen von je fl. 3000 als Spenden für das jüdische Knabenwaiseninstitut, für das jüdische Mädchenwaiseninstitut und das jüdische Institut für Wöchnerinnen beischloß „als ein Zeichen der Werthschätzung, welche seine Gemeinde den philanthropischen Bestrebungen der jüdischen Mitbürger entt gegenbringt." Kurkesta«. „Jewish World" berichtet: Eine der interessantesten jüdischen Gemeinden in Asien, wenn nicht in der ganzen Welt, ist jene von Balkh, Turkestan. Die Gemeinde ist weder bedeutend (sie zählt nur 500 Seelen) noch reich, aber sie ist von ehrwürdigem Alter. Dieselbe soll aus der Zeit Tiglath-Pilesers, Königs von Assyrien, datiren, welcher eine befestigte Stadt erbaute und Balech nannte, in welcher er den südlichen Theil den jüdischen Gefangenen aus Palästina anwies. Als Alexander der Große seinen berühmten Zug nach Indien unternahm, unterstützten ihn die Juden von Balkh mit einer Anzahl Schiffe, welcher er zur Beförderung von Truppen benöthigte. Während des zweiten Tempelbaues wurden oft werthvolle Geschenke durch Abgesandte nach Jerusalem geschickt und noch heute weist der Name der Hauptstraße von Balkh, Mehalek El Kudo (Weg zum Heiligthume) auf diese Pilgerfahrten vergangener Zeiten. Die Sprache der Juden ist Persisch, vermischt mit Hebräisch, Assyrisch und Chaldäisch, welcher Dialect auch beim Gottesdienste gebraucht wird. Mit religiösen Functionären, Rabbinen und Vorbetern, sowie mit gottesdienstlichen Gerüchen werden sie von Bokhara aus, dem Mittelpunkte der Centtalasiatischen Judenschast, berschen. Warocco. Die jüdische Deputation, welche jüngst bei dem Sultan Mulley Hassan gelegentlich seiner Rückkehr nach Marocco erschien, wurde auf das huldvollste empfangen. Zum Dank für die loyale Begrüßung gab der Sultan den Juden der Stadt einFest in seinen Privatgärten zu Agdale. Der Sultan ließ seinen Gästen zehn Hammel und fünfzehn Schafe sowie andere Genußmittel ausfolgen und überließ ihnen die Zubereitung, damit dieselbe nach ihrem Ritus erfolgen könne. Das Fest dauerte zwei Tage und Nächte. Washington. Die Commission fiir auswärüge Angelegenheiten in dem Repräsentantenhause hat die Annahme folgender Resolutton befürwortet: „Das Repräsentantenhaus hat mit tiefem Kummer die Nachrichten von den Leiden der Juden in Rußland empfangen und dieser Kummer wurde noch verstärtt durch die Thatsache, daß diese Ereignisse in einem Lande vorgefallen sind, welches seit Langem mit den Vereinigten Staaten befreundet ist, welches Millionen seiner Unterthanen aus der Leibeigenschaft befreit hat und hilflose Christen im Oriente vor religiösen Verfolgungen schützte. Das Haus hofft daher, daß die humane und erleuchtete Gesinnung, welche von dem Czaren so auffallend bewiesen wurde, sich auch jetzt manifestiren werde durch Eindämmung und Milderung der gegen die jüdische Religion getroffenen Maßnahmen. Fcmttlienblatt. Wochen- Feber-März 1891 Adar 5651 Kalender Freitag 27 19 Samstag 28 20 stt/n o Sonntag 1 21 Montag .2 22 Dienstag 3 23 Mittwoch 4 24 Donnerstag 5 25 Freitag 6 20 Griechin ««1» Jude. Erzählung von *** (Fortsetzung.) Dies schien auch auf die, welche ihn ergriffen hatten, von Wirkung zu sein; denn eine Stimme rief ihm zu: „Fürchte nichts, Knecht Gottes." Dann ward die Binde von seinen Augen genommen, und er fand sich in einer ziemlich geräumigen, von Fackeln erleuchteten Höhle. In der Mitte saß auf einem Felsstück ein kräftiger Mann mit langem, schwarzen Barte, in der Rechten ein bloßes Schwert haltend. „Wer bist Du und warum trägst Du griechische Tracht, jüdischer Mann?" rief er Simon zu. Als dieser menschliche Wesen um sich erblickte und menschliche Stimmen seine Sprache sprechen hörte, erholte er sich von seiner Gespensterfurcht und antwortete, er habe sich auf dem Wege von Hebron nach Cäsarea verirrt und hätte die griechische Tracht angelegt, um nicht von den Neckereien der Griechen in Cäsarea. leiden zu müffen. Der Mann, der die Frage an ihn gerichtet hatte und der der Anführer der ganzen in der Höhle versammelten Schaar von vierzig bis fünfzig bewaffneten Juden zu sein schien, gab sich aber bei dieser Antwort nicht zufrieden und begann mit Simon ein förmliches Verhör aufzunehmen. Der des Lügens ungewohnte Jüngling antwortete stotternd und verlegen, uud als gar einer der Anwesenden hervortrat und ihn als Simon, Sohn des Juda und Enkel des Jonathan anredete, da konnte er nicht weiter leugnen, und erzählte nun offen Alles, von seiner ersten Unterredung mit der Griechin an, deren Namen er aber nicht nannte, bis zum Kampfe mit dem Centurio und deffen Tod! Der Anführer hörte ihm schweigend bis an's Ende zu und sprach dann: „Ich erkenne, daß Du die Wahrheit sprichst. Die Sünde des Umgangs mit der Heidin hast Du gesühnt, indem Du einen Feind Gottes und seines Volkes getödtet hast. Willst Du bei uns bleiben, so wirst Du noch öfter Gelegenheit haben, gegen die Römer zu kämpfen und zur Befreiung unseres Volkes beizutragen." Bon dem ehrfnrchtgebietenden Wesen des Mannes, von dem Ueberraschenden und Eigenthümlichen der ganzen Situation überwältigt, erklärte sich Simon ohne viele Ueberlegung bereit, den ihm gemachten Vorschlag anznnehmen. Auf einen Wink des Anführers war eine Pergamentrolle gebracht, auf der in schöner Quadratschrist die fünf Bücher Moses geschrieben