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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 170

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 170 (sequence 16)
Language
German
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Gerte 170 Hesterreichische Wochenschrift Nr 9 Verblichenen, sowie dessen Bedeutung als jüdischer Gelehrter. Bau hier aus bewegte sich der imposante Zug nach dem FriAhofe, woselbst noch ans offenen Grabe Herr Alois Wertheimer im Namen der Cultusgemeinde und der älteste Sohn des ehrwürdigen Priesters ergreifende Abschiedsreden hielten. 8t. KermLAMesiec, am 17. Februar 1891. Nachdem der hiesige Predigerstuhl durch sgst 20 Jahre verwaist war, feiert heute die hiesige Cultusgemeinde den Einzug ihres erwählten Rabbiners, des Herrn Dr. N. Kronberg aus Breslau. Der gesammte Cultusvorstand hat sich auf dem hiesigen Bahnhofe eingefunden — Herr Cultusvorsteher Josef Rix ist mit einem Borstandsmitgtiede dem Erwarteten nach Pardubitz entgegengefahren — um den Herrn Rabbiner sammt dessen Gemahlin zu begrüßen nnd sie zu ihrer Wohnung zu begleiten. Bor dem Tempel hatte sich bereits der hiesige Stadlrath mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze sowie sämmtliche Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde eingesimden und erwarteten unter der errichteten Ehrenpforte, die mit dem Willkommengruß % cttTÜ N2H geziert war, die Ankunst des neuen Seelsorgers. Um 3 Uhr holte der gesammte Cultusvorstand den Herrn Rabbiner in dessen Wohnung ab und führte denselben zum Tempel. Durch ein von der Schuljugend gebildetes Spalier vor der Ehrenpforte angelangt, überreichte daselbst eine Schülerin d"m Herrn Rabbiner einen Blumenstrauß und richtete an denselben einen Empfangsgruß der hiesigen Schuljugend. Vor dem Eingänge in den Tempel übergab Herr Tempelvorsteher Jonas Goldmann dem Gefeierten den Schlüssel zur Bundeslade mit einer würdigen Ansprache und nun zog der Herr Rabbiner unter den Klängen „Ma Towoh" in das Go teshaus ein. Nach abgehaltenem Mincha-®e&ete bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel, um in beredten Worten die Bedeutung des so verantwortungsvollen Postens eines Rabbiners zu erläutern. Hierauf verrichtete derselbe vor offener Bundeslade das Kaisergebet. P. ^erlitt, 16. Februar. Bei Berathung über die Arbeiterschutzvorlage in der Reichsrathssitzung vom 14. d M. und zwar bei Besprechung der Paragraphen über die Sonntagsruhe provocir te der C^utrumSmann B i e h l eine kleine „Judendebatte". Herr Bebel machte nämlich unter anderem die Bemerkung: „Das Centrum sollte doch de» Bibelspruch beherzigen: sechs Tage sollst du arbeiten, am siebenten ruhen. Die Herren sollten sich das Beispiel der orthodoxen Ju.cn vor Augen führen, welche am Sonnabend den ganzen Tag schließen, obwohl sie auch am Sonntag ihre Läden nickt lange öffnen." Darauf replicirte Herr B i e h l: „Wenn der Abgeordnete Bebel uus die Juden als Beispiel hinstellt, so ist zu bemerken, daß die orthodoxen Juden den Grundsatz haben, am Sonnabend nur Geld ein zustreichen und nur keine Quittung auszu stellen und wir ihnen das marktschreierische und unsolide Geschäftstreiben nicht nachahmen dürfen." Dies gab Berauloffung zu einer erregten Debatte. Zunächst sprach der deutschfreifivnige Abgeordnete Dr. Krause sein Bedauern darüber <m£, daß der Abgeordnete B i e h l die Gelegenheit benutzt habe, eine dru coufessionellen Frieden störende Bemerkung zu machen. Sodann nahm Herr Bebel wieder das Wort Er sagte : .,.Dagegen het Herr B i e h l Beraulaffung zu einem Ausfall gegen die Jude» genommen, zu welchem ihm meine Bemerkung keinen Anlaß gab. Gegen die Bezeichnung der Juden als „n usolide und marktschreierische Leute" muß ich entschieden Verwahrung eiulege». Unzweifelhaft gibt es unsolide uiarkrschreieiische jüdische Geschäftsleute, aber ebenso unzweifelhaft gibt es solche unier den sogeuanuten Christen. (Sehr richtig! links.) Herr Biehl braucht unter seine« eigenen Parteigeooffeu gar nicht weit zu suchen, besonders unter feinen Parteifreunden in München, um Personen zu finden, die in Be,<ng auf Marktschreier« und Schwindel den Juden nichts nachgeben, w nu sie sich auch gute Katholiken nennen." Herr Biehl suchte sodann sich zu entschuldigen, indem er sagte: „Nicht ich habe angefangen, cousefsiiuelle Gegensätze in die Debatte zu werfen, sondern Herr Bebel. Ich habe die Juden auch nicht verächtlich zu machen gesucht, sondern mich dagegen gewehrt, daß sie den Christen als Muster hingest.llt werden " Aus Kesten (Das Ministerium über den israelitischen Religionsunterricht) Das großherzogliche Ministerium des Innern nnd der Justiz hat ein bemerkenswerthes Ausschreiben an die Kreisämter erlassen. Es heißt dann: „Nach vielfachen MittheiluriZen scheint es, daß die Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichts sehr im Argen liegt. An manchen Orten, wo die israelitischen Gemeinden nur aus wenig Gliedern bestehen, fällt der Religionsunterricht wegen Mangel an Mitteln zur Besoldung eines Lehrers vollständig aus, an anderen hat man denselben an Persönlichkeiten übertragen, welche nur höchst unvollkommen oder auch gar nicht die zur Ertheilung desselben erforderliche Befähigung besitzen linb nur in verhättnißmäßig wenigen größeren israelitischen Cultusgemeinden liegt dieser so höchst wichtige Unterricht in der Hand von Männern, welche nach Bildungsgang, Befähigung und Charakter für eine zweckmäßige und erfolgreiche Ertheilung desselben volle Gewähr bieten. Zwecks der Aenderung ordnet das Ministerium an, daß die bestehenden Zustände für die einzelnen Kreise (nach Maßgabe einer Tabelle) ermittelt und eingerichtet werden; für die Ertheilung des Unterrichts wird in der Folge nur solchen Personen Erlaubniß ertheilt. welche sich bei dem Kreisamt über ihre Befähigung und bisherige Führung vollständig auszumeisen vermögen. Wo trotz des Vorhandenseins schulpflichtiger Kinder der israelitische Religionsunterricht eingestellt wurde, wird die Wiedereröffnung nachdrücklich gefordert. Ferner wird empfohlen, daß sich kleinere Gemeinden, welche für sich die Mittel zur Gewinnung und Erhaltung einer tüchtigen Lehrkraft nicht aufzubringen vermögen, mit einander zu einem Schulverbande oder wenigstens zur gemeinsamen Aufbringung des Gehalts für einen befähigten Lehrer vereinen, der dann gewissermaßen als Wanderlehrer an den Wochentagen in den verschiedenen Gemeinden den Unterricht ertheilen soll. London. Der Wiener Correspondent des „Standard'' berichtet Folgendes: Ein instrnctives Beispiel russischer Justizverwaltung, soweit es die Juden betrifft, ist hier bekannt geworden. Man wird sich erinnern, daß vor etwa zwei Monaten ein russischer Arzt Namens Dr. Granovski an einem jüdischen Knaben von 14 Jahren ein grausames Attentat verübte. Der Bursche wurde ergriffen beim Diebstahle von Erdbeeren in dem Garten des Doctors. Zur Strafe dafür hatte ihm derselbe das Wort „Dieb" auf dem Gesichte in russischer, deutscher und hebräischer Sprache eingebrannt. Der Fall ist in der ganzen civilisirten Welt bekannt. Es ist auch bekannt, daß eine Untersuchung eingeleitet wurde, während welcher der Doctor erklärte, daß der Knabe seine siebenjährige Tochter dadurch getödtet habe, daß er Steine auf sie warf, wogegen der Leichenbefund ergab, daß das Kind in Folge Auszehrung gestorben war. Jetzt kommt aber das echt russische Nachspiel der Sache. Der Rabbiner M arkus und ein jüdischer Arzt Namens Chasanovitz richteten eine Petition an das Ministerium in St. Petersburg im Namen der ganzen jüdischen Gemeinde und verlangten Bestrafung für die grausame Entstellung des Knaben. Das Resultat war, daß sie vor etwa zwei Tagen, auf Anordnung des Gouverneurs von Grodno, von der Polizei in Haft genommen wurden. Sie wurden nunmehr als Agitatoren aus ihrem Heim und der ganzen Provinz auf zwei Jahre verbannt. Der Knabe trägt nun allerdings noch immer das Brandmal „Dieb" in drei Sprachen auf seinem Gesichte. Waris. Das Judenthum in Frankreich hat eine seiner hervorragendsten Zierden durch den Tod verloren. Der Senator L i s b o n n e, Präsident des Generalrathes von Herault, ist nach kurzer Krankheit im Alter von 63 Jahren gestorben. Eugene L i s b o n n e, geboren zu Nyons (Dröme),

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