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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 173

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 173 (sequence 19)
Language
German
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Sir 9 Hesteneichische Wochmschrift Seite 173 waren. Simon mußte seine rechte Hand auf die Stelle (Leviticus XlX 12) legen, wo das Verbot des falschen Eides geschrieben war, und den Schwur leisten, als Kämpfer Gottes der ewige Feind aller Götzendiener zu sein und zu deren Ausrottung oder Vertreibung aus dem heiligen Lande alles in seinen Kräften Stehende nach den Befehlen Abrahams, des Sohnes Menasse, des Dieners des wahren Messias zu thun. „Wie," frug Simon, nachdem er den Eid abgelegt hatte, „ist denn der MessiaS schon gekommen? Und wo weilt er?" „Frage nicht zu viel," antwortete Abraham, der Sohn des Menaffe, der Befehlshaber der in der Höhle versammelten Verschworenen. „Der Messias der Gerechte ist schon vor mehreren Jahren geboren worden, wie es die heiligen Propheten verkündet haben, und wie uns der fromme Rabbi Akiba, dessen Gleichen es nicht gibt unter allen gelehrten und frommen Männern, bestätigt hat. Wann er sich zeigen, die unterdrückten Kinder Israels befreien und die Herrschaft Edoms stürzen wird, das weiß kein Mensch. Es kann morgen geschehen oder erst nach einem Jahre. Darum hat Rabbi Akiba uns und anderen Gott ergebenen Männern befohlen uns zu bewaffnen und die Waffen gebrauchen zu lernen, damit wir bereit seien, wenn der Ruf ertönt die Schlacht Gottes zu kämpfen." Simon erhielt hieraus ein Schwert und eine Lanze, und ward einem jungen Manne, der bisher neben Abraham gesessen, übergeben um im Gebrauch der Waffen unterrichtet zu werden. Als die Nacht herangekommen war und sich alle Bewohner der Höhle zur Ruhe begaben, erhielt auch Simon seine Lagerstätte von trockenem Laub angewiesen. Aber als schon Alle, mit Ausnahme der am Eingänge der Höhle postirten Wachen, längst schliefen, saß er noch wachend aus seinem Lager und konnte keinen Schlaf finden. Die aufregenden Ereigniffe der letzten Tage hätten allein genügt, um dem an sein einfaches und einförmiges Gärtnerleben gewohnten Jüngling den Schlaf zu rauben. Nun kam noch dazu das Neue und Ueberraschende seiner Umgebung, der Gedanke an die schwere Verpflichtung, die er durch seinen Eid auf sich genommen hatte. Er gedachte, was aus seinem Großvater, der nun ganz ohne Stütze dastand, werden sollte. Aber bald gewann ein Gedanke, den er bisher mit aller Mühe zu verscheuchen gesucht hatte, alle anderen zu verdrängen. — Der Gedanke an Irene. — Simon wußte es jetzt, daß es Sünde wäre, an sie zu denken Hatte er doch geschworen, den Kampf gegen die Götzendiener mit allen seinen Kräften zu führen, und Irene war ja eine Götzendienerin, die ihn selbst zur Anbetung der Götzen verführen wollte. Hatte sie ihm doch von den Göttern und Göttinnen erzählt, deren Bilder von Marmor und Erz, von Gold und Elfenbein ihre Tempel zierten. Aber, hatte sie ihn nicht auch aus dem Gefängniß befreien wölken, hatte sie ihm nicht zur Flucht verholfen, hatte .r sich nicht, wenn er mit ihr sprach, ihren Biefang hörte, glücklicher gefühlt als je in seinem Leben; und konnte er glücklich sein, wenn er sie nicht mehr sehen, nicht mehr ihre Stimme hören, ja nicht mehr an sie denken durfte? Da kam ihm ein glücklicher Gedanke: Sein Großvarer hatte ihm oft gesagt, daß nach der Ankunft des Messias nur die verstockten boshaften Heiden ausgerottet, die Guten aber sich bekehren würden. „Und Irene," sagte er sich, „ist ja eine der Besten unter den Heiden, und ihr Vater, der so viele Juden heilte, ist gewiß auch ein guter Mann. Sie werden sich zum Judenthum bekehren, sobald der Messias in seiner Herrlichkeit erscheinen wird, und dann wird es keine Sünde mehr sein mit ihr zu verkehren." Mit dieser beruhigenden und beglückenden Ueberzeugung schlief Simon ein. 7. Als Simon am nächsten Morgen erwachte, fand er die anderen Bewohner der Höhle schon wach und in größter Aufregung. Er sprang von seinem Lager auf und fragte was vorgefallen sei; aber man wollte ihm keine Antwort geben. Wo er zu einer Gruppe hinzutrat, verstummte das eben noch so laut geführte Gespräch und man sah ihn mit bedauernden Blicken an. Endlich ward er vor den Anführer gerufen, und dicker sagte ihm: „Simon mein Sohn! Mein Kundschafter hat eine traurige Nachricht ans Hebron gebracht. Der Oberste der römischen Soldaten möge sein Gebein verdorren, hat die Vorsteher der Gemeinde und deinen Großvater Jonathan in's Gefängniß werfen kaffen, und droht sie alle an's Kreuz schlagen zu lassen, wenn ihm nicht binnen acht Tagen der Mörder des Centurio ausgeliefert wird." Laut aufstöhnend verhüllte Simon sein Gesicht und schrie: „O, mein Gott, was für ein Unglück habe ich über die heilige Gemeinde gebracht." Dann aber, sich fassend, setzte er hinzu: „Erlaube Herr, daß ich nach Hebron zurückkehre und mich dem römischen Obersten überliefere, um das Leben der frommen Männer zu retten." Abraham saun eine Weile nach, dann sagte er: „Du hast Recht, es ist besser, daß Einer sterbe, der gesündigt, als vier fromme Männer. Aber Du hast ja noch sieben Tage Zeit, warte bis diese um sind: Vielleicht gibt der Herr früher seinen Knechten ein Zeichen, daß die Zeit gekommen ist über die Heiden herzufallen; dann gehen wir zuerst nach Hebron und befreien die Gefangenen." „Aber wie kann ich es hier so lange ruhig aushalten, wenn me»n Großvater in Lebensgefahr ist. Und wenn der böse Römer sich anders besinnt und die Geißeln früher kreuzigen läßt?" „Sei ruhig", antwortete Abraham, die Römer sind wohl böse, gottlose Menschen, sie thun aber nichts übereilt, und halten was sie versprechen. Und dann — Du hast zu gehorchen geschworen, gehorche!" Simon blieb nun nichts übrig, als sich mit Geduld zu wappnen. Es war eine schreckliche Woche, die er voll Angst verbrachte, immer auf Nachrichten von Hebron wartend und Schreckliches zu hören fürchtend. Aber es kamen keine Nachrichten oder Ulan hielt sie vor ihm geheim. Es trafen zwar oft Boten ein, die mit Abraham allerlei verhandelten: aber er theilte Niemanden mit woher sie kamen nockrwas sie berichteten. Endlich erschien der siebente Tag, nnd Abraham ließ Simon in aller Frühe vor sich rufen. „Es ist noch nicht der Wille Gottes und seines Gesandten, daß wir aufbrechen", sagte er ihm. „Bis heute Nacht kann vielleicht noch ein Befehl kommen, aber ich darf Dich nicht länger aufhalten. Zwei von uns werden Dich durch den Wald bis zur Heerstraße geleiten, von dort kommst Du in zwei Stunden nach Hebron. Sei muthig und vertraue auf Gott, für dessen heiligen Stamm Du mit Deinem -Tode Zeugniß ablegen sollst. Wenn Dich die Römer foltern werden, so verrathe mit keinem Worte wo Du gewesen bist und was Du gesehen und gehört hast. In der größten Qual rufe nur: Höre Israel unser Gott ist ein einziger Got! und auf ihn vetraue. Gedenke, wie er den heiligen Propheten Daniel aus der Löwengrube gerettet hat und die drei Jünglinge aus dem feurigen Ofen. So kann Er auch Dich retten, wenn er will, ob auch alle Legionen der Römer gegen Dich sein sollten." (Fortsetzung folgt.) * Kiteratur. Antifemilrufpiegel Soeben ist im Berlage von A. W. Kafemann in Danzig die zweite Lieferung des „A n t i s e m i t e n sp i e g e l" erschienen. Der Gedanke, die gehäffigen Angriffe und Verleumdungen gegen das Judenthum in einer povulären, periodisch erscheinenden Flugschrift nach dem Muster der deutschen Volksbücher zu beleuchten und zurückzuweisen, hat sich, wie der Erfolg der ersten Lieferung des „Antisemitenspiegel" beweist, als ein sehr glücklicher erwiesen. Das neue Heft enthält eine Fülle von wirksamem Material gegen den Antisemitismus, das in folgende Capitel zusammengefaßt ist: 1. Die neueste Stattstik über den Antheil der Juden am Verbrechen. 2. Die dunklen Pläne des Juden Montefiore. 3. Die Autoritäten der Antisemiten. 4. Die Antisemiten und die Schule. 5. Die Antisemiten und das Chriftenthum. 6. Die Juden als Handwerker und Ackerbauer. — Das Heftchen ist um den Preis von 12 kr. in allen Buchhandlungen zu haben. Briefkasten. M. Sch & Go Srünr» Abonnementsbetrag bis K>. August d. I. dankend erhalten. Comptoirist, ledig, mit langjährigen Zeugniffen, sucht Posten: würde auch stundenweise Bücher führen oder eine Kanzlistenstelle übernehmen. W. Saget Ottakring. Laudonaaffe Nr. 7, Thür 2.

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